Die Vergangenheit: Abwesendes. Und doch vorhanden, als Spurenelement, als Schatten, als Versprechen, als plötzlicher Quell und drohender Schrecken, in der Gegenwart. In den Schriften von Thomas De Quincey gibt es einen Abschnitt, wo er behauptet, dass sich jeder Moment der Vergangenheit ausdehnt - in beide Richtungen. Je länger er in die Gegenwart reicht, desto weiter scheint er auch weg zu sein, desto mehr wird er zum Inbild des entgültig Vergangenen.
Und doch kann es gegenwärtig erscheinen, das, was wir mal waren, was einst war. Das führt uns Michael Hillen in seinen Gedichten mit eindrucksvoller Behutsamkeit vor Augen. Noch mehr: seine Zeilen lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir auch in Teilen aus dem bestehen, was vergangen ist. Denn vieles, was uns begegnet, ist ein Spiegel, in dem wir uns selbst, aber auch das, was hinter uns liegt, sehen.
"Wo das gestern geblieben ist" ist ein Buch der Wehmut, lotet die Vielfalt dieser Emotion aus, von den persönlichen Kindheitserinnerungen über die Erscheinungen und Versäumnisse der Historie bis zu den Untiefen des flüchtigen Einblicks in das Leben der anderen. Das Gestern ist geblieben, bleibt ein Gestern, wir aber bleiben nicht, obwohl wir ein Teil dieses Gestern sind.
Lyristix


