Michael Hametner Risse im Beton

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Inhaltsangabe zu „Risse im Beton“ von Michael Hametner

Hager geht's nicht so gut. Genau genommen ist er tot. Seit acht Tagen. Sitzt auf einem Stuhl in seiner Küche. In seinem Haar glitzern Eiskristalle, die Haut schimmert blässlich blau, die Hose steif vor Kälte ... Risse im Beton versammelt eine ungewöhnliche Reihe von Nahaufnahmen, die einen Blick auf die Wirklichkeit riskieren und dabei die kleinen Desillusionierungen und großen Risse ans Tageslicht befördern - ein facettenreiches Spektrum an Stoffen, Themen und Schreibweisen, die in der Kurzgeschichte ausprobiert werden. Mit Texten von Sascha Dickel, Katharina Hartwell, Philip Meinhold, Stefan Petermann, SAID, Andreas Stichmann, Kilian Winkelmann u.a.
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  • Rezension zu "Risse im Beton" von Michael Hametner

    Risse im Beton

    gst

    24. November 2010 um 09:29

    Dies ist kein Buch, um es an einem Stück zu lesen. Zu viel wird zwischen den Zeilen erzählt, zu unterschiedlich sind die einzelnen Autoren dieser Anthologie. Es lohnt sich, nach jeder Erzählung inne zu halten, um in sie und sich selbst hinein zu lauschen. Nicht zu Unrecht bemerkt der Herausgeber Michael Hametner zu den 25, aus dem 14. Literaturwettbewerb des MDR 2009 ausgesuchten Kurzgeschichten: "Eine Sache recht betrachten heißt, sie von ihrem Anfang her betrachten." Ich kann nicht sagen, welche der Kurzgeschichten mein Favorit ist, da jede Story eine andere Saite in mir anschlägt. Ja, es ist erstaunlich, wie viele Saiten man selbst hat. Allerdings genügen sie bei mir nicht für alle Autoren. Beispielsweise hatte ich mit Marietta Schröders "Holzscheitlknien" Probleme. Zum einen lassen ihre unvollständigen Sätze mehr erahnen, als sie tatsächlich ausdrücken; zum anderen ist mir das Ende der Geschichte einfach zu grauenvoll. Auch Franks Schulz' "Wenn Beelzebub flennt" zähle ich für mich zu den "abstrakten" Erzählungen, die ich nicht nachvollziehen können muss. Schließlich versteht auch nicht jeder Bildliebhaber abstrakte Gemälde. Was gehört nun zu literarischen Kurzgeschichten? Natürlich die Liebe! Sie wird von Kilian Winkelmann in "Zelda" behandelt und in Nicole Mahnes "Zoe versucht Nähe". David Vondracek beschreibt seine abschweifenden Gedanken während eines Kusses und Kenah Cusanit überzeugt uns in "Nach drei Jahren", dass die Liebe immer noch schön ist. Reisen bringen neue Erkenntnisse, die Geschichten über Reisen auch. Philip Meinhold lässt in "Und am Ende, ganz am Ende" das Ende offen, gibt viel Raum, um eigene Erfahrungen hinein zu interpretieren. Herrliche Ferientage, die den Alltag jedoch mit einem negativen Nachgeschmack vergällen, hat Nicole Paskow in ihrer "Zigeunerstory" beschrieben. Emma Braslavsky lässt ihre Protagonistin Isalie "Nirgends" ein zu Hause finden - doch statt Mitgefühl ins Herz hat sie mir ein ironisches Lächeln um den Mund gezaubert. Sascha Dickels "Schienen" zeichnen sehr deutliche Bilder und führen in eine grausame Dunkelheit. Wo soll ich Anselm Nefts "Der Hund" einordnen? In die Reisereportage, zu den Liebesgeschichten oder doch eher in die Erzählungen, die das Leben schreibt? Thomas Mokkahoffs "Jetzt bin ich also hier" erzählt auf jeden Fall vom Leben: Er beschreibt eine Selbsthilfegruppe von Krebserkrankten. Nachdenklich und traurig machte mich Katharina Hartwell mit "Aber man hat ja noch den Sicherheitsgurt", der aber nicht in jeder Lebenslage ausreicht. In "Der Tipp des Arztes" beschreibt Seher Cakir das verquere Seelenleben einer 14jährigen. Wirklichkeit und Traum liegen nur einen "Wimpernschlag" auseinander, das weiß man spätestens nach der Lektüre von Gerhard Reiningers Geschichte. Anregungen für schlaflose Nächte findet man in Hartmut Pospiechs "Komm zu mir in der Nacht". Fasziniert hat mich Konrad Roennes Experiment "Virtus". Darin erzählt er humorvoll und traurig auf sieben Buchseiten in nur zehn Sätzen vom Leben eines Heimleiters. Der Tod und ein kleiner Junge stehen im Mittelpunkt von Stefan Petermanns "Hager". "Ich weiß, sagt Paul", der kleine, behütete Junge zu seinem Freund, dessen Leben er bewundert, gerade weil dieser nicht so sorgenfrei gehalten wird - dabei, lässt Maja Roedenbeck durchblicken, fühlt er sich völlig unwissend. Said schreibt in "cabajone wartet" alles klein. Vielleicht fühlt sich der verlassene Mann in dem verlassenen Dorf ebenso klein, weil er seine Vergangenheit nicht mehr ändern kann? "Warum schon wieder zu Watan?" fragen sich die Freunde, die doch nur Gras kaufen wollen. Was sich so "harmlos" darstellt, ist eine ganz beeindruckende Art, eine Biografie zu schreiben. In meinen Augen ist Andreas Stichmann hier ein besonderer Wurf gelungen. Auch "Frau Milo" von Ingrid Venohr hat mir gefallen: hier steckt die wahre Schönheit unter vielen Hüllen und ist nicht gleich zu sehen. Christine Sieberts "Vulkanausbruch" erzählt von einer Psychologiestudentin und ihrem Entführer. Zum Schmunzeln regt Wolfram E.Schneider-Mombaur mit "Auferstanden aus Pralinen" an - besonders die nicht mehr ganz jungen Jahrgänge, die sich selbst noch an das Wirtschaftswunder und die ersten Kartoffelschälmaschinen erinnern. Was bleibt von der Lektüre dieser Anthologie? "Risse im Beton", die viel Raum für eigene Interpretationen lassen und dank der Geschichte von Norbert Herrmann dem 170-seitigen Buch den Titel gaben.

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