Michael Dangl Rampenflucht

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Inhaltsangabe zu „Rampenflucht“ von Michael Dangl

Der bekannte Schauspieler Stefan Kowalsky verlässt das Theater. Das ist für ihn so, als müsste er sich selbst verlassen. Oder ist es der einzige Weg, wieder zu sich zu kommen? Die Schauspielerexistenz hat ihn einsam, ratlos, traurig gemacht. Eine innere Abschiedsrede aus Zorn und schwarzem Humor, eine brillante Anklageschrift gegen das geliebte, gehasste Theater, mit dessen Verlogenheit – die seine eigene Lebenslüge geworden ist – der Schauspieler nicht mehr weiterleben kann. Das Buch ist aus dem Spielen entstanden. Indem der Schauspieler Michael Dangl den Schauspieler Stefan Kowalsky spielt, der, schon bei Einlass des Publikums auf der Bühne sitzend, seine Gedanken über das Theater schreibt, schreibt er, statt nur zu spielen, dass er schreibt, wirklich; Vorstellung für Vorstellung – und bald auch zwischen den Vorstellungen – wächst so die Geschichte seiner – der Bühnenfigur Stefan Kowalskys – weitergedachten und neu erfundenen „Rampenflucht“. Wir schauen hinter die Kulissen und blicken in einen Abgrund.

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  • Rezension zu "Rampenflucht" von Michael Dangl

    Rampenflucht

    Wolkenatlas

    02. September 2010 um 10:54

    Michael Dangl: "Rampenflucht" Ein Nachspiel --------------------------------------------------------------------- Eine Hassliebe "Meine Damen und Herren, es tut mir leid, dass wir Sie langweilen ... es tut mir leid, dass wir ... dass Sie Ihr dummes Abonnement gerade heute zwingt, hier zu sitzen ... Ich wollte eine Bühne immer nur betreten ... um (Pause, gehaltener Atem des Publikums) ... aber so geht es nicht ... darum werde ich jetzt gehen ... auf Wiedersehen." Mit diesen Worten, während einer unruhigen Vorstellung an das überraschte Publikum gerichtet, tritt Stefan Kowalsky von der Bühne. Er fährt heim, löst seine Versicherungsverträge, seinen Mietvertrag, seinen Mobiltelefonvertrag und die Mitgliedschaft im Fitnessclub auf. Er zieht sich in sich zurück und schreibt, quasi als vorläufig letzte theaterbezogene Handlung, einen in Auftrag gegebenen Text über das Theater. Einen Text, der Ausdruck seiner persönlichen Hassliebe zum Theater ist. Davon ausgehend, entwickelt Michael Dangl einen herrlich bissigen, schimpfend parlierenden Monolog, einen Gedankenstrom, dem man gerne bis in die Eingeweide des Theaters, des Theaterlebens folgt. "Stadtrandlokal, früher Nachmittag, Kowalsky hat auf einmal viel Zeit. Die letzten zwei Monate war er immer schon mindestens zwei Stunden vor Probenbeginn im Theater gewesen, weil er sich für den Othello schwarz schminken wollte. Er hätte dazu einen Maskenbildner haben können, verzichtete aber auf dessen verständnisloses unausgeschlafenes Gesicht und blieb lieber allein. Die extremen Masken hatte sich Kowalsky immer selbst verpasst ... Einmal, er hatte sich zweieinhalb Morgenstunden besonders sorgfältig geschminkt, saß er um zehn allein da. Er hatte das Telefon nicht gehört und so nicht erfahren, dass die Probe schon seit acht abgesagt war, weil der Regisseur krank im Bett lag. Kowalsky saß allein auf der leeren kalten Probebühne, angezogen und angemalt und muskelbepackt als Mohr von Venedig, aß langsam eine Banane, sah sich beim Kauen im Spiegel zu, warf die Schale weg und schminkte sich wieder ab. Seltsames Geschäft, dachte er." Michael Dangls Stefan Kowalsky ist ein leidenschaftlich dem Theater verfallener Künstler, der aus Enttäuschung über das Rundherum, das Publikum, die Mitschauspieler und die Regisseure das Theater verlässt. Sein Drang nach Perfektion sowie seine akribische Vorbereitung scheinen im Geschäft unerwünscht, ja altmodisch zu sein. Michael Dangls Prosadebüt lebt vom Wechsel zwischen dem Sein von Stefan Kowalsky und dem von Stefan Kowalsky verfassten Text, der sich fast wie ein Roman im Roman liest und mindestens gefühlte zwei Drittel des "Nachspiels" ausmacht. Wütend kreisend, variierend und immer wieder abschweifend, bewegt sich Stefan Kowalskys Text vorwärts, berührt die wunden und die heilen Punkte, öffnet dem unwissenden Leser Türen und bestätigt die Wissenden. "Ich bin nicht eitel", sagt der Schauspieler, "ich kann mein mir zufällig unterkommendes Spiegelbild gar nicht ertragen!" - Ja, aber nicht aus Uneitelkeit, sondern weil es seinem eigenen Bild, das er von sich selbst gemacht hat, und das er, es produzieren wollend, ununterbrochen mit sich herumträgt, nicht gleichkommen kann. Der Schauspieler blickt in einen beiläufig ihm begegnenden Spiegel skeptisch und doch irgendwie hoffnungsvoll, und angewidert schnell wieder weg, Letzteres zu Recht. Doch sein eigenes Bild hat er sich wiederum nicht aus Eitelkeit gemacht, sondern aus einem Gefühl der Leere, der Gesichtslosigkeit. Tatsächlich hat der Schauspieler, der jüngere vor allem, lange Phasen zwischen seinen Rollen, kein Gesicht. Weil er nicht weiß, wie er aussehen soll, sieht er nicht aus. Der ältere hat schon so viele Rollenabdrücke auf seinem Gesicht, dass sie irgendwann selbst wie ein Gesicht aussehen, aber bei näherem Hinsehen sieht man: Es ist gar kein Gesicht, nur viele, viele Momentaufnahmen zusammengenommen, Zehntausende Belichtungen auf einem von Zehntausenden Blitzen wie erschrockenen, zu einem Scheingesicht geronnenen, verhärteten Stück Schädelvorhang ..." Während Stefan Kowalsky auf eine Lesereise geht, schreibt er in Hotelzimmern weiter an seinem Text, der, immer dichter werdend, das Theater wie eine Zitrone ausquetscht, bis der Protagonist am Ende in Venedig doch noch das Glück seiner Lebensrolle, seines Lebens entdeckt bzw. wiederentdeckt. Ein beeindruckend sicheres und überzeugendes Debüt, ein starker und eindringlicher Text. Ein Gespräch mit Michael Dangl gibt es unter folgendem Link http://www.sandammeer.at/portraits/dangl.htm (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 09/2010)

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