Rezension zu "Franziskus – Der Löwe von Assisi: Ein Rebell, ein Heiliger, eine Revolution" von Michael Hollmann
Vera-SeidlAuf nur 137 Seiten in 12 Kapiteln ist es Michael Hollmann in seinem biografischen Roman „Franziskus - Der Löwe von Assisi: Ein Rebell, ein Heiliger, eine Revolution“ gelungen, die Leidenschaft eines Heiligen einzufangen.
Nachdem Oliver Wagner vom 3Burgen Verlag sachlich in das Buch einführt, schleudert Hollmann den Leser in seinem Prolog in das Jahr 1205 nach Spoleto und lässt Franziskus im Traum eine Stimme hören: „Wem willst du dienen, dem Knecht oder dem Herrn?“
Dann erst, im ersten Teil, schaut er auf die Kinder- und Jugendjahre von Franziskus Bernardone
Unter der Überschrift „Der Prinz von Assisi“ erzählt der Autor von den „zwei Welten, die sein junges Leben prägten: Die praktische, auf Gewinn ausgerichtete Welt seines Vaters und die poetische, verfeinerte Kultur seiner französischen Mutter.“
Der junge Tuchhändlersohn beginnt seine Kleidung zu verschenken, schließlich sogar seine Rüstung, die sein Vater für ihn fertigen ließ, damit er die Stadt Assisi gegen Perugia verteidigen könne.
Die Schlacht, seine Verletzung und die Gefangenschaft lösen bei ihm Träume und Visionen aus, die Franziskus völlig wandeln. „Als er zu Boden sank, hatte er eine seltsame Vision: Er sah sich selbst in einer anderen Rüstung, golden wie die Morgensonne. Aber es war keine Rüstung aus Metall – es war ein einfaches Gewand, gegürtet mit einem Strick.“
Nach seiner Rückkehr nach Assisi begibt er sich in eine der Höhlen am Monte Subasio: „Vögel landeten manchmal ganz in seiner Nähe, ohne Scheu. Ein Rotkehlchen begann regelmäßig wiederzukommen, als wäre es sein Gefährte in der Einsamkeit. ‚Kleine Schwester Vogel‘, sprach er zu ihm, ‚du lebst von der Hand Gottes, ohne zu säen und zu ernten. Warum sorge ich mich dann um Kleider und Besitz?’“
Wieder vernimmt er die Stimme: „Franziskus, siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh und stelle es wieder her!“
Franziskus sagt sich öffentlich von seinem Vater los, gibt Geld, Kleidung und sogar den Namen zurück. Er möchte zur ursprünglichen Einfachheit des Evangeliums zurückkehren.
Dazu gehört unentgeltliche Arbeit, das Predigen und die Pflege von Kranken und Aussätzigen. „‚Achtet darauf‘, mahnte er, ‚dass ihr keine festen Häuser baut. Bleibt Pilger und Fremde in dieser Welt.‘“
In Rom erzielen er und seine Anhänger einen ersten Erfolg. Hollmann kommentiert: „Die allererste Regel von 1209/1210, die Papst Innozenz III. mündlich bestätigte, ist leider nicht im Original erhalten. Sie war vermutlich eine sehr kurze Sammlung von Evangelienzitaten mit einigen praktischen Anweisungen.“
Im nächsten Kapitel führt er Klara von Offreduccio ein. Sie flieht mit ihrer Schwester aus dem Elternhaus und gründet in San Damiano einen Schwesternorden.
Kurz und knapp, aber leidenschaftlich, wie es Hollmanns Art ist, schildert er Franziskus Reise nach Damiette (Ägypten) und seine Begegnung mit Sultan al-Malik al-Kamil. Letzteren lässt er sprechen: „Weißt du, dass auch unser Prophet lehrte, dass der größte Dschihad nicht der äußere Kampf ist, sondern der innere – gegen die eigene Selbstsucht?“
Nach seiner Rückkehr machen Konflikte innerhalb des Ordens eine weitere Reise nach Rom notwendig. Hollmann schreibt: „Und dies ist die Ordensregel der Franziskaner, wie Sie Papst Honorius III. am 29. November 1223 bestätigte. Wenn Ihnen, lieber Leser, das denn doch etwas zu viel des historischen Hintergrunds ist, dann können Sie direkt zu Seite 121 vorblättern:“
Gemeinsam mit Bruder Leo steigt Franziskus auf den Monte La Verna. „Hier wollte Franziskus das vierzigtägige Fasten zu Ehren des Erzengels Michael halten.“ Leo erlebt nicht nur einen leuchtenden Berg, sondern sieht auch die Kreuzmale an Franziskus Händen und Füßen. „Weißt du, kleiner Bruder, was mich am meisten erschüttert? Nicht die Wunden, nicht der Schmerz. Sondern dass Er, der Höchste, sich so tief zu mir Niedrigstem herabneigt. Dass seine Liebe sich in meinem armseligen Fleisch ein Zeichen setzt.“
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Zwei Seiten weiter erklärt Franziskus seinem Gefährten: „‚Sieh, kleiner Bruder. Am Anfang lebt die Seele neben Christus – zwei getrennte Kreise. Dann beginnt sie, sich nach ihm zu sehnen, sich ihm zu nähern – die Kreise berühren sich. Aber dann …’ Er verwischte die Kreise und zeichnete einen einzigen. ‚Dann geschieht das Wunder. Die Seele verliert sich selbst und findet sich in Ihm. Sie denkt nicht mehr 'ich' und 'du', sondern nur noch ‚wir‘.’…’Jetzt verstehe ich’, sagte er einmal zu Leo, ‚warum der Herr mich den Weg der Armut führte. Nur das leere Gefäß kann Er ganz füllen. Nur wer nichts mehr sein Eigen nennt, kann ganz Sein Eigen werden.’“
Nach solchen Erläuterungen kann nur noch der Tod folgen. „‚Bleibt in Seiner Liebe‘, waren seine letzten Worte. ‚Alles … ist … Gnade.‘“
Im Epilog widmet sich Hollmann der Wirkungsgeschichte: „In seinem letzten Brief an Klara hatte Franziskus geschrieben: ‚Ich schreibe dir wie eine Mutter ihrem Kind. Alles, was ich dir sagen möchte, lässt sich in drei Worte fassen: Gott ist Liebe.’ Diese einfache Botschaft hallt durch die Jahrhunderte.“
Was ist dem noch hinzuzufügen? Zuerst muss hier mein herzlicher Dank an Michael Hollmann stehen.
Zuletzt noch die Anregung, das E-Book leserlicher zu gestalten.
Vera Seidl


