Michael Esser Die größten Gentleman-Gangster aller Zeiten

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Inhaltsangabe zu „Die größten Gentleman-Gangster aller Zeiten“ von Michael Esser

Ein Kunstmaler hat die zweite Hälfte seines Lebens erreicht.§Von seiner Kunst kann er noch immer nicht leben.§Aber er kann sehr gut Malstile anderer Künstler kopieren.§So malt er Schlachtengemälde aus dem zweiten Weltkrieg, die er an Militaria-Sammler verkauft. Er kann auch gut Handschriften imitieren und Papier altern lassen. So verfasst er zusätzlich "echte" Telegramme, Befehlszettel, Briefe und Verordnungen aus dem zweiten Weltkrieg. Da er zudem die Unterschrift von Adolf Hitler zu kopieren versteht, unterzeichnet er einige Skizzen mit dem Signet des Diktators. Für seine Geldbörse ist das ein deutlicher Gewinn.§Dann fasst er einen verwegenen Plan.

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  • Damals waren es die Zündhölzer, die die Welt ins Chaos stießen, heute sind es die Banken.

    Die größten Gentleman-Gangster aller Zeiten
    sabisteb

    sabisteb

    28. October 2013 um 09:19

    Diese Geschichte sollte an allen Schulen gelehrt werden. Ivar Kreuger, der Fabulous Fab seiner Zeit, ist der Erfinder der Organisation der heutigen Konzerne. Er hat das Prinzip der Offshore-, Schein- und Briefkastenfirmen erfunden. Das Schneeballsystem, das Schulden mit neuen Schulden ablöst und nur funktioniert, weil die Menschen an ihn, an sein System glauben. So wie er sein Imperium aufbaute,  so funktionieren heutige Konzerne, ja sogar die Staaten funktionieren derzeitig nach genau diesem Prinzip. So einige mal war ich entsetzt über die Parallelen von Kreugers Coup zur aktuellen Wirtschaftspolitik, denn das Ende ist absehbar, aus den gleichen Gründen und auf die gleiche Weise. Damit ist nicht verwunderlich, warum diese Geschichte nicht an Schulen gelehrt wird, obwohl sie absolut wichtig ist, als Warnung und Mahnung, damit das nicht wieder und wieder passiert. Wer war dieser Ivar Kreuger, der die Welt wahrlich in Brand setzte und indirekt das Elend und den Tod von Millionen Menschen verschuldete, und somit eigentlich nicht in diese Reihe gehört, denn er ist kein Gentleman-Gangster, er ist ein Wirtschaftsverbrecher im Großen Stil. Ivar Kreuger war Ingenieur. Er importierte die destruktive, gierige aber sehr effiziente amerikanische Denk- und Arbeitsweise nach Schweden. Zunächst auf einem eher harmlosen Sektor: Dem des Bauwesens. Kreuger führte die Stahlbetonbauweise in Schweden ein. Das Unglück für die Welt nahm seinen Lauf, als man ihn bat, die Streichholzfabrik seines Vaters zu sanieren. Kreuger sanierte auf sehr moderne, aggresive Art und Weise, man könnte sagen, er ging den Amazon Weg: Er gab Aktien aus, investierte in effizientere Maschinen und fing anschließend an alle Konkurrenten aufzukaufen und so aus dem Weg zu schaffen. Er schuf ein Monopol für Streichölzer, das bis in die 1980er Jahre Bestand hatte. Dieses Monopol nutze er dazu, weitere Firmen aufzukaufen, Holdings zu gründen und ein Weltumspannendes Netz an Briefkastenfirmen in Offshoreparadiesen zu erschaffen, dass niemand außer ihm mehr durchschauen konnte (nach diesem Vorbild sind alle heutigen globalen Großkonzerne aufgebaut), aber letztendlich alles Geld immer auf die eine oder andere Art nur bei einem landete: Ivar Kreuger. Er versprach und zahlte unglaubliche Dividenden. Er gab Staaten Kredit. Er beherrschte die Börsen. Diese Blase platzte 1932 und setzte die Welt wahrlich in Brand. Und wer war damals schon beteiligt? Die üblichen Verdächtigen von heute: J.P. Morgan   Das Schlimme daran, wenn man dieses Hörbuch hört ist, dass es heute wieder passiert und zwar 1:1. Damals waren es die Zündhölzer. Kreuger hatte zum Schluss ein weltweites Monopol, dass der Konzern auch nicht durch Weltkriege verlor sondern dass ihm bis 1983 garantiert wurde. Obwohl dieser Betrug die Welt ins Unglück stürzte, letztendlich in seiner letzten Konsequenz einen Weltkrieg auslöste, behielt der Konzern seine ergaunerten Rechte bis 1983! Heute kaufen die Banken ganze Wirtschaftsbereiche und Rohstoffmärkte auf. Sie geben den Staaten Kredite, die mit Krediten ausgelöst werden. Erneut wird hier ein Schneeballsystem gefahren, erneut weltweit, erneut profitieren nur wenige und erneut werden sie diese erlogenen und durch Betrug erwirtschafteten Rechte nach Zusammenbruch des Systems behalten. Der Zusammenbruch des aktuellen Pondzi Syndikats (benannt nach Charles Ponzi, einem amerikanischen Gentleman Gangster, der Kreugers Schneeballprinzip kopierte) zwischen Staaten und Konzernen ist unabwendbar, das macht dieses historische Beispiel mehr als deutlich ebenso wie die Folgen.   Sehr gut erklärtes und aufbereitetes Thema. Man kann den Zusammenhängen und folgen hervorragend folgen, die Parallelen zu heute sind extrem auffällig und sehr gut herausgearbeitet ohne dass man mit dem Zaunpfahl wedeln muss. Wer dieses Hörbuch mit Sinn und Verstand hört, ein bisschen verfolgt, was derzeitig in der Wirtschaftswelt passiert, der bekommt an mehreren Stellen das kalte Grausen.  

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  • Die Gesellschaft will belogen werden

    Die größten Gentleman-Gangster aller Zeiten
    sabisteb

    sabisteb

    28. October 2013 um 08:54

    Weimarer Republik Mitte der 1920er Jahre. Durch den ersten Weltkrieg haben viele Menschen ihre Heimat verloren, so auch Harry Domela. Er kämpfte zwar als Kindersoldat im Baltikum im Auftrag der Deutschen, bekam aber nie einen deutschen Pass. Als Staatenloser hat er bei ohnehin schlechter Lage auf dem Arbeitsmarkt gar keine Chancen, denn golden sind die 20er Jahre nur für die Kapitalisten. So wurschtelt sich Harry eben als Tagelöhner durch und schläft in Wartesälen von Bahnhöfen, bis er eines Tages einen echten Adligen kennenlernt, der als Kokainist ebenfalls auf der Straße lebt, aber von allen geachtet wird, aufgrund seines Auftretens und seines sorgfältig gewahrten Scheins. Domela lernt sehr viel von ihm, vor allem, dass der Schein zählt, nicht das Sein. Er legt sich daher Adelige Namen zu und beginnt seine Karriere als Hochstapler.  1926 ist er Prinz Liven, ein paar Wochen später Baron Korff, wird aber vom Hoteldirektor für Prinz Wilhelm gehalten.   Erstaunlich, bisher hatte ich noch nicht von Harry Domela gehört, dabei lobten die damaligen Literaten ihn sehr, besonders Thomas Mann, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky, denn Domelas Coup legte den Finger auf die Wunde der noch jungen Republik: Der Adel hoffte immer noch darauf, die Demokratie zu stürzen, war immer noch ein Staat im Staat und somit eine Gefahr. Dass man diese feine Gesellschaft dermaßen vorgeführt hatte und dabei gleichzeitig  zeigte, wie Obrigkeitshörig das Volk immer noch war, gefiel den Literaten und auch der Intelligenz ganz außerordentlich. So wurden Harry Domelas Memoiren, die er in seiner siebenmonatigen Haft schrieb auf zu einem Bestseller. 1929 wurde sein Leben verfilmt. Hier endet das Hörbuch, obwohl es noch ein wenig weiterging mit ihm, zumindest bis angeblich 1978.   Harry Domelas Geschichte zeigt, dass es in der Gesellschaft nur um den Schein geht. Man wahrt den Schein und gehört dazu. Das ist heute im Übrigen nicht anders als damals. Auch heute glauben die Menschen nur allzu gern dem schönen Schein und der Lüge, jedoch gelingt es nur selten, dass ein kleiner Mann von unten den Spieß umdreht und auch mal die Lügner und Blender selber vorführt und sie mit den eigenen Waffen schlägt.   Ich fand das Hörbuch, obwohl es top produziert ist und mit Andreas Fröhlich einen wirklich tollen Sprecher hat, zu sprunghaft. Da ich noch nie von Harry Domela gehört hatte, hätte ich eine lineare Erzählweise bevorzugt und keine sprunghafte, wie in dieser Produktion. Die wirkliche Reihenfolge der Ereignisse erschließt sich mir nur mit weiteren Informationsquellen, das ist wirklich schade. Vor allem auch, weil Domelas Leben nicht zu Ende Erzählt wird, wie bei den anderen drei Teilen der Serie, es endet mit seinem größten Coup, obwohl er noch viele Jahre länger lebte und Mitte der 1970er Jahre starb.   Insgesamt jedoch ist diese Lebensgeschichte ein Beweis dafür, dass die Menschen betrogen sein wollen und wer ehrlich ist, sich selbst betrügt. Domelas Betrügereien sind Charmant, weil keiner dabei wirklich zu Schaden kommt. Ein echter Gentleman-Gangster. Auf heutige Zeit übertragen heißt das, wer lange Arbeitslos ist oder Hartz IV bezieht, sollte sich Zeugnisse erfundener Firmen ausstellen, um einen guten Job zu finden und seinen Lebenslauf zu füllen, keinem wird geschadet und man gleich nur ein wenig gesellschaftliche Ungerechtigkeit aus, die auf schönen Schein besteht.  

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  • Der Mann, der den Eifelturm zweimal verkaufte

    Die größten Gentleman-Gangster aller Zeiten
    sabisteb

    sabisteb

    24. October 2013 um 16:35

    Vor dem Ersten Weltkrieg verdiente sich Lustig als professioneller Spieler seinen Lebensunterhalt auf großen Übersee-Dampfern. Die reiche Klientel, die abends ihre Zeit beim Kartenspielen rumbrachte, zog er mit einem Kumpanen in einer konzertierten Aktion böse ab, ohne dass es aufflog, bzw. er belangt wurde. Der erste Weltkrieg machte diesem Leben erst einmal ein Ende und Victor Lustig musste sich in Paris einige Jahre mit ehrlicher Arbeit über Wasser halten. Dann kam die Zeit seiner größten Coups. Damals stritt man sich in Paris noch, ob der Eifelturm nun zum neuen Wahrzeichen von Paris, oder doch abgerissen werden sollte. Die Fronten waren ziemlich verhärtet, das Bauwerk Renovierungsbedürftig. Da war es durchaus plausibel, dass es die Regierung dem Alteisenhändler mit dem angeblich besten Angebot überantwortete, dieses Schrottteil zu entsorgen. Erstaunlich ist nur, dass Lustig diesen Coup tatsächlich zweimal durchzog. In den USA legte er sogar Al Capone herein, ohne dass dieser merkte, dass er reingelegt wurde. Aufgeflogen ist Lustig erst, als er selber zu gierig wurde, und sich auf Geldfälscherei einließ.   Garf Victor Lustig war ein Gentleman Gangster, wie er im Buche steht. Genial, gewitzt und keiner kam wirklich zu Schaden. Wie in „Die Lügen des Locke Lamorra“, sind die Coups so genial, dass die Betrogenen entweder nicht merken, dass sie betrogen wurden, bzw. es einfach zu peinlich ist, zuzugeben, dass und wie man hereingelegt wurde. Bis zum Schluss hofft man als Zuhörer, dass er ungeschoren davonkommt. Andreas fröhlich liest diese Geschichte wunderbar, die teils mit passenden Geräuschen unterlegt ist, insgesamt jedoch ein Hörbuch und kein Hörspiel ist. Die Geschichte ist so gut erzählt und aufbereitet, dass man der kriminellen Karriere des Victor Lustig, dem Aufbau seiner Transaktionen und allgemein seiner Karriere problemlos folgen kann. Schade, dass er so unbekannt ist, aus seinem Leben ließen sich wunderbare Geschichten machen. Sicherlich hat er noch viele solche Dinger gedreht, die nie ans Licht der Öffentlichkeit kamen, das wären mal Memoiren gewesen. Wunderbares, witziges und wenn nicht wirklich lehrreiches, doch sehr unterhaltsames Geschichtshörbuch. Verbrechen scheint sich doch auszuzahlen, wenn man es geschickt anstellt. Locke Lamorra gab es wirklich, nur hieß er Victor Lustig.

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  • Die größte Blamage, die der Stern je erlebte

    Die größten Gentleman-Gangster aller Zeiten
    sabisteb

    sabisteb

    24. October 2013 um 12:55

    1983 erschütterte die Bunderepublik ein kurioser Skandal. Die Hitler-Tagebücher, die der Stern für mehrere Millionen DM erworben hatte, erwiesen sich, trotz zunächst anders lautender Expertenmeinungen als Fälschungen. Wie kam es dazu? Nach dem Krieg versuchte der Maler Konrad Kujau zunächst auf ehrlichem Wege, seinen Lebensunterhalt mit seiner Kunst zu verdienen, aber keiner wollte seine Bilder kaufen. Er wurde daher Militariahändler unter dem Namen Fischer (das hat aber nichts mit dem Gleichnamigen Fischer Katalog zu tun). Kujau alias Fischer vertickte also teils echte Militaria der Weltkriege teils nicht ganz so echte an Ewiggestrige, darunter Schlachtengemälte von einem unbekannte Maler der Zeit namens Kujau, irgendwie musste er ja seine Familie ernähren. 1974 machte er Bekanntschaft mit dem reichen Industriellen und Militaria-Sammler Fritz Stiefel, den er in der nächsten Zeit mit unbekannten Werken Hitlers belieferte, wie Zeichnungen und Gedichten und sogar einer Opa aus der Feder des Führers. Alles hätte sooooo schön weiterlaufen können, wenn dieser Sammler s ich wie ein echter Sammler verhalten hätte und seine Schätzchen in einem Tresor zu seiner eigenen Freude verwahrt hätte, aber nein, Stiefel zeigt seine Stücke, darunter auch ein Tagebuch des Führers, einem Reporter, dem Hamburger Stern-Reporter Gerd Heidemann. Damit nahm das Unglück seinen Lauf.   Heute kennt jeder Kujau, den genialen Fälscher. Damals in den 1980er Jahren jedoch, war er unbekant und, ja, das muss man so sagen, Gier vernebelt den Blick. Die Fälschungen waren aus heutiger Sicht derartig plump, dass es unverständlich ist, wie die Gutachter darauf reinfallen konnte, bis endlich die Kriminalisten darauf hinwiesen, dass es sich definitiv um Nachkriegspapier handelte. Diese CD ist kein normales Hörbuch, sondern eine vertonte Lesung. Hauptsächlich liest natürlich der Erzähler (Andreas Fröhlich), die Geschichte des historischen Stern Betrugs, unterlegt wird dies jedoch häufig durch eine passende Geräuschkulisse. Andreas Fröhlich liest genauso, wie sein Name lautet: fröhlich, ironisch, süffisant. Ein erstaunlich witziges und mitreißendes Hörstück, obwohl es sich hierbei eigentlich um „trockene“, korrekte Geschichtliche Fakten der neueren deutschen Geschichte handelt. Das ist aber so ungemein unterhaltsam gemacht, dass die Zeit wie im Fluge verfliegt, dass man danach genau verstanden hat, wie der Betrug zustande kam und aufgebaut war. Leider ist Kujaus Literarisch Fiktionales Mamutwerk nie über die Rohfassung als handschriftlicher Entwurf hinausgekommen, die Tagebücher blieben bis heute unveröffentlicht.   Fazit: So macht Geschichte Spaß! Ich werde mir die vier anderen Folgen der Reihe auch anhören. Diese Reihe läuft in regelmäßigen Abständen auf HörbuchFM, da kann sie sich jeder anhören, es lohnt sich.

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