Michael Chabon Telegraph Avenue

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Inhaltsangabe zu „Telegraph Avenue“ von Michael Chabon

Nat und Archy führen den kleinen und exklusiv bestückten Jazzplattenladen Brokeland Records. Ihre Ehefrauen arbeiten ebenfalls zusammen, sie sind Hebammen. Eines Tages gibt Gibson Goode, Football-Legende und Millionär, bekannt, gleich nebenan einen Megastore eröffnen zu wollen. Und als ob das nicht Existenzbedrohung genug wäre, ergießt sich ein ganzer Regen privaten Ärgers über Nat und Archy.Wie soll es weitergehen auf der Telegraph Avenue? Ein Roman, der sich einreiht in die großen Werke der amerikanischen Gegenwartsliteratur, eine Komposition, in der Jazz und Blues mitschwingen, ein großes Werk des Pulitzer-Preisträgers Michael Chabon.

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  • Drehscheibe Telegraph Avenue

    Telegraph Avenue
    rallus

    rallus

    Ein Plattenladen ist eine aussterbende Gattung im Zeitalter der CD und des Downloads. Wer will noch die seltene Originalpressung eines alten Jazz-Konzertes in den 50er Jahren haben? Mag es noch Leute auf der Welt geben die dies sammeln, aber dies auch noch in Oakland in einem Plattenladen namens Brokeland Records suchen, in dem die Besitzer sich den Hintern an der Kasse wundsitzen? Ahnung haben die beiden schon, Archy Stallings und Nat Jaffe. Interessante Väter mit Vergangenheit und ein spannendes Umfeld auch. Doch Unheil droht Ihnen durch eine Kette namens Dogpile Records, die ein Riesenmusikgeschäft eröffnen will. Stadtrat Flowers - ein alter Bekannter von Archies Vater hat noch ein paar Rechnungen offen. Und Archies Vater ist auf der Suche nach seinen früheren Erfolgen im Showbiz. Gwen ist schwanger und fühlt sich von Archie im Stich gelassen und plötzlich ist da auch noch dieser Junge - Titus. Und so rührt Michael Chabon diese Leben zusammen und präsentiert uns eine sprach- und assoziationsgewaltige Geschichte, mit Mord, Gangstern, alten Autos, alten Filmen, Träumen, Hoffnungen, Rassismus und Musik. Die Geschichte dreht sich zwischen den Buchdeckeln in diesem Mikrokosmos der Charaktere und ihren Freunden, Familienmitgliedern. Dreh-und Angelpunkt ist ein Kapitel von 16 Seiten, der aus einem Satz besteht! Wie auf einer Langspielplatte fliegt ein Papagei gleich einer Diamantnadel über das Geschehen, läuft in der Rille der Telegraph Avenue, erwischt längere und kurze Lieder und dreht sich ohne Ende (Punkt), bis zum Ende der Scheibe. Dabei werden die einzelnen Personen und Geschehnisse beleuchtet. Die Leidenschaft Chabons, aus Comics und SF/Fantasy zu zitieren und zu vergleichen, behält er wie in seinem großartigen Werk "Kavalier& Clay" bei. "Nein, es erwies sich einfach nur, dass ein Turm aus Elefanten und Schildkröten nicht geeignet war, eine Welt zu tragen" Dies vielleicht nicht in Oakland, auf der Scheibenwelt funktioniert es aber recht gut. So werden hier viele Handlungen und Ereignisse beschrieben, die teils detailgetreu bis in den letzten Farbklecks des Strumpfbandes humoristisch dem Leser ausgebreitet werden. Das funktioniert meistens sehr gut, doch so manches mal, verläßt der Autor die Pfade und man hat das Gefühl sich durchbeißen zu müssen. Auch kommt das Ende, nach den erlebten breiten Darstellungen dann doch zu schnell und zu glatt. Insgesamt ein nicht ganz so tiefgehendes Erlebnis wie Kavalier & Clay.

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    • 5
  • Michael Chabon: Telegraph Avenue

    Telegraph Avenue
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. September 2014 um 13:21

    »Na gut«, sagte Archy. Er warf sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und sah Gwen an. »Danke.« Dann wandte er sich ab, ihn schnürte sich die Kehle zu, er versuchte es mit einem Husten zu tarnen, hustete wie sein El Camino. Sein kaputtes altes Auto, sein kaputter Friseurladen voll alter kaputter Platten und die kaputte zweifarbige Zwillingsstadt Brokeland: Das war das Inventar seines Lebens. Archy Stallings hat es nicht leicht. Zunächst erwischt ihn seine hochschwangere Gattin Gwen im äthiopischen Restaurant »Queen of Sheba« beim Fremdgehen mit der Nichte des Restaurantbesitzers. Sein von Geldnöten geplagter Vater Luther, ein abgehalfterter Star von Blaxploitation-Filmen aus den 1970ern, bereitet ihm wieder einmal große Schwierigkeiten. Dann taucht plötzlich ein 14jähriger Junge auf, der sich als unehelicher Sohn von Archy entpuppt. Und schließlich stirbt auch noch Archys Ersatzvater, der Musiker Cochise Jones, kurz vor einem gemeinsamen Gig, comichaft unter der Last seiner Hammond-B3, die Archy gerade erst frisch repariert hatte. Als wären das nicht schon Probleme genug, droht in unmittelbarer Nähe von Archys Jazzplattenladen Brokeland Records, den er zusammen mit seinem Freund Nat Jaffe betreibt, ein neuer Megastore seine Tore zu öffnen, mit einer Jazzplattenabteilung, die die liebenswerte, aber beschauliche Vinylsammlung von Archy und Nat zigfach in den Schatten stellt. Auch die Ehefrauen von Archy und Nat sorgen sich um ihre berufliche Existenz. Sie arbeiten als Hebammen und kämpfen mit den Folgen einer missglückten Hausgeburt. Über allem schwebt ein Mordfall, der sich vor vielen Jahrzehnten im Umfeld der Black Panther Bewegung ereignete und nie geklärt werden konnte. Nur für die Leserinnen und Leser dieses Buches wird der Fall gelöst, am Ende der Geschichte. Willkommen auf der »Telegraph Avenue«. Michael Chabon zu lesen, insbesondere diesen Roman, lässt sich vielleicht vergleichen mit einer Achterbahn. Man steht zunächst ehrfürchtig davor und fragt sich, ob man wirklich in dieses Ding einsteigen soll, und noch bevor man eine Entscheidung getroffen hat, sitzt man in einer der Gondeln und rast kreischend und mit wehendem Haupthaar in die Talsohlen. Schwindelgefühle gibt es auch auf der »Telegraph Avenue«. Man staunt, in welcher Fülle, mit welcher Sprachakrobatik und vor allem mit welchem Elan (nicht nur aufgrund der großzügigen Verwendung von Kommata) Michael Chabon seine Metaphern rauf und runter flitzen lässt. Etwa 30 Seiten lang überlegt man, ob oder vielmehr wie man einsteigen soll, doch plötzlich (spätestens als Gwen ihren Gatten wegen des Seitensprungs auf offener Straße zur Rede stellt und ihn prüfend in den Schritt fasst) ist man drin in diesem Ding und fährt berauscht mit – von einer Alltagskatastrophe zur nächsten. Die vielen Schwierigkeiten, Unglücksfälle und Hiobsbotschaften, die sich den Protagonisten der »Telegraph Avenue« auf knapp 600 Seiten auftun, hat Chabon keineswegs einfallslos aneinander gereiht, sondern anspruchsvoll und komplex miteinander verdrahtet. Bemerkenswert ist auch, dass er als weißer Schriftsteller größtenteils aus der Sicht der Farbigen schreibt. Ihnen sollte vorbehalten sein, darüber zu urteilen, wie gut Chabon dies gelungen ist. Fest steht: »Telegraph Avenue« ist Unterhaltung vom Feinsten. Wer wie Michael Chabon kulturell in den 70ern und frühen 80ern verankert ist und Sympathien hegt für den schrulligen Plattenladen am Rande der Fußgängerzone oder andere Formen vinyler Nostalgie, wird dieses Buch lieben.

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  • Stick to your guns,

    Telegraph Avenue
    Bri

    Bri

    lass nicht locker, bleib dran ... Kämpfen oder nicht, diese Frage wird sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal stellen müssen. Wofür wir ins Feld ziehen, das ist ebenso individuell wie wir selbst es sind. Sinn muss es machen, die Aussicht auf Erfolg ist nicht ausschlaggebend, genau so wenig wie für wen oder was wir uns stark machen oder ob der Gegner uns überlegen ist. "Tu, was Du tun musst und bleib locker" Aber bis man begreift, was einem wichtig ist, wofür es sich lohnt, in den Kampf zu ziehen, ist es manchmal ein langer Weg. Archy Stallings und Nat Jaffe sind mehr als Geschäftspartner. Seit Jahren betreiben sie gemeinsam einen dieser Plattenläden, die wir alle lieben, weil es hier nicht darum geht, Geschäfte zu machen, sondern die Sonne der musikalischen Kultur hochzuhalten, damit nicht auch Zwerge große Schatten werfen, in einem Bereich, der ebenso wie viele andere immer kommerzialisiertere Züge trägt. Brokeland Records ist einer dieser Treffpunkte, der die Gemeinschaft in der Telegraph Avenue zusammenführt. Egal welche Hautfarbe, egal welches Alter, hier sitzt man zusammen und lauscht den Klängen von R&B , Soul, Funk, Jazz, Blues auf Vinyl und tauscht sich aus. In der Telegraph Avenue ticken die Uhren noch anders, hier geht es nicht darum, das große Geld zu machen. Doch das wird sich für Brokeland Records bald ändern, soll doch in nächster Nähe zu dieser wunderbaren Oase für die nach wahrhafter Musik Dürstenden ein Tempel der Massenware eröffnet werden ... Michael Chabon ist seit seinem Debütroman Die Geheimnisse von Pittsburgh (1988) einer der verlässlichsten und gleichzeitig überraschendsten Erzähler äußerst unterhaltsamer und klug aufgebauter Geschichten, die die großen Fragen des Lebens - Liebe, Freundschaft, Verlust, Vergebung - mit einem ganz eigenen erfrischenden Witz beleuchten. Auch wenn es Chabon dem Leser anfänglich nicht ganz leicht macht, wirft er ihn doch mitten hinein in die Geschichte und zwischen das zahlreiche Personal, das er aus vergessenen Musikergrößen und Blaxploitation - Stars der 70er, offensichtlich nicht ganz gesetzestreuen Beerdigungsunternehmern, dem King of Bling und so manch anderen Individualisten rekrutiert. Ein wenig muss man schon dranbleiben, darf nicht locker lassen, will man die Verbindungen erfolgreich entwirren. Doch lohnt es sich in jedem Moment, dieser fulminant und witzig erzählten Geschichte zu folgen. Chabon erweist sich aufs Neue als Meister der Querverweise und Situationen, die uns die breite Palette der Freude von einem warmen Lächeln auf den Lippen bis hin zu einem aus tiefstem Herzen kommenden Lachen entlockt, ohne das Quäntchen an Coolness zu entbehren, das uns beim Fallen des Vorhanges nach 585 Seiten Kopfkino ein ehrfürchtiges WOW entfahren lässt, wenn wir erkennen, wie weit und vollendet Chabon auch dieses Mal wieder den Bogen gespannt hat. Die Figuren, die die Telegraph Avenue bevölkern, sind ausgefeilt, authentisch und einige Male exzentrisch schillernd, zumindest was ihr äußeres Auftreten angeht. Die Bilder, die Chabon für ihre Beschreibung findet, sind ungewöhnlich ideenreich und niemals abgegriffen. Wer es schafft, ein Kapitel über 15 Seiten aus der Sicht eines Vogels mit großer Erfahrung in einem einzigen, sinnergebenden Satz zu schreiben, vor dem kann man sich als Literaturbesessener nur demütig und dankbar verneigen. Mehr ist zu diesem außergewöhnlichen Buch und seinem brillanten Autor nicht zu sagen. Oder vielleicht doch: Wer amerikanische Literatur mag und Michael Chabon noch nicht kennt, der hat einiges nachzuholen - und damit meine ich nicht alleine einen Besuch in der Telegraph Avenue, Berkeley, Kalifornien.

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    • 5
    Bri

    Bri

    09. September 2014 um 14:07
    Floh schreibt du schreibst wirklich tolle und differenzierte Rezensionen. Komme gern zum Stöbern!

    ich bemühe mich immer sehr differenziert zu denken und dementsprechend zu schreiben ;)

  • Sprachvirtuoses Genußlesen für Wortliebhaber

    Telegraph Avenue
    thursdaynext

    thursdaynext

    Mein erster Chabon , aber sicherlich nicht mein letzter! Ich will sie alle! - merci à Bri ;) - Dieser Autor ist von einer derart ausufernden , bedenkenlosen, glanzvollen, schwelgerischen, punktgenauen Geschwätzigkeit die einen, wäre sie nicht so wunderbar formuliert, in alphabetische Verzweiflung treiben könnte. Einzig das von mir erst kürzlich erlernte und heiß geliebte Wort „Furzmullen“ kam auf den 592 Seiten praller Erzählung nie vor. Dies als Kritikpunkt. Andere gibt es nicht. Eine derartig genüssliches schwadronieren könnten sich die meisten Autoren nicht erlauben. Es wäre ermüdend. Michael Chabon kann und wie! <“...jetzt zog der Mann die letzten zwei Jenga – Steine aus dem schwankenden Stapel seiner Coolness....“> Er zelebriert Sprache, spielt mit ihrer Bildhaftigkeit, erschafft Charaktere die es ihm gestatten. Sie sind liebenswert, haltlos, schrullig, außergewöhnlich, immer direkt zum begreifen. Er gönnt einem Männer mit „Azteken Outfit aus Weltraumfasern“, den „King of Bling“ Sammler, Hebammen und Walanwälte, Vinyl Anbete. In der Telegraph Avenue ist Musik und Chabon nimmt den Leser an die Hand, lässt ihn „....die diesem besonderen Irrsinn zugrunde liegenden Schwingungen spüren .....„ Welchen Irrsinns ? Na den des Lebens und der Liebe, zu wem oder was auch immer. Ganz einfach und doch so unermesslich. „Es gab nichts was ein Mann mit einem Koffer voller Thunfischdosen und Schwangerschafts – BHs nicht tun konnte.“ 3 Fette Dodos dafür, dass Michael Chabon mich mit herrlichem Genußlesen bescherte und mit Brokeland Records, Nat, Archy,Gwen, Aviva, Titus und Julie bekannt gemacht. Ich werde sie vermissen.

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