Michael Köhlmeier Die Abenteuer des Joel Spazierer

(47)

Lovelybooks Bewertung

  • 55 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 10 Leser
  • 13 Rezensionen
(16)
(12)
(11)
(6)
(2)

Inhaltsangabe zu „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Michael Köhlmeier

<p>„Ich besaß nie den Ehrgeiz, ein guter Mensch zu werden.“</p><br /><p>Joel Spazierer, geboren 1949 in Budapest, wächst bei seinen Großeltern auf und ist vier Jahre alt, als sie von Stalins Schergen abgeholt werden. Fünf Tage verbringt er allein in der Wohnung und lernt eine Welt ohne Menschen kennen. </p><p>Joel Spazierer begreift nie, was gut und was böse ist. Sein Aussehen, sein Charme, seine Freundlichkeit öffnen ihm jedes Herz. Er lügt, stiehlt und mordet, ändert seinen Namen und betreibt seine kriminelle Karriere in vielen europäischen Ländern. Ein großer Roman über die Nachtseiten unserer Gesellschaft.</p>

Hat mir sehr gut gefallen:)

— Maribelle
Maribelle

Eine flache Spannungskurve und zu viele langgezogene Alltagserzählungen machten das Buch für mich zu einer Geduldsprobe.

— osz
osz

Stöbern in Romane

Drei Tage und ein Leben

Ein Psychodrama der Extraklasse und ein Romanhighlight 2017!

Barbara62

Mensch, Rüdiger!

Es zählt nicht, wie oft Du hinfällst. Es zählt nur, wie oft Du wieder aufstehst! Dieses Buch macht Spaß und Mut!

MissStrawberry

Und es schmilzt

Gutes, trauriges Buch.

Lovely90

QualityLand

Tolles & spannendes Buch, das ich weiterempfehlen kann. Leider etwas abruptes Ende.

Jinscha

Durch alle Zeiten

Ein heftiges Leben vor trügerisch idyllischer Bergkulisse

buchmachtkluch

Sweetbitter

Die Poesie der Gerichte und das Flair des Restaurants verschwindet im Drogen- und Alkoholrausch des Personals. Echt schade.

Josetta

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Zu wenig Spannung, zu viele Alltagserzählungen

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    osz

    osz

    10. February 2015 um 16:24

    Michael Köhlmeier hat es sicherlich gut gemeint, mit dem Joel Spazierer. Schreibstil und Sprache sind auch wirklich in Ordnung, trotzdem war es nicht einfach dieses Buch mit Freude zu Ende zu lesen. Köhlmeiers Liebe zum Detail geht für meinen Geschmack ein wenig zu weit. Alltagssituationen ziehen sich leider zu häufig in die Länge, die von mir erwarteten spannenden Momente blieben jedoch zu häufig aus oder waren zu kurz und zu selten. Vermutlich bin ich aber auch einfach mit einer ganz anderen Erwartung an das Buch rangegangen. Bemerkenswert ist allerdings, dass dadurch wiederum die Handlung stets sehr nahe an der Realität bleibt, was viele Autoren leider nicht schaffen.

    Mehr
  • Das Leben eines charmanten Verbrechers...

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    Penelope1

    Penelope1

    Inhalt: Joel Spazierer schreibt einen wahren Schelmenroman, nämliche seine eigene Lebensgeschichte: die Geschichte eines überaus intelligenten Blenders, dem es mit seinem überaus charmanten Wesen gelingt, sämtliche Menschen in seinem Umfeld für sich einzunehmen und zu manipulieren. Auf seiner oft tollkühnen Lebensreise, beginnend in Budapest im Alter von vier Jahren, durchlebt er sämtliche Höhen und Tiefen eines Menschen, der nach eigenen Aussagen „nie den Ehrgeiz besaß, ein guter Mensch zu werden“. Meine Meinung: 650 Seiten liegen hinter mir – 650 Seiten, die das Leben einer fiktiven Figur beschreiben, nämlich die des Hochstaplers Joel Spazierer, der – nunmehr über 60 Jahre alt, von seinem Freund dabei unterstützt wird, seine Geschichte aufzuschreiben: Einen wahren Schelmenroman, bei dem es wohl nicht nur dem Leser oft schwerfällt, Wahrheit und Lüge voneinander zu trennen. Der Erzähler Joel Spazierer selbst vermischt oft Wahrheit mit Lüge, so wie wohl auch sein ganzes Leben ein einziges großes Flechtwerk aus Realität und Fiktion ist. Mit einer hohen Intelligenz ausgestattet, nutzt er diese, um andere Menschen zu täuschen, für sich einzunehmen… und dies geschieht oft so charmant und naiv anmutend, dass man ihm zu Beginn sprich im Kindes- und Jugendalter einfach nicht böse sein kann und geradezu Mitleid mit ihm hat. Doch je älter er wird und je bewusster er seine Manipulationsmöglickeiten einsetzt, umso mehr leidet die Sympathie, die man ihm bis hierhin entgegenbringt – aus dem kleinen, unschuldigen Jungen wird ein Mann ohne jegliche Empathie, der jedoch andererseits dieselbe seiner Mitmenschen für sich jederzeit auszunutzen weiß und der zum Gauner, Hochstapler, ja sogar Mörder wird. Das Fehlen von Mitgefühl schlägt sich sogar im Erzählstil aus: der Autor Michael Köhlmeier lässt seine Figur Joel Spazierer (nur einer von vielen Namen, die Joel Spazierer im Verlauf seines Lebens annimmt) seine eigene Geschichte erzählen, wodurch einerseits eine große Nähe und "Glaubwürdigkeit" erzeugt wird, die aber gleichzeitig den Leser auf Distanz hält. Wie das geht? Joel Spazierer erwähnt immer wieder und lässt keinen Zweifel daran, dass sein Freund und Ratgeber ihn zu diesem Roman gedrängt hat, ihm Tipps gegeben hat, was einen guten Roman ausmacht, sodass der Leser nie sicher sein kann, ob da gerade Gelesene der Fantasie des Erzählers entspringt und den „Schelmenroman“ besonders lesenswert machen soll, oder ob die geschilderten Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben - ganz abgesehen von der Tatsache, dass eine Charaktereigenschaft des Erzählers "Lügen" heißt.  Außerdem fällt es mir schwer, ihm abzunehmen, dass er – nach eigenen Angaben – nie gelernt hat, was Gut und Böse ist und keinerlei Erziehung genossen hat. Sicherlich, die Rahmenbedingungen seiner Kindheit in der Nachkriegszeit waren nicht ideal, und die fünf Tagen, die er im Alter von vier Jahren alleine in der Wohnung in Budapest zubringen musste, schockieren und prägen ein vierjähriges Kind zweifellos, dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass er ohne Fürsorge aufwuchs und ihm nur „falsche“ Werte vermittelt wurden. Im Gegenteil… Und so kommt es, dass man selbst nach 650 Seiten nicht so recht weiß, ob man diesen zweifellos intelligenten und hervorragenden Geschichtenerzähler sympathisch finden soll oder nicht: es mag sich seltsam anhören, aber man erfährt trotz des Umfang des Buches immer noch zu wenig über die Person Joel Spazierer, vieles bleibt rätselhaft und geradezu undurchschaubar. Fast schon könnte man Mitleid mit dem „armen Jungen“ bekommen, der selbst mit über 60 noch nicht so recht erwachsen scheint und ja scheinbar ganz unschuldig zu diesem Leben gedrängt wurde… Oder vielleicht doch nicht – vielleicht ist auch der Leser gerade auf seinen überaus großen Charme und sein einnehmendes Wesen hereingefallen ? ;-). Die Lebensbeschreibung ist einerseits recht einseitig, beschränkt sich im Wesentlichen auf Ereignisse, die spektakulär und abenteuerlich sind – und nicht unbedingt erfreulich. Dabei hätte er durchaus auch Positives zu berichten: im Umgang mit seinen Frauen und Kindern zeigt er sich von einer völlig überraschenden Seite, doch hiervon erfährt der Leser nur am Rande, genauso wie von anderen, positiven Begebenheiten in seinem Leben, seinem Elternhaus. Andererseits ist sein Leben sehr abenteuerlich, er hat viel erlebt, kennengelernt, wodurch der Roman keineswegs einseitig oder gar langweilig ist – im Gegenteil: philosophische Einblendungen, informative und beeindruckende Schilderungen den Konflikt zwischen Ungarn und Österreich in der Nachkriegszeit sind eine Bereicherung dieses Romans. Eine Bewertung des Buches fällt mir schwer – es ist nicht einfach, meine Gefühle für den Protagonisten von dem Gesamteindruck der Geschichte zu trennen. Die Geschichte selbst hat mich fasziniert, auch wenn es mir bis zum Schluss nicht recht gelungen ist, die Hauptfigur wirklich kennenzulernen . Der Erzählstil von Michael Köhlmeier / Joel Spazierer ist fesselnd, wenn auch hin und wieder etwas sprunghaft und dadurch verwirrend – aber gerade dadurch spiegelt er gleichzeitig auch das wechselhafte und unstete Leben des Protagonisten. Fazit: Ein unterhaltsamer, fiktiver Roman über einen Hochstapler, Ganoven und Verbrecher.

    Mehr
    • 2
  • Rezension zu "Die Abenteuer des Joel Spazierer" von Michael Köhlmeier

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    aba

    aba

    06. February 2014 um 18:41

    Ein Fremder mit nachhaltiger Wirkung "Die Abenteuer des Joel Spazierer" von Michael Köhlmeier ist eins dieser Bücher, die, auch wenn deren Handlung sehr verständlich und lückenlos ist, eine Menge zu lösende Rätsel hinterlassen. Joel Spazierer ist ein Hochstapler. Mit seinem Charme und seiner Schönheit schafft er alles, was er sich vornimmt. Mehr braucht er nicht... seine Wirkung auf Menschen reicht für den Erfolg. Die detaillierte Beschreibung seines Lebens als Schwindler mit allen Höhen und Tiefen findet man in den Seiten dieses Buches. Wie ich bereits erwähnt habe, hat dieses Buch Rätsel hinterlassen, und alle haben mit der Person Joel Spazierer zu tun. Und ich bin sicher, es war die Absicht des Autors, die Geschichte dieses Menschen zu erzählen, den Leser in allen dessen Geheimnisse einzuweihen, und ihm trotzdem das Gefühl zu vermitteln, dass Spazierer bis zum Ende ein Fremder bleibt. Das geschieht mit einer Geschichte, die in der ersten Person erzählt wird. Denn es ist Joel Spazierer, der alles über sich selber erzählt, und am Ende, nachdem wir seinen Lebenslauf und alle seine Gedanken kennen, entsteht keine Verbindung zwischen Leser und Hauptfigur. Joel Spazierer bleibt enigmatisch und vorhersehbar unvorhersehbar. Warum handelt er, wie er handelt? Hat er echte Gefühle für irgendeinen Menschen? Ist er dankbar, wenn man ihm hilft, gerade dann, wenn er Hilfe braucht? Oder ist er einfach ein Egoist und ein gleichgültiger Verbrecher? Manchmal schien er sogar recht naiv zu sein und in diesen Momenten hat er mich an Chauncey Gardiner aus "Being There" von Jerzy Kosiński erinnert. "Die Abenteuer des Joel Spazierer" ist in vielen Hinsichten ein lesenswerter Roman. Er bietet eine außergewöhnliche Geschichte mit einem ungewöhnlichen Hauptcharakter, außerdem sind die Handlungsorte und Nebencharaktere sehr interessant. Manche von diesen Nebenfiguren haben mich sogar begeistert. Leider war es für mich schwierig, manche schockierenden Passagen zu verdauen und immer wieder musste ich mich überwinden, um weiter lesen zu können. Spazierer erzählt nicht in chronologischer Reihenfolge. Dadurch erfordert dieses Buch die volle Konzentration des Lesers, aber es macht Spaß, Details, die eine gewisse Bedeutung in der Vergangenheit oder für die Zukunft haben, zu entdecken. Dadurch kommt man langsam voran, was bei manchen Szenen ermüdend sein kann. Joel Spazierer hat lange meine Gedanken beschäftigt. Er ist ein Fremder mit nachhaltiger Wirkung.

    Mehr
  • Alles kann aus uns werden...

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    TinaGer

    TinaGer

    19. January 2014 um 12:30

    Wahrheit macht einsam, bemerkt der Mann mit den vielen Namen und ist ob seiner prachtvollen Auslegung derselben, die man guten Gewissens Lüge nennen könnte, doch nie in wahrer Gesellschaft. Er umgibt sich mit Menschen, doch bleibt er immer auf Distanz. Aus Angst vor der Entdeckung? Oder aus bloßer Misanthropie?  Köhlmeier schafft eine meisterliche Abkehr vom linearen Schreiben und hat damit mein Herz schon im Sturm erobert. Oben drauf eine herrliche Prise Reflexion über Wahrheit und Lüge oder die Sentenz des Geschichtenerzählens insgesamt. Ja, auch die Handlung nimmt immer wieder gefangen, doch die Mechanismen des zwischenmenschlichen Austauschs auf Ebene der Sprache, die Verhaltensmuster von freundlicher Rezeption bis zu schillerndem Unglauben, die Extreme, die Köhlmeier in seine Handlungsträger legt, sind immer wieder Genuss.  Der Autor lotet das Menschsein in Situationen des Schreckens aus und scheut sich selbst vor Kannibalismus nicht. Dagegen wirken all die kleinen Delikte der Selbstzerstörung fast banal. Dennoch Köhlmeier ruht nicht, bis er alle Schauplätze menschlicher Schreckensherrschaften durchlaufen hat. Ein Panoptikum des Abgrunds. Sein Protagonist streift durch diese Welten wie ein ruheloser Wanderer. Ein Spazierer eben, denn das Grauen kann ihm nichts anhaben. Oder doch? Denn er selbst wird zur ausführenden Kraft. Kroch das Böse aus ihm heraus oder ist er nur der sensiblere Klangkörper, der die feinen Nuancen seiner Umwelt reflektiert? Immer wenn der Terror ihn zu vergiften droht, zieht er sich in seine ihm eigene Fiktion zurück und bekämpft die Wahrheit mit immer neuer Lüge. Das das auch Selbstschutz ist, wissen wir.  Am Ende ist alles einmal aus ihm geworden und doch bleibt er allein und einsam zurück. Vielleicht ist das Prinzip des Lebens eben doch nicht Lüge oder Wahrheit, sondern einfach Liebe. Wenn sie denn so einfach wäre...

    Mehr
  • SuB-Abbau-Challenge 2014 - ran an die ungelesenen Bücher!

    Daniliesing

    Daniliesing

    Achtung: Man kann jederzeit noch einsteigen! Er ist Freude und Leid zugleich, er wächst und wächst und wird dabei immer schöner, aber auch erdrückender. Die Rede ist vom SuB ( Stapel ungelesener Bücher), der sich bei immer mehr Lesern in ungeahnte Höhen ausweitet. Bei vielen ist es mittlerweile sogar so weit, dass es gar nicht mehr möglich ist, alle ungelesenen Bücher auf einen Stapel zu stapeln. Es sei denn man nimmt die Gefahr in Kauf, vom eigenen Bücherstapel erschlagen zu werden. Deshalb muss ganz dringend eine Lösung her, damit all unsere wunderbaren ungelesenen Bücher nicht länger ein trauriges Dasein in den Regalen fristen müssen: Die große LovelyBooks SuB-Abbau-Challenge 2014 Ihr möchtet etwas dagegen tun und auch mal wieder Bücher lesen, die vielleicht schon länger ungelesen im Regal stehen? Ihr braucht eine Entscheidungshilfe dabei, was ihr 2014 lesen sollt? Dann haben wir jetzt die perfekte Lösung für euch. Macht mit bei dieser Challenge, lest im kommenden Jahr 12 Bücher von eurem SuB, die jemand anderes für euch aussucht, und entdeckt so "alte" Buchschätze ganz neu! Die Regeln Meldet euch bis zum 21. Dezember 2013 für diese Challenge an! Schreibt für eure Anmeldung hier einen Kommentar mit einem Link zu einem Regal eurer ungelesenen Bücher bzw. eures SuBs hier bei LovelyBooks! Verratet außerdem, wie viele Bücher vom SuB ihr in einem Jahr schaffen möchtet (mindestens 12, gern aber auch mehr, wenn ihr euch das zutraut)! Euer SuB sollte mindestens 25 Bücher umfassen, damit auch etwas Auswahl vorhanden ist. Am 22. Dezember bekommt ihr je einen Teilnehmer von mir zugelost, für den ihr 12 (oder mehr) Bücher vom SuB aussucht, die derjenige 2014 lesen soll. Bitte postet bis spätestens 31.12. hier im Thema die Bücher, die ihr für euren SuB-Abbau-Partner ausgewählt habt. Wenn es jemand verpasst, werde ich spontan selbst die Bücher auswählen, damit jeder weiß, was er 2014 lesen kann. Ab 01.01.2014 geht es dann richtig los - die Bücher, die für euch ausgesucht wurden, können ab diesem Zeitpunkt gelesen werden. Wenn ihr ein Buch beendet habt, sagt hier Bescheid und schreibt gern auch eine Rezension oder eine Kurzmeinung auf der Buchseite zum Buch. Wir sind sicher alle neugierig, wie es euch gefallen hat :) Ihr habt die Anmeldephase verpasst? Kein Problem, schreibt einfach trotzdem hier, wenn ihr noch später einsteigen möchtet und sobald wir mehrere Nachzügler haben, verlose ich wieder neue Partner, die für euch Bücher auswählen. Unter allen Teilnehmern, die ihr Ziel von 12 (oder mehr) Büchern erreichen, verlosen wir eine schöne Überraschung, die jedoch nicht aus Büchern bestehen wird. Wir wollen den SuB ja nicht wieder in die Höhe treiben ;-) Ihr habt Fragen zum Ablauf, den Regeln etc. - dann fragt am besten direkt hier in einem Beitrag und ich antworte schnellstmöglich. Teilnehmer: AefKaey, (3) Ajana, (2) Anendien (5/15) angiana, Anneblogt, Annilane, (2) battlemaus, (5/20) Bellchen, (2/20), Birnchen (0/14) Bluebell2004,  (2) BluevanMeer, (6/12) books4life, bookscolorsandflavor, (6/16) Buchrättin, (1) Buechermaus96, (1) Büchernische (0/12) Buecherwurm1973, (1/15) Carina2302, carooolyne, Caruschia, celynn, (4/15) christiane_brokate, CitizenWeasel, Clairchendelune, Clouud, Code-between-lines, Daniliesing, (1/18) Desaris,, die_moni (0/12) Dunkelblau, (4/15) Eatacatify, (2) eighttletters, (3) elena2607, (2/12) Elfendy, (9/24) Emma.Woodhouse, Eskarina*, (1) Fanny2011, (7/18) FantasyDream, Fay1279, (5) Federchen, (1/18) fireez, franzzi, (2) frozenhighways, (4/15) Ginger1986 (1/12), grinselamm (1/12) Gruenente, (2) HarIequin, (2), Hello-Jessi (0/35) irishlady, jana_confused (7/12) janaka, Jeanne_Darc, (6/20) jess020, (1) Juliaa, Julia_Ruckhardt, justitia, (2) kabahaas, Kajaaa, (0/12) Kanujga, (5/20) Karokoenigin, (3/20) Katesbooks, KatharinaJ, (4/12) kathrineverdeen, , katrin_langbehn (0/14) Kendall, (9/20), Kirschbluetensommer (0/12) kiwi_,  Kleine1984, (4/10) Kleines91, (11/15) kolokele, (1) kornmuhme, (1) Krisse, (2) kugelblitz85, Kurousagi, LaDragonia, (6/12) LadySamira091062, LaLecture, Larischen, (4) Leochiyous, , Leopudding (0/15) LeseAlissaRatte, lesebiene27 (1/20 Leselotteliese, (1) Lesemaus85, (1) Lialotta, LibriHolly, (1/12) Lilawandel, (6/15) Lilli33, (11/18) lilliblume, (4) lisam, (11/20) Literatur, (1/20) Lizzy_Curse, Loony_Lovegood, (2) Lovely_Lila (0/12) LuluCookBakeBook, (1) Lumpadumpa (0/12) Lyiane, (3) mamenu, (1) Manja82, (4) manu2581 (5/25) mareike91, (3), maristicated (0/12) mecedora, (1) merlin78, (5/12) MiHa_LoRe, (5) Mikki, (4/12) milasun, minnimaus, (1/12) Mira123, (1) MissMisanthropie, (4/12+1) MoniUnwritten, moorlicht, Moosbeere, (4/12) Morrighan, Naddlpaddl, (2) NaGer, (1) Nancymaus, (5/12) Ninasan86, Niob, (2/12) Normal-ist-langweilig, (6/12) NussCookie, (4/13) oOVioOo, pamN, (2/15) paschsolo, (12/12) passionelibro, (3/12) Philip, Phini, problembaum, (0/12) Queenelyza, (11) Rine, (5) RinoaHeartilly, Ritja, , Robsi (0/16) Rocio, (4/20) Roxy Malon, Salzstaengel, (1) samea, Schlehenfee, (7/12) schokoloko29, (4/12) SchwarzeRose, sechmet, (2/12) Seelensplitter, (3) sKy, (8/20) Sommerleser, (4/12) Starlet, sternblut, (2) sugarlady83, (3) summi686, (5/25) Sunny Rose, Sunny87, Sunshine_Books, (5/20) supertini, (1/12) Sweetybeanie, (5/12) Synic (0/12) The iron butterfly, (3/12) Tiana_Loreen, (1/15) Tini_S, (4/12) Tintenelfe, (2) viasera, (4/15), weinlachgummi (3/12) werderaner, (3) Wiebkesmile, (1) Wildpony, World_of_tears91, xXeflihXx, (1) Yvonnes-Lesewelt, (1) Zidisbuecherwelt, Zuellig, (5)

    Mehr
    • 2011
  • Geteilter Meinung zu diesem außergewöhnlichen Roman

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    loveisfriendship

    loveisfriendship

    07. November 2013 um 16:50

    Geteilter Meinung zu diesem außergewöhnlichen Roman Zum Inhalt dieses gut 650 Seiten umfassenden Werkes werde ich nichts weiter sagen, als dass Die Abenteuer des Joel Spazierer von der unglaublich bewegten Lebensgeschichte eines 1949 in Ungarn geborenen Mannes handelt, dessen Weg eine einzige Anhäufung schrecklicher Ereignisse ist. Michael Köhlmeier erzählt in Die Abenteuer des Joel Spazierer die wirklich interessante Lebensgeschichte eines Mannes, der viel denkt, aber geradezu keine Emotionen zeigt. Ich würde den Roman somit auch als Charakterstudie eines Soziopathen bezeichnen, da der Protagonist viele Kennzeichen eines solchen aufweist. Er ist ein hochintelligenter, charismatischer Lügner, der kein Gefühl von Reue, Scham und Schuld kennt und ein sehr gutes Gefühl für Sprache besitzt. Joel Spazierer (nur eine der zahlreichen Identitäten, die er im Laufe der Geschichte annimmt) schafft es außerdem nie, sesshaft zu werden und er verfügt nicht über die Gabe, langanhaltende Bindungen einzugehen. Deswegen ist er in meinen Augen vor allem eines: bemitleidenswert. Den Roman würde ich insgesamt auch nur bedingt als "Schelmenroman" bezeichnen, da es zwar schon köstliche und komische Momente gibt, aber ansonsten der Schrecken überwiegt. Selten ist mir die Bewertung eines Buches schwerer gefallen als bei Michael Köhlmeiers Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer, was vermutlich vor allem daran liegt, dass sich negative und positive Aspekte geradezu ausgleichen. Es ist offensichtlich, dass Michael Köhlmeier sein Handwerk versteht. Er ist ein wirklich grandioser, kompetenter und herausragender Erzähler, der Ahnung von der Materie hat, von der er schreibt. Die Abenteuer des Joel Spazierer ist ein unterhaltsamer Roman jenseits des Mainstream. Die Geschichte hat mich angesprochen und ich wurde nicht enttäuscht. Jede einzelne Etappe in Joel Spazieres Leben birgt Überraschungen und ich wusste nie, was als nächstes kommt, wodurch eine große Spannung aufgebaut wird. Außerdem hat der Autor wie nebenbei Zeitgeschichte mit eingebaut, was ich als positiv auffasse. Das Buch ist voll von intelligenten Überlegungen, von denen jede einzelne weitergeführt ein ganzes Buch hätte füllen können. Doch das ist wiederum auch das größte Problem von Die Abenteuer des Joel Spazierer. Der Erzähler langweilt mit seitenlangen wirren philosophischen bzw. theologischen Überlegungen, auf die man sich komplett einlassen müsste, um sie auch nur ansatzweise zu verstehen. Die Handlung des Buches ist an sich gut, doch wird sie von den unzähligen Abschweifungen arg gestört. Der Autor zwingt den Lesern sein nicht unerhebliches Wissen auf, der Sinn des Ganzen blieb mir jedoch unklar. Hier hätte einiges gekürzt werden können. Einige Überlegungen sind wirklich gut, doch sie gehen vollkommen unter und geraten in Vergessenheit, da von dem Autor einfach zu viele aufgeführt werden. Das finde ich sehr schade. Das Buch wirkt an manchen Stellen schlicht zu überladen und die teilweise sehr weisen, interessanten und gelungenen Gedanken sind dann nichts Besonderes mehr, sondern stellen teilweise nur eine nervliche Zerreißprobe dar. Daher wird das Buch vor allem eines: schwierig und anstrengend zu lesen. Überhaupt ist das Buch eher was für konzentrierte und aufmerksame Leser, da der Roman sehr verstrickt ist und der Erzähler zwischen den unterschiedlichen Jahren springt, was ja an sich nichts Negatives ist. Jedoch wird es irgendwann anstrengend sich die ganzen Namen der Personen und die Geschehnisse zu merken. Soweit ich es mitbekommen habe, fehlen gut 20 Jahre, ungefähr nach dem Joel Spazierer aus der DDR abhaut. Die Handlung bricht einfach ab. Habe ich was übersehen? Kommentare erwünscht. Fazit: Wenn man Gefallen an Die Abenteuer des Joel Spazierer finden möchte, sollte man keine Scheu vor dickeren Büchern komplexeren Inhalts haben. Interesse an theologisch-philosophischen Gedanken könnte auch förderlich sein. Ansonsten bietet der Roman eine unvorhersehbare Geschichte über einen interessanten Charakter, in die wie nebenbei Zeitgeschichte mit einfließt. "Er fuhr fort, aber das sei genau das Tolle an der Literatur, dass sogar das furchtbarste Leben einem großartig vorkomme, weil es in einem Buch erzählt werde. Genau das wolle er erreichen. Beim Jazz sei es ähnlich, sagte er. Die meisten Musiker führten ein furchtbares Leben mit Alkohol, Drogen und Schulden, aber wenn man ihre Musik höre, gehe es einem hinterher besser als vorher. Was ich davon hielte, fragte er. Ich sagte, dass mir bisher nie solche Gedanken durch den Kopf gegangen seien, dass ich es aber großartig fände, wenn einem solche Gedanken durch den Kopf gingen."

    Mehr
  • Teilweise verwirrend

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    tootsy3000

    tootsy3000

    10. October 2013 um 10:15

    Dieses Buch war eine echte Herausforderung für mich! Grund dafür war weniger die Geschichte, als vielmehr Köhlmeiers Art Geschichten zu schreiben. Das Buch ist vollgepackt mit Namen (teils unaussprechlich – russisch, ungarisch, spanisch) und – damit konnte ich noch weniger umgehen – Sätzen bzw. Dialogen in den verschiedensten Sprachen (ungarisch, russisch, alt-griechisch, Latein, spanisch, italienisch, französisch, englisch). Diese fremdsprachigen Abschnitte wurden Großteils nicht übersetzt und das fand ich nicht so gut. Mit englisch, ein paar Brocken französisch und ebenso vielen Brocken italienisch kann ich ja noch mithalten, die restlichen Fremdsprachen zauberten nur ein riesiges Fragezeichen in mein Gehirn. Auch sind die Sätze teilweise so unglaublich lang und verwinkelt, dass ich am Ende eines Satzes oft nicht wusste, was ich eigentlich gerade gelesen hatte. Dieses Buch bzw. Köhlmeiers Erzähl- und Schreibstil ist wohl sehr speziell und ich persönlich zu wenig intellektuell dafür. Schade eigentlich, denn man erfährt durchaus viel Geschichtliches über das Europa des vergangen Jahrhunderts (DDR, UdssR, Ungarn, Personen und Persönlichkeiten). 

    Mehr
  • Kreuz und quer durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    norbert_gillmann

    norbert_gillmann

    17. July 2013 um 20:00

    In den Zeiten des Ungarnaufstands beginnt dieser Roman in Budapest. Joel Spazierer ist nur einer von vielen Namen die der Protagonist, der uns ähnlich wie einst Oskar Matzerath in der Blechtrommel an die Hand nimmt, um seine abenteuerlichen Reise- und Lügengeschichten durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu unternehmen.  Immer wieder führt sein Weg nach Wien zurück. Die Sprachbegabung lässt uns in vielen Ländern Halt machen und immer wieder wird die Identität gewechselt. Abrupte und völlig unvorhersehbare Wendungen sorgen dafür, dass über die 650 Seiten nie Langeweile aufkommen kann.   Mit Margot und Erich Honecker sitzt er in der Datscha, in Italien am Tisch bei Industriellen, in Leningrad im Todeskäfig, lernt das Passfälschen bei einem ungarischen Sicherheitsoffizier, etc. Manche philosophisch-religiöse Gedankenabhandlung kann doch sehr anstrengend werden und die Vielzahl an Fremdsprachenzitaten  wirkt bisweilen verwirrend. Michael Köhlmeier ist wieder einmal, nach "Abendland" ein großes Romanwerk, das wieder einen weiten Zeitraum einnimmt, gelungen. Mit großem Genuss lassen sich alle Spuren des Protagonisten verfolgen, auch und gerade weil diese nicht selten in Sackgassen führen.

    Mehr
  • Die Lebensbeichte eines Kriminellen

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    serendipity3012

    serendipity3012

    11. July 2013 um 19:06

    Joel Spazierer ist ein Blender. Woran es liegt, ist schwer zu sagen, aber die Menschen erliegen seiner angenehmen äußeren Erscheinung, seinem Charme, glauben seine Lügen, trauen ihm nicht zu, wozu er fähig ist. Der Leser aber kennt seine Abgründe. Joel Spazierer, der diesen Namen selbst gewählt hat, legt vor uns seine Lebensbeichte ab. Er habe nie den Ehrgeiz gehabt, ein guter Mensch zu sein, heißt es da. Ab und zu gibt es – mehr oder weniger ernstzunehmende – Versuche, zum Beispiel ohne Hintergedanken zu helfen, Gutes zu tun. Meistens aber geht es dem Protagonisten in Michael Köhlmeiers Roman „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ nur um sich selbst, um sein Wohl, darum, möglichst bequem durchs Leben zu kommen. Er ist intelligent und er ist ein Verbrecher, der nicht nur lügt und betrügt, sondern auch vor Mord nicht zurückschreckt. Da Köhlmeier schreiben kann, liest sich das über weite Strecken gut. Ohne Lesepausen aber war mir die Lektüre des Romans nicht möglich. Da fehlt etwas. Weil Spazierers Charakter keine Überraschungen bereithält, weil er sich nicht verändert, sich vor allem nicht weiter entwickelt, „steht“ auch der Roman, Spazierer bleibt der Gleiche, der er war. Der Leser begleitet ihn durch sein Leben, mag sich fragen, ob er den Protagonisten nun mag oder nicht, oder ob er ihn einfach nur gleichgültig lässt, Identifikation war mir nicht mal zum Teil möglich. So lässt mich Köhlmeiers neuester Roman zwiegespalten zurück: Einzelne unterhaltsame Passagen und der Stil des Autors trugen dazu bei, dass ich den Roman nicht abgebrochen habe. Auf der anderen Seite aber bleibt die Frage nach der Intention des Autors, die sich nicht recht erschließen mag und eine Geschichte, die sich über mehr als 600 Seiten erstreckt und sich hierbei auf einen Menschen konzentriert, den man eigentlich nicht kennen bzw. Zeit mit ihm verbringen möchte, und dessen Charakter keine Entwicklung durchmacht. 

    Mehr
  • Egotrip des Joel Spazierers

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    thursdaynext

    thursdaynext

    Einen auf Seite 579 abgebrochenen, enervierenden Spaziergang hat mir Michael Köhlmeier mit „den Abenteuern des Joel Spazierers“ hier beschert. Die restlichen 72 Seiten haben mich einfach nicht mehr interessiert. Dennoch habe ich das Ende gelesen und den Rest  kurz überblättert und quergelesen, aber auch das konnte nicht zum  „ordentlichen“ weiterlesen animieren. Wäre Michael Köhlmeier Sheherezade und ich der Sultan, er verlöre seinen Kopf. Mit einem gewissen Bedauern, denn rein handwerklich betrachtet beherrscht er die Schriftstellerei, doch intuitiv für diesen Schelmenroman dessen „Schelm“ eben jenes schelmische, sympathische, völlig abgeht ...runter damit.   Die selbstverliebe Art und Weise, wie der Autor hier sein nicht unerhebliches Wissen großzügig unter das Lesevolk bringt, hier eine Handvoll Perlen, da ein Schwung und hier könnte noch was ....., liess mich innerlich aufstöhnen. Philosophische Betrachtungen des meist emotionsfreien Protagonisten ohne Moral, dessen oft erwähnter, vorgeblich vorhandener Charme im Buch für mich nie konkret zu erfassen war, den man als Leser aufgrund knapper Erwähnungen desselben vorgesetzt bekam und zu akzeptieren hatte , haben mich seitenweise gelangweilt. Für mich blieb  Joel Spazierer schlicht ein langweiliger Mensch, eben weil er nur um sich kreist. Seine Selbstgewissheit und fehlenden Selbstzweifel machten ihn unerträglich. Selbst wenn er kurz versuchte ein guter Mensch zu werden ( die Definition ist Ansichtssache) ist klar, er ist zum Scheitern verurteilt, die Liebe heilt ihn nicht, seine Hilfe hilft nichts. Er ist und bleibt ein Taugenichts der sich durchs Leben lügt. Das freundlich menschenliebende, schelmische welches andere literarische Schelme wie Till Eulenspiegel, Baron Münchhausen, oder den Hauptmann von Köpenick, oder aus jüngster Zeit „den Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg und verschwand“ auszeichnet fehlt. Den ganzen überlangen Roman hindurch. Die Rahmenhandlung, die Zeitsprünge, die Nebenfiguren die um ihn kreisen wie um eine Sonne, gut zu imaginieren, aber die Sonne an sich strahlt nicht, der Zugang zum Protagonist bleibt flach und blässlich. Die breit angelegte Geschichte blieb für mich sinnfrei, inhaltsleer und ermüdend.   Die Frage bleibt ob des Protagonisten Verhalten an seinem Kindheitstrauma liegt oder ob er schlicht so geboren wurde. Nach endlosen Seiten inhaltsleeren Geredes über seine  dauernde Flucht vor dem Entdecktwerden  vermag sie aber nicht zu interessieren. Und bis Seite war sie für mich auch nicht zweifelsfrei geklärt, trotz der imaginierten Tiere die sich durch Joel Spazieres Leben und Träumen ziehen.   Fazit: Für mich ein ausnehmend uncharmanter Psychopathenroman, mit Esprit, wenn man intellektuelles Geschwafel und häufig wechselnde Handlungsschauplätze mag, aber gänzlich ohne Schelm,  Witz und Notwendigkeit ihn zu lesen. Immerhin zwei Sterne für  durchaus vorhandenen schrifstellerischen Ideenreichtum und stilistisches Können.  

    Mehr
    • 6
    Bellami

    Bellami

    09. July 2013 um 10:33
  • Lesefutter für Bibliophile

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    GuenterNeuwirth

    GuenterNeuwirth

    18. May 2013 um 17:16

    Also, ich habe das Vergnügen gehabt, Michael Köhlmeier vor gar nicht langer Zeit live erlebt zu haben. Der Großmeister der verbalen Erzählkunst hat geplaudert und gelesen und erzählt und nach anderthalb Stunden war ich herb enttäuscht, dieser wohlklingenden Stimme nicht mehr lauschen zu dürfen. Also hurtig rein in die 650 Seiten. Meine Meinung: Unbedingt lesen! Es gibt wirklich schlechtere Möglichkeiten, seine Lebenszeit zu gestalten. Es ist so Vieles da, was man in Romanen sucht: Dralles Leben, ungezählte Einfälle, überraschende Wendungen, flüssig lesbare Sprache. Was habe ich vermisst? Vielleicht die literarische Notwendigkeit. Warum ich die Abenteuer des Herrn Spazierer gelesen habe, weiß ich jetzt gar nicht mehr. Nun, das kann ja gerade der Reiz eines Textes sein, gleichsam l'art pour l'art, hohe Erzählkunst für die Luft. Eine derartige Erzählhaltung bewirkt aber bei mir, entsprechende Texte bald auch wieder vergessen zu haben. Macht nix, denn wozu schreiben Autorinnen und Autoren? Um vergessen zu werden! Ich mache das so. Mit Notwendigkeit.

    Mehr
  • Abenteurer

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    goldfisch

    goldfisch

    15. May 2013 um 10:51

    Nennen wir den Protagonisten Joel Spazierer. Joel wird in Ungarn geboren und erlebt ein Trauma.Die Großeltern werden verschleppt,in die Folterkeller des Regimes und Joel bleibt tagelang alleine in der Wohnung zurück.Irgendwann kommen die Großeltern gezeichnet zurück in die Freiheit und die Familie flieht nach Österreich.Joel besitzt eine sehr genaue Beobachtungsgabe und schildert uns die Schwächen seiner Familie ganz genau. Schon früh beginnt er Lügenfäden zu spinnen und die Lügen begleiten ihn sein ganzes Leben. Er wechselt seine Identität, reißt aus, kehrt zurück und geht gnadenlos mit den Erwachsenen um, er manipuliert seine Mitmenschen. Sympathisch ist mir dieser Joel Spazierer das ganze Buch lang nicht geworden.Trotzdem war ich fasziniert von dieser Geschichte mit all ihren Geschichten. Spazierer ist ein Abenteurer, der Kerne Kopf und Kragen riskiert.Lesenswert!

    Mehr
  • Wahrheit und Lüge

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    HeikeM

    HeikeM

    22. April 2013 um 08:54

    Michael Köhlmeier hat mit Die Abenteuer des Joel Spazierer" einen weiteren großen Roman vorgelegt, in dem auch sein Alter Ego Sebastian Lukasser seinen Platz einnehmen konnte. Dieser lenkt die Gedanken des unterdessen gealterten András Fülip, inzwischen nennt er sich Joel Spazierer, so, dass er diese für ein Buch festhalten kann. Lukasser ist der einzige Freund, den Spazierer je hatte und obwohl er alles über ihn weiß, hält er ihm die Treue. Wie bei allen seinen Romanen bewegt sich der Autor auch bei diesem auf einem sprachlich hohen Niveau. In diesem Roman gab es unglaublich skurrile Passagen und auch die ganz leisen, nachdenklich stimmenden. Gelegentlich ist der Leser von den Erzählungen des Protagonisten genarrt, weil man ihm vertraute und nun feststellen muss, alles ist dann doch anders. Michael Köhlmeier nennt seinen Roman selbst einen Schelmenroman und trifft es damit im Großen und Ganzen ziemlich genau. Der Protagonist erzählt seine Autobiografie, begibt sich auf Reisen, durchläuft verschieden gesellschaftliche Schichten, schafft es jedoch immer sich aus brenzligen Situationen zu retten und wird oft am Ende geläutert. Ob letzteres auch bei Joel Spazierer der Fall ist, lasse ich an dieser Stelle offen. Der Roman wird nicht streng chronologisch erzählt. Der Autor springt mit Joel Spazierer durch dessen Leben. Die einzelnen Erlebnisse werden in einen Rahmen aus gegenwärtigen Betrachtungen des in zwischen über 60jährigen Protagonisten in 12 Kapiteln eingeflochten. Die Abenteuer des Joel Spazierer" ist ein Roman, der gute, abwechslungsreiche und kurzweilige Unterhaltung bietet und obendrein zum Nachdenken anregt. Dabei gibt es Anlehnungen an andere literarische Werke. Der Autor selbst nennt Grimmelshausen, ich meine auch noch Günter Grass und John Irving erkannt zu haben. Michael Köhlmeier beweist einmal mehr, welch begnadeter Autor er ist. Bisher wurde ich von seinen Büchern noch nie enttäuscht, obwohl die Erwartung von Mal zu Mal höher ist. Wer gern einem, einen ganzen Roman bestimmenden, Protagonisten durch sein bewegtes Leben folgen möchte, sich auch für die Abgründe menschlicher Charaktere interessiert und dabei das Zeitgeschehen aus dessen Sicht erleben möchte, wird mit diesem Roman gut beraten sein.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Abenteuer des Joel Spazierer: Roman" von Michael Köhlmeier

    Die Abenteuer des Joel Spazierer
    HeikeG

    HeikeG

    27. January 2013 um 09:27

    Alles ist wie es ist? oder: Alles kann aus uns werden? . Alles kann aus uns werden! Auf den ersten Blick drückt dieser Satz Hoffnung aus, Zuversicht, Entschlossenheit. Auf den zweiten jedoch könnte er gar als Drohung im Raum stehen. Zweifel schleichen sich ein. Kann wirklich ALLES aus uns werden? Was beinhaltet das Wörtchen "alles"? Grammatikalisch gehört es zu den Indefinitpronomen, den unbestimmten Fürwörtern. Und das wiederum heißt: Wir wissen es (noch) nicht. "Und wissen es eine Minute vorher nicht. Eine Sekunde vorher nicht. Wir stehen auf einem Fleck, die Füße nebeneinander, die Hände an der Hosennaht, und rühren uns nicht; wir fragen uns, wie sind wir hierhergekommen, irgendetwas geschieht hier, und wir wissen nicht was; wir holen Luft, um etwas zu sagen, und sagen etwas anderes, als wir sagen wollten - vielleicht was den Zuhörer erschüttert und bezaubert in einem, so dass sie in sich blicken und den Kopf schütteln und einander zuraunen, so hätten sie die Sache noch nicht betrachtet. Und schon ist etwas aus uns geworden. Der Verkünder einer guten Hoffnung zum Beispiel - und dabei haben wir doch nur ein Märchen erzählt..." (Michael Köhlmeier: "Die Abenteuer des Joel Spazierer") . Märchen erzählt auch der Titelheld in Michael Köhlmeiers neuem und - vorab - grandiosem Werk, obwohl dessen Handlung alles andere als märchenhaft daherkommt, sondern eher bizarr und grotesk, zuweilen makaber, unheimlich und absonderlich. Als Schelmenroman bezeichnet der österreichische Autor sein auf 655 Seiten eng gesetztes Buch, "in dem unsere Welt aus den Augen eines Außenseiters beschrieben wird; und sie wird in ihren schönsten Farben beschrieben - wie eine wunderbare, exotische, aber vielleicht höchst giftige Blume.", wie er selbst im Vorwort bemerkt. Sein sechzigjähriger Protagonist, aus dessen Augen in der Ich-Form rückblickend berichtet wird, erweist sich - ähnlich dem als "Klugen Hans" in die Geschichte eingegangen Pferd, das angeblich rechnen konnte - als Experte der manipulativen nonverbalen Kommunikation. Er meint, die Wünsche der Menschen zu durchschauen, "vor allem jene, die sie vor sich selbst nicht zugeben". Indem er sie entweder erfüllt oder auch nicht, ist er in der Lage, Einstellung seines Gegenüber zu ihm selbst zu steuern, je nachdem, ob ihm an dessen Zuneigung gelegen ist oder diese als ungünstig erachtet wird. Oder kurz und knapp: Er lügt wie gedruckt. Die Lüge allerdings empfindet er als legitimes, wohlkalkuliertes Konstrukt eines anderen Ichs. "Ich fand es sehr interessant, ein Ich ins Leben zu schicken, das es nicht gab und um das ich mich folglich nicht zu sorgen brauchte. Nicht einmal vor dessen Absterben fürchtete ich mich." Aber: "Hütet euch davor, etwas zu erfinden, wofür es sich zu leben lohnt, denn dafür lohnt es sich auch zu sterben und zu töten." . Und dies exerziert er gleich mehrere Male im Laufe seiner skurrilen, zuweilen erschreckenden Vita. Getreu der Lebensweise seiner Familie, die ihm vorlebt(e), "dass der Schein die Realität, das Sein aber Fiktion sei", entdeckt er schon als kleiner Junge die vielfältigen Möglichkeitsformen des Daseins. Diese versteht er dann auf seinen Odysseen durch unterschiedlichste politische Gesellschaftsformen hervorragend einzusetzen. Beginnend in Joel Spazierers frühesten Kindheit im Budapest der fünfziger Jahre, wo er noch András Fülöp gerufen wird, der familiären Flucht nach Wien, diversen Aufenthalten in der Schweiz (zuweilen hinter Gittern) und Deutschland, nach Belgien, Kuba, Mexiko, Italien, Paris, Moskau, bis hin in die ehemalige DDR, wo er um politisches Asyl sucht und beinahe ein nationaler Held wird, lügt und stielt er, manipuliert seine Mitmenschen und schreckt gar vor Morden nicht zurück. Doch Joel Spazierer, alias András Srámek, alias Andres Philip, alias Robert Rosenberger, alias Dr. Ernst-Thälmann Koch ist keineswegs ein unsympathischer Zeitgenosse. Gesegnet mit einem reizvollen Äußeren, überdurchschnittlicher Intelligenz sowie Charme und ausgesprochener Höflichkeit agiert er als ein Zwitterwesen, halb Engel und halb Teufel. Er tut Schreckliches, erleidet es aber auch selbst. Bei ersterem entzieht er sich immer geschickt jeglicher Verantwortung, an letzterem geht er nicht zugrunde. Schrieb Michael Köhlmeier noch vor fünf Jahren in seinem grandiosen Roman "Abendland": "Das Kreuz des Abendlandes ist das schlechte Gewissen", so hat Joel Spazierer dieses besagte Gewissens-Kreuz restlos abgelegt. Doch letztendlich geht es nicht um sein Schicksal, "sondern das seiner Zeit, womit alle Menschen gemeint sind - außer ihm." . Seite für Seite treten Michael Köhlmeiers Intensionen mehr zu Tage: dass die zuweilen abgrundtiefen Unwahrheiten seines "Helden" tatsächlich nur ein überwältigender Beleg für die offensichtlich auf einem Irrtum begründete Mangelnatur des Menschen sind. Denn in Wirklichkeit, so ist sich Joel Spazierer sicher, gab es einmal eine Zeit, "in der sei zwischen Lüge und Irrtum nicht unterschieden worden. Erzählte einer eine Geschichte und sie entsprach nicht der Wahrheit, sagte keiner, die ist gelogen; man anerkannte, dass diesem Menschen etwas fehlte und er in die Welt hinein erfinden wollten, was ihm fehlte. (...) Aber dann wurde die Lüge erfunden. Als die Wirklichkeit erfunden wurde, wurde die Lüge erfunden. Die Lüge ist Diebstahl an der Wirklichkeit, so wie die Wirklichkeit eine Verkürzung, Verwesentlichung, eine Abstraktion des Paradieses ist. (...) ein endloses Gewebe von Sinnhaftem und Sinnfremden; ersteres adeln wir mit dem Begriff Wahrheit, für letzteres haben wir unzählige Worte zur Verfügung." Joel Spazierer scheint dieser fiktiven Zeit direkt entstiegen zu sein. Vielleicht ist er aber auch nur ein Kind, das nie erwachsen wurde, bei dem keine Entwicklung stattfand. Denn wenn man seine Erinnerungen, seine "narrativen Transformationen", aus den Augen eines Vier- bis Siebenjährigen betrachtet und von dessen weltanschaulicher Warte aus analysiert, bekämen all seine Handlungen und Erlebnisse Sinn und Form. Im Traum imaginierte Tiere, die von Zeit zu Zeit seine Handlungen leiten, scheinen ein Indiz zu sein. "Die Götter sind in die Tiere geschlüpft, von nichts anderem erzählten diese Geschichten; vielleicht - dachte ich - vielleicht bin ich ein Tier, das in einen Menschen geschlüpft ist, wahrscheinlich sogar." . "Ich liebte Worte...", legt der Autor einem seiner Protagonisten in den Mund und zwar dem bereits aus "Abendland" bekannten Sebastian Lukasser, Köhlmeiers Alter Ego. Dieses Mal schreibt jener allerdings nicht selbst die Lebensgeschichte des Mannes mit den vielen Namen auf, sondern bestärkt Joel darin, dies eigenständig zu bewerkstelligen. Nur helfend greift er in deren strukturellen Aufbau ein. "Ich liebte Worte...". Davon kann sich der Leser auf beinahe jeder Seite überzeugen. "Die Abenteuer des Joel Spazierer" erweisen sich als Lektüre von hoher erzählerischer Dichte, mit einer Fülle an tiefgründigen und weisen Satzpassagen, einem wunderschönen Duktus, latenter Ironie und vielen zu erforschenden Hintergründigkeiten. Der Roman erzählt in rückblickenden, zumeist chronologischen Episoden, mal skizzierend und in schnellen Sprüngen, dann wieder einem mäandernden Fluss oder Waben voller Erinnerungen gleichend, eine Geschichte, die mehr als einmal zum Nachdenken anregt und die hoffnungsvolle Gewissheit wachsen lässt: Alles kann aus uns werden! Weil nichts ist wie es ist und "die Arbeit am besseren Menschen (...) wenigstens zur Hälfte darin [besteht], an ihn zu glauben. Das haben wir zu spät begriffen. Wenn man nicht an ihn glaubt, wird er nicht." . Fazit: Mit "Abendland" legte Michael Köhlmeier bereits ein Opus magnum vor, ein Buch, das völlig zu Recht auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2007 stand. "Die Abenteuer des Joel Spazierer" stehen jenem in nichts nach. Der österreichische Autor beweist einmal mehr, dass er sein Handwerk hervorragend beherrscht. Erneut lässt er das Wesen der Dinge sichtbar werden, würdigt deren unendliche Erscheinungsformen und bringt sie in eine gewisse Ordnung. Ich wage eine Prognose und sehe ihn dieses Mal ganz oben auf dem Podest der Preisträger. Verdient hätte er es.

    Mehr