Michael Forcher

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Rezension zu "Andreas Hofer und der Tiroler Freiheitskampf von 1809" von Michael Forcher

Wahrheit und Mythos Anno Neun
Bellis-Perennisvor 7 Monaten

Auch mehr als 200 Jahre nach den Befreiungskämpfen 1809 wird der Wirt aus St. Leonhard im Passeier verehrt wie kein zweiter. Doch ist besteht diese Heldenverehrung zu Recht? Ist Andreas Hofer ein religiöser Eiferer oder ein Anführer wider Willen? Ist der Kampf eine gerechte Sache oder eine Erhebung gegen die Herrschaft?

 

Historiker Michael Forcher nimmt den Mythos “Andreas Hofer” in seinem neusten Buch kritisch unter die Lupe.

 

Doch nicht nur der Freiheitskampf der Tiroler wird hinterfragt, sondern auch die peinliche Rolle die Kaiser Franz I. sowie sein Bruder Erzherzog Johann spielen. Ist Andreas Hofer den Habsburgern auf den Leim gegangen? Immerhin hat der Kaiser viel versprochen und nichts davon gehalten. Welche Rolle hat Freiherr von Hormayr inne? Kocht der sein eigenes Süppchen und verschwindet, als die Situation in Tirol eskaliert? Selbst die Kampf- und Weggefährten des Sandwirts sind nicht immer so von der Sache überzeugt und gefestigt, wie uns der Mythos dies weismachen will.

 

Drei der insgesamt vier Schlachten am Berg Isel gewinnen die Tiroler. Andreas Hofer begeht aber den Fehler, die flüchtenden Feinde nicht zu verfolgen zu lassen. Daher können diese entkommen und später wieder zum Gefecht antreten. Mit diesem Versäumnis steht Andreas Hofer nicht alleine da. Auch Erzherzog Karl macht nach der siegreichen Schlacht von Aspern im Mai 1809 den selbem Fehler. Napoleon kann seine Truppen wieder sammeln und besiegt die Österreicher bei der Schlacht am Wagram im Juni vernichtend. Diese Niederlage hat auch Auswirkungen auf die Kämpfe in Tirol, da sich Kaiser Franz dem Diktatfrieden von Schönbrunn beugen muss. Alle Zusagen an die Tiroler sind null und nichtig. Die diesbezüglichen Verlautbarungen treffen verspätet in Tirol ein und werden nicht geglaubt. Das Vertrauen zum Kaiserhaus ist nachhaltig gestört.

 

In der vierten Schlacht am Berg Isel scheint Hofer körperlich und geistig nicht mehr auf der Höhe zu sein. (Man munkelt von Alkoholexzessen.), daher werden die Tiroler aufgerieben. Der Triumpf der Bayern und Franzosen ist vollkommen. Das Land, das damals auch das heutige Südtirol umfasst, wird in drei Teile geteilt. Ein Stück vom Kuchen erhalten die Bayern, ein Teil wird den “Illyrischen Provinzen” (=Kärnten) und der Rest dem Königreich Italien zugeschlagen.

 

Doch es sind nicht nur taktische Fehler, die den Tiroler Freiheitskampf scheitern lassen. Andreas Hofer ist Wirt und kein Militärstratege. Er ist ohne Zweifel charismatisch und gottesfürchtig. Allerdings scheint er bei seinen diplomatischen Bemühungen in Wien, die Zwischentöne, die am Kaiserhof gesprochen werden, nicht zu erkennen. Das würde zu dem eher geradlinigen Menschen gut passen. Er hört und versteht vermutlich nur das, was er hören möchte, weil es seiner Sache dienlich ist.

Während seiner zahlreichen Abwesenheiten übernehmen andere, wie Joseph Speckbacher oder der fanatisch reaktionäre Kapuzinerpater Joachim Haspinger das  Kommando über die Aufständischen.

 

Nach der Niederschlagung des Aufstandes flieht Andreas Hofer und wird 1810 von Peter Raffl an die Franzosen verraten. Obwohl Italiens Vize-König Eugéne de Beauharnais den Sandwirt zu Festungshaft begnadigen will, erlässt Napoleon höchstpersönlich den Vollstreckungsbefehl, nicht vorausahnend, damit einen Mythos erschaffen zu haben.

Andreas Hofer wird am 20. Februar 1810 in Mantua hingerichtet.

 

Meine Meinung:

 

Ein sehr gelungenes Buch über den Tiroler Freiheitskampf und die Heldenverehrung rund um Andreas Hofer, der hier nicht so als großer Held erstrahlt.

Historiker und Autor Michael Forcher ist in Lienz (Osttirol) geboren und geht mit dem Mythos, den die Nachwelt um Andreas Hofer kultiviert, manchmal auch recht hart ins Gericht.

 

Die komplexen Zusammenhänge während der fünf Koalitionskriege werden gut dargestellt.

Zahlreiche Bilder, Augenzeugenberichte und Zitate machen dieses Buch zu einer spannenden Lektüre.

 

Fazit:

 

Ein eindrucksvolles Sachbuch, das sich wie ein Roman liest. Gerne gebe ich 5 Sterne.

 


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