Finanzimperialismus

von Michael Hudson 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Finanzimperialismus
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Inhaltsangabe zu "Finanzimperialismus"

Seit über 100 Jahren beherrscht der amerikanische Finanzimperialismus das weltweite Finanzsystem. Dieses Buch erzählt die Vorgeschichte der dramatischen Ereignisse, die Michael Hudson in »Der Sektor« geschildert hat.

Bis 1917 hielten sich die USA aus der Weltpolitik heraus. Bevor der Erste Weltkrieg ausbrach, hatten die USA die US-Zentralbank Federal Reserve (FED) gegründet. Sie und die Wall Street, meist gelenkt von superreichen Amerikanern, verlagerten Entscheidungen mit weltweiter Wirkung von der Politik auf die Finanzen. Eingängig und überzeugend schildert Michael Hudson die Geschichte des amerikanischen Finanzimperialismus seit 1917 und zeigt, wie gefährlich die Lage weltweit geworden ist – für die USA und die gesamte Weltwirtschaft.

Die verheerende Entfesselung des Finanzkapitalismus, die Kontrolle der globalen Finanzströme durch die Wall Street und die FED schildert er als eigentliche Vorgeschichte der dramatischen Weltfinanzkrise von 2008, die keineswegs überwunden ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608947533
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:555 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:11.11.2017

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    michael_lehmann-papevor 9 Monaten
    Nüchtern, sachlich, erschreckend und umfassend überzeugend in der Argumentation

    Nüchtern, sachlich, erschreckend und umfassend überzeugend in der Argumentation

    Wer ein weiteres Buch zur „aktuellen Lage der Weltwirtschaft“ in rein gegenwärtiger Form und den Blick nur auf die Krisen der Gegenwart gerichtet erwartet, der wird umgehend im Werk eines anderen belehrt.

    Nicht nur, weil die Darlegungen des Buches zu Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts enden und die gegenwärtigen Probleme nicht explizit einer Analyse zugeführt werden. Was aber auch gar nicht sein muss. Denn hat man das System im Verlauf der Lektüre verstanden, tauchen viele aktuelle Probleme und Ungleichheiten in eine klareres Licht. Schicksal ist das alles nicht, was im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem sich entwickelt hat bis heut und mit Glück einzelner hat das ebenso wenig zu tun.

    Natürlich ist die gegenwärtige Situation mit ihren vielfachen, globalen Verwerfungen, was den „Kapitalismus“ mit seiner starken Bevorzugung bereits Vermögender und dem immer schnelleren und massiveren „Abrutschens des „Restes“eine Folge dessen, was Hudson fundiert und detailliert aufzeigt.
    Im Zuge seiner Spurensuche des großen, historischen Zusammenhanges.

    Dabei findet und legt er die Ursachen des heutigen Systems mit all seinen Verwerfungen in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg und, ganz deutlich, in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, in denen quasi am „Reißbrett“ eine neue Weltwirtschaftsordnung entwickelt wurde, die mit weitgehend ausschließlich amerikanischen Interessen, gegründet, vollzogen und im Lauf der Jahre bis zur Gegenwart immer wieder flexibel angepasst wurde. Was allein der damaligen Finanzmacht der USA zu erklären ist.

    Jenes „America First“ und dabei noch genauer „amerikanische Investoren gleichrangig zum amerikanischen Staat first“, welches Trump so markant zum Slogan machte, ist somit seit ehedem die klare Handlungsmaxime der USA und keine Erfindung der aktuellen Regierung der USA.

    Fast zu empfehlen ist es dem Leser, mit dem Kapitel über Bretton Woods die Lektüre zu beginnen. Wo aus den Fehlern der Jahre nach dem ersten Weltkrieg gelernt wurde (Reparationszahlungen machten wirtschaftliche Entwicklung schwer bis gar nicht möglich und den Schaden hatten vor allem die „Kreditgeber der Welt“, die USA. Kunden ohne finanzielle Mittel sind keine guten Kunden).

    Wo ein „Aufbau“ Europas im Sinne der USA war, die dafür Investitionen bereitstellten, die durch Käufe amerikanischer Produkte privaten Investoren und durch deren Steuern dann wiederum dem Staatssäckel zu Gute kamen. Ein perfekter Kreislauf, in dem nur die amerikanischen Interessen wirklich interessierten und sich durchsetzten.

    Natürlich auch zum Wohle der „Wirtschaftswunderjahre“ in Europa, die damit einerseits Gläubiger der Amerikaner blieben und andererseits genügend Wirtschaftskraft entwickelten, amerikanische Produkte und Anleihen zu erwerben. Mit dem Preis einer Art „finanzieller (gewollter) Geiselhaft“.

    Mit welchen Tricks da gearbeitet wurde, das liest sich hervorragend dargestellt und erschreckend in der Wirkung.

    Dass es die USA waren, die IWF und Weltbank gründeten und dort die Kontrolle bis zum heutigen Tag durch ihre Dollars ausüben, ist eine nicht jedem völlig klare Struktur, die nach der Lektüre des Werkes alle Scheuklappen beim Leser entfernt.

    Als einfaches Beispiel sei der Umgang mit dem Britischen Empire genannt, mit eigenen wirtschaftlichen Regeln und Schutzzöllen, welche für die USA ein Hindernis auf dem Weg zum angestrebten „völlig freien Fluss des Geldes“ (natürlich nur solange frei, wie es in den USA bei privaten Investoren und in Form von Anleihen wieder landete).

    Die Notwendigkeit von Investitionen nach dem Krieg, die Kosten für die überseeischen „Kolonien“ und die Tatsache, dass kein Überschuss in England selbst erwirtschaftet wurde, führten zum „Einfrieren“ von Geldern, da Schulden nicht bedient werden konnten.

    Einmal kurz am Geldhahn in Richtung „Zu“ gedreht, und schon entstand jene „Special Relationship“ in Britannien, die diplomatisch als „auf Augenhöhe“ behauptet wird, in Wahrheit aber Groß-Britannien in völlige Abhängigkeit von IWF und Weltbank brachte und damit zum Untertanen der USA werden ließ. Freier Handel ohne ein anders Konglomerat aus Staaten oder eines „Empire“ mit eigenen Regeln war damit gewährleistet.

    Multilaterale Abkommen in einer globalisierten Wirtschaft sind ebenfalls in Folge von Bretton Wood ad acta gelegt.

    „So drohte jedem Land, das volle wirtschaftliche Autonomie anstrebt, das Exil (aus dem Wirtschaftsblock)“.
    „Andere Länder verwandelten sich zu wirtschaftlichen Satelliten der USA“.

    Dass, wie Hudson ausführt, diese wirtschaftliche Diktatur „nicht gutartig“ war, zeigt sich mehr und mehr, die Wurzeln aber liegen nicht in aktuellen Finanzkrisen wie im Jahre 2008, sondern all diese sind nur Symptome eines Systems, dass die Welt vorrangig aus eigenem Profitinteresse ausquetscht. Die Kritiker der aktuellen amerikanischen Steuerreform, sollten sie Recht behalten, beschreiben damit nur die Fortschreibung des internationalen Systems auf nationaler Ebene. Der Nutzen einzlener oder weniger oder nur einer „Nation“ auf Kosten aller anderen, die gerade soweit „am Leben gehalten werden“, dass ihnen ein gewisser Konsum möglich ist, der durch Kreditvergabe und Konzentration von Wirtschafserzeugung dauerhaft als Zustand gefestigt wird.

    Eine umfassende und fundierte Darstellung, die den Leser nichts anderes als erschreckt zurücklässt und die Augen weit öffnet, dass es das Geld und nur das Geld im Blick auf Interessen weniger ist, dass die Welt wie in einem Spinnennetz in seinen Fängen hat. Wobei das eine altbekannte Tatsache sein mag, aber hier die Strukturen umfassend öffentlich gelegt werden, wie das Geld in großem Maßstab die Welt regiert.

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