Michael Chabon

 4 Sterne bei 297 Bewertungen
Autor von Die Vereinigung jiddischer Polizisten, Wonderboys und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Michael Chabon

Repräsentant der amerikanischen Gegenwartsliteratur: Michael Chabon zählt zu den weltweit bekannten US-amerikanischen Autoren der Gegenwart. Im Jahr 2014 machte er Schlagzeilen, als er für seinen Krimi „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ alle drei bedeutenden amerikanischen Science-Fiction- und Fantasy-Preise, den Hugo, Nebula und Locus/SF Award, gewann. Der 1963 in Washington D.C. als Sohn wohlhabender jüdischer Eltern geborene Michael Chabon begann als Kind, Geschichten zu schreiben. Sein Studium des Creative Writing an der University of Pittsburgh beendete er 1988 mit der Abschlussarbeit „The Mysteries of Pittsburgh“, einer bittersüßen Geschichte um das Erwachsenwerden, die sich zum Bestseller entwickelte und ihn schlagartig berühmt machte. 1995 folgte das Buch „Wonder Boys“, in dessen Verfilmung Michael Douglas als Hauptdarsteller fungierte. Für seinen 2000 erschienenen Roman „The Amazing Adventures of Kavalier & Clay“ erhielt Michael Chabon zahlreiche Preise, unter anderem den Pulitzerpreis, den Oscar der Literatur- und Journalismus-Welt. Weitere Erfolge erzielte er mit seiner 2004 veröffentlichten Erzählung „The Final Solution“ („Das letzte Rätsel“, 2005) über einen in die Jahre gekommenen Sherlock Holmes und mit seiner mittelalterlichen Abenteuergeschichte „Gentlemen of the Road“ („Schurken der Landstraße“, 2010) aus dem Jahr 2007. Michael Chabon lebt mit seiner zweiten Frau Ayelet Waldman und seinen vier Kindern in Kalifornien.

Alle Bücher von Michael Chabon

Cover des Buches Die Vereinigung jiddischer Polizisten (ISBN: 9783462052381)

Die Vereinigung jiddischer Polizisten

 (57)
Erschienen am 16.08.2018
Cover des Buches Wonderboys (ISBN: 9783462040272)

Wonderboys

 (42)
Erschienen am 24.11.2008
Cover des Buches Geheimnisse von Pittsburgh (ISBN: 9783462039467)

Geheimnisse von Pittsburgh

 (40)
Erschienen am 22.09.2008
Cover des Buches Moonglow (ISBN: 9783462053463)

Moonglow

 (24)
Erschienen am 16.01.2020
Cover des Buches Telegraph Avenue (ISBN: 9783499270741)

Telegraph Avenue

 (20)
Erschienen am 26.03.2016
Cover des Buches Schurken der Landstraße (ISBN: 9783462052374)

Schurken der Landstraße

 (14)
Erschienen am 16.08.2018
Cover des Buches Das letzte Rätsel (ISBN: 9783462036268)

Das letzte Rätsel

 (12)
Erschienen am 23.09.2005

Neue Rezensionen zu Michael Chabon

Cover des Buches Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay (ISBN: 9783462031362)Beusts avatar

Rezension zu "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay" von Michael Chabon

Die würdige Aufgabe der Wirklichkeitsflucht
Beustvor 6 Monaten

Joe Kavalier und Sammy Clay sind zwei sehr verschiedene junge Männer, die Ende der 1930er in das Comic-Geschäft einsteigen, als dort gerade die „Goldenen Jahre“ herrschten. Clay hat den Kopf voller Ideen und den Anspruch, diesen Ideen Hand und Fuß zu verleihen. Wenn ein Superheld fliegen können soll, interessiert ihn: Warum kann er das? Ein Beweis durch Behauptung kennzeichnet in seinen Augen Schund, von dem es in der Comicwelt jede Menge gab, je länger, je mehr. Autor Michael Chabon lässt Sammy deshalb im Laufe des Romans immer wieder tolle Comichelden entwerfen, die eine klare Motivation haben, einen nachvollziehbaren Hintergrund und einzigartige Facetten. Das macht sogar Spaß zu lesen, ohne die Bilder sehen zu können.

Sammys Meisterstück ist freilich „Der Eskapist“, ein Entfesselungskünstler der besonderen Art: Zwar steht er auch auf der Bühne mit seiner Kunst, vor allem aber ist sein Auftrag, Menschen aus ihren Fesseln zu befreien, sie aus ihrer Zwangslage zu holen oder ihnen Freiheit zu verschaffen. Der Eskapist ist der Befreier der Versklavten, Unterjochten und Verfolgten.

Dahinter steckt die zweite Hälfte von Kavalier & Clay, nämlich der Zeichner Joe Kavalier, der aus Prag stammt, Zauberer und Entfesselungskünstler werden wollte und die „feinen Künste“ an der Universität studiert hat, bis die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nazis den Juden Josef Kavalier zur Flucht gezwungen haben. Joes Mission ist die Rettung seiner Familie aus den Klauen der Nazis und gleichzeitig der Kampf gegen diese mit den Mitteln des Comics.

Das ist in vielerlei Hinsicht ein geniales Romankonzept, wofür Chabon zurecht den Pulitzerpreis erhalten hat. Denn mit der Figur des Eskapisten ist ein Wesensmerkmal von Comics Gestalt geworden, nämlich die Fähigkeit zur Immersion in eine Erzählwelt (was auch beim Lesen geschehen kann und heutzutage in der virtuellen Realität angestrebt wird). Häufig wird der Begriff „Wirklichkeitsflucht“ hierfür verwendet und sogar abschätzig gemeint, dabei ist die „Freiheit der Phantasie [..] keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung“ (Ionesco) oder gar – um es mit Kafka zu sagen: „Das ist Literatur. Flucht vor der Wirklichkeit.“

Joe Kavalier ist als Entfesselungskünstler ausgebildet und entfesselt sich aus der Umklammerung durch die Nazis, um später eine Figur namens „Der Eskapist“ zu kreieren. Genial. Oder um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: „Die Flucht vor der Wirklichkeit war in seinen Augen – besonders unmittelbar nach dem Krieg – eine würdige Aufgabe.“ (S. 733) Jos Wirklichkeit ist – wie die seiner jüdischen Zeitgenossen – eine zum Davonlaufenwollen. Die Comicfigur ist aber auch ein Erretter einer ganzen (auch amerikanischen) Generation von ihren Ängsten und Erfahrungen.

Neben der zum Teil tief in die Geschichte des Comics einsteigenden Geschichte dreht sich die Handlung um die beiden Cousins und eine Frau, Rosa Saks, und um das Drama der Familie Kavalier. Die Handlung wird durch die Setzungen der Zeitläufte (Krieg, Senatsanhörung gegen die Verführung Minderjähriger durch Comics) vornagetrieben und durch die Fahler der Protagonisten, die zwei Männer sind, „deren Lösungen ausnahmslos komplizierter oder extremer waren als die Probleme, die ihnen vorausgingen.“ (S. 711) Das ist nicht immer spannend, aber immer lesenswert, so dass am Ende schwer zu sagen ist, warum der Roman 811 Seiten hat.

Eine besondere Gestalt im Roman ist der Golem und gleichzeitig das Bindeglied zum Jüdischen der Geschichte. Zum einen ist der zum Leben erwachte Lehmkörper eine zutiefst mit dem jüdischen Prag verbundene Legende, weshalb seine Rettung vor den Nazis folgerichtig erscheint, zum anderen die die Geschichte des zum Leben erweckten, künstlichen Wesens, dessen Kräfte hilfreich sein sollen, eine Art Vorläufer zur Erfindung von hilfreichen Superhelden. Dass er sich in der ganzen Geschichte nicht abschütteln ließ, unterzieht den Roman mit einem mystischen Bedeutungsfundament.

Keine Angst vor 800 Seiten: Chabons Roman ist ein kluger, humorvoller, tiefsinniger und comic-nerdiger Schmöker.

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Cover des Buches Schurken der Landstraße (ISBN: 9783462052374)sursulapitschis avatar

Rezension zu "Schurken der Landstraße" von Michael Chabon

Eine Geduldsprobe
sursulapitschivor 7 Monaten

Für dieses Buch braucht man viel Geduld.

Erst einmal ist das Setting ungewöhnlich. Hat jemand schon von Chasarien gehört? So hieß eine Kaukasusregion im 10. Jhd., heute ist dort Georgien.

Dort haben sich ein fränkischer Jude und ein afrikanischer Söldner zusammengefunden und schlagen sich gemeinsam durchs Leben. Zelikman und Amram sind kampferprobt und gewitzt und bekommen den Auftrag ein vaterloses Prinzlein zum Onkel zu begleiten. Nur sind diese Zeiten sehr bewegt. Christen, Juden und Muslime sind sich niemals eins und ab und an kommen Nordmänner, die Rus, und machen ganze Dörfer nieder.

Michael Chabon schreibt wunderbar, das steht außer Zweifel. Allerdings reizt er in diesem Werk seine Erzählkunst aus bis zur Grenze des Erträglichen.

„Zelikman schnellte herum und stellte fest, dass er – ein wortloser Tadel seiner tollkühnen Idee, Amram eigenhändig vor einer ganzen Kompanie schwer bewaffneter Kavalleristen retten zu wollen – vom Bankert eines Bergtarpans und eines arabischen Muttertiers gebissen worden war, dessen Blutlinie sich bis zu den Al Khamsa zurückverfolgen ließ, jenen fünf Mutterstuten aus dem Stall des Propheten darselbst.“

In ewig lange, verschachtelte Sätze stopft er so viele Informationen, dass man sich fragt, ist das nun genial oder unverschämt. Das ist geistreich und eloquent, nur leider auf Dauer kein Vergnügen für den Leser.

Eigentlich hätte dieses Buch mich begeistern müssen. Es verbindet exotische Historie mit einem Hauch von tausenundeiner Nacht, ist gekonnt und mit Humor erzählt, nur fordert es den Leser wirklich sehr. Und eigentlich halte ich einiges aus, aber hier komme ich an meine Grenzen.

 

 

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Cover des Buches Die Vereinigung jiddischer Polizisten (ISBN: 9783462052381)Giselle74s avatar

Rezension zu "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" von Michael Chabon

Chandler auf jiddisch
Giselle74vor 3 Jahren

Sitka, Alaska. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Atombombe auf Berlin, durften sich geflüchtete Juden dort mit Erlaubnis der Amerikaner einen eigenen kleinen Staat errichten. Nun soll die Enklave zurück an die USA fallen und die dort wohnenden Juden wären wieder heimat- und staatenlos. In dem Chaos der Abwicklung und inmitten sich auflösender Behörden und Zuständigkeiten geschieht in einem kleinen, schmierigen Hotel ein Mord. Ein junger Schachspieler wird mit einer Kugel im Kopf auf seinem Zimmer aufgefunden. Der zufällig im selben Hotel wohnende Polizist Meyer Landsman beginnt zu ermitteln und sticht dabei in ein Wespennest.
Was für ein grandioser Roman! Einerseits ein Krimi im Stile Chandlers, mit einem Protagonisten, der ähnlich zerbeult agiert wie Philip Marlowe, andererseits aber auch ein Blick auf die unterschiedlichen Strömungen jüdischen Lebens. Die Chassidim und Zionisten kommen dabei eher schlecht weg, verhalten die "Schwarzhüte" sich doch ähnlich wie die Mafia und haben ihr Netzwerk über ganz Sitka gespannt.
Mit ungeheurer Fabulierlust, viel Wortwitz und genauso viel Einfühlungsvermögen führt uns Chabon durch seine Welt bzw durch Meyer Landsmans Welt. Glaube, Politik, Schach, die große Liebe, Identitätsfragen, Chabon verbindet und mischt diese Themen hemmungslos. Sein Blick ist zugleich zynisch, schwarzhumorig und liebevoll. Das muss einem erst einmal gelingen! Und wenn dann noch Ureinwohnerrecht auf jüdische Befindlichkeiten trifft, wird die Mischung explosiv...
Es ist beeindruckend, wie mühelos Chabon ein Meer durchquert, das klippenreicher nicht sein könnte. Er überschreitet Grenzen und verteilt seine Spitzen hemmungslos in jede Richtung: seien es geldgierige Stammesregierungen, tiefgläubige Mafiosi, gewinnorientierte Amerikaner oder attentatsbereite Zionisten. Und so ganz nebenbei zeigt dieser Roman auch, dass Menschlichkeit und Fanatismus sich ausschließen. Immer.
Wer also Krimis mag, wer... ach, Unfug! Lest dieses Buch, es ist einfach rundherum großartig!

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Zusätzliche Informationen

Michael Chabon wurde am 24. Mai 1963 in Washington D.C. (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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