Michèle Minelli

 4.1 Sterne bei 14 Bewertungen
Autorin von Die Verlorene, Die Ruhelosen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Michèle Minelli

Michèle Minelli, 1968 in Zürich geboren, veröffentlichte mehrere Sachbücher, u. a. über das Asylland Schweiz, eine Reisereportage und den Roman „Adeline, grün und blau“ (2009). Außerdem drehte sie Dokumentarfilme und arbeitet als Dozentin für kreatives Schreiben in Zürich. Für ihr Schaffen wurde sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Neue Bücher

Der Garten der anderen
Neu erschienen am 30.08.2018 als Buch bei Salis Verlag.
Passiert es heute? Passiert es jetzt?
Neu erschienen am 30.07.2018 als Hardcover bei Jungbrunnen.

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Michèle MinelliDie Verlorene
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Die Verlorene
Die Verlorene
 (5)
Erschienen am 01.04.2015
Michèle MinelliDie Ruhelosen
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Die Ruhelosen
Die Ruhelosen
 (5)
Erschienen am 09.09.2013
Michèle MinelliWassergrab
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Wassergrab
Wassergrab
 (3)
Erschienen am 13.02.2015
Michèle MinelliAdeline, grün und blau
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Adeline, grün und blau
Adeline, grün und blau
 (1)
Erschienen am 20.04.2009
Michèle MinelliPassiert es heute? Passiert es jetzt?
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Passiert es heute? Passiert es jetzt?
Passiert es heute? Passiert es jetzt?
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Erschienen am 30.07.2018
Michèle MinelliDer Garten der anderen
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Der Garten der anderen
Der Garten der anderen
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Erschienen am 30.08.2018
Michèle MinelliTabuthema Abtreibung
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Tabuthema Abtreibung
Michèle MinelliEndstation Schulausschluss?
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Endstation Schulausschluss?
Endstation Schulausschluss?
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Erschienen am 01.03.2003

Neue Rezensionen zu Michèle Minelli

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serendipity3012s avatar

Rezension zu "Die Verlorene" von Michèle Minelli

Häftling Nr. 192
serendipity3012vor 3 Jahren

Häftling Nr. 192

Um 1900. Im Privatrechtlichen Gesetzbuch für den Kanton Turgau, erster Band, Personen- und Familienrecht steht zum Umgang mit unehelichen Kindern:

„… dass eine Weibsperson, welche außerehelich geschwängert wurde, berechtigt sei, ihren Schwängerer wegen Vaterschaft zu belangen, dass sie dies aber nur während der Schwangerschaft machen kann und zwar in der Regel beim Pfarramte…“ S. 222

Es ist ein eingeschränktes Recht, dem gleich mehrere Ausnahmen nachgeschoben werden: Ein unter Sechzehnjähriger könne nicht belangt werden, ein verheirateter Mann ebenso wenig – schließlich sei die Ehe auf jeden Fall zu schützen und nicht durch die Ansprüche der anderen Frau dem Risiko ausgesetzt werden, aus dem Gleichgewicht zu geraten. Weitere Ausnahmen besagen, dass die Geschwängerte noch nicht unehelich geboren haben darf und dass nicht sie es gewesen sein darf, die den Kindesvater verführt hat.

Frieda Keller aber hat nicht etwa ihren Arbeitgeber verführt, er war es, der die bei ihm angestellte Kellnerin zum Beischlaf zwang. Das Ergebnis ist eine geächtete Frau, die fortan in Schande leben muss, die vom Kindesvater keine Unterstützung erwarten darf und schließlich, nach einigen Jahren, in denen der Sohn in einer „Kinderverwahranstalt“ gelebt hat und in denen sie kaum das Geld aufbringen konnte, das sie für seine Unterbringung zu zahlen hat, bis zum Äußersten geht: Sie tötet ihren eigenen Sohn.

„Die Verlorene“, so lautet der Titel des neuen Romans von Michèle Minelli, und verloren ist Frieda ab dem Moment, in dem der Dienstherr die Tür hinter ihnen beiden abschließt. Der Roman zeichnet ihren Weg nach: Der Vater verstößt Frieda, die Mutter ist ihr zwar eine Stütze, stirbt aber früh. Die Schwestern sind nicht greifbar, Frieda erwähnt den Sohn und ihre Überforderung mit der Situation nicht, niemandem gegenüber.

Der Prozess wird durch die vielen Dokumente, die der Autorin zugänglich gemacht wurden, durch die Briefe, Gerichtsakten und Zeitungsartikel, die im Roman originalgetreu wiedergegeben werden, authentisch nachgezeichnet. Dabei muss sich der Leser sein Urteil stets selbst bilden. Kurz und knapp, oft nüchtern ist Minellis Sprache, die meist nur wiedergibt, statt zu werten. Es sind die Dokumente einerseits und die Meinungen, die Verurteilungen durch diese stark männlich geprägte Schweizer Welt, in der sich all das abspielt, andererseits.

Es gibt sie zwar, diejenigen, die Friedas Ausweglosigkeit erkennen und anprangern:

„Die öffentliche Meinung wird zu einem harten Urteil über die Täterin bereit sein; möge sie auch die mildernden Momente nicht ganz übersehen, die bei Müttern unehelich Geborner fast immer in die Waagschale fallen – die Straflosigkeit dessen, der sie unglücklich gemacht hat, ohne selber dafür bestraft zu werden, weder vom Richter noch von der Gesellschaft." S. 213

Noch ist diese Gesellschaft aber für ein Umdenken nicht reif, und eine Frau, die ein Kind umgebracht hat, verdient die höchste Strafe. Die Todesstrafe ist dies zunächst, die dann aber in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt wird.

„'Ich nehme Ihnen heute Ihren Namen, Frieda Keller, ab. Ihr seid von nun an Nummer einhundertzweiundneunzig. Für den Rest Eures jammervollen Lebens und bis zum Jüngsten Tag.'“ S. 299

Das Leben im Gefängnis, lange Zeit in völliger Isolation, setzt Frieda arg zu, letztendlich wird sie sich von diesen Jahren niemals mehr vollständig erholen. Friedas Tat wird nicht relativiert; welche Strafe gerecht gewesen wäre, darauf gibt der Roman keine Antwort. Er widmet sich ganz seiner Protagonistin und der Ausweglosigkeit, in die sie geriet und der fatalen Antwort, die sie auf diese fand. Frieda Kellers Leben war in dem Moment beendet, in dem sie Ernstli aus dem Kinderheim abholte – er konnte dort nicht länger bleiben und sie musste eine andere Unterkunft für ihn finden – und mit ihm in den Wald ging.

„'Ja, dass man das tote Kind gefunden hat, las ich letzte Woche in der Zeitung. Niemand wusste von meinem Verbrechen. Meine Schwester und mein Schwager hatten keine Ahnung.'
Sie schweigt. Die Luft kommt, sie sagt: 'In letzter Zeit waren mir Angst und Reue besonders schwer. Ich fürchtete mich vor Entdeckung, hatte aber nicht die Absicht, mich zu entfernen.'
Das ist’s, was sie sagt.
Und nun ist’s gesagt.
Und so sagt sie nichts mehr, und keiner fragt.“
S. 211

„Die Verlorene“ ist, das dürfte nicht verwundern, ein bedrückendes Buch voller Trauer und oft auch voller Hoffnungslosigkeit. Voller Ungerechtigkeit. Leicht liest sich das nicht, der Roman ist aber sehr eindringlich und durch die Akten und Briefe und auch die der damaligen nachempfundenen Sprache sehr authentisch. An einigen Stellen hätte man gern etwas straffen, einige Wiederholungen etwa der teils sehr ähnlichen Zeitdokumente, weglassen können. Es schafft, dieses Buch. Man wird es so leicht nicht vergessen.

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urworts avatar

Rezension zu "Die Ruhelosen" von Michèle Minelli

Naja...
urwortvor 5 Jahren

Eine opulente Familienchronik erstreckt sich über 150 Jahre und umfasst drei Familien, dessen Wurzeln ihrer acht Generationen sich über mehrere Länder verzweigen.
Der Stammbaum am Ende des Buches ist eine große Hilfe zur Orientierung und Koordinierung der zahlreichen Charaktere, die kommen und gehen, wie es ihnen beliebt.
Den Bogen zur Gegenwart übernimmt Aude, die der sechsten Generation entspringt. Erst gen Ende beschäftigt sich die Lektüre mit ihren Nachforschungen ihrer Familiengeschichte.

„In seinem Kopf waren die Gedanken zu einer wilden Jagd aufgebrochen, die er in ein Stillleben versuchte zu verwandeln, in etwas, das Sinn ergab.“

Als wäre dies der Leitspruch des Buches. Die drei Familien ziehen von Generation zu Generation „wie Zugvögel“ durch die Zeit und durch die Länder, bis sie sich unabhängig voneinander – zufällig – an verschiedenen Orten in der Schweiz niederlassen.
Die leichte Lektüre ist durchtränkt von Beziehungen hier und Streitigkeiten dort: zwischen Mann und Frau, Eheleuten und Kindern, alle gegen jeden. Neid, Wollust, Unzucht. Perückenmacher, Musiker, Kaufleute. Und vieles mehr. Es treten sehr, sehr viele Charaktere auf. Und in dieser großen Masse kann niemand recht begeistern. Wichtige politische Ereignisse der Zeit finden auf engem Raum Platz, während gepuderte Frauen einen ganzen Saal mit ihren Perücken einnehmen dürfen.

„Sie in ihrem weißen Tüllkleid mit der taubengrauen Schlaufe unter der Brust und dem himmelblauen Blütenkranz, der sich durch ihr Haar zog, und die runde Sonne am Himmel oben, die dieses Glück mit heißen, gleißenden Strahlen guthieß.“

Die Kapitel sind kurz und nichtssagend, nehmen an anderer Stelle wieder ihre Fährte auf, doch der Leser tappt etwas im Dunkeln, da bei all den vielen, barockschmucken Aufzählungen von den Farben und Formen der Puderdöschen, Spangen und dem Interieur das Wesentliche verschwimmt.
Die Sprache ist poetisch, beschwingt, leicht, gefällt auf den ersten Blick – keine Frage – doch leider ist es nur die Hülle, die glänzt.

Die Autorin Michèle Minelli erzählt zum Teil autobiographisch, stellte Recherchen an, in welchen sie durch Europa reiste, Andenken sammelte, Interviews führte und sich davon inspirieren ließ. Man möchte fast Erbarmen haben bei all den vielen Nachforschungen – auch beim Anblick der wenigen, aber durchaus positiven Rezensionen...
Doch ich spreche ja wie immer nur von mir. Denn das Cover passt zur Geschichte, es ist eben ein Frauenschmöker. Ohne Anspruch. Habe gehört, manche mögen das. 

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D

Rezension zu "Die Ruhelosen" von Michèle Minelli

Rezension zu "Die Ruhelosen" von Michèle Minelli
Delphinevor 6 Jahren

Hier meine Rezension auf Französisch: http://www.goethe.de/ins/fr/bor/prj/lit/112/aad/min/frindex.htm

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Gespräche aus der Community

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RaphaelZehnders avatar
RaphaelZehnder

3. Zürcher Kriminalnacht im "Theater Rigiblick" in Zürich, Fr/Sa, 8.9. Mai 2015, 20:00 Uhr


Delikte gegen Leib und Leben

Das Tatmuster der Zürcher Kriminalnacht: «Tatort»-Schauspielerinnen und –Schauspieler lesen aus Kriminalromanen mit Schauplatz Zürich. Das Motiv: Spannung und Schrecken verbreiten – und einen – pardon – Schuss Humor.

Zum dritten Mal senkt sich mit der Dunkelheit das Verbrechen auf das Theater Rigiblick herab und schon jetzt schwant uns: Selbst hoch über der Stadt sind wir nicht sicher vor den Taten, Worten und Werken der Gesetzlosen. Wir hören von einer Leiche im Abwasserkanal. Ratten haben sie angefressen. Wir erfahren vom CEO einer Werbeagentur im Seefeld, der tot auf den Gugelhopf fürs Motivationshappening stürzt. Wir vernehmen, dass im Milieu eine junge Marokkanerin einem Verbrechen zum Opfer fällt. Und dass im Baur au Lac ein Täter eine Prostituierte ermordet.

Sind das Einzeltaten? Ein Serientäter am Werk? Ist es Mord oder Totschlag?
Blut fliesst, viel Blut. Zum Glück handelt es sich um Kunstblut, nehmen wir an, um Fiktion, um Erfindung. Wirklich?

An der 3. Zürcher Kriminalnacht hören Sie Texte der Krimiautorinnen Monika Mansour («Liebe, Sünde, Tod») und Michèle Minelli («Wassergrab») und der Krimiautoren Severin Schwendener («Schach & Matt») und Raphael Zehnder («Müller und der Mann mit Schnauz»). No Rest For The Wicked! Seien Sie wachsam.

Es lesen: Thomas Sarbacher, Delia Mayer und Daniel Rohr. Daniel Rohr verhört die Autorinnen und Autoren.

Ken Mallor am Klavier spielt "blutige Songs", gesungen von Delia Mayer und Daniel Rohr.


http://www.theater-rigiblick.ch/spielplan/projekt/3-zuercher-kriminalnacht-delikte-gegen-leib-und-leben



Zum Thema

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