Michael Hudson

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Der Sektor, Finanzimperialismus und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Michael Hudson

Michael Hudson, geboren 1939, lehrt Wirtschaftswissenschaften an der University of Missouri in Kansas City; daneben ist er Finanzanalyst und Berater an der Wall Street. Er gehört zu dem Teil der Occupy-Bewegung, die sich aus Finanzexperten und Ökonomie-Professoren zusammensetzt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Michael Hudson

Cover des Buches Der Sektor9783608964042

Der Sektor

 (4)
Erschienen am 20.04.2019
Cover des Buches Finanzimperialismus9783608947533

Finanzimperialismus

 (1)
Erschienen am 11.11.2017
Cover des Buches Killing the Host9781568587370

Killing the Host

 (0)
Erschienen am 24.07.2014

Neue Rezensionen zu Michael Hudson

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M

Rezension zu "Der Sektor" von Michael Hudson

Ernüchternd, treffend, mit starken Argumenten und Analysen versehen
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Ernüchternd, treffend, mit starken Argumenten und Analysen versehen

„Die Themen, die mich interessierten, wurden an der New York University…… nicht unterrichtet“.

Was Wunder, wenn Hudson, mit scharfem Verstand und mannigfaltigen Erfahrungen in der Finanzbranche und den Wirtschaftswissenschaften, schon in frühen Jahren Problematiken ansprach, die sich bis heute exponentiell gesteigert haben, aber dennoch der herrschenden Meinung eines „Die Wirtschaft muss laufen“ stark entgegenstehen.

Und noch schwieriger wird es im Feld der allgemeinen Verständnisse und Setzungen der Wirtschaft und des Finanzsektors, wenn Hudson sehr gründlich die primäre Stellung des „Gläubigers“ hinterfragt, auf der Blaupause der lateinamerikanischen Pleiten mit ihren Schuldenschnitten bis hin zur Erlassung von Schulden Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts anführt und den Vergleich zur Gegenwart zieht, in der anscheinend auch gewählte Regierungen, ihrem Volk eigentlich als erstes verpflichtet, diese Fürsorgepflicht hintenanstellen müssen um einen „Ausverkauf ihres Landes“ zur Bedienung von Schulden aktiv selbst noch mit vorantreiben zu müssen. Wie in Griechenland zu sehen, in der am Ende die öffentliche Infrastruktur, Häfen und anderes verkauft werden müssen zur Deckung von nationalen Schulden.

Dies, so führt Hudson durchaus mit gewichtigen Argumenten aus, ist eben der Kernantrieb der globalen Finanzwirtschaft. Geld immer mehr zu akkumulieren in wenigen Händen, herauszuholen was herauszuholen ist und am Ende ein gar ganzes „geplündertes Land“ zurückzulassen um sich des nächsten „Opfers“ weltweit „anzunehmen“.

Ein System, dem Hudson die Wirtschaftsordnungen der Jahre nach dem zweiten Weltkrieg bis etwa zum Ende der 70er Jahre hin gegenüberstellt, in der „plangeleitetetes staatliches Handeln“ Zeichen der Stunde war und damit Kontrolle, soziale Verteilung und Einhegen von Auswüchsen ob der Erfahrungen der Entwicklung hin zu zwei Weltkriegen (für die ebenfalls wirtschaftliche Entwicklungen mit angeführt werden können) das politische Handeln geleitet hat.

Dass dann zwei Behauptungen mehr und mehr erkennbar gegenüberstehen, ist eine überaus umstrittene Frage dann, die aber Dank Hudson nicht lapidar beantwortet werden kann. Während Hudson einem „starken Staat“ das Wort führt, darin die wohl einzige wirksame Möglichkeit einer stabilen, den Menschen dienenden Wirtschaft sieht, richtet sich dies natürlich gegen jede Form der „freien Marktliberalität“, in der ebenso vehement behauptet wird, dass der Staat (immer) der „schlechtere Wirtschafter“ ist.

Wobei für den Leser eine einfache Gegenprobe natürlich möglich ist. Wie stellten sich Vermögensverteilung, Infrastruktur, Arbeit und Wirtschaften zwischen 1950 und 1980 oder 1990 dar mit welchen Folgen für die Menschen und den sozialen Frieden im Land und wie stellt sich die weltweite Vermögensverteilung, der soziale und politische Friede, die Infrastruktur und mehr in der Gegenwart dar? In der doch scheinbar nurmehr jemand selbst nur eine Wohnung an vielen Orten findet, für den Geld nicht die wichtigste Rolle im Leben spielt, während selbst die Mittelschicht (und das nicht nur beim Wohnraum), mehr und mehr an die Ränder gedrückt wird.

Am Ende bleibt: Es sind die Schulden und die Form, in der Schulden erzeugt und für eigene Machtansprüche genutzt werden, was die Welt an den Abgrund führt.

Was Hudson ebenso ruhig und beredt erläutert, wenn er die Kulturgeschichte des Geldes und der Schulden ebenso fundiert im Buch vorführt, wie er die Auswirkungen dieser „Schuldenlasten“ und der „Lust, Geld zu verleihen“ um es dann gnadenlos einzutreiben und auf diesem Weg den Schuldner nicht nur „in den Schulden“ zu halten, sondern diese immer weiter zu erhöhen (Zinseszinseffekt).

Dass Hudson dies mit den „Parasiten“ des Tierreiches vergleicht, passt da wie die Faust aufs Auge. Bis hin zur „Fledderei“ des irgendwann toten Wirtes umgehend einen neuen Wirt „anzufallen“.

Ob man diesen Linien und dieser Analyse nun zustimmt oder nicht, ob man Hudsons Lösungsvorschläge als sympathisch oder überzeugend oder beides oder das Gegenteil bewertet, das Buh stellt in allen Fällen eine wichtige und fundierte Lektüre dar, die man einfach gelesen haben sollte.

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Rezension zu "Finanzimperialismus" von Michael Hudson

Nüchtern, sachlich, erschreckend und umfassend überzeugend in der Argumentation
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Nüchtern, sachlich, erschreckend und umfassend überzeugend in der Argumentation

Wer ein weiteres Buch zur „aktuellen Lage der Weltwirtschaft“ in rein gegenwärtiger Form und den Blick nur auf die Krisen der Gegenwart gerichtet erwartet, der wird umgehend im Werk eines anderen belehrt.

Nicht nur, weil die Darlegungen des Buches zu Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts enden und die gegenwärtigen Probleme nicht explizit einer Analyse zugeführt werden. Was aber auch gar nicht sein muss. Denn hat man das System im Verlauf der Lektüre verstanden, tauchen viele aktuelle Probleme und Ungleichheiten in eine klareres Licht. Schicksal ist das alles nicht, was im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem sich entwickelt hat bis heut und mit Glück einzelner hat das ebenso wenig zu tun.

Natürlich ist die gegenwärtige Situation mit ihren vielfachen, globalen Verwerfungen, was den „Kapitalismus“ mit seiner starken Bevorzugung bereits Vermögender und dem immer schnelleren und massiveren „Abrutschens des „Restes“eine Folge dessen, was Hudson fundiert und detailliert aufzeigt.
Im Zuge seiner Spurensuche des großen, historischen Zusammenhanges.

Dabei findet und legt er die Ursachen des heutigen Systems mit all seinen Verwerfungen in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg und, ganz deutlich, in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, in denen quasi am „Reißbrett“ eine neue Weltwirtschaftsordnung entwickelt wurde, die mit weitgehend ausschließlich amerikanischen Interessen, gegründet, vollzogen und im Lauf der Jahre bis zur Gegenwart immer wieder flexibel angepasst wurde. Was allein der damaligen Finanzmacht der USA zu erklären ist.

Jenes „America First“ und dabei noch genauer „amerikanische Investoren gleichrangig zum amerikanischen Staat first“, welches Trump so markant zum Slogan machte, ist somit seit ehedem die klare Handlungsmaxime der USA und keine Erfindung der aktuellen Regierung der USA.

Fast zu empfehlen ist es dem Leser, mit dem Kapitel über Bretton Woods die Lektüre zu beginnen. Wo aus den Fehlern der Jahre nach dem ersten Weltkrieg gelernt wurde (Reparationszahlungen machten wirtschaftliche Entwicklung schwer bis gar nicht möglich und den Schaden hatten vor allem die „Kreditgeber der Welt“, die USA. Kunden ohne finanzielle Mittel sind keine guten Kunden).

Wo ein „Aufbau“ Europas im Sinne der USA war, die dafür Investitionen bereitstellten, die durch Käufe amerikanischer Produkte privaten Investoren und durch deren Steuern dann wiederum dem Staatssäckel zu Gute kamen. Ein perfekter Kreislauf, in dem nur die amerikanischen Interessen wirklich interessierten und sich durchsetzten.

Natürlich auch zum Wohle der „Wirtschaftswunderjahre“ in Europa, die damit einerseits Gläubiger der Amerikaner blieben und andererseits genügend Wirtschaftskraft entwickelten, amerikanische Produkte und Anleihen zu erwerben. Mit dem Preis einer Art „finanzieller (gewollter) Geiselhaft“.

Mit welchen Tricks da gearbeitet wurde, das liest sich hervorragend dargestellt und erschreckend in der Wirkung.

Dass es die USA waren, die IWF und Weltbank gründeten und dort die Kontrolle bis zum heutigen Tag durch ihre Dollars ausüben, ist eine nicht jedem völlig klare Struktur, die nach der Lektüre des Werkes alle Scheuklappen beim Leser entfernt.

Als einfaches Beispiel sei der Umgang mit dem Britischen Empire genannt, mit eigenen wirtschaftlichen Regeln und Schutzzöllen, welche für die USA ein Hindernis auf dem Weg zum angestrebten „völlig freien Fluss des Geldes“ (natürlich nur solange frei, wie es in den USA bei privaten Investoren und in Form von Anleihen wieder landete).

Die Notwendigkeit von Investitionen nach dem Krieg, die Kosten für die überseeischen „Kolonien“ und die Tatsache, dass kein Überschuss in England selbst erwirtschaftet wurde, führten zum „Einfrieren“ von Geldern, da Schulden nicht bedient werden konnten.

Einmal kurz am Geldhahn in Richtung „Zu“ gedreht, und schon entstand jene „Special Relationship“ in Britannien, die diplomatisch als „auf Augenhöhe“ behauptet wird, in Wahrheit aber Groß-Britannien in völlige Abhängigkeit von IWF und Weltbank brachte und damit zum Untertanen der USA werden ließ. Freier Handel ohne ein anders Konglomerat aus Staaten oder eines „Empire“ mit eigenen Regeln war damit gewährleistet.

Multilaterale Abkommen in einer globalisierten Wirtschaft sind ebenfalls in Folge von Bretton Wood ad acta gelegt.

„So drohte jedem Land, das volle wirtschaftliche Autonomie anstrebt, das Exil (aus dem Wirtschaftsblock)“.
„Andere Länder verwandelten sich zu wirtschaftlichen Satelliten der USA“.

Dass, wie Hudson ausführt, diese wirtschaftliche Diktatur „nicht gutartig“ war, zeigt sich mehr und mehr, die Wurzeln aber liegen nicht in aktuellen Finanzkrisen wie im Jahre 2008, sondern all diese sind nur Symptome eines Systems, dass die Welt vorrangig aus eigenem Profitinteresse ausquetscht. Die Kritiker der aktuellen amerikanischen Steuerreform, sollten sie Recht behalten, beschreiben damit nur die Fortschreibung des internationalen Systems auf nationaler Ebene. Der Nutzen einzlener oder weniger oder nur einer „Nation“ auf Kosten aller anderen, die gerade soweit „am Leben gehalten werden“, dass ihnen ein gewisser Konsum möglich ist, der durch Kreditvergabe und Konzentration von Wirtschafserzeugung dauerhaft als Zustand gefestigt wird.

Eine umfassende und fundierte Darstellung, die den Leser nichts anderes als erschreckt zurücklässt und die Augen weit öffnet, dass es das Geld und nur das Geld im Blick auf Interessen weniger ist, dass die Welt wie in einem Spinnennetz in seinen Fängen hat. Wobei das eine altbekannte Tatsache sein mag, aber hier die Strukturen umfassend öffentlich gelegt werden, wie das Geld in großem Maßstab die Welt regiert.

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Rezension zu "Der Krieg der Banken gegen die Welt" von Michael Hudson

Fundamentale Informationen über eine fundamentale Bedrohung
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Fundamentale Informationen über eine fundamentale Bedrohung

Was gewinnt?

Die jahrhundertealte Sehnsucht nach Freiheit, die durch mannigfaltige Revolutionen und Kriege sich über Jahrhunderte hinweg in teilweise erbitterten Kämpfen zumindest in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika herausgebildet hat?

Oder die nackte Gier, die Lust am Reichtum, der Macht verleiht (für eher wenige), das Einsetzen materieller Machtmittel vor allem im Sinne des Geldes für eine Oligarchie, für einen neuen Feudalismus oder wie immer man ein solches System benennen mag?

Kritische Stimmen zum „Raubtierkapitalismus“, kritische Stimmen zu den immer weiter sich aufblähenden Geldflutungen der Märkte und damit gegen ein „Hauptsache weiter so“ mehren sich. Nicht nur „gefühlt“ in den Gesellschaften des „freien Westens“ (woanders sowieso), sondern auch bei Fachleuten, bei Menschen, die es wissen müssten, in einer zunehmenden Zahl dem Kapitalismus gegenüber kritisch orientierter Veröffentlichungen.

Und Michael Hudson ist nicht „irgendwer“, der mal seine Meinung gedruckt sehen wollte.

Als Professor für Wirtschaft, Finanzanalyst und Berater von Schwergewichten an der Wall Street, als Verfasser von „Zurück in die Leibeigenschaft“, das damals fast schon prophetische Züge trug, legt er nun eine umfassende und sehr bedenkenswerte Analyse der aktuellen „Finanzwelt“, der Banken und Vermögensverwalter vor, das durchgehend überzeugend argumentiert und bei dessen Lektüre dem „Normalbürger“ nur Angst und Bange werden kann.

Nicht aus Lust an destruktiven „Unglücksprophezeiungen“, sondern mittels handfester und im Buch belegter Fakten, wie sich das Finanzwesen anschickt, die Macht in der Welt zu übernehmen und sich damit, ebenfalls bewusst und mit dem Insider erkennbaren Strategien, in einen Kampf, Hudson nennt es „Krieg“, gegen die Demokratie als solche begibt. Denn die zumindest theoretische Macht politischer Regulierungen, die immer lauter und energischer vorgetragene Kritik an den Grundlagen der „Spielregeln“ des Finanzsektors, all das stört die wie geschmiert laufende Maschinerie des „Geldmachens“.

Was im Übrigen, wie Hudson Seite für Seite aufweist, kein „Plan für die Zukunft“ ist, sondern nackte Realität. Die Finanzwelt hat das „Sagen“ übernommen. Die offene Frage bleibt nur, ob und wieweit effektiver Widerstand möglich ist.

Und dass dies alles „nicht neu“ ist, dass von Beginn der zivilisierten Kultur (und -Geld) Geschichte an die Einführung des „Kredites“ immer schon der Finanzseite eine ungleich höhere Machtstellung als sie „das Volk“ (oder mancher Monarch des späten Mittelalters) innehatte einnahm, da greift Hudson weit in die Kulturgeschichte der westlichen Gesellschaften zurück und bietet eine fundierte Grundlage für seine Folgerungen.

„Die alles verschlingende Macht der Zinseszinsen“ oder die klare Analyse, wie „das Eine Prozent die übrigen 99 Prozent in exponentiell wachsender Verschuldung hält“ sind hier beeindruckende Kapitel, in welchen die gesamte Grundlage des kapitalistischen Wirtschaftens aufgezeigt wird, mitsamt der von Beginn an vorherrschenden Tendenz, die „Regeln“ zu bestimmen und „die anderen“ (99 Prozent) eher als „Leibeigene“ zu halten denn als „mündige Bürger“. Wer finanziell abhängig ist, wer einen „Kredit“ aufgenommen hat, der ist verschuldet und damit dem, der das Geld gab, in gewisser Weise schon objektiv „untertan“.

Wie dann durch die momentan politisch hofierte „Sparpolitik“ dem allen weiter in die Hand gespielt wird, weil wiederum der „einfache Bürger“ zur Kasse gebeten und enteignet wird, wie Schuldenschnitte gezielt blockiert werden, um die Klammer der Schulden aufrecht zu erhalten, darüber gibt Hudson erschöpfend Auskunft.

Wobei Hudson durchaus Alternativen aufzeigt, die aber nun nicht mehr „vor einem Scheideweg“ liegen, sondern, da dieser bereits begangen wurde, unweigerlich in den Konflikt mit der Finanzindustrie führen werden müssen, sollte ein erfolgreiches Umschwenken möglich werden. Der von Hudson dringend geforderte „Schuldenschnitt“ ist da nur der erste Schritt eines überaus holprigen Weges mit dem Ziel, den Finanzsektor zu entkoppeln und als „Parasitär“ zu kennzeichnen.

Wobei vom theoretischen Ideengebäude her Hudson keine umwerfenden Neuerungen darlegt, sondern auch in Teilen schon lange bekanntes Wissen neu und wieder vermittelt. Was dennoch nicht unwichtig oder unwahr wäre, nur weil sich bisher daran nicht ausgerichtet wurde. Was wiederum Gründe hat, die in der exzessiven Lobbyarbeit der Finanzindustrie zu finden sind (und immer schon waren).

Eine Lektüre, die nicht einfach ist, die Mühe und Konzentration erfordert (trotz der in weiten Teilen lockeren Schreibweise Hudsons), die aber jede Seite lohnt.

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