Bruder und Schwester Lenobel

von Michael Köhlmeier 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Bruder und Schwester Lenobel
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Inhaltsangabe zu "Bruder und Schwester Lenobel"

Eine sehr ungewöhnliche jüdische Familie in Wien, in der immer mit allem zu rechnen ist

Im Mai schreibt Hanna an ihre Schwägerin eine Mail nach Dublin: „Komm, dein Bruder wird verrückt!“ Zwei Tage später kommt Jetti nach Wien. Robert ist verschwunden. Gegen Jettis Rat gibt Hanna eine Vermisstenanzeige auf. Doch dann bekommt Jetti eine Nachricht: „Ich bitte Dich, dass Du mit niemandem darüber sprichst!!! Ich will es so. Ich bin in Israel, dem Land der Väter. Aber an die Väter denke ich nicht.“
Gelesen von Michael Köhlmeier.
(2 mp3-CDs, Laufzeit ca. 21 h 28)

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783844531053
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Sonstiges Audio-Format
Umfang:0 Seiten
Verlag:Der Hörverlag
Erscheinungsdatum:20.08.2018
Das aktuelle Buch ist am 20.08.2018 bei Hanser, Carl erschienen.

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    WinfriedStanzickvor 18 Tagen
    Ein echtes Hörerlebnis!


     

    Michael Köhlmeiers neuer voluminöser Roman „Bruder und Schwester Lenobel“ ist ein neues Beispiel seiner großen Erzählkunst. Manche Rezensenten seines Buches haben ihm vorgeworfen, seine Geschichten und Episoden, die das Buch bevölkern, seien ausgeufert und hätten den roten Faden aus dem Blick verloren.

     

    Ich kann das nach meiner Lektüre nicht bestätigen. Ich war begeistert von dieser unbändigen Lust am Erzählen, von der poetischen Kraft von Köhlmeiers Sprache und seiner Kunst, in den Ablauf seiner Handlung eine Vielzahl sehr interessanter Themen einzuflechten.

    Es geht um die Familie Lenobel in Wien. Robert Lenobel, etwa 56 Jahre alt, Jude ohne spirituelle Heimat, arbeitet als Psychoanalytiker der klassischen Freudschen Schule unweit der ehemaligen Wirkungsstätte seines großen Lehrers. Er ist verheiratet mit Hanna. Sie führt zusammen mit einer Freundin die einzige jüdische Buchhaltung in Wien, obwohl beide nicht von Juden abstammen. Doch Hanna hat eine Affinität zum Judentum.

    Robert hat eine sechs Jahre jüngere Schwester namens Jetti, eine schöne und beruflich erfolgreiche Frau, der es jedoch trotz vieler Beziehungen zu Männern nie gelungen ist, den „Richtigen“ zu finden. Als sie doch einmal nahe dran ist mit einem Mann konstatiert sie: "Er ist der Richtige für mich, aber ich bin nicht die Richtige für ihn." Ihr Leben zerrinnt ihr zwischen den Fingern.

     

    Es ist Mai, Jetti lebt seit einigen Jahren in Irland, wo sie mit anderen eine erfolgreiche Kulturagentur betreibt, als sie von ihrer Schwägerin Hanna eine fast panische Mail bekommt. Sie soll sofort nach Wien kommen, ihr Bruder Robert werde anscheinend verrückt. Jetti fliegt nach Wien und findet ihre Schwägerin aufgelöst. Robert ist ohne irgendeinen Hinweis zu geben, verschwunden. Doch Jetti glaubt nicht daran, dass ihr Bruder verrückt geworden ist. Sie kennt ihre sehr ungewöhnliche jüdische Familie, deren bewegte und für alle folgenreiche Geschichte Köhlmeier in vielen Rückblicken erzählt. Das eine Großelternpaar von Robert und Jetti, die KZ-Großeltern, wie sie in der Familie seit jeher genannt werden, sind im Holocaust ermordet worden. Und die anderen Großeltern, die rechtzeitig vor den Nazis nach Palästina geflohen sind, haben sich 1967 in Israel gemeinsam umgebracht. Keine Frage, dass eine solche Geschichte bis in die zweite und dritte Generation der Nachkommen folgenreiche Auswirkungen hat. Jetti weiß aus Erfahrung, dass in ihrer Familie immer mit allem zu rechnen ist.

    Dann, nach einigen Tagen, kommt eine Email-Nachricht von Robert:  „Ich bitte dich, dass Du mit niemandem darüber sprichst!!! Ich will es so. Ich bin in Israel, dem Land der Väter. Aber an die Väter denke ich nicht.“

     

    In mäandernden Erzählungen und Geschichten, die von der Gegenwartsebene immer wieder zurückblicken auf die Geschichte vor allem von Robert und Jetti, aber auch von Hanna und auch dem gemeinsamen Freund und Schriftsteller Sebastian Lukasser, folgt Michael Köhlmeier den merkwürdigen und verschlungenen Lebensläufen dieser Menschen. Überbordend, Worte wie ein sprudelnder Brunnen hervorbringend in einer kraftvollen und poetischen Sprache erzählt er von dem, was jeder in dieser jüdischen Familie ein Leben lang mit sich herumträgt und von den oft vergeblichen Versuchen, sich daraus zu befreien.

     

    Man spürt jeder Satzkonstruktion, jeder eingesprengten Untererzählung die Lust am Fabulieren ab. Doch niemals verliert Köhlmeier seinen Erzählungsfaden. Deshalb folgt man als Leser gerne seinen Umwegen. Ich war von diesem Buch, das voller Tragik steckt und gleichzeitig voller hintergründigem Witz, regelrecht begeistert und habe mich über mehrere Tage von seiner erzählerischen  Leidenschaft und seiner inhaltlichen und menschlichen Tiefe entführen lassen.

     

    Ein großartiges und meisterhaft geschriebenes Buch.

     

    Die hier vorliegende ungekürzte Hörbuchfassung des Hörverlags hat der Autor Michael Köhlmeier selbst eingelesen. Das ist ein großer Glücksfall, denn so bekommt der Hörer einen ganz persönlichen und authentischen Eindruck von der Sprachmacht und der Erzählkunst eines der wohl größten österreichischen und deutschsprachigen Erzähler der Gegenwart. Das Buch wird mit dieser Lesung seines Autors auf eine Weise lebendig, die man selten bei Hörbüchern findet.  Es lohnt auch nach der Lektüre des Buches die Zeit, sich das Hörbuch anzuhören. Es wird auf eine seltene Weise verständlicher und persönlicher. Ein echtes Hörerlebnis!

     

     

     

     

     

     

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