Michael Angele

 4,4 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor*in von Der letzte Zeitungsleser, Ein deutscher Platz und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Michael Angele, geboren 1964, ist ein Schweizer Journalist und Autor. Er studierte an der FU Berlin Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und wurde er mit einer Arbeit über Verschwörungstheorien in der deutschen Literatur der 1920er-Jahre promoviert. Seit 2009 arbeitet er für die Wochenzeitung ›der Freitag‹. 2016 erschien der autobiografische Essay ›Der letzte Zeitungsleser‹, 2018 veröffentlichte Angele eine Biographie von Frank Schirrmacher.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Michael Angele

Cover des Buches Der letzte Zeitungsleser (ISBN: 9783869711287)

Der letzte Zeitungsleser

(7)
Erschienen am 11.08.2016
Cover des Buches Berlin: Stadt der Dichter (ISBN: 9783896601827)

Berlin: Stadt der Dichter

(1)
Erschienen am 13.10.2003
Cover des Buches Ein deutscher Platz (ISBN: 9783423285032)

Ein deutscher Platz

(1)
Erschienen am 11.09.2025
Cover des Buches Schirrmacher (ISBN: 9783351037000)

Schirrmacher

(1)
Erschienen am 18.05.2018
Cover des Buches Schirrmacher: Ein Portrait (ISBN: B077BFCKBV)

Schirrmacher: Ein Portrait

(0)
Erschienen am 18.05.2018

Neue Rezensionen zu Michael Angele

Cover des Buches Ein deutscher Platz (ISBN: 9783423285032)
E

Rezension zu "Ein deutscher Platz" von Michael Angele

Eva_Beimer
spannend

MICHAEL ANGELE: EIN DEUTSCHER PLATZ

Die Ballade vom Stutti | Rotlichtviertel, Wirtschaftswunder, Studentenbewegung – eine süffige Geschichte der alten Bundesrepublik

 

INHALT:

Am Stuttgarter Platz in West-Berlin spielt sich die ganze deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ab: Babylon Berlin, Schwarzmarkt und Fluchtort für die Verlorenen des Krieges, Rotlichtviertel, Keimzelle der Studentenbewegung, in den 80er-Jahren auch Underground.

Michael Angele geht den Geschichten und den schillernden Figuren des Stutti nach und erzählt vom Babalu und den Dreharbeiten der ›Halbstarken‹ mit Karin Baal und Horst Buchholz. Den »Elefant« führte lange der KZ-Überlebende Leo Fischmann und Rainer Langhans zieht in eine große Altbauwohnung ein. An diesem Platz kommen die großen politische und kulturellen Strömungen Deutschlands zusammen: ›Ein deutscher Platz‹ ist eine süffige Geschichte der alten Bundesrepublik.

 

MEINE MEINUNG:

Ein sehr interessantes Buch!

Die Geschichte des Stuttgarter Platzes spiegelt tatsächlich dieses Stück der deutschen Geschichte wieder.

Was ich nicht wusste, obwohl ich um den Jahrtausendwechsel ca. 10 Jahre um die Ecke gewohnt habe. Damals war der Stutti lediglich als Rotlichtviertel bei den Anwohnern bekannt.

Der Autor macht es auch sehr geschickt, in dem er oft von einzelnen Menschen erzählt, was alles viel persönlicher macht.

Ich fand das Buch wirklich spannend und ich habe eine Menge neu erfahren!

Cover des Buches Der letzte Zeitungsleser (ISBN: 9783869711287)
varietys avatar

Rezension zu "Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele

variety
Streiflicht auf die Zeitungsgeschichte

Ja, wenn meine Generation stirbt, stirbt wohl auch die (gedruckte!) zeitungslesende Menschheit aus. Ein wunderbar kleines Büchlein, das mit Hilfe von verschiedenen Epsioden ein Streiflicht auf die Zeitungsgeschichte wirft. Wer kann sich heute schon noch vorstellen, für die neuste Ausgabe einer bestimmten Zeitung mit dem Zug zur nächsten grossen Stadt zu fahren? Stimmt nachdenklich und ist gleichzeitig zum Schwelgen geeignet. Ändert allerdings kaum etwas am ersten Satz dieser Kritik...

Cover des Buches Der letzte Zeitungsleser (ISBN: 9783869711287)

Rezension zu "Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele

Ein LovelyBooks-Nutzer
"Der letzte Zeitungsleser" von Michael Angele

Michael Angele, heute stellvertretender Chefredakteur des Freitags und leidenschaftlicher Zeitungsleser – er selber spricht von einer Zeitungssucht – schrieb mit "Der letzte Zeitungsleser" einen Essay über eben das: Zeitungen und das Zeitungslesen und zeigt, dass es dabei um viel mehr geht, als um den reinen Informationsgewinn.

Thomas Bernhard war leidenschaftlicher Zeitungsleser und soll für einen Artikel aus der Neuen Züricher Zeitung unglaubliche 350 Kilometer zurückgelegt haben. So besessen wie Bernhard sind wenige Zeitungsleser und dennoch gibt es sie. Menschen, die Zeitungen lesen. Im Café um die Ecke, zum Frühstück am Tisch neben der Ehefrau, auf der Toilette und fremdsprachige im Ausland. Trotzdem sind Zeitungen ein schwindendes Medium. Aber mit ihnen geht nach Angele nicht nur eine Informationsquelle verloren, sondern eine Kulturform – eine Lebensform.

ES GEHT BEIM ZEITUNGSLESEN NIE NUR UM INFORMATIONSGEWINN UND FREIE MEINUNGSBILDUNG, SONDERN AUCH UM STARKE GEFÜHLE. UND DAS RECHT, SICH AUFZUREGEN. – S. 61

Angele durchzieht sein Essay mit zahlreichen biographischen Zügen, wie die anekdotenhaften Stellen über das Leben des Schriftstellers Thomas Bernhard, die zeigen, dass Zeitungen mehr sind, als ein informierendes, heute anachronistisch anmutendes Medium. Da gibt es den Zeitungssammler, der stapelweise Ausgaben und Artikel zu Hause hortet, den Urlaubsleser, der einen ganzen Koffer voll ungelesener Ausgaben des New Yorkers mit in den Urlaub nimmt oder eben Bernhard, der als beinahe schon fanatischer Zeitungsleser einen mehrere hundert Kilometer weiten Weg für einen Artikel zurücklegt.

WEDER IST ES DER VORDERGRÜNDIGE SINN EINER SAMMLUNG VON NEW YORKERN, SIE IM URLAUB NACHZULESEN, NOCH IST ES DER VORDERGRÜNDIGE SINN EINES URLAUBS, DASS MAN IN IHM ALTE NEW YORKER NACHLIEST.
ABER SEINEN SINN HATTE ES EBEN DOCH. – S. 37

Das Büchlein ist eine angenehme Lektüre: schnell zu lesen, scharfzüngig und unterhaltend. Die Zeitungsoptik von außen findet sich auch im Inneren des Buches wider. Der Text ist wie in Zeitungsspalten gehalten, sodass auf einer Seite viel weißer Raum bleibt. Das einzige wirkliche Manko ist in meinen Augen jedoch der Preis: 16€ für ein 160-Seiten-Buch, bei dem die Seiten nur halb bedruckt sind? Den Kauf bereue ich dennoch nicht. Nicht im geringsten. "Der letzte Zeitungsleser" hat mich unterhalten, mich an der einen Stelle zum Schmunzeln und an der anderen zum Nachdenken gebracht. Ein Buch, das ich bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen habe.


"Der letzte Zeitungsleser" ist ein leidenschaftliches Plädoyer eines Zeitungsmenschen für Zeitungen aus knisterndem Papier und Druckerschwärze und für die Traditionen, die Leben und Eigenheiten, die sich um dieses schwindende Medium gesponnen haben. Ich liebe es, Zeitung zu lesen, und das hat mir Angeles kluges Essay erneut vor Augen geführt.


Weitere Rezensionen und Buchtipps von mir findest du auf wortkulisse.net.

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