Michael Brenner

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Neue Bücher

Kleine jüdische Geschichte

Erscheint am 03.03.2019 als Taschenbuch bei C.H.Beck.

Der lange Schatten der Revolution

Erscheint am 09.04.2019 als Hardcover bei Jüdischer Verlag.

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Jüdische Kultur in der Weimarer Republik

Jüdische Kultur in der Weimarer Republik

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Erschienen am 01.03.2016
Geschichte des Zionismus

Geschichte des Zionismus

 (2)
Erschienen am 21.07.2016
Israel

Israel

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Erschienen am 28.11.2016
Nachkriegsland. Eine Spurensuche

Nachkriegsland. Eine Spurensuche

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Erschienen am 01.03.2015
'Wenn Du geschrieben hättest, Josephus...'

'Wenn Du geschrieben hättest, Josephus...'

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Erschienen am 21.04.2005
Kleine jüdische Geschichte

Kleine jüdische Geschichte

 (0)
Erschienen am 09.02.2012
Jüdische Geschichte lesen

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Erschienen am 24.09.2003

Neue Rezensionen zu Michael Brenner

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Rezension zu "Nachkriegsland. Eine Spurensuche" von Michael Brenner

Der Typ auf der Party...
Viv29vor einem Monat

...der einem dem ganzen Abend im Brustton der Überzeugung erzählt, warum "das System" falsch ist, nur er es durchschaut und er überhaupt genau weiß, wie das alles so läuft, den kennen wir wahrscheinlich alle. Beim Lesen dieses Buches fühlte ich mich ein wenig wie auf solch einer Party.

Ich gebe zu, daß ich mir von dem Buch an sich etwas anderes erwartet hatte: mehr Informationen, weniger Politisiererei. Es interessiert mich, wie die Nachkriegsgeneration jene Zeit erlebt hat, wie der Umgang mit den Eltern war, wie diese Eltern mit ihren Erlebnissen, Traumata und auch ihrer Schuld umgegangen sind. Ich habe mehrere Bücher gelesen, in der die Nachkriegsgeneration auf die Suche geht und das Gespräch mit oder wenigstens Informationen über die Eltern sucht. "Was haben meine Eltern im Krieg gemacht?" - eine sehr wichtige Frage für diese Generation.

Ein wenig davon gibt es in diesem Buch auch. Die fünf Kapitel von Buch 1 ("Unsere Mütter und Väter") beschreiben die Familiengeschichte, die manchmal ein wenig zu sehr in allgemeine Banalitäten abgleitet, aber im Ganzen doch recht interessant zu lesen ist. Michael Brenner berichtet hier gut, wie wichtig es ihm war, herauszufinden, welche Rolle der Vater im Krieg gespielt hat, ob und wie er sich schuldig machte. Er recherchiert hier gründlich und auch das ist interessant zu lesen, insbesondere, wenn man selbst Ahnenforschung betreibt und sich für die Möglichkeiten, an Informationen zu kommen, interessiert. Schön ist auch, wie der Autor hier differenziert. Er kennt den Vater nur von einer sehr unangenehmen, lieblosen Seite, aber er betrachtet hier - und auch später im Buch - das ganze Bild, überlegt, warum der Vater so ist, was ihn seelisch derart verkrüppelt hat (dies tut er auch bei vielen anderen aus jener Generation). Angesichts der schlimmen Kindheit, die Michael Brenner durch diesen Vater erlebte, ist das bemerkenswert und war sicher auch schwer.
In diesem ersten Abschnitt beginnt aber leider auch schon eines der Dinge, die mich am Buch leider zunehmend genervt haben: die Wiederholungen.

Es gibt zahlreiche Wiederholungen im Buch, fast alles wird mehrfach erwähnt. Das fällt zB gerade sehr in den Kapiteln über die Schule auf. So wird im Kapitel über die Lehrer letztlich immer wieder das Gleiche erzählt - keiner war offen Altnazi, aber die meisten ließen durch ihre Geschichten und Aussprüche erkennen, welches Geistes Kind sie waren. Die deutsche Schuld, die Naziverbrechen werden nicht thematisiert. Das sind relevante Punkte und auch ein wichtiges Merkmal der 50er und frühen 60er, aber der Leser hat diese Aussage schon nach den ersten drei Erwähnungen mehr als verstanden.
Im Kapitel "Auslese und Unterwerfung" geht es um das elitäre Selbstverständnis des Gymnasiums, das der Autor besucht. Auf Seite 129: "sollten unsere Eltern, besonders diejenigen aus dem ärmeren Stadteilen, doch so einsichtig sein, ihre Kinder schnell wieder von der höheren Lehranstalt zu nehmen."
Seite 136: "Schnell hatten die Lehrer uns vermittelt, daß es besser sei, in den bürgerlichen Stadtteilen (...) zu wohnen. Wer in ärmlicheren Stadtteilen lebte, erhielt am Kirchenpauer-Gymnasium weniger Chancen und wurde schlechter behandelt."
Seite 138: "In den Klassenbüchern stand hinter unseren Namen immer auch der Beruf unserer Eltern, damit die Lehrer uns schneller einordnen konnten."
Seite 138: "Hauptaufgabe meiner Schule war die soziale Selektion." leitet einen ganzen Absatz ein, in dem dies erneut ausführlich erklärt wird.
Seite 139: "Wenn Eltern aus der Mittelschicht stammten, (...) wurden ihre Kinder besser behandelt."
Diese Neigung, bereits Gesagtes immer auf's Neue zu wiederholen, zieht sich leider durch das ganze Buch.

In der zweiten Hälfte des Buches begleiten wir den Autor durch seine Jugend- und Erwachsenenzeit. Dies geschieht durch eine etwas ungeordnete Mischung von Liedzitaten (die auch mal einen ganzen Absatz einnehmen können), historischen Informationen, ein paar eigenen Erlebnissen und eigener Meinung. Die historischen Informationen waren recht sprunghaft und meines Erachtens nicht gut dargebracht, da sie oft bekannte Ereignisse wie zB den Mauerfall so berichteten, als ob man noch nie davon gehört hätte. Vielleicht wären hier Fußnoten hilfreicher gewesen, so daß der historisch nicht so informierte Leser bei Bedarf nähere Informationen dort hätte einsehen können. Manche Kapitel lasen sich so nämlich wie ein halbherziger geschichtlicher Überblick. Warum dann ein nach eigener Darstellung so kritisch Hinterfragender hier auch noch behauptet, in der DDR wären die Nazis konsequent bestraft worden und hätten keine hohen Posten erreicht, wundert mich doch sehr. Daß diese Behauptung der DDR nicht stimmt, ist mittlerweile hinreichend bekannt.

Mit seiner Meinung hält der Autor nicht hinter den Berg, was in einem Buch über das auch politische Erwachen und eine Zeit gesellschaftlicher Umbrüche durchaus seinen Sinn hat. Leider geschieht die Meinungsäußerung fast durchweg polemisch. Im Nachwort weist der Autor noch darauf hin, daß er mit Absicht die politisch korrekte Sprache vermieden hat, was ja auch in Ordnung ist, aber zwischen (Zitat aus dem Nachwort) "ritualartigen Sprachübungen" und platter Polemik liegt noch sehr viel Spielraum. Da hätte man sich vielleicht eher ein Beispiel an Willy Brandt nehmen können, der direkt und ehrlich sprach, anstatt sich auf das Niveau der im Buch so oft - zu Recht - kritisierten Bild-Zeitung zu begeben (Polemik anderer zu kritisieren und sich ihrer dann selbst zu befleißigen wirkt nicht sehr ehrlich). So gehen leider viele Ansichten in dieser Polemik unter und werden zudem nicht erklärt, sondern auf Art des oben erwähnten Typen auf der Party mit der "ich schlau, alle anderen blöd"-Methode in den Raum geworfen. Schade. Ein "Gschmäckle" bekommt das Ganze, wenn die RAF mit einem lapidaren "Einerseits soll man nie töten, aber irgendwie..." verharmlost wird.
Und wenn dann - wieder mE zu Recht - die heuschreckenartige Ausweidung des Ostens nach der Wiedervereinigung kritisiert wird, kommt plötzlich ein "Für ein anderes Unternehmen gehörte ich zu denjenigen, die (...) das Ostland nach Beute durchkämmten. Glücklicherweise war ich nur ein kleines Licht und muss mich für nichts schämen."
Diese "ich war ja eigentlich nur am Rande dabei, ich habe mir nichts vorzuwerfen"-Entschuldigung also.... Im Rahmen des sonstigen Buchtextes durchaus interessant, ein wenig entlarvend.

Am Buch interessant war die Familiengeschichte und der Umgang des Autors damit, ebenso wie die Aussagen seiner Altergenossen zu ihrer Kindheit. Auch das erwachende politische Bewußtsein, die gesellschaftlichen Umwälzungen und die Erklärungen, warum dies alles Ende der 60er / Anfang der 70er aus den jungen Leuten so herausbrach, war lesenswert und informativ. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Das war aber leider nur ein sehr kleiner Teil des Buches.

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M

Rezension zu "Israel" von Michael Brenner

Sehr fundiert und übersichtlich
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Sehr fundiert und übersichtlich

„Ein Staat wie jeder andere?“, mit dieser Frage beginnt Michael Brenner, Spezialist für Jüdische Geschichte und Kultur, seine Betrachtungen und die Darstellung der Historie des Staates Israel in der jüngeren Geschichte.

Eine Frage, die sich zu Recht stellt, denn eher sind es die ständigen Konflikte, die inneren Reibungen, die Auseinandersetzungen um die Hauptstadt Jerusalem mit ihrem Neben- und Miteinander von Islam und Judentum, der Terrorismus, die Siedlungspolitik, die offene Palästinenserfrage und fast unendlich viel mehr an Spannungen, die täglich die Nachrichten über Israel darstellen.

Ein höchst gefährdeter Staat, ein selbst gefährdender Staat, ein ewig scheinender Unruheherd in und um das geographische Gebiet herum, das scheint die Realität und Normalität Israels zu sein. Sehnsuchtsort der jüdischen Gemeinde weltweit (zumindest zu bestimmten Zeiten der Geschichte) und Rückkehrort des biblischen Volkes (und Staates) Israel.

Sorgfältig und in der Sprache sehr verständlich geht Brenner in seinem übersichtlichen Werk der Frage des modernen Staates Israel nach, angefangen bei der Entstehung des Zionismus und seines bekanntesten Vordenkers Theodor Herzl zum Ende des 19 Jahrhunderts hin. Jene Idee von einem „ganz normalen Staat im Reigen der ganz normalen Staaten“, die sich Schritt für Schritt durchsetzte, Anhänger gewann, durch die Ereignisse des Nationalsozialismus eine hohen, äußeren Druck erfuhr, der die Dinge intern stark beschleunigte und der dann kämpferisch eine Art „Landnahme“ durchführte, die im Lauf der Jahrhunderte ihresgleichen sucht.

„Die Kerle wollen glücklich sein“. Das mag als Ausgangspunkt durchaus eine Beschreibung darstellen. Wie aber jenes „Glück“ des eigenen Staates sich entfaltete, wie es verstanden wurde, welche Strömungen als pro und contra daran beteiligt waren und wie sich dieser Saat bis heute in einem umfassenden Spannungsrahmen verwirklicht und darstellt, davon bietet das Buch ein sehr bewegtes und gründliches Bild.

Brenner arbeitet dabei auch jenen „Grundgegensatz“ heraus, der als Motiv für die bewegte Geschichte des Staates Israel nicht zu unterschätzen ist. Das Selbstverständnis Israels einerseits als „ganz normaler Staat“ im politischen Sinne und das Selbstverständnis (zumindest in Teilen) des Judentums, als „auserwähltes Volk“ auch „Gottes Licht in der Welt“ zu sein und damit es auf staatlicher Ebene eben „auch anders“ zu machen „als die anderen“.

Hier deutet sich bereits auch die Grundthese an, die Brenner formuliert und im Hintergrund seiner gesamten Darlegungen als roten Faden beibehält und weiter entfaltet. Dass bei aller Anstrengung der theoretischen Vordenker und der praktischen Politiker, das „ganz Normale“ in den Vordergrund zu rücken und zum Maßstab des politischen Handelns zu setzen, dennoch gilt (und praktisch nachgewiesen werden kann): „Zu tief verankert waren die jahrhundertealten Vorstellungen von den Juden als „den Anderen“, um sie in wenigen Jahrzehnten spurlos verschwinden zu lassen“.

Was eben auch für das Selbstverständnis handelnder Politiker und kulturell einflussreicher Personen im Israel der Moderne gilt. In Verbindung mit dem Genozid und der dann quasi eigenmächtigen Proklamation des Staates Israel kommen zwei weitere, für die Außensicht auf Israel und das Selbstverständnis des Staates selbst hinzu, die bis in die Gegenwart hinein das Bild außen wie innen entscheidend mitbestimmen.

Eine sehr interessante, ruhige und sachliche Lektüre, die den Zionismus, die Gründung des Staates, die innere wie äußere Geschichte und die dahinterliegenden Haltungen nachvollziehbar vor Augen führt.

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