Michael Chabon

 4 Sterne bei 284 Bewertungen
Autor von Die Vereinigung jiddischer Polizisten, Wonderboys und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Michael Chabon

Repräsentant der amerikanischen Gegenwartsliteratur: Michael Chabon zählt zu den weltweit bekannten US-amerikanischen Autoren der Gegenwart. Im Jahr 2014 machte er Schlagzeilen, als er für seinen Krimi „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ alle drei bedeutenden amerikanischen Science-Fiction- und Fantasy-Preise, den Hugo, Nebula und Locus/SF Award, gewann. Der 1963 in Washington D.C. als Sohn wohlhabender jüdischer Eltern geborene Michael Chabon begann als Kind, Geschichten zu schreiben. Sein Studium des Creative Writing an der University of Pittsburgh beendete er 1988 mit der Abschlussarbeit „The Mysteries of Pittsburgh“, einer bittersüßen Geschichte um das Erwachsenwerden, die sich zum Bestseller entwickelte und ihn schlagartig berühmt machte. 1995 folgte das Buch „Wonder Boys“, in dessen Verfilmung Michael Douglas als Hauptdarsteller fungierte. Für seinen 2000 erschienenen Roman „The Amazing Adventures of Kavalier & Clay“ erhielt Michael Chabon zahlreiche Preise, unter anderem den Pulitzerpreis, den Oscar der Literatur- und Journalismus-Welt. Weitere Erfolge erzielte er mit seiner 2004 veröffentlichten Erzählung „The Final Solution“ („Das letzte Rätsel“, 2005) über einen in die Jahre gekommenen Sherlock Holmes und mit seiner mittelalterlichen Abenteuergeschichte „Gentlemen of the Road“ („Schurken der Landstraße“, 2010) aus dem Jahr 2007. Michael Chabon lebt mit seiner zweiten Frau Ayelet Waldman und seinen vier Kindern in Kalifornien.

Alle Bücher von Michael Chabon

Sortieren:
Buchformat:
Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Die Vereinigung jiddischer Polizisten

 (57)
Erschienen am 16.08.2018
Wonderboys

Wonderboys

 (42)
Erschienen am 24.11.2008
Geheimnisse von Pittsburgh

Geheimnisse von Pittsburgh

 (39)
Erschienen am 22.09.2008
Moonglow

Moonglow

 (22)
Erschienen am 08.03.2018
Telegraph Avenue

Telegraph Avenue

 (17)
Erschienen am 26.03.2016
Schurken der Landstraße

Schurken der Landstraße

 (12)
Erschienen am 16.08.2018
Das letzte Rätsel

Das letzte Rätsel

 (11)
Erschienen am 23.09.2005

Neue Rezensionen zu Michael Chabon

Neu

Rezension zu "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" von Michael Chabon

Chandler auf jiddisch
Giselle74vor 6 Monaten

Sitka, Alaska. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Atombombe auf Berlin, durften sich geflüchtete Juden dort mit Erlaubnis der Amerikaner einen eigenen kleinen Staat errichten. Nun soll die Enklave zurück an die USA fallen und die dort wohnenden Juden wären wieder heimat- und staatenlos. In dem Chaos der Abwicklung und inmitten sich auflösender Behörden und Zuständigkeiten geschieht in einem kleinen, schmierigen Hotel ein Mord. Ein junger Schachspieler wird mit einer Kugel im Kopf auf seinem Zimmer aufgefunden. Der zufällig im selben Hotel wohnende Polizist Meyer Landsman beginnt zu ermitteln und sticht dabei in ein Wespennest.
Was für ein grandioser Roman! Einerseits ein Krimi im Stile Chandlers, mit einem Protagonisten, der ähnlich zerbeult agiert wie Philip Marlowe, andererseits aber auch ein Blick auf die unterschiedlichen Strömungen jüdischen Lebens. Die Chassidim und Zionisten kommen dabei eher schlecht weg, verhalten die "Schwarzhüte" sich doch ähnlich wie die Mafia und haben ihr Netzwerk über ganz Sitka gespannt.
Mit ungeheurer Fabulierlust, viel Wortwitz und genauso viel Einfühlungsvermögen führt uns Chabon durch seine Welt bzw durch Meyer Landsmans Welt. Glaube, Politik, Schach, die große Liebe, Identitätsfragen, Chabon verbindet und mischt diese Themen hemmungslos. Sein Blick ist zugleich zynisch, schwarzhumorig und liebevoll. Das muss einem erst einmal gelingen! Und wenn dann noch Ureinwohnerrecht auf jüdische Befindlichkeiten trifft, wird die Mischung explosiv...
Es ist beeindruckend, wie mühelos Chabon ein Meer durchquert, das klippenreicher nicht sein könnte. Er überschreitet Grenzen und verteilt seine Spitzen hemmungslos in jede Richtung: seien es geldgierige Stammesregierungen, tiefgläubige Mafiosi, gewinnorientierte Amerikaner oder attentatsbereite Zionisten. Und so ganz nebenbei zeigt dieser Roman auch, dass Menschlichkeit und Fanatismus sich ausschließen. Immer.
Wer also Krimis mag, wer... ach, Unfug! Lest dieses Buch, es ist einfach rundherum großartig!

Kommentieren0
5
Teilen

Rezension zu "Moonglow" von Michael Chabon

Königsklasse des Geschichtenerzählens
AnnBeevor 9 Monaten

In diesem Buch erzählt Chabon die (fiktive, aber wohl doch Wahres enthaltende) Biographie seines Großvaters, welche dieser ihm auf dem Sterbebett anvertraut.
In diesen Großvater bin ich jetzt ganz verliebt. Ein Mann mit Ecken und Kanten, schweigsam, eigenbrötlerisch, klug, dabei doch liebevoll und zutiefst loyal, oftmals aber auch voller Zorn. Episodenhaft und zwischen verschiedenen Zeitpunkten hin und her springend erfahren wir von seinem bewegten Leben – seinem Einsatz im 2. Weltkrieg, seine Ehe mit einer wunderschönen, klugen, leidenschaftlichen und psychisch labilen Französin, einer späten zweiten Liebe, seiner Zeit im Gefängnis, beruflichen Erfolgen und Misserfolgen und seinem Traum von der Weltraumfahrt.
In diesem Jahr habe ich viele Bücher gelesen, die zwischen verschiedenen Zeiten (und oft auch Perspektiven) springen, und ja, ich würde gerne mal wieder ein Buch lesen, das schlicht chronologisch geordnet ist. Hier aber macht das episodische Durcheinander Sinn, da es die Erzählung eines Lebens anhand von Anekdoten widerspiegelt. Zudem war ich auch immer schnell wieder in der jeweiligen Geschichte drin und konnte mich zunehmend gut in dieser Biografie orientieren.
Trotz vieler tragischer und trauriger Momente habe ich mich zunächst etwas schwergetan, mit den Charakteren wirklich mitzufiebern. Ich denke, das liegt an einer gewissen humorvollen Distanz, die der Autor und seine Figuren zum Geschehen beibehalten. Darin liegt aber auch eine Haltung ausgedrückt – und vielleicht kann man nur so ein ereignisreiches Leben einigermaßen würdevoll überstehen. Außerdem ist die Lektüre so ausgesprochen unterhaltsam, und Chabon kann einfach wunderbar mitreißend schreiben.

Kommentieren0
10
Teilen

Rezension zu "Moonglow" von Michael Chabon

Von gehäuteten Pferden und einer Zuflucht auf dem Mond...
pardenvor einem Jahr

VON GEHÄUTETEN PFERDEN UND EINER ZUFLUCHT AUF DEM MOND...

Während in Deutschland die Mauer fällt, sitzt Michael am Bett seines Großvaters, der in der letzten Woche seines Lebens plötzlich gesprächig geworden ist. Der Enkel erfährt, wie der Großvater einmal seinen Chef fast mit einer Telefonschnur erdrosselt hätte, warum er eine Brücke in Washington in die Luft sprengen wollte, wie er in Deutschland den verhassten Wernher von Braun jagte, warum von Braun und er dieselbe Leidenschaft teilten und wie er nach dem Tod seiner Frau eine neue Vertraute fand.

Eine Familiengeschichte, aber kein Roman im eigentlichen Sinne - so lässt sich das neuste Werk von Michael Chabon wohl am besten zusammenfassen. Und nicht irgendeine Familiengeschichte wird hier erzählt, sondern seine eigene - oder vielleicht doch nicht?


"Beim Schreiben dieser Memoiren habe ich mich an die Fakten gehalten, es sei denn, sie wollten sich einfach nicht der Erinnerung, dem dichterischen Willen oder der Wahrheit, wie ich sie gerne verstehe, beugen. Wo immer ich mir Freiheiten mit Namen, Daten, Orten, Ereignissen, Unterhaltungen oder den Identitäten, Motiven und Beziehungen von Familienmitgliedern und historischen Persönlichkeiten erlaubt habe, sei dem Leser versichert, dass es mit der entsprechenden Hemmungslosigkeit geschah." (S. 11)


Diese Einleitung macht natürlich neugierig. Doch ohne die familiären Hintergründe Michael Chabons zu kennen, wird der Leser letztlich nicht beurteilen können, was an der Erzählung der Wahrheit entspricht und was der Fantasie des Autors entsprungen ist. Der Großvater des Ich-Erzählers steht im Mittelpunkt der Geschichte, es sind im Wesentlichen seine Memoiren, die hier wiedergegeben werden. Dabei fließen jedoch andere Geschichten mit ein - die der Großmutter, deren Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs ihren weiteren Lebensweg beeinflussten und dominierten; die der Mutter, die, gelinde gesagt, eine eher unkonventionelle Kindheit hatte; und die des Ich-Erzählers selbst, wobei seine Person eher im Hintergrund bleibt und versucht, die Bruchstücke der Erinnerungen zu ordnen und zu sortieren.


"Es war selten, dass meine Mutter die Karten der Erinnerung aufdeckte, die ihr der Krieg mit seiner Brutalität zugeteilt hatte, doch wenn sie es tat, schien ihr gesamtes Blatt aus Schuldgefühlen zu bestehen, egal was auf dem Tisch lag." (S. 375)


Bruchstücke - das trifft es wohl ganz gut. Erzählt wird hier nämlich in Episoden, nicht chronologisch, sondern zuweilen fast willkürlich wirkend hintereinander gesetzt, dabei wild zwischen Zeiten, Themen und Personen wechselnd. Dies war oftmals verwirrend beim Lesen - und der Hauptgrund, weshalb ich einfach nicht wirklich in die Erzählung eintauchen konnte.

Der Schreibstil dagegen gefiel mir, anspruchsvoll, voller Metaphern, und die Sätze sorgfältig ausgefeilt; ebenso gefiel mir der teilweise böse Humor, der immer wieder durchblitzte. Auch fand ich einige der angeschnittenen Themen überaus interessant: die Folgen der traumatischen Erlebnisse im Krieg, die Faszination für Raketen und ein mögliches Leben auf dem Mond, die Crux der Vielseitigkeit des Einsatzes neuer Erfindungen und Entdeckungen - doch der ständige Wechsel der Themen, die ausschweifende Beleuchtung einzelner Punkte einerseits und die im Laufe der Jahre teilweise wechselnde Beurteilung dieser Punkte andererseits war für mich letztlich doch anstrengend.


"...wo (...) eine V2 das Rex-Theater mitten in einer Vorführung (...) getroffen und fast tausend Menschen getötet oder verletzt hatte. Das alles konnte man jedoch nicht der Rakete selbst anlasten, dachte mein Großvater, genauso wenig dem Mann, der sie konstruiert hatte, von Braun. Die Rakete war wunderschön. Ein Künstler hatte sie gestaltet, um die Ketten zu sprengen, die die Menschheit fesselten, seit sie sich erstmals der Schwerkraft der Erde und deren Entsprechungen in Leid, Versagen und Schmerz bewusst geworden war. Sie war ebenso ein in den Himmel geschicktes Gebet wie die Antwort darauf: Bring mich fort von diesem furchtbaren Ort! Dieses Vehikel mit einer Tonne Amatol zu bestücken und so zu behindern, dass es nicht ein für alle Mal die irdische Anziehungskraft hinter sich ließ, sondern im Bogen zurück auf die Erde kam und die Menschen dort tötete, wo es auftraf, das war Missbrauch. Als würde man Eiweiß mit einem Rechen aufschlagen, sich mit einem Dolch die Zähne säubern. Man konnte es tun, aber es war pervers." (S. 200)


Den Leser erwartet hier eine melancholisch gestimmte jüdische Familiengeschichte, oftmals unerwartet aufgehellt durch Episoden schwarzen Humors und den lobenswerten Ansatz, letztlich nichts und niemanden zu ernst zu nehmen. Dazu ein ungewöhnlicher Aufbau durch die scheinbar willkürliche Aneinanderreihung einzelner Episoden, was mich allerdings bis zum Schluss auf Distanz hielt. Abgesehen davon jedoch ein beeindruckendes Werk!


© Parden

Kommentare: 7
21
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Michael Chabon wurde am 24. Mai 1963 in Washington D.C. (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Michael Chabon im Netz:

Community-Statistik

in 401 Bibliotheken

auf 49 Wunschlisten

von 8 Lesern aktuell gelesen

von 6 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks