Michael Felten Die Inklusionsfalle

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Inhaltsangabe zu „Die Inklusionsfalle“ von Michael Felten

»Lasst uns offen reden über Inklusion. Was daran sinnvoll ist und was nicht.«(Michael Felten)So geht es nicht! Michael Felten bezieht eindeutig Position. Er ist kein Gegner schulischer Inklusion. Aber er wagt auszusprechen, was viele ahnen und nicht wenige bitter erleben: So, wie es läuft, läuft es falsch. Felten beschreibt die Wirklichkeit einer ebenso übereilten wie unterfinanzierten Inklusionseuphorie. Und er deckt Hintergründe auf: Missverständnisse, Fehldeutungen – vor allem aber eine Fülle kindeswohlferner Motive. Gleichzeitig macht er deutlich: Inklusion ist eine Chance, wenn man bereit ist, ehrlich zu sein.

Ein wichtiger Beitrag für die Inklussion- und Bildungsdebatte

— TaHa
TaHa

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  • Die Inklusionsfalle

    Die Inklusionsfalle
    Buecher-Liebe-de

    Buecher-Liebe-de

    31. July 2017 um 13:19

    Michael Felten zeigt in diesem Buch so einige Missstände in der schulischen Inklusionspolitik auf. So bekommt durch dieses Buch den Eindruck, dass die Inklusion einen weitaus höheren Stellwert hat als die Bildung. Er führt einige Beispiele an, bei denen ich das Gefühl bekommen habe, dass die Verantwortlichen einfach komplett keinen Plan davon haben, wie sich so etwas im Alltag tatsächlich umsetzen lässt. Ich selbst halte es grundsätzlich schon für wichtig, dass behinderte und nicht behinderte Kinder in gemeinsamen Kontakt kommen, damit einfach Vorurteile und Hemmungen abgebaut werden können, bzw. gar nicht erst entstehen. Ich halte es aber für einen völlig falschen Ansatz, dass Kinder, die eine wirklich intensive Lernbetreuung benötigen – und selbst dann einfach nicht die selben Leistungen wie ein Realschüler aufbringen können – in eine normale Realschulklasse verfrachtet werden. Meiner Meinung nach sollte hier auch mehr Aufklärung bei den Eltern betrieben werden sollte. Wie dem Buch zu entnehmen ist, sind es oft auch die Eltern, die unbedingt darauf pochen, dass ihr Kind in einer solchen Klasse unterrichtet wird, obwohl eigentlich von Anfang an klar ist, dass diese Kinder in anderen Klasse besser aufgehoben wäre. An dieser Stelle wird dann niemand ein Gefallen getan, nicht den Lehrern – die sich sicherlich mit solchen Situationen teilweise auch einfach überfordert fühlen, nicht dem eigenen Kind – das mit den anderen Schülern einfach nicht mithalten kann und den anderen Schülern auch nicht, denn sie können nicht in dem Tempo lernen, in dem es ihnen eigentlich möglich wäre. Somit gibt es nur Verlierer. Jedoch sollte man dies auch nicht zu pauschal sehen, denn Behinderung ist ja nicht gleich Behinderung. Früher galt es schon beinahe als Beleidigung, wenn ein Kind zur „Sonderschule“ ging. Ich könnte mir vorstellen, dass dies mit eine Grundlage der Inklusionsidee war. Statt Kinder aber zu über- und zu unterfordern, sollte lieber Aufklärung betrieben und andere Ansätze gesucht werden. Gemeinsame Schulprojekte oder gemeinsame Ausflüge zum Beispiel. Fazit „Die Inklusionsfalle“ regt zum Denken an und macht auf darauf aufmerksam, was in deutschen Schulen durchaus besser laufen könnte. Auch wenn man selbst keine Kinder hat und zunächst denken mag „Was geht mich dieses Thema an?“, dann sollte man sich klar machen, dass Kinder unser aller Zukunft sind und sie jeden einzelnen etwas angehen.

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  • Die Inklusionsfalle – ein längst überfälliges und sehr wichtiges Buch nicht nur für Lehrer, Erzieher

    Die Inklusionsfalle
    TaHa

    TaHa

    25. July 2017 um 12:22

    Als erfahrener Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter in der Lehrerbildung führt der Autor ein in die Thematik der Inklusion an Schulen und die Bildungssituation an deutschen Schulen. Schon der Titel zeigt an, wie es um das Bildungssystem steht. Der Leser (sehr erfrischen, dass es sich endlich mal jemand traut, die „Funktion, nicht die konkrete Person“ zu meinen und auf das mit der Zeit mühsame Verwenden der weiblichen neben der männlichen Form zu verzichten [S. 10]) erfährt umfangreiche Hintergründe zur Inklusionsdiskussion von der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention über die politische Motivation, die Einsparung von teuren wie bestens ausgebildeten Sonderpädagogen, dem grundgesetzlich verankerten Gleichbehandlungsgebot bis zum absoluten Gewinner dieser Entwicklung: dem Bildungsmarkt. Kritisch beleuchtet wird das gemeinsame beschulen von Kindern mit Behinderung unterschiedlichster Art und Form, Normal- und Hochbegabten und die Auswirkungen auf Lehrer, Schüler und Eltern. Der Autor formuliert sehr treffen, differenziert und pointiert, dabei zieht er passende Beispiele und wissenschaftliche Studien heran. Probleme, wie das gemeinsame Unterrichten von „Lernunlustigen und Hochbegabten“ an Gymnasien, spricht er an. Er zeigt auf, dass diese keineswegs gelöst wurden, im Gegenteil. Nun gibt es die politische Idee, zusätzlich noch Kinder in diese schon heterogene Gruppe zu inkludieren, die die Ziele der jeweiligen Schulform nicht erreichen können. Die Auswirkungen, die diese Entwicklungen auf die Lehrerausbildung haben, sind schockierend und können unmöglich wirklich gewollt sein. Unterhaltsam konstatiert er, dass Deutschland doch kein armes Land sei, das sich eine Beschulung, die den unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten der Kindern gerecht wird, nicht mehr leisten könne. Er plädiert für mehr Augenmaß, Vernunft und Aufbegehren der Gesellschaft im Allgemeinen und der Lehrerschaft im Besonderen. Sehr ausgewogen zeigt er Lösungen und Alternativen auf, etwa das Eingehen von Partnerschafen von Gymnasial- und Förderklassen. Er verortet seine Ausführungen häufig gut begründet in NRW. Den Rheinland-Pfälzern sollte es aber vor dem Hintergrund der flächendeckenden Einführung der Schulform IGS und der Ganztagsschulen mit zweifelhafter fachlicher und finanzieller Ausstattung die Augen öffnen bei folgendem Absatz: „Wenn ein entmutigtes Kind zu früh oder zu viel sich selber überlassen bleibt, wird es mit Sicherheit unter seinen Möglichkeiten bleiben. Wenn ein Pubertierender zu häufig zwischen Aufgaben wählen kann, wird er das Attraktivere oft gerne dem Mühsameren vorziehen. (S. 123)“  Michael Felten hat die Thematik komplett durchdrungen, das zeigt er auch daran, dass er auch an die Hochbegabten und leistungsstarken Schüler denkt, die ja in der Inklusionsdebatte häufig vergessen werden. Sachsen rechnet er an, dass dort auch für diese Kinder Fördermöglichkeiten geschaffen werden. Hier muss natürlich noch weiter gedacht werden, denn hier tut sich ein gesamtgesellschaftlich relevantes Thema auf. Deutschland braucht Leistungseliten, zukünftige Ingenieure, Ökonomen, Juristen. Das Niveau in der Schule dauerhaft abzusenken oder durch Zieldifferenzierung viel Zeit „zu verschwenden“, kann sich eine Industriegesellschaft auf Dauer nicht leisten. Moralisch muss auf den Prüfstand, ob eine Wertegemeinschaft tatsächlich gut daran tut, Förderung zu reduzieren und einen geschützten Rahmen aufzulösen zugunsten einer ideologischen Gleichmacherei. Fazit: Dieses Buch geht jeden an!

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  • Wie entscheide ich mich als Eltern richtig? Inklussion ja oder nein für mein Kind!

    Die Inklusionsfalle
    theophilia

    theophilia

    19. June 2017 um 11:12

    Inhalt: Michael Felten spricht aus, was viele ahnen und nicht wenige bitter erleben. So, wie es läuft, läuft es falsch. Inklusion wird mit Euphorie betrieben. Doch es fehlt überall an Geld. Es ist wohl im Wohle des Kindes Gedacht, doch wie soll eine flächendeckende Inklusion zu schaffen sein, wenn zuvor es Fachschulen für Behinderte gab? Leiden nicht die Kinder der Regelschule unter den anderen Kindern? Hierzu eine Leseprobe: Meine Meinung:Das Cover des Buches ist in Gelb gehalten. Ob es eine Anspielung an das katholische Verlagshaus ist? Es ist ein sehr schön leuchtendes Gelb und gleichzeitig ist auf dem Cover der Wiederspruch zwischen Inklusion und Illusion mittels Wortspiel zu erkennen. In gelben und weißen Streifen durchziehen das Titelbild, sowie das Buch. In der Innenseite der Vorderseite wird näheres zum Buch eingeführt. Im unteren Teil gibt es einen QR Code zum Einscannen per Smartphone. Auf der Innenseite des Buchrückens ist ein Foto von Herrn Felten abgedruckt und sein beruflicher Werdegang als Gymnasiallehrer, Publizist und Schulentwicklunsberater. Die Internetseite eltern-lehrer-fragen.de ist ergänzt. Auf dem Buchrücken gibt es weitere Informationen zum Thema des Buches.Das Buch ist unterteilt in den Überblick, in dem nach Themen, aber nicht nach Seiten das Buch vorgestellt wird. neben dem Prolog, der hinterfragt ob Schulische Inklusion ein Traum oder ein Trauma darstellt, gliedert sicher das Buch in 3 Teile – die Lage – hinter den Kulissen – die Perspektiven. Das Buch endet mit dem Epilog, Anhang und Inhaltsverzeichnis. Herr Felten schreibt direkt aus der Praxis des Gymnasiallehrers und kann viele Beispiele Misslungener Inklusion beschreiben. Das Buch geht auch auf die Inklusionspraktiken verschiedener europäischer Länder ein und zeigt die Inklusion in Deutschland auf. Diese ist je nach Partei unterschiedlich stark ausgeprägt. In Nordrhein Westphalen mit der SPD wird das Totalchaos beschrieben. Hier gilt das Motto „Gemeinsam lernen – normal“. In Bayern und Sachsen ist eher die Version Inklusion in sinnvollen Möglichkeiten und nur in der Mittelschule. Was ich aus dem Buch lernen kann:Inklusion ist sinnvoll für Kinder, bei denen die Zusatzförderung mittels Förderlehrer ausreicht. Für Kinder, die eine körperliche Behinderung haben, ist Inklusion einfach, wenn die Ausstattung gegeben ist. Für Kinder die Verhaltensauffällig sind bzw. geistige große Einschränkungen haben, sind in der Regelschule eher fehl am Platz. Es kommt auf das einzelne Kind an, ob es inklusionsfähig ist oder nicht. Es soll ja nicht die ganze Klasse unter einem Kind leiden müssen bzw. es soll ja jeder etwas davon haben, dass ein Kind in der Klasse mit Mehraufwand vor Ort ist. Auch sollte nur die Inklussion in der Sekundarstufe in einer Mittelschule erfolgen. ein geistig behindertes Kind im Gymnasium ist ein Witz ohne gleichen. Andere Regelkinder müssen wegen zu wenig Leistung vom Gymnastium und das Inklusionskind darf bleiben? Hahaha. Ich finde, Herr Felten geht der Sache Inklussion ganz schön ins Gericht. Zu teuer, zu schlecht ausgestattet, unsinnig. Das kommt bestimmt daher, weil er ursprünglich im Gymnasium unterrichtet hat. Gymnasium ist nur für körperliche Beeinträchtigungen sinnvoll. Hat ein Kind eine geistige Einschränkung, verstärkt das Gymnasium nur die Ausgrenzung. Er wird sicher den Eltern sicher nicht zur Inklusion raten, wenn es anders ermöglichen lässt sein Kind zu unterrichten. Ein Besuch in einer Privatschule ist auch nur für Regelkinder die Alternative. Privatschulen sind nur an einfacher medienwirksamer Inklusion interessiert. Wo mehr Arbeit anfällt, werden die Kinder vor vornherein abgelehnt. FazitDas Buch ist sehr interessant. Ist doch die EU im Inklusionsfieber und jeder Schüler soll es ermöglicht werden in eine Regelschule zu gehen. Ich finde das Buch sehr lesenswert. Neben dem Grundton zu teuer, bringt nichts, sind doch ein paar Zeilen der gelungenen Inklusion gewidmet. Es ist sinnvoll sich die Sache der Inklusion durchzudenken. Doch finde ich, wenn die gezahlten Mittel für das Kind ausreichen, kann ein Schritt in Richtung Inklusion gemacht werden. Dabei müssen aber Schule und Lehrer und andere Stellen mitspielen. Es braucht auch ein Elternhaus welches Zeit und Kraft hat sich mit den bestreffenden Stellen auseinanderzusetzen.Autor: Michael Felten geb. 1951 arbeitet 35 Jahre als Gymasiallehrer, Publizist und Schulentwicklunsberater. Er schreibt für Zeit-online in der Serie „Schulfrage“ www.eltern-lehrer-fragen.deweitere Bücher von Michael FeltenLernwirksam Unterrichten – Carlsen VerlagSchluss mit dem BildungsgeredeAuf die Lehrer kommt es an.

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  • Endlich einmal kritische Töne!

    Die Inklusionsfalle
    parden

    parden

    21. April 2017 um 22:40

    ENDLICH EINMAL KRITISCHE TÖNE!Eine weithin unterschätzte Entwicklung vollzieht sich gegenwärtig. Unter dem hehren Banner der Inklusion werden viele Schulen derzeit umgekrempelt. Immer öfter werden normal oder hoch begabte Kinder zusammen mit leicht oder auch schwer behinderten in einer Klasse unterrichtet, ohne dass die dafür nötigen Ressourcen und Kompetenzen vorhanden wären und ohne dass der Sinn dieser Maßnahme grundsätzlich erwiesen wäre.Dieses Buch spricht die Probleme der derzeitigen Inklusionsentwicklung offen an: die Unterfinanzierung, die fehlenden Qualifikationen sowie die Irrtümer und Grenzen des Konzepts Gemeinsames Lernen. Es gibt einen Überblick über Praxiserfahrungen und Forschungsbefunde, die in der Inklusionsdebatte bisher in nicht genügender Weise wahrgenommen wurden. Und es skizziert die Maxime, nach der wir den schulischen Umgang mit Behinderung für alle Beteiligten gestalten sollten: 'So viel hochqualitative Integration wie sinnvoll und möglich - anspruchsvoller getrennter Unterricht überall da, wo nötig!'"Selbst Befürworter der Inklusion merken anscheinend immer deutlicher, dass nicht nur auf ihrem Rücken, sondern auch durch ihr Mitwirken eine Art Menschenversuch stattfindet, der prinzipiell fragwürdig und darüber hinaus unzureichend ausgestattet ist." (S. 33)Inklusion mit der Brechstange - das ist der Eindruck, den die Schulpolitik der letzten Jahre v.a. in NRW hinterlässt. Ob nun aus ideologischen Gründen oder aufgrund einer Sparstrumpf-Maxime: Förderschulen sollen flächendeckend geschlossen und alle Kinder möglichst nur noch in Regelschulen beschult werden  - ob die Bedingungen dafür nun gegeben sind oder nicht. Wer sich gegen die radikalen Inklusionsbestrebungen ausspricht, gerät rasch in die Ecke desjenigen, der sich auf Veränderungen nicht gut einlassen kann oder, schlimmer noch, mit der These vom 'unwerten Leben' zu sympathisieren.Doch wodurch ist überhaupt die seit nunmehr etlichen Jahren zunehmende Inklusionsentwicklung angestoßen worden? Ursache ist die UN-Behindertenrechtskonvention von 2008, die sich mit den Themen Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung befasst. U.a. soll dadurch das Recht behinderter Menschen auf Bildung verbindlich gesichert werden. Allerdings ist es einem Missverständnis durch einen Übersetzungsfehler zu verdanken, dass das Bildungssystem in Deutschland - und allen voran in NRW - derart revolutioniert wurde."Die Verabsolutierung des Inklusionsprinzips durch den Bundestag wurde dadurch mögich, dass der englische Terminus 'general education system' fälschlicherweise mit dem deutschen Begriff der 'allgemeinen Schulen' (im Unterschied zu den Förderschulen) gleichgesetzt wurde. 'General education system' entspricht aber eindeutig dem, was wir als 'allgemeinbildendes Schulsystem' (im Unterschied zu berufsbildenden Schulen) verstehen, und zu diesem gehören nach deutschem Verständnis eindeutig auch die Förderschulen." (S. 64)Michael Felten, der selbst seit 35 Jahren als Gymnasiallehrer arbeitet, geht auf dieses umstrittene Thema nicht polemisch ein, sondern lässt Fakten für sich sprechen. Langzeitbeobachtungen, einzelne Beispiele aus der Praxis, gesammelte Klagelisten von Lehrern bei den Personalräten, Stimmen aus Fachgruppen und Verbänden, kritische Stimmen in bundesdeutschen Leitmedien, veränderte und unzureichende Ausbildungsinhalte sowohl bei Lehrern als auch bei Sonderpädagogen - eine beeindruckende Sammlung negativer Aspekte der radikalen Inklusion präsentiert der Autor hier und zeigt damit auf, wie bedrohlich die Lage in der Bildungspolitik bereits ist.Jeder, der Kinder hat, kann nachvollziehen, was in Eltern vorgeht, deren Kind in seiner Entwicklung beeinträchtigt oder gefährdt ist. Zufriedenheit, ein selbständiges und auskömmliches Leben mit einem vernünftigen Beruf - das wünschen sich Eltern doch für ihr Kind. Die Möglichkeit der Inklusion beinhaltet für Eltern auch ein Versprechen und damit eine ungeheure Verlockung. Der Makel des 'Nichtnormalen' veschwindet, der beruflichen und sozialen Zukunft des Kindes scheint nichts mehr im Wege zu stehen, die Stigmatisierung durch den Besuch einer Förderschule bleibt aus. Doch die Praxis an den Schulen holt Eltern wie Schüler rasch ein."Verhaltensauffällige Schüler (ES) verteilt man möglichst flächendeckend, um die Problemquote an den Regelschulen möglichst gering zu halten. Im Gegenzug erhält der einzelne Problemschüler aber jetzt kaum sonderpädagogische Betreuung, denn Doppelbesetzung gibt es nur wenige Stunden pro Woche, die Regellehrer sind entsprechend chronisch überfordert." (S. 70)Der Blick über den Tellerrand - also in die Inklusionspolitik anderer Länder - zeigt auf, dass überall dort, wo die Ressourcen, die finanziellen, fachlichen und räumlichen Bedingungen nicht gegeben sind, Inklusion nur auf dem Papier existiert und mit 'Behindertenfreundlichkeit' wenig zu tun hat. Dort, wo die Bedingungen besser sind, läuft die Inklusion jedoch auch nicht immer reibungslos - so gibt es seit der PISA-Studie beispielsweise in nordischen Ländern eine zunehmende Leistungsorientierung und Privatisierung im Schulischen, d.h. leistungsorientierte Kinder finanzstarker Eltern besuchen immer häufiger auch Privatschulen (ohne Inklusion).Dabei spricht sich Felten durchaus grundsätzlich für alle Bemühungen aus, die behinderten Kindern bessere Entwicklungs- und Bildungschancen verschaffen wollen. Die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung muss jedoch ALLEN Kindern zugute kommen - weder für Förderkinder noch für Regelkinder düfen inklusionsbezogene Entscheidungen zu unangemessenen Belastungen führen. Das Wohl des Kindes muss im Vordergrund stehen - und besondere Maßnahmen, die zur Beschleunigung oder Herbeiführung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen erforderlich sind, gelten nicht als Diskriminierung. Förderschulen können dabei zu den 'besonderen Maßnahmen' gezählt werden."Zum Wohl des Kindes bedarf es weiterhin unterschiedlicher Settings." (S. 86)Michael Felten spricht sich letztlich dafür aus, das Schulsystem nicht zu revolutionieren, sondern zu optimieren. Dazu gehören für ihn u.a. (verkürzt dargestellt): eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen allen Schulformen eine kontinuierliche Weiterbildung der Regellehrer eine flächendeckende und hochqualitative Sicherung der Möglichkeiten zu Gemeinsamem Unterricht in allen Schulformen die Sicherung eines breiten Angebots an hochspezialisierten Sonderpädagogen Eine übertriebene und unterfinanzierte Inklusion führt nicht nur zu Bildungschaos für alle Schüler, sondern auch zu einer massiven Überlastung der Lehrer, zu ständigem und unnötigem Frust und zu erhöhten Erkrankungsraten. Felten schließt sich hinsichtlich einer sinnvollen Ausgestaltung der Inklusion in deutschen Klassen dem Forderungskatalog des Verbandes lehrerNRW vom 24.2.2016 an. Und er plädiert dringend für den Erhalt der Förderschulen, damit das Wahlrecht der Eltern nicht beschnitten wird und v.a. damit für jedes Kind der tatsächlich geeignete Förderort gefunden werden kann - gemäß der Maxime: 'So viel hochqualitative Integration wie mögich, sinnvoll unterstützende Separation überall da wo nötig!'.Endlich einmal kritische Töne zum Thema Inklusion - in der Argumentation differenziert und ausgewogen, bezieht Felten eindeutig Position. Er zeigt jedoch nicht nur Hintergründe und Fehlentwicklungen auf, sondern bietet auch Ausblicke und Möglichkeiten von Eltern, Lehrern und Bürgern, den Schülern von heute und morgen zu ihrem Recht zu verhelfen und damit das Wohl der Kinder wieder in den Mittelpunkt zu rücken.Ein wichtiges Buch!© Parden

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