Mich Vraa Die Hoffnung

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Inhaltsangabe zu „Die Hoffnung“ von Mich Vraa

1803 geht die junge Kapitänstochter Maria in Kopenhagen an Bord der Hoffnung, eines ehemaligen Sklavenschiffs. Aus einer kurzen Vergnügungsfahrt wird eine abenteuerliche Reise Richtung Westindien, als Maria entdeckt, dass trotz des Verbots durch den dänischen König der Menschenhandel immer noch floriert und ihr geliebter Vater darin verstrickt ist. Zwanzig Jahre später landet der Humanist Mikkel Eide auf Sankt Thomas, um ein Traktat gegen die Sklaverei zu verfassen. In der dänischen Kolonie werden seine idealistischen Vorstellungen mit der Realität konfrontiert. Warum ist es so schwierig, ein guter Mensch zu bleiben, sich nicht mitschuldig zu machen? Ein ergreifender Roman über Idealisten und Zyniker, eine unmögliche Liebe und die Abgründe der menschlichen Seele.

Leider rassistisch.

— jamal_tuschick

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  • Drastische Abrechnung mit der Sklaverei

    Die Hoffnung

    glasfisch

    23. November 2017 um 19:08

    In Mich Vraas historischem Roman 'Die Hoffnung' (Name eines Sklavenschiffs) lernt der Leser staunend, dass auch Dänemark Kolonien in der Karibik besaß, nämlich die Inseln St. Thomas and Saint Croix, wo heute große Kreuzfahrtschiffe anlegen, und dort lukrative Zurckerrohrplantagen betrieb, deren Wohlstand auf Sklavenarbeit basierte. Auch dänische Schiffe fuhren die berüchtigte Dreiecksroute: von Dänemark nach Guinea beladen mit Waffen und Schnaps, womit in Afrika die Stammeskriege in Gang gehalten wurden, die Kriegsgefangene zu Sklaven machten, von Guinea in die Karibik mit einem Zwischendeck voller schwarzer Sklaven, von denen kaum 50% die elende Fahrt überlebten, von St. Croix zurück nach Dänemark beladen mit wertvollem Zucker. Selbst nach dem königlichen Verbot von Sklaventransporten fuhren die nun illegalen Sklavenschiffe weiter. Eine der Hauptfiguren des Romans, der idealistische, etwas naive Humanist Mikkel Eide, segelt 1824 nach St. Thomas, um einen Bericht über die erbärmlichen Lebensumstände der schwarzen Sklaven dort zu schreiben und sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft einzusetzen, die im Gegensatz zu den Sklaventransporten legal ist. Eide erlebt Gewalt, Brutalität, Menschenjagd, Zynismus. Aus anderer Perspektive wird ein Sklaventranport von Afrika zu den Westindischen Inseln geschildert, ebenfalls mit drastischen Bildern. Der Autor schildert subtil, was unbegrenzte Macht ohne Furcht vor Strafe selbst aus wohlmeinenden Menschen macht: dem Arzt, der heilen und helfen wollte, selbst dem Humanisten, der sekundenlang versucht ist, eine Sklavin zu vergewaltigen, die ihm gefällt. Mich Vraa verwendet die Begriffe 'Neger' und 'Mulatte' im historischen Zusammenhang. 1788 sprachen Plantagenbesitzer, Sklavenhändler und auch Abolitionisten so, selbst Martin Luther King sprach in seiner berühmten 'I have a dream' Rede noch von Negroes. Es wäre künstlich, um nicht zu sagen komisch, wenn ein weißer Plantagenbesitzer von 1788 einen Sklaven, den er gerade fast zu Tode foltern lässt,  mit heutigem politisch korrekten Vokabular anspräche. Mich Vraas Mitgefühl und Sympathie gilt uneingeschränkt den hoffnungslosen schwarzen Leibeigenen. Ein spannendes Buch, aus Briefen und Tagebucheinträgen zusammengesetzt. Etliche drastische Schilderungen von Gewalt, die sicher der Wirklichkeit des hoffnungslosen Sklavenlebens um 1788-1824 entsprachen. Ein Lob auch dem Übersetzer!

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  • Monotoner Froschgesang

    Die Hoffnung

    jamal_tuschick

    06. October 2017 um 11:13

    Afi ist schön und klug. Ihr Herr händigt die Haussklavin einem Abolitionisten aus, um zu sehen, was passiert. Afi wirkt naturgemäß aufreizend. Dazu kommt die Macht aus weißen Vorrechten als berauschender Faktor. „Während ich sie betrachtete, ging mir ein merkwürdiger Gedanke durch den Kopf. Gehörte sie jetzt mir?“ *Die Spanier gaben ihren neuweltlichen „Entdeckungen“ bombastische Namen. Ihnen voran ging der Genuese Kolumbus. Den größten Landflecken einer Inselgruppe der Kleinen Antillen nannte er 1493 Santa Ursula y las Once Mil Vírgenes. Die Conquista unterbrach die Verdrängung der ursprünglichen Bevölkerung durch eingewanderte Kariben. Sie vernichtete die Indigenen mit Arbeit und ersetzte die Verluste mit afrikanischen Sklaven. Das größte Verbrechen des Jahrtausends lässt uns ruhig schlafen, es ist die Grundlage unseres Wohlstands und unseres geräumigen Seelenfriedens. Um es wieder einmal mit Heiner Müller zu sagen: Der Skandal des Holocausts besteht darin, dass er in Europa stattfand. Die Jungferninseln boten sich im 16. Jahrhundert als Piratennester an. Sie waren Dänemarks Platz an der Sonne, wie Bismarck die überseeischen Besitzungen der alten Reiche nannte.In Dänisch-Westindien spielt der Briefroman „Die Hoffnung“ von Mich Vraa. „Hoffnung“ heißt ein dänisches Sklavenschiff, das anderen Zwecken zugeführt werden soll: nach dem Willen des Königs von Dänemark und Norwegen, der nach einer Frist von elf Jahren 1803 den Sklavenhandel auf eine Liste verbotener Beschäftigungen setzt.Man müsse jedem Menschen und sei er noch so schwarz einen Funken Hoffnung lassen, um ihn am Leben zu halten. So steht es geschrieben ganz am Anfang. Ich kann mir die schmerbäuchige Schläue eines Kapitäns sehr gut vorstellen, der den Wert seiner Fracht mit einfachsten Mittel zu erhalten bestrebt ist. Die Afrikanerinnen überlässt er der Mannschaft. Wo der erzwungene Beischlaf zu Schwangerschaften führt, steigt der Gewinn. Die vergewaltigten Frauen bringen eine Zwischenklasse zur Welt, die zu den Kolonien gehört wie der Rum. Leider verwendet der Autor ungefiltert das abwertende Herrschaftsvokabular und folgt damit einem Trend. Man sagt jetzt wieder „Neger“ und „Mulatte“, weil man so progressiv ist. Stichwort Linksrassismus. Aber sonst alles mit Sternchen und Unterstrich wegen der linguistischen Emanzipation und der Gender Avantgarde. Vraa behauptet im Nachwort, er habe mit seiner Wortwahl die Epoche des Romangeschehens heraufbeschworen. Das stimmt nicht. Der Autor verfügt über den allergegenwärtigsten Ikeastil. Das ist reine Leichtbauweise. Die Tochter des Reeders reist 1803 halbwegs als Gefangene auf der „Hoffnung“ von Kopenhagen via Calais und Christiansborg an der Küste des Golfs von Guinea nach Dansk Vestindien. Maria existiert mit einer ethnischen Differenz zur dänischen Mehrheitsgesellschaft. Unterworfen ist sie Kapitän Wilfred Bernt, der weiter Afrikaner in die Karibik verschleppt. Maria schildert eine üble Erscheinung. Für Bernt ist Maria nur ein „Mulattenmädchen“. Die Anführungszeichen sind von mir. Maria ist eine gute Beobachterin. Ihr entgeht nicht, wie verstrickt ihr Vater in die Machenschaften der Menschenhändlergilde ist. Sein Reichtum stinkt ihm selbst.Zwanzig Jahre später erreicht der Journalist Mikkel Eide Charlotte Amalie auf St. Thomas. Die Stadt ehrt in ihrem Namen Charlotte Amalie von Hessen-Kassel (1650 – 1714), eine kurhessische Prinzessin, die im Heiratswege zur dänisch-norwegischen Königin wurde. 1665 hatten sich auf der Insel die ersten Dänen festgesetzt. Einig werden mussten sie sich lediglich mit versprengten und zu kurz gekommenen Holländern, die nichts gegen die liberale, Religionsfreiheit gewährende Verstärkung hatten. Die skandinavische Toleranz sorgte schließlich auch dafür, dass man das dänische Kolonialwesen freundlicher fand als andere Regime. Obwohl die Geschichte von dänischen Despoten auf dem Gouverneursstuhl weiß.Zulauf garantierten Sträflinge, die den Siedlerstamm bildeten und auf Zuckerrohr Plantagen wirtschafteten. Eide dokumentiert die Koordinaten einer in jeder Hinsicht verfestigten Sklavenhaltergesellschaft, bemerkt aber auch eine Symphonie von Gerüchen und Düften sowie monotonen Froschgesang.Eide verfolgt eine humanistische Mission. Sein Gastgeber korrumpiert ihn noch nicht mal allmählich. Marcussen fächert die Vorzüge der Vorherrschaft des weißen Mannes auf. Er führt den Idealisten in eine Opiumhöhle mit Bordellfunktion. Er überlässt ihm Afi.Vraa erzählt mit leichter Hand wie ein Operettenkünstler. Er lässt das Personal zu Wort kommen, in diversen Varianten der Verschriftlichung vom Brief, der nie abgeschickt wurde, bis zum Logbucheintrag. So verschränken sich die Ereignisse, so potenzieren sich ihre dramatischen Potentiale.

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