Michael Chabon Schurken der Landstraße

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Inhaltsangabe zu „Schurken der Landstraße“ von Michael Chabon

Mit Kultautor Michael Chabon unterwegs im KaukasusEin seltsames Paar zieht um 950 durch die kaukasische Bergregion: der blasse, spinnenbeinige Zelikman, ein wortkarger Franke auf Wanderschaft, und Amram, der muskulöse Riese, dessen scharfe Zunge ähnlich verletzend sein kann wie seine Streitaxt. Die liebenswerten, lebensklugen Schurken schrecken vor keiner Herausforderung zurück, bis ein Auftrag sie an ihre Grenzen führt: Sie sollen einem Prinzen, dessen Vater vom Thron gestoßen wurde, zu seinem Recht verhelfen ... »Für eine Überraschung war er immer gut, der Pulitzer-Preisträger Michael Chabon. Diesmal hat er sich selbst übertroffen. Fein sind die Ironien, fein ist die Konstruktion, und wie es nur bei echten Kunstwerken der Fall ist, ist der Bedeutung kein Ende.« Wieland Freund in ›Die Welt‹

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    • 1702
  • Von Schurken und Prinzen

    Schurken der Landstraße

    wunderfitz

    29. January 2016 um 12:32

    "Was für ein Schwindlerpaar!", sagte er bewundernd. "Straßenräuber, die ein Königreich ergaunern!" Schwindler, Straßenräuber, Schurken - erfüllt einen das nicht mit Geschichten und Träumen, romantisierten Vorstellungen à la Robin Hood und ungewohnten Sehnsüchten nach einem Leben, in dem nicht alles nach Plan läuft? In Michael Chabons Roman "Schurken der Landstraße" verbinden sich all diese Vorstellungen mit der Kaukasusregion im 10. Jahrhundert und vermischen sich zu einem schillernden Geschichtenteppich, duftend nach Honig und Hanfsamen, parfümiertem Holz und exotischen Gewürzen, bevölkert von bemalten Elefanten, ruppigen Nordmännern, gottgleichen Herrschern und einem Schwindlerpaar, das seinesgleichen sucht. Der Riese Amram mit seiner Haut, so glänzend wie ein angelaufener Kupferkessel, auf dem Rücken eine breite Wikingeraxt namens Mutterschänder und Zelikman, ein blasser spinnbeiniger Jude aus Regensburg, so scharfzüngig wie brilliant sind so verschieden wie Tag und Nacht und halten sich mit Trickbetrügereien, Diebstählen und anderen Schurkereien über Wasser.  Als sie in einer Karawanserei eine ihrer Nummern abspielen um den Leuten das Gold aus der Tasche zu ziehen, ahnen sie nicht, dass sie schon kurz darauf mit einem rachedurstigen Prinzen im Gepäck ins Chasarien-Reich ziehen, verfolgt von Meuchelmördern und mitten hinein in eine Geschichte, die selbst diesen beiden Halunken eine Nummer zu groß zu sein scheint. Das Buch ist mit seinen 180 Seiten fast zu kurz für so viel Geschichtenreichtum und fabulöse Erzählkunst und ich hätte ihm noch 100 Seiten mehr gewünscht. So fühlte ich mich ein bisschen wie nach einem schweren Traum, die Gedanken noch umwölkt und der Geist noch unscharf und vom Schlaf beherrscht. Wie wohl jeder Leser habe auch ich Amram und Zelikman ins Herz geschlossen, hätte gerne noch mehr von ihnen erfahren und vor allem gegen Ende blieben bei mir noch einige Fragen offen. Ein durchweg gutes und solides Buch, das von seiner Erzählweise und malerischen Sprache lebt, dem mir aber noch der letzte Funke gefehlt hat, um sich dauerhaft in meinem Kopf einzunisten.

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  • Rezension zu "Schurken der Landstraße" von Michael Chabon

    Schurken der Landstraße

    Bri

    Ein Schurkenstreich, der seines gleichen sucht Landstraßen waren gefährlich im 10. Jahrhundert. Egal, ob man sich im fränkischen Reich befand oder auf dem Weg nach Chasarien unterwegs war. Sowohl Zelikman, der bleiche, dünne, blonde Jude fränkischer Herkunft mit einem Hang zu Schwermut und einer ungewissen Sehnsucht nach seiner alten Heimat, als auch Amram der riesige Afrikaner, in Ehren ergrauter aber immer noch mit seiner mächtigen Axt behände umgehender Soldat, wissen das, als sie in einer Karawanserei erstmals aufeinander treffen. Vermeintlich zum ersten, sicher aber nicht zum letzten Mal … Ihr weiterer Weg wird die beiden mit einer kostbaren, weil menschlichen, Fracht nach Itil, dem Sitz des Beks, dem Herrscher der Chasaren, führen. Nicht ganz freiwillig, denn der in ihre Obhut gelangte junge Mann namens Filaq vermag sich ihres Schutzes immer wieder zu entziehen. Er hat sich zur Aufgabe gestellt, den derzeit herrschenden Bek, der Filaqs ganze Familie ermorden ließ, um an die Macht zu kommen, eigenhändig zu meucheln. Zelikman und Amram – erprobte und kluge Kämpfer – versuchen Filaq diese fixe Idee auszutreiben, müssen sich aber ob der Sprachgewandtheit, Chuzpe und Motivationsgabe des jungen Mannes geschlagen geben und die Zwangsgemeinschaft geht ihren Weg … Michael Chabons erste Abenteuergeschichte kann sich mit Fug und Recht eine solche nennen. Sie entführt den Leser im Schlepptau der Schurken der Landstraße in eine lange vergangene Welt, aus der aufzutauchen dem Erwachen aus einem schillernden Traum gleicht. Chabon gelingt es mit gewohnter Lässigkeit, Struktur, Stil, Personal und Sprache klassischer Abenteuergeschichten zu übernehmen und man merkt der Geschichte förmlich an, wieviel Freude er dabei hat. Schon die einzelnen Kapitelüberschriften zeigen seine phantasiereiche Fabulierkunst und zwingen dazu, weiter zu lesen. Obgleich man gerade eben das dünne Büchlein zur Seite legen wollte. Keine Chance. Der Weg geht weiter und das Abenteuer auch. Für Zelikman und Amram, die beiden ungemein sympathischen Schurken sogar noch nachdem die in edles Braun geschlagenen Buchdeckel längst voll Bedauern zugeklappt wurden. Dem Verlag ist ein Kompliment zu machen für die wunderbar stimmige und schöne Gestaltung des Buches. Selten hält man ein solches Kleinod in der Hand und merkt gleich, dass hier alles zusammenpasst. Inhalt, Form und Gestaltung - das bezieht sich wohlgemerkt auf die gebunde Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch. Aber nun genug meiner Schwärmerei – begebt euch selbst auf den Weg, begleitet die Schurken der Landstraße auf ihre Abenteuer. Der Buchhändler eures Vertrauens wird euch die Karte dazu gerne aushändigen.

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  • Rezension zu "Schurken der Landstraße" von Michael Chabon

    Schurken der Landstraße

    Archibald Pynchon-Light

    31. December 2010 um 12:03

    Im Kaukasus um das Jahr 950 reisen ein riesenhafter Afrikaner mit seiner Streitaxt und ein jüdischer Schwertkämpfer aus Regensburg umher, auf der Suche nach dem großen Geld. Amram und Zelikman inszenieren in einer Kneipe einen Schaukampf, um über die Wetten an das Geld der Zuschauer zu kommen. Ein Elefantentreiber durchschaut ihre List, doch er will sie nicht bloßstellen, sondern wegen ihres Kampfgeschicks anwerben. Sie sollen als Leibwächter von Prinz Filaq helfen, ihn nach Aserbaidschan zu bringen und seinen Anspruch auf den Thron durchzusetzen. Darüber hinaus trägt der Prinz aber auch noch ein weitaus pikanteres Geheimnis mit sich herum. Ein erster Anschlag erfolgt bereits, bevor sie einwilligen können, und bei der Jagd auf dem heimtückischen Bogenschützen laufen sie natürlich den geprellten Kneipenbesuchern in die Arme. Mit knapper Not entkommen sie und machen sich auf ihre gefährliche Reise. Die Grenze zwischen historischem Roman und Fantasy a la Conan der Barbar ist hier fließend. Zwar gibt es einen belegbaren geschichtlichen Hintergrund in Form der längst vergessenen Chasaren, die im 10. Jahrhundert mehrheitlich zum Judentum übertraten, aber das Hauptanliegen des Autors für das Schreiben dieses Buches schien zu sein, dass es kaum jüdische Abenteuergeschichten gibt. Im Nachwort bekennt er freimütig, dass der Arbeitstitel des Buches deshalb Juden mit Schwertern lautete. Nach eigener Aussage war Chabon überdrüssig, weiter über die Midlife-Crisis amerikanischer Mittelschichtler zu schreiben, suchte sich neue Betätigungsfelder. Er bewies sehr eindrücklich, dass anspruchsvolle Literatur und Genreliteratur kein Widerspruch sein müssen. Wie auch bei dem letzten Roman von Christian Kracht bereitet es ungeheures Vergnügen, wenn sprachgewaltige Autoren knackige Abenteuergeschichten verfassen. Michael Chabon hat sich bereits in vielen Genres betätigt. Er wurde mit seinem Debüt, dem coming-of-age-Roman Die Geheimnisse von Pittsburgh, zum Shootingstar der amerikanischen Literatur. Die Verfilmung seines zweiten Romans Wonder Boys mit Michael Douglas wurde zum Kultfilm. Für Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay erhielt er den Pulitzerpreis. Seine Alternativweltgeschichte Die Vereinigung jiddischer Polizisten räumte alle namhaften SF-Preise ab und soll von Joel und Ethan Coen verfilmt werden. Darin ist das jüdische Volk nicht nach Israel gezogen, sondern nach Alaska. Außerdem hat Chabon einige Comics verfasst und am Drehbuch von Spider-Man 2 mitgewirkt. Ein sehr vielseitiger Autor, der sich mit diesem Buch ein weiteres Genre erobert hat.

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