Michael Hametner Eisfischen

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    Eisfischen

    gst

    14. September 2013 um 11:03

    Nach zehn Jahren hat sich die Zusammenfassung der besten Beiträge zum MDR-Literaturwettbewerb ein neues Outfit zugelegt. Moderner aussehend und im Mitteldeutschen Verlag erschienen, beinhaltet das Buch nun 16 Kurzgeschichten (früher waren es nur 12). Den ersten Preis erhielt Thomas Pletzinger für "Bruck" (Lebensrückblick eines Mannes, dem wegen Diabetes ein Bein abgenommen werden soll). "Sonntagskinder" haben immer Glück - zumindest glauben sie daran. Natalie Balkow erhielt für ihre Erzählung von Lebensumständen, die mir gar nicht so glücklich vorkommen, den zweiten Publikumspreis. Sehr genau beobachtet hat Nils Mohl ein älteres Ehepaar. Sein "Tanzen gehen" kam auf den dritten Platz. Wieder einmal ist ein breites Spektrum an Geschichten abgedruckt. Gerade diese Vielfalt führt dazu, dass sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen befriedigt werden. Während ich zu Anja Kampmann und ihr "achtunddreißig nanga parbat" keinen Zugang finde, bin ich von Andreas Heidtmanns "Notfalls Marmelade" richtiggehend begeistert. Er beschreibt eine junge Frau auf der Endlosspirale ins soziale Aus und ihre nicht schwindende Hoffnung auf ein besseres Leben. Wer kennt sie nicht, die Hypochonder, die sich ohne Krankheit wertlos fühlen? Dass man daraus eine lesenswerte Erzählung machen kann, beweist Lothar Becker in "Fischwinters Gebrechen". Fröstelnd blieb ich nach der Lektüre von "Eisfischen" zurück. Sehr gekonnt entführt Björn Kern in ein Dorf, in dem die Hunde - und nicht nur die - verrückt spielen. Hunde spielen auch bei Julya Rabinowich eine Rolle. "Die Hunde von Ostia" entfachen Erinnerungen an Demütigungen, die mit der Emigration russischer Juden zusammen hängen. Einer meiner Favoriten dieser Ausgabe ist "Saragossa" von Sabrina Janesch. Sie schafft es, mich bis zur vorletzten Zeile über die Aussage ihrer Erzählung im Unklaren zu lassen. Gelungen finde ich auch "Mein Haus" von Kathrin Groß-Stifter. Hier begibt sich ein (allem Anschein nach dementer) Protagonist auf eine verzweifelte Suche nach seinem unauffindbaren Haus. "Kindern und Fischen nach" heißt der berührende Beitrag von Alexandra Lavizzari, in dem sie versucht, sich in die Gedankenwelt eines traumatisierten Kindes zu versetzen, das sprachlos und dem Tod nahe im Krankenhaus liegt. Bereits zum zweiten Mal ist Johann Peters "Titten-Lores Ende" abgedruckt. Diesmal jedoch vollständig, nun erfährt der Leser mehr über die jüdische Sportlehrerin, die das KZ überlebte und trotzdem an einer Gasvergiftung stirbt. "Tot" lautet der Titel von Henning Monetas Beitrag, in dem er sich aus der Sicht eines Erwachsenen mit Sexphantasien eines 15jährigen beschäftigt. Sandra Trojan widmet sich auch den Sorgen eines Jugendlichen: der ist ein "Zeitungsjunge" auf der Suche nach seiner Identität. Über Ferien und brutale Schläger schreibt Marcel Häußler in "Zwei Fremde". Und schließlich erfahren wir von Katja Thomas in "Murmeln" etwas über das nicht vorhandene Zusammenleben in einem Mietshaus, wo sich trotz gegenseitiger Beobachtung keiner wirklich mit dem anderen auseinandersetzt. Die Zusammenstellung der von der Jury ausgewählten besten Beiträge ist in meinen Augen gelungen, auch wenn mich nicht jede Geschichte gleich anspricht. Leute, die selbst gern schreiben, können bei der Lektüre dieser Geschichten eine ganze Menge lernen!

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