Michael Felder Mein Jenseits

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Inhaltsangabe zu „Mein Jenseits“ von Michael Felder

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  • Rezension zu "Mein Jenseits" von Michael Felder

    Mein Jenseits
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    08. August 2012 um 10:23

    Im Februar 2010 erschien bei bup eine Novelle von Martin Walser unter dem Titel „Mein Jenseits“. Wie sich später herausstellte, war es ein zentrales Kapitel aus dem ein Jahr später erschienenen Roman „Muttersohn“. Obwohl man von Martin Walser gewohnt war, in seinen Bücher durchaus ungewöhnliche religiöse Reflexionen zu lesen, so wurde diese Novelle sehr schnell vor allem in Kreisen von Theologen rezipiert, die glaubten, in Martin Walser einen literarischen Bundesgenossen gefunden zu haben. Zunächst einmal zum im vorliegenden Buch behandelten Text selbst: "Ich ging immer an einer Wand entlang, die würde aufhören, dann begänne das Leben. Die volle Berührung. Das war ein Irrtum. Diese Wand war das Leben." Diese Lebenseinsicht teilt uns der Protagonist der Novelle irgendwann auf den ersten Seiten mit. Und so haben Walsers frühere Protagonisten quer durch die Jahrzehnte immer wieder versucht, mit dem Kopf durch diese Lebens-Wand zu kommen, sei es Anselm Kristlein, Franz Horn, Helmut Hahn, Gottlieb Zürn oder selbst der alte Goethe in Walsers jüngstem Roman "Ein liebender Mann". "Mein Jenseits" greift dieses mittelständische Leidensszenario aus Mann, Bürgertum und verpasstem Leben wieder auf und gibt ihm aber eine neue Wendung. Walsers Ich-Erzähler August Feinlein, Chef des Psychiatrischen Landeskrankenhauses in Scherblingen, entdeckt als neue Lösung, als neuen Lebenssinn die Glaubensbereitschaft. Als Liebhaber heiliger Antiquitäten hat er sich auf eine Suche begeben, die viel "Verklärungsbereitschaft" erfordert: "Es gibt eine Sehnsucht, die nichts von sich weiß. Erst wenn man sich ihr überlässt, erfährt man, wohin sie einen haben will", sagt August Feinlein. Oder: "Unsere europäischen Vorfahren haben auch gewusst, was man wissen kann. Aber sie haben geglaubt, was sie glauben wollen. Wie schrieb der Vorfahr ( ein Vorfahr von Feinlein war der Mönch Eusebius) ? Glaube heißt, Berge besteigen, die es nicht gibt. Musik gäbe es ja auch nicht wenn man sie nicht mache. Glauben, was nicht ist, dass es sei." In dem alten Konflikt zwischen Wissensgesellschaft und Glaubensgewissheit hat sich Martin Walser in diesem Alterswerk für den Glauben entschieden. Nebenbei hat er eine köstliche Geschichte geschrieben über die Männerkonflikte in einem psychiatrischen Krankenhaus, uns viel gelehrt über die Bedeutung von Reliquien und das, was sie für viele Menschen bedeuten und über allem ein Loblied gesungen auf die Verschrobenheit und Kauzigkeit des Alters und auf das Unerklärliche. Er hat mit August Feinlein und seiner Geschichte, die ihn schlussendlich in die eigene Psychiatrie bringt, einen schelmischen Helden erfunden, der weiß, dass Glaube Selbstbetrug sein kann und sich trotzdem genau und zielstrebig dafür entscheidet. Ein heiteres Buch, das viel zu sagen weiß über existentielle Erfahrungen. Viele Kritiker Walsers haben 2010 die Novelle belächelt, seine religiöse Überlegungen als Alterserscheinung denunziert. Martin Walser schreibt im Vorwort zu den Beiträgen der Theologen in diesem Buch: „All diesen Kritikern sei dringend empfohlen, das Buch der Theologen zu lesen. Ich gebe zu, dass mir dieses Muster in einem Lebensteppich, eben alles, was Religion heißt oder ist, dass mir das nicht so konkret deutlich war, wie es mir hier durch theologische Einlässlichkeit geworden ist. Gerade diese Frequenz der Seele, die man durchaus ganz kühl Religionsfrequenz nennen darf, das erlebe ich immer im Jetzt, immer als Aktualität. Wenn es ums Dasein geht, ist man kein Historiker. Viele von den Theologen heraufgeholte Zitate haben mich doch gewundert, aber genauso gefreut.“ All diese Aufsätze und Essays nährten in ihm die Einbildung, „Religion und Literatur seien die zwei Seiten einer einzigen Medaille, und die heißt eben: unser Dasein.“ Meine theologischen Lehrer, vor allem die beiden schon lange verstorbenen praktischen Theologen Gert Otto und Henning Luther haben mich das schon vor Jahrzehnten gelehrt, und tatsächlich waren es neben den alltäglichen Lebens- und Leidenserfahrungen der Menschen, mit denen ich im Pfarramt lebte und arbeitete, für mich immer wieder die Reflexionen und Brechungen, die die Literaten und Dichter in ihren Romanen, Erzählungen und immer wieder auch in ihren Gedichten unserem Dasein gaben, die mir halfen, die biblische Botschaft, die ich zu verkündigen hatte, in dieses Dasein hinein auszulegen. In vielen der hier vorliegenden, ohne Ausnahme für Theologen und Nicht-Theologen lesenswerten Aufsätze kommt diese Erfahrung zu Wort. Schade nur, dass so wenig der im aktiven Predigtdienst tätigen Männer und Frauen, die ich kenne, so wenig Zeit finden, neben ihrer überbordenden Verwaltungslektüre regelmäßig ein gutes literarisches Werk zu lesen. Ich nenne nur zwei Beispiele aus den letzten Tagen: David Foenkinos schmerzhaft schönes Werk über die Kraft der Erinnerung „Souvenirs“ (.H. Beck 2012) und John Greens Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (Hanser 2012), eines der ehrlichsten (Jugend)- bücher über das Sterben , die Liebe und den Tod, die ich je gelesen habe.

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