Michael Angele

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Michael AngeleDer letzte Zeitungsleser
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Der letzte Zeitungsleser
Der letzte Zeitungsleser
 (5)
Erschienen am 11.08.2016
Michael AngeleSchirrmacher
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Schirrmacher
Schirrmacher
 (1)
Erschienen am 18.05.2018
Michael AngeleAnkunft Weltende, halb zwölf
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Ankunft Weltende, halb zwölf

Neue Rezensionen zu Michael Angele

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Rezension zu "Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele

"Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele
wortkulissevor 4 Monaten

Michael Angele, heute stellvertretender Chefredakteur des Freitags und leidenschaftlicher Zeitungsleser – er selber spricht von einer Zeitungssucht – schrieb mit "Der letzte Zeitungsleser" einen Essay über eben das: Zeitungen und das Zeitungslesen und zeigt, dass es dabei um viel mehr geht, als um den reinen Informationsgewinn.

Thomas Bernhard war leidenschaftlicher Zeitungsleser und soll für einen Artikel aus der Neuen Züricher Zeitung unglaubliche 350 Kilometer zurückgelegt haben. So besessen wie Bernhard sind wenige Zeitungsleser und dennoch gibt es sie. Menschen, die Zeitungen lesen. Im Café um die Ecke, zum Frühstück am Tisch neben der Ehefrau, auf der Toilette und fremdsprachige im Ausland. Trotzdem sind Zeitungen ein schwindendes Medium. Aber mit ihnen geht nach Angele nicht nur eine Informationsquelle verloren, sondern eine Kulturform – eine Lebensform.

ES GEHT BEIM ZEITUNGSLESEN NIE NUR UM INFORMATIONSGEWINN UND FREIE MEINUNGSBILDUNG, SONDERN AUCH UM STARKE GEFÜHLE. UND DAS RECHT, SICH AUFZUREGEN. – S. 61

Angele durchzieht sein Essay mit zahlreichen biographischen Zügen, wie die anekdotenhaften Stellen über das Leben des Schriftstellers Thomas Bernhard, die zeigen, dass Zeitungen mehr sind, als ein informierendes, heute anachronistisch anmutendes Medium. Da gibt es den Zeitungssammler, der stapelweise Ausgaben und Artikel zu Hause hortet, den Urlaubsleser, der einen ganzen Koffer voll ungelesener Ausgaben des New Yorkers mit in den Urlaub nimmt oder eben Bernhard, der als beinahe schon fanatischer Zeitungsleser einen mehrere hundert Kilometer weiten Weg für einen Artikel zurücklegt.

WEDER IST ES DER VORDERGRÜNDIGE SINN EINER SAMMLUNG VON NEW YORKERN, SIE IM URLAUB NACHZULESEN, NOCH IST ES DER VORDERGRÜNDIGE SINN EINES URLAUBS, DASS MAN IN IHM ALTE NEW YORKER NACHLIEST.
ABER SEINEN SINN HATTE ES EBEN DOCH. – S. 37

Das Büchlein ist eine angenehme Lektüre: schnell zu lesen, scharfzüngig und unterhaltend. Die Zeitungsoptik von außen findet sich auch im Inneren des Buches wider. Der Text ist wie in Zeitungsspalten gehalten, sodass auf einer Seite viel weißer Raum bleibt. Das einzige wirkliche Manko ist in meinen Augen jedoch der Preis: 16€ für ein 160-Seiten-Buch, bei dem die Seiten nur halb bedruckt sind? Den Kauf bereue ich dennoch nicht. Nicht im geringsten. "Der letzte Zeitungsleser" hat mich unterhalten, mich an der einen Stelle zum Schmunzeln und an der anderen zum Nachdenken gebracht. Ein Buch, das ich bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen habe.


"Der letzte Zeitungsleser" ist ein leidenschaftliches Plädoyer eines Zeitungsmenschen für Zeitungen aus knisterndem Papier und Druckerschwärze und für die Traditionen, die Leben und Eigenheiten, die sich um dieses schwindende Medium gesponnen haben. Ich liebe es, Zeitung zu lesen, und das hat mir Angeles kluges Essay erneut vor Augen geführt.


Weitere Rezensionen und Buchtipps von mir findest du auf wortkulisse.net.

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seschats avatar

Rezension zu "Schirrmacher" von Michael Angele

Porträt einer unsteten Persönlichkeit
seschatvor 5 Monaten

Frank Schirrmacher (1959-2014) war ein streitbarer, visionärer wie technikaffiner Journalist und Autor, dessen Stimme heute fehlt.


Mit gerade einmal 34 Jahren wurde er zum Redakteur des Feuilletons der FAZ ernannt und trat damit in die großen Fußstapfen des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Doch Schirrmacher machte vieles anders, wollte revolutionieren, eckte an und trat, wenn es sein musste, auch verbal heftig aus. Er war, so Michael Angele, weiß Gott kein einfacher Zeitgenosse und später als Herausgeber der FAZ mehr "Kindkaiser" und Schelm als nüchterner Berichterstatter. Einerseits provozierte und veröffentlichte er Skandale von Literaten (Martin Walser und Günter Grass) und Politikern (Christian Wulff), andererseits reagierte er auf Kritik an der eigenen Person allergisch. Durch seinen sprunghaften und atemlosen Arbeitsstil konnten ihn Zeitgenossen und Freunde nie wirklich durchschauen. Schirrmacher überraschte und enttäuschte zur gleichen Zeit, war für fast alles begeisterungsfähig und legte stets ein schnelles Tempo vor. 

Das Besondere an Angeles Porträt, das Schirrmachers Werdegang anekdotengleich wiedergibt, sind die Gespräche und Interviews mit ehemaligen Freunden und Kollegen des journalistischen Wunderkinds. Diese offenbaren einen Blick hinter den Machtmenschen, der Unsicherheiten gern laut überspielte und mehr großes Kind als Erwachsener gewesen zu sein scheint. Doch weder durch diese Aussagen Dritter noch durch die Überprüfung unzähliger E-Mails ist es möglich, ein klares Bild, sprich eine hundertprozentige Charakter- und Wesensstudie, Schirrmachers zu erstellen. Deshalb kann sich Angele seinem Protagonisten respektvoll annähern, mehr aber auch nicht. Das Mysterium Schirrmacher ist vielschichtig und noch lang nicht gelöst. Leider kann man ihn nicht mehr selbst dazu befragen. 

Was bleibt?
Ein journalistisch manchmal sperriges Porträt eines unangepassten Zeitgenossen, der zu fast allem eine Meinung hatte und ständig unter Strom stand, für seine Arbeit lebte. 

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twentytwos avatar

Rezension zu "Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele

Der letzte Zeitungsleser
twentytwovor 2 Jahren

Auch wenn man vom Medium Zeitung nicht ganz so besessen ist wie einst Thomas Bernhard und sich möglicherweise hin und wieder sogar dazu versteigt seine Zeitung in digitaler Form zu lesen, wird der wahre Zeitungsleser nie auf sein gedrucktes Exemplar verzichten wollen. Denn Zeitung zu lesen bedeutet wesentlich mehr als sich über das aktuelle Geschehen zu informieren. Im Grunde genommen ist das Lesen einer Zeitung eine heilige Handlung und Zeremonie, die individuellen Ritualen unterworfen ist und durch nichts gestört werden sollte.

Dies zeigt sich schon in dem unverwechselbaren Gebaren, das der Eröffnung des Lesevergnügens vorangeht. Das beginnt beim Einkauf des begehrten Objekts und der Wahl des Ortes an dem man sich dem Lesevergnügen hingeben wird. Genauso wichtig ist, mit welchem Teil der Zeitung der einzelne Leser anfängt und welche Teile er unter Umständen zu ignorieren pflegt.

Fazit
Eine Hommage an ein im Untergehen begriffenes Medium, für das alle kämpfen sollten denen ein unvergleichliches Kulturgut am Herzen liegt, denn das Lesen einer Zeitung bedeutet wesentlich mehr als sich zu informieren.

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