Michael Hugentobler

 3,3 Sterne bei 32 Bewertungen
Autor*in von Feuerland, Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Michael Hugentobler, 1975 in Zürich geboren, arbeitete nach der Schule als Postbote und bereiste dann dreizehn Jahre lang die Welt. Heute ist er freischaffender Romanautor und Reporter. 2018 erschien sein Debütroman ›Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte‹, sein zweiter Roman ›Feuerland‹ wurde 2021 für den Schweizer Buchpreis nominiert. Er lebt mit seiner Familie in Aarau/Schweiz.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Michael Hugentobler

Cover des Buches Feuerland (ISBN: 9783423282697)

Feuerland

(14)
Erschienen am 18.03.2021
Cover des Buches Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte (ISBN: 9783423147262)

Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte

(13)
Erschienen am 23.08.2019
Cover des Buches Bis die Bären tanzen (ISBN: 9783423285209)

Bis die Bären tanzen

(5)
Erschienen am 16.04.2026

Neue Rezensionen zu Michael Hugentobler

Cover des Buches Bis die Bären tanzen (ISBN: 9783423285209)
Dan_Eders avatar

Rezension zu "Bis die Bären tanzen" von Michael Hugentobler

Dan_Eder
Sehr intensiv

Michael Hugentobler schafft mit „Bis die Bären Tanzen“ einen Familienroman, der aus meiner Sicht an Emotion, Dramatik, Spannung und Trauer kaum zu übertrumpfen ist.
Er beschreibt in seinem Roman das Schicksal der Familie Lieber - der ruhige und besonnene Vater, der durch seinen Einsatz als Soldat im ersten Weltkrieg zum Schläger und Nazi wird, die Mutter, die versucht zu kompensieren. Anne, die aufmüpfig ist und immer negativ zu sein scheint und die nach Australjen auswandert und dort die Wirtschaftskrise miterleben. Belle, die in ihren Jugendfreund Baron verliebt ist, deren Leben aber einen ungemütlichen Umweg über den brasilianischen Dschungel nimmt. Cob, der nach einem beinahe Zusammenstoß mit der Waffe seines betrunkenen Vaters das Elternhaus verlässt und sein Glück in Berlin sucht. Und die jüngste Tochter, die als Kind lange im Sanatorium lebt, und als einzige die Schweizer Heimat nicht verlässt.

Sehr bewegend und interessant beschreibt Hugentobler den Lebensweg der Geschwister und der Mutter. Sie vielen schweren Zeiten und Erlebnisse, durch die sie gehen. Etwas langatmig aber dennoch schön zu lesen. 

Cover des Buches Bis die Bären tanzen (ISBN: 9783423285209)
Judithas avatar

Rezension zu "Bis die Bären tanzen" von Michael Hugentobler

Juditha
Ein absolut kurioses Familienleben

Der Schweizer Schriftsteller und Journalist Michael Hugentobler legt einen Roman vor, der seinesgleichen sucht. Ich bin absolut fasziniert von dieser Familiengeschichte, die man auch Familientragödie oder Familienkomödie nennen könnte. Alles Arten von Unterhaltung, die gesammelt in einem einzigen Buch köstlich zu lesen sind, manchmal erschüttern und oft sprachlos machen. Hugentobler hat schon die ganze Welt bereist, er lässt seine Leser teilhaben an einer Fülle von Eindrücken, jeden beschreibt er, als hätte er ihn persönlich und genauso erlebt. Der Verlag vergleicht Hugentobler in seiner Ankündigung mit Mariana Leky und Nelio Biedermann, Vea Kaiser und John Irving. Dem stimme ich nach der Lektüre vorbehaltlos zu. Wobei ich insbesondere den Vergleich mit John Irving sehr treffend finde, vielleicht liegt es an den Bären oder an den Charakterstudien?

Auf dem Cover sieht man eine Familie, die offenbar in recht wilder Umgebung lebt und nicht besonders reich aussieht. Der Roman stellt sie uns vor, lässt sie zu lebendigen Menschen werden und mir sind sie irgendwie ans Herz gewachsen, so seltsam sie sich auch verhalten. 

Worum geht es? Die deutsche Familie Lieber – dem Namen nach jüdischen Ursprungs – wandert Anfang des 20. Jahrhunderts aus, lässt sich in der Schweiz nieder und wartet (vergeblich) auf die Einbürgerung. Die vier Geschwister Belle (Isabelle), Cob (Jacob), Anne (sie heißt wohl so) und Elfie (Elfriede) empfinden die Schweiz als zu eng, zu wenig anheimelnd. Drei wandern aus und versuchen ihr Glück in der Ferne, Mamme Lieber (die Mutter) bleibt mit dem todkranken Vater zurück. Belle findet nach ihrer verlorenen Jugendliebe aus Deutschland, Baron Hirsch (Baron ist sein Vorname, kein Adelstitel) einen seltsamen Mann namens Robert, und geht mit ihm nach Brasilien, dort, wo alles grünt und blüht, wollen sie ihr Glück machen, was nicht gelingt, aber es gelingt ein kleiner Sohn, Max. Cob ist ein Turntalent, er wandert nach Deutschland aus, wird Zirkusartist, und hat später arge Schwierigkeiten, das Land wieder unbeschadet mit seiner großen Liebe Mira zu verlassen. Anne hat sich für Australien entschieden und ihre rebellische Art bringt sie sehr nahe an diverse Abgründe, sie wird einen Jungen adoptieren, Pedro, das Kind von Anarchisten. Elfie, die Einzige, die in der Schweiz bleibt, arbeitet rund um die Uhr, sie ist es auch, die die Familienbande oder besser die Fäden in der Hand behält und die Verbindungen untereinander und alle Geschichten bewahrt.

Elfies Sohn Constantin Kyd wird nach ihrem Tod all die unbekannten Puzzleteile zusammenfügen wollen. Ob ihm das gelingt und was er dabei noch erfährt, das lasse ich jeden selbst lesen. Es sind viele wunderbare kleine Begebenheiten und Erinnerungen, die in diesem Buch ans Licht kommen und von Hugentobler so lesenswert beschrieben werden.

Der Autor zeichnet jeden Protagonisten mit einer leichten Feder, ich konnte mir die vier Geschwister, ihre Liebschaften, ihre Kinder, ihr Glück und besonders ihr Unglück bildhaft vorstellen. Ein Buch, das ein wahres Kopfkino in Gang setzt, nicht nur mit zahlreichen Personen, ihren Gefühlen und Gedanken, sondern auch mit den Farben und Gerüchen der weiten Welt. Sei es der Urwald von Brasilien oder Sydney oder Rorschach, ich fühlte mich mittendrin.

Fazit: absolut lesenswert, wenn einem die Bücher der im ersten Absatz genannten Schriftsteller gut gefallen. Allen anderen gebe ich auch eine Leseempfehlung, vielleicht ist es Neuland, aber das betreten Hugentoblers Protagonisten ja auch.

Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

Cover des Buches Bis die Bären tanzen (ISBN: 9783423285209)
shilos avatar

Rezension zu "Bis die Bären tanzen" von Michael Hugentobler

shilo
Ungewöhnlich, jedoch gut

Der Roman beginnt ruhig und ohne große Worte. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie, die zusammengehört und trotzdem auseinandergeht. Dabei bleibt von Anfang an eine gewisse Nachdenklichkeit hängen, die sich durch das ganze Buch zieht.

Im Mittelpunkt steht eine Familie in einer Zeit, in der vieles ins Wanken gerät. Der Erste Weltkrieg verändert das Leben spürbar. Die Geschwister gehen danach eigene Wege. Einer geht nach Berlin, eine Schwester zieht bis nach Australien, eine andere nach Brasilien. Kontakt bleibt, aber eher aus der Ferne.

Die Handlung läuft langsam. Vieles wird nicht direkt erklärt, sondern einfach erzählt, ohne viel Drumherum. Manche Abschnitte ziehen sich etwas, andere springen stärker. Das ist nicht immer gleich leicht zu greifen, passt aber zur Art des Buches.

Die Erzählweise ist besonders. Es gibt viele Bilder und ungewöhnliche Gedanken. Nicht alles wirkt sofort klar. Man muss manchmal ein Stück mitgehen, ohne alles sofort einordnen zu können.

Beim Lesen bleibt eine ruhige Stimmung. Es gibt keine großen Ausschläge nach oben oder unten. Einige Szenen wirken nach, auch wenn sie nicht stark betont werden.

Insgesamt ein ruhiger Familienroman, der sich Zeit nimmt und nicht alles ausformuliert. Manche Passagen sind etwas zäh, andere bleiben im Kopf. Wer sich darauf einlässt, findet eine eigene Art von Geschichte, die nicht sofort greifbar ist. Dafür gebe ich dem Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leser, die ruhige Familiengeschichten mögen, bei denen nicht alles direkt erklärt wird und manches offen bleibt. Wer sich gern auf eine etwas andere Erzählweise einlässt und auch mit längeren, ruhigen Passagen zurechtkommt, wird hier fündig. Für alle, die eine sehr klare und schnelle Handlung erwarten, kann es stellenweise etwas schwerer zugänglich sein.



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