Michael Hametner Grüner Mond und andere Erzählungen

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Inhaltsangabe zu „Grüner Mond und andere Erzählungen“ von Michael Hametner

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  • Rezension zu "Grüner Mond und andere Erzählungen" von Michael Hametner

    Grüner Mond und andere Erzählungen

    gst

    24. November 2010 um 10:37

    "Manche Leben gehen fast unbemerkt vorüber, bevor der Vertrag gelöst wird, den Körper und Seele miteinander geschlossen haben. Doch ehe sie sich entschließen, der Ewigkeit ins Gesicht zu spucken oder sie zu umarmen, verhöhnt die Zeit eine stattliche Anzahl von Uhren." Mit diesen Worten beginnt Undine Materni ihren Beitrag "Friedas Himmelfahrt", in dem sie ihre Gefühle zum Ende ihrer Großmutter zusammengefasste. Ebenso wie ihre Geschichte gehen auch die meisten der anderen elf Erzählungen, die 1996 beim MDR-Literaturwettbewerb als die besten ausgewählt wurden, tief unter die Haut. Sie waren ohne Themenvorgabe, durften aber eine Länge von 15 Leseminuten nicht überschreiten. Die ausgewählten Autoren - damals zwischen 25 und 64 Jahren alt - haben ein echtes Zeitdokument geschaffen. Der Leser erfährt, wie mitteldeutsche Autoren ihre Umwelt wenige Jahre nach der Wiedervereinigung erlebten. Für mich ist diese Anthologie eine wahre Fundgrube, lerne ich doch neben DDR-Eigenheiten auch Autoren kennen, von denen ich gerne noch mehr lesen will. Matthias Biskupek setzt sich in "Wie Walter Ulbricht ums Leben kam" sehr humorvoll mit seiner DDR-typischen Vergangenheit auseinander und benutzt während der ,Weltfestspiele der Jugend und Studenten' ein ganz eigenes Vokabular. Katrin Dorns Protagonistin ahnt in "Nach einem Jahr", dass nichts so bleibt, wie es einmal war. Sie beschäftigt sich in deutlichen Bildern mit Abstand und Nähe in Beziehungen. "Eine fatale Geschichte" heißt der Beitrag von Hans Holdsch, den ich für mich in ,wie man unzufriedene Menschen auf den richtigen Weg führt' umbenannt habe. Karlheinz Klimts "Eine etwas anrüchige Geschichte" ließ mich mehrmals laut auflachen, des Protagonisten Leid ist eben des Lesers Freud ... Armselige Kindheitstage durchziehen Henner Kottes Indianerfüße". In ähnlichem Milieu scheint sich auch Kurt Wünschs "Gauloises Blondes - Freiheit für Dich" abzuspielen. Erinnerungen an den Großvater hat Rainer Klis in "Der Soldat" festgehalten und das Durcheinander von Traum und Wirklichkeit, das Gunter Preuß "Grüner Mond" durchzieht, erschütterte mich als Leserin. 1996, im ersten Jahrgang dieses Wettbewerbs, erhielt Renate Schröder für "Die Mahlzeit" den ersten Preis. Die 1932 in Leipzig Geborene gibt darin sehr eindringlich Erinnerungen an die ersten Nachkriegsjahre preis. Der ebenfalls in Leipzig geborene Jan Stottmeister ist mit seinen damals 25 Jahren der jüngste im Buch vertretene Teilnehmer und gleichzeitig der zweite Preisträger. In "Flugzeuge" lässt er den Leser einen Sonntag in der Laubenkolonie miterleben. Abgerundet wird diese lesenwerte Anthologie von Winfried Völlgers Märchen "Die goldene Gräte". Es heißt, dass gute Kurzgeschichten verschenkte Romane seien. Ich genieße es, kurz und bündig zusammengefasste Erzählungen präsentiert zu bekommen. Sie lassen mir viel Raum für eigene Phantasie und regen mich oft sehr zum Nachdenken an. Ich finde, dass es sich lohnt, dieses Zeitdokument immer mal wieder in die Hand zu nehmen.

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