Worum geht es?
Ghana 2002. Im Zentrum der Geschichte steht die siebzehnjährige Belinda. Sie hat ihr Dorf verlassen, um bei einer Familie in Kumasi, im Süden von Ghana als Hausmädchen zu arbeiten. Doch dann wird sie von einem wohlhabenden Paar, Otuo und Nana, nach London eingeladen, um ihrer rebellischen und depressiven Tochter Amma Gesellschaft zu leisten und sie zu erden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten freunden die beiden sich an, doch Amma ist lesbisch.
Kritik
Leseprobe: Beginn:
„Der Sarg glich einem schönen Stück Hochzeitstorte. Silber und pinkfarbene Schnörkel wanden sich wie Schönschrift um die Kiste, die jetzt neben der aufgeschlitzten Erde stand, in die die Männer sie hinabsenken würden. Schnalzend bewunderten die Trauergäste den Sarg. Belinda musste sich zwingen, hinzusehen. Ihr Handy vibrierte in der Handtasche, aber Belinda ließ es rumpeln. Sie stellte die Füße dicht nebeneinander, richtete ihr Kopftuch und strich ihr Kleid glatt, damit es sich um die Brust herum nicht so bauschte. Sie wischte sich über das geschwollene Gesicht und sah dann, dass der Eyeliner schwarze Striemen auf ihrer Handfläche hinterlassen hatte.“
Ich weiß überhaupt nichts über Ghana und fand es daher sowohl spannend mehr über dieses Land und seine Kultur zu erfahren als auch über die Erfahrungen, die Ghanaer in London machen. Und da kommt gleich ein Pluspunkt. Natürlich geht es auch um Rassismus, um Vorurteile, um Traditionen versus Fortschritt. Dies aber in keiner Weise klischeehaft und stereotyp (wie ich es oft von türkisch-deutscher Literatur kenne). Belinda und Amma sind beides runde Charaktere, mit Stärken, Fehlern, Schwächen, menschlich. Auch wird London weder dämonisiert noch übermäßig gelobt. Es ist einfach ein anderer Ort als Kumasi.
Belinda macht am Anfang den Eindruck, als sollte mit ihr ein idealer Charakter dargestellt werden. Sie ist brav, vernünftig, sehr erwachsen, passt sich schnell an neue Gegebenheiten an. Doch das hat auch eine Kehrseite.
Der Roman enthält viele Dialoge, so dass man wirklich den Eindruck gewinnt, die Charaktere zu erleben. Ich habe den Roman auf Englisch gelesen, nur die Leseprobe auf Deutsch herausgesucht. Belinda spricht schon anders als andere Teenagermädchen und eine schöne Probe Jugendslang bekommt man auch in einer Szene. Das ist ganz gut gemacht, aber ich habe auch eine deutliche Kritik an ihm, die dazu führt, dass ich das Buch nicht vollständig positiv bewerte.
Nicht direkt am Anfang, aber immer mehr in der Mitte wird das Buch für mich schwer zu lesen. Das ist so der typische, immer etwas fragmentarische, assoziative „Hallo, ich möchte bitte einen Buchpreis“-Stil. Vermutlich soll er die Gedanken von siebzehnjährigen Mädchen imitieren, mir war das zuviel innerer Monolog, so dass ich zwischendurch immer mal wieder „Halt“ sagen musste und die Seiten nochmal durchgehen, um zu schauen, was nun eigentlich ausgesagt wird.
Wem vielleicht Damon Galguts „Versprechen“ gefallen hat (mit dem ich ähnliche Probleme hatte), für den könnte auch „Halt“ das richtige sein. Insgesamt ist es meiner Meinung nach ein gutes und interessantes Buch, nur ist dieser Stil einfach „not my cup of tea“.









