Michael Köhlmeier Abendland

(63)

Lovelybooks Bewertung

  • 76 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 7 Leser
  • 4 Rezensionen
(25)
(27)
(8)
(3)
(0)

Inhaltsangabe zu „Abendland“ von Michael Köhlmeier

» ›Abendland‹ ist ein Roman, wie er selten geschrieben wird, tollkühn, inspirierend und fesselnd.« Verena Auffermann in ›Die Zeit‹ Carl Jacob Candoris - Mathematiker, Weltbürger, Dandy und Jazz-Fan - ist fünfundneunzig, als er seine Lebensbeichte ablegt. Aufschreiben soll sie der Schriftsteller Sebastian Lukasser, Sohn des Gitarristen Georg Lukasser, den Candoris im Wien der Nachkriegsjahre kennengelernt hat. Candoris erzählt von seinem Großvater, der einen berühmten Kolonialwarenladen betrieb, von seinen seltsamen Verwandten, bei denen er in Göttingen während seines Studiums lebte, vom Wien der Nachkriegszeit - wo Sebastians Geschichte beginnt, die Geschichte einer Selbstfindung, die sich über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erstreckt. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht so ein kluger, reicher, witziger und lebenssatter Generationenroman über unsere Zeit.

Großartige Geschichte, auch um die Frage des Geniebegriffs. "Das orginiäre Genie schafft Schönheit", dem Talentierten bleibt, Mäzen zu sein.

— Beust
Beust

Stöbern in Romane

Ein Gentleman in Moskau

Stil, Figuren, Handlung und geschichtlichen Hintergründen ist es bei diesem Buch gelungen, mich absolut zu begeistern. Wundervoll!

once-upon-a-time

Der Vater, der vom Himmel fiel

Zum Heulen komisch!

ameliesophie

Die Geschichte der getrennten Wege

Der Schreibstil ist erklassig, die Handlung aber erwartbar und die Entwicklung zunehmend unsympathisch.

MrsAmy

Töte mich

Ein herrlicher Spaß mit subtilen Anspielungen.

miss_mesmerized

Kraft

Auf der Longlist... Mir erschließt sich nicht wirklich weshalb...

Bibliomania

Das Glück meines Bruders

Vergangenheitsbewältigung auf verschiedene Arten

locke61

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Abendland

    Abendland
    HeikeM

    HeikeM

    22. April 2013 um 09:31

    Michael Köhlmeier erzählt "Abendland" nicht geradlinig, sondern eher verwinkelt und konstruiert. Er weicht immer wieder vom roten Faden ab und schiebt neue Anekdoten ein. Der Roman nimmt den Leser mit auf die Reise nach Innsbruck, Wien, Frankfurt/Main die USA und, und, und. Er konfrontiert mit Musikthemen, dem 3. Reich, der Wissenschaft, dem Bau der Atombombe, dem Rassismus in den USA und der RAF - um nur einige Themen zu nennen. Ich fand mich zeitweise in einem literarisch-historischen Irrgarten wieder. Begebenheit aus der Geschichte des 20. Jh. werden oft nur angerissen. Köhlmeier fordert von seinem Leser die Kenntnis des Geschehens. Deshalb wirkten diese Passagen zunächst oberflächlich und unausgegoren. Die Kritik lässt nun den Eindruck aufkommen, das Buch hätte mir nicht gefallen. Genau das Gegenteil trifft es aber. Ich habe "Abendland" sehr gern gelesen. Es ist aber unbestritten ein Buch, dessen Vielfalt es auch beim wiederholten Lesen nie langweilig wirken lassen wird. Lange standen für mich zwei Fragen im Raum, da war einerseits die nach der Rolle des Carl Jacob Candoris in diesem Roman, in dem der eigentliche Biograf ja im Mittelpunkt zu stehen schien. Aber nach und nach wurde deutlich, dass Candoris der Macher im Hintergrund ist, er hält die Fäden in der Hand wie bei einem Puppenspiel und somit ist seine bedeutendste Funktion die des Überwachers, des Regisseurs. Andererseits bewegte mich die Frage, ob es Sebastian Lukasser vermag, sich von seinem schier übermächtigen Schatten zu lösen. "Abendland" ist wohl eines der vielschichtigsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Zum "nebenbei lesen" ist es nicht geeignet, es fordert die gesamte Aufmerksamkeit seines Lesers, da sonst zu viele Facetten nicht erkannt werden. Ich habe sicher auch noch viele nicht wahrgenommen. Selten habe ich selbst beim Lesen eines Buches so viel recherchiert. Aber gerade diese Themenvielfalt lässt den Roman, dieses Epos manchmal etwas überladen und unüberschaubar wirken. Er hätte damit auch 3 oder 4 Romane füllen können. Bevor ich diesen Roman las, habe ich ihn als Hörbuch - hervorragend gesprochen von Jürgen Uter - gehört. Durch das nochmalige Lesen wurde mir vieles verständlicher und greifbarer. "Abendland" ist mit Sicherheit ein Buch, das ich in absehbarer Zeit wieder zur Hand nehmen werde. In der Zwischenzeit werde ich mich mit den anderen Werken Köhlmeiers auseinandersetzen.

    Mehr
  • Frage zu "Letzte Nacht in Twisted River" von John Irving

    Letzte Nacht in Twisted River
    Lukas

    Lukas

    Welches Buch könnt Ihr mir empfehlen?
    Habe ca. morgen Letzte Nacht in Twisted River fertkg.
    Mag keine zu dünnen Bücher.

    • 8
  • Rezension zu "Abendland" von Michael Köhlmeier

    Abendland
    Bibliophil

    Bibliophil

    04. October 2009 um 16:40

    Carl Jacob Candoris ist 95 Jahre alt: Zeit für eine Lebensbeichte. Sein Patensohn und Schriftsteller Sebastian Lukasser soll sie für die Nachwelt aufschreiben. Aber nicht nur das Leben von C.J. Candoris erzählt Sebastian Lukasser in seiner Geschichte, auch von seinem Leben erzählt er. Und so ist ein wunderbares Buch entstanden, eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert, prall gefüllt mit Geschichten von interessanten Menschen. Ich kann mich bei diesem Werk der einstimmigen Begeisterung der anderen Rezensenten nur anschliessen: Es war pure Freude dieses Buch zu lesen, jede einzelne dieser 776 Seite war ein Genuss!

    Mehr
  • Rezension zu "Abendland" von Michael Köhlmeier

    Abendland
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 19:01

    Köhlmeiers "Korrekturen" - Doppelkonferenz auf „abendländischem“ Jahrhundertflug - . "Wann ist eine Geschichte eine gute Geschichte?" sinniert der 95jährige Protagonist in Michael Köhlmeiers Roman und bedient sich dabei Aristoteles: "Wenn sie gebaut ist wie ein Leben." Abendland ist mehr: Die Fülle eines ganzen Jahrhunderts ist hier eingefangen. . Er wäre ein würdiger Buchpreisträger gewesen. Nicht, dass man Julia Francks Leistung schmälern möchte, aber Michael Köhlmeiers Opus Magnum besticht in einer Ernsthaftigkeit und Tiefe, wie sie der deutschsprachige Roman im Allgemeinen und der österreichische im Besonderen lange nicht geboten haben und der nicht nur an die alten Erzähltraditionen Europas anknüpft, sondern zweifelsohne im gleichen Atemzug mit den großen amerikanischen Familienromanen eines Jonathan Franzen ("Korrekturen") oder Richard Powers ("Klang der Zeit") genannt werden kann. . Mit Abendland hat der 58jährige österreichische Schriftsteller ein Monumentalkunstwerk erschaffen. Monumental, auf Grund seiner Stoffdichte und der beinahe 800 eng gesetzten Seiten und Kunstwerk, wegen seiner klugen und raffinierten Vernetzung zweier Familienbiografien und unzähliger Einzelschicksale über einen Zeitraum eines ganzen Jahrhundert: eine literarische Weltumrundung. . Im Handlungsmittelpunkt steht der 95jährige Carl Jacob Candoris, Professor für Mathematik, Kosmopolit und Jazz-Liebhaber. Er diktiert - den nahen Tod bereits vor Augen - seinem Patenkind und Freund, dem 52jährigen Schriftsteller Sebastian Lukasser, seine Lebenserinnerungen, die sich schon bald als eine Art Lebensbeichte herauskristallisieren. Lukasser soll daraus ein Buch formen, um etwas von Candoris für die Nachwelt zu hinterlassen. "Am Ende seines langen Lebens will er dem langen Leben den lebenslang vermissten Sinn geben, indem er es zu einer großen Symphonie verkomponiert, besser: zu einer Oper.", wie Sebastian diese "geplante Inszenierung" bezeichnet. . Ein Jahr nach dem Tod von Carl beginnt Sebastian, seine Aufzeichnungen und Mitschnitte zu ordnen. An diesem Ordnen und Analysieren lässt er den Leser teilhaben. Dabei greift Sebastian diese Inszenierung immer mehr selbst auf, um gleichfalls sein Leben zu resümieren, frei nach Carls Motto: "Welchen Wert das Leben eines Menschen hatte, zeigt sich in dem Wert, den jene, die seinem Leben Wert gaben, ihm in ihrem eigenen Leben weiterhin beimessen." So nimmt nach und nach das Leben der Familie Lukasser mehr Raum im Roman ein. Candoris bleibt jedoch uneingeschränkt verbindendes Element der Erzählung. . "Für uns war das Leben eine andauernde Aufeinanderfolge von Problemen; er bot die Lösungen an.", stellt Sebastian im Nachhinein fest. Der aus vermögendem Haus stammende Candoris entdeckt im Nachkriegs-Wien Sebastians Vater, den zum Alkoholismus neigenden, begnadeten Jazz-Gitarristen Georg Lukasser und nimmt ihn fortan unter seine Fittiche. Candoris und seine portugiesische Frau Margarida werden gleichsam zu Schutzengeln der Familie Lukasser. . Aus verschiedenen Ich-Perspektiven bekommt der Leser Teile der Biografien der Protagonisten realistisch, jedoch nicht chronologisch, erzählt. Köhlmeier nimmt mitunter erst nach 400 Seiten einen zuvor ausgeworfenen Gedankensplitter wieder auf. Trotzdem verliert sich der so genannte rote Faden niemals. Geschickt und vortrefflich behandelt er die verschiedenen Zeitebenen, die kunstvolle Verknüpfung von Vor- und Rückblenden und das narrative Gesamtkonzept des Werks, welches eine Menge von Handlungsebenen überblicken muss. . Allerdings erfordert die Lektüre erhöhte Lese-Konzentration, bei gleichzeitiger Nonchalance. Es empfiehlt sich, in dieses Buch hineinzugleiten. Abendland ist ständig im Fluss, bewegt und unstet; beinahe so, als wenn ein impressionistisches Landschaftsbild von Renoir, mit seiner transparenten Farbigkeit und beruhigenden Strahlkraft, direkt neben dem, in schwarz-weiß gehaltenen, fotorealistischen RAF-Zyklus von Gerhard Richter platziert wäre, dessen erregende Aktivität geradlinig auf den Betrachter übergeht. Gleichwohl strahlt Köhlmeiers literarische Melange, diese wilde, nicht homogene Mischung, durchaus eine ergänzende Harmonie aus. . Die Erzählweise ist ein sich ständiges Erinnern und entspricht am ehesten unseren eigenen Gedanken, die ebenfalls ständig im Fluss und niemals linear sind. Köhlmeier lässt den alten Candoris wunderbar über diese Gedankenmäander sinnieren: "Die Erinnerung beschreibt einen denkwürdigen Kreis, der sich von der Gegenwart in die Vergangenheit dreht, bis er die 180 Grad erreicht, also sozusagen in der Gegenwart desjenigen ankommt, an den erinnert werden soll, gleich darauf aber in die Zukunft wechselt, weil die Erinnerung immer auch die Reflexion des Sicherinnernden über sich selbst mit einschließt, er sich also sagt, so, wie ich mich jetzt an diesen erinnere, werde ich mich eines Tages an mich selbst erinnern, nämlich, dass ich einst der war, der ich jetzt bin - womit er aber bereits in der Vorzukunft, im futurum exactum, angekommen ist, also bei 270 Grad, wo sich der Kreis zum Ausgangspunkt zurückkrümmt. Die Erinnerung sei wie die Treppe der Mönche auf dem Bild des Maurits Cornelis Escher, die immer nach oben - oder nach unten - führt, in Wahrheit aber nie die Ebene verlässt, weswegen dieser Zustand irreal und irrational sei, in seiner Wirkung jedoch ungeheuer mächtig." . Anhand dieser Sätze wird klar, Abendland kann und darf nicht in einem Ruck durchgelesen werden. Es ist zu komplex und zu vielschichtig, obwohl es einen steten, imaginären Sog auf den Leser ausübt, der diesem unweigerlich verfällt. . Dabei verwebt Köhlmeier viel Autobiografisches in seine beiden Hauptprotagonisten. So wie auch er Mathematik studierte, hat er den Part des Mathematikers an Candoris vergeben. Obwohl diese Figur gleichsam eine kleine Hommage an den Innsbrucker Mathematiker Leopold Vietoris ist, der 111 Jahre alt wurde. Das meiste von ihm selbst ist zweifelsohne in Sebastian Lukasser zu finden, allerdings nicht biografischer Art, wie der Autor erklärt. . Der Roman erzählt sowohl das Leben des Carl Candoris als auch das von Sebastian Lukasser, mit einer großen Zahl an Nebenfiguren: allesamt großartige Charakterstudien. Dieses Leben spielt sich zu wichtigen Teilen in Wien und Manhattan ab. Es ist sehr viel von Jazz und einiges von Mathematik und Atomphysik die Rede. Doch was bereits der Titel erahnen lässt, bewegt sich das Buch nicht nur in der kleinen Zelle der Familie mit all ihren komplizierten Verstrickungen, sondern Köhlmeier spannt den Bogen weitaus größer. . "Abendland" zeigt das Abendland in all seinen Varianten und vielen politischen Wechselbädern: Monarchie, Diktatur und Republik, Kirche und Agnostiker, Heiligsprechung und Suizid, Genozid der Hereros in Deutsch-Südwestafrika, das stalinistische Moskau, englische Geheimdienstaktionen, Oppenheimers "Manhattan Project" und die Atombombe, den Nürnberger Prozess, eine tragische New Yorker "Weiß-Schwarz-Beziehung" und eine Auszeit in North Dakota, die Musikszene und die deutsche Studentenszenerie, RAF und Psychoanalytisches im Wiener Kaffeehaus Der Autor lässt seine Protagonisten durch die gesamte Welt, über alle Kontinente mäandern. Grauen erzeugende Namen wie Salazar, Stalin und Hitler kreuzen ihre Bahnen genauso wie berühmte Wissenschaftler (Einstein, die Mathematikerin Emmy Noether, Manfred von Ardenne, Niels Bohr, Otto Hahn) oder bekannte Musikgrößen (Duke Ellington, Billie Holiday). . Köhlmeier setzt viele Farbtupfer, die am Ende ein beeindruckendes Gemälde ergeben: Eine gewaltige, weit umspannende Melange, in Komposition, Stil und dichter Atmosphäre, die bis zur letzten Zeile überzeugt. Zwischen Wien, wo Lukasser lebt, und Lans (oberhalb von Innsbruck), wo Candoris seine letzten Lebensjahre verbrachte, liegt eine ganze (Erzähl-)Welt und ein außerordentliches Lesevergnügen für viele Abende. Es gibt nicht allzu viele Romane, die einen solchen Eindruck hinterlassen. . Fazit: Abendland ist ein Roman über das Leben und den Tod, über Schuld und Sühne, über Krieg und Frieden, über Männer und Frauen, Väter und Söhne, Musik und Mathematik während eines Streifzuges durch das letzte Jahrhundert. Es ist ein äußerst weises, intelligentes, wissenswert-philosophisches und unterhaltsames Buch, voller Detailwissen und Bildung, das nur so vor sprachlicher Eleganz und Lebensklugheit funkelt. . Ein ganz großes Stück Literatur und ein wahrer Genuss für anspruchsvolle Leser: DAS Buch 2007!

    Mehr
  • Rezension zu "Abendland" von Michael Köhlmeier

    Abendland
    metalmel

    metalmel

    02. May 2008 um 10:28

    Ein pralles Buch! Voller Leben und Lebendigkeit. In diesem Buch passiert auf 20 Seiten soviel wie in anderen auf 200 nicht. Es geht um Carl Jacob Candoris, 95 Jahre alt, Jazzfan, Mathematiker und Lebemann. Aber auch um Sebastian Lukasser, Anfang 50, frisch an der Prostata operiert, inkontinent, Autor und mit Carl seit langem befreundet. Gerade ihm nun möchte Carl seine Lebensgeschichte erzählen, da er der Letzte all jener ist, die „ich mal geliebt habe, die noch leben“. So kommt Sebastian, frisch operiert, leidend, aber trotzdem zufrieden zu Carl nach Lans, um sich ans Werk zu machen. Beider Leben verweben sich im Buch immer wieder miteinander, es gibt Sprünge und Rückblenden, Geschichten von vielen Figuren spielen mit rein. Brillant recherchiert, bis ins kleinste Detail, egal, ob es nun um Jazz, Musiker, Städte, Krankheiten etc geht. Man hat immer das Gefühl, direkt dabei zu sein, dazu lernt man unheimlich viel über das Leben und vielleicht auch sich selbst. Keine der beinahe 800 Seiten möchte man überlesen, da man sonst etwas verpassen könnte, so dicht, so spannend wirkt der Roman. Ich habe selten ein Buch von solcher Klarheit und Brillanz gelesen, das dennoch enorm viel auf jede Seite packt. Die Figuren sind sympathisch, liebenswert, absurd, fröhlich, traurig, gebrochen, krank, alt, aber vor allem lebendig! Grandios versteht es Köhlmeier die Schicksale und Leben der Figuren miteinander zu verknüpfen und doch steht jede Figur für sich, hat ihr eigenes Leben, ihre eigene Glaubwürdigkeit, ihre eigenen Fehler, ihr eigenes Glück und ihre eigenen Geheimnisse. Ein monumentales Epos, das einen glücklich zurücklässt. Nicht mehr und nicht weniger. LESEN! LESEN! LESEN!

    Mehr