Die Abenteuer des Joel Spazierer

von Michael Köhlmeier 
3,7 Sterne bei50 Bewertungen
Die Abenteuer des Joel Spazierer
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Positiv (30):
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Hat mir sehr gut gefallen:)

Kritisch (8):

Eine flache Spannungskurve und zu viele langgezogene Alltagserzählungen machten das Buch für mich zu einer Geduldsprobe.

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Inhaltsangabe zu "Die Abenteuer des Joel Spazierer"

„Ich besaß nie den Ehrgeiz, ein guter Mensch zu werden.“

Joel Spazierer, geboren 1949 in Budapest, wächst bei seinen Großeltern auf und ist vier Jahre alt, als sie von Stalins Schergen abgeholt werden. Fünf Tage verbringt er allein in der Wohnung und lernt eine Welt ohne Menschen kennen.
Joel Spazierer begreift nie, was gut und was böse ist. Sein Aussehen, sein Charme, seine Freundlichkeit öffnen ihm jedes Herz. Er lügt, stiehlt und mordet, ändert seinen Namen und betreibt seine kriminelle Karriere in vielen europäischen Ländern. Ein großer Roman über die Nachtseiten unserer Gesellschaft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423143233
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:656 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.07.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 18.02.2013 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine flache Spannungskurve und zu viele langgezogene Alltagserzählungen machten das Buch für mich zu einer Geduldsprobe.
    Zu wenig Spannung, zu viele Alltagserzählungen

    Michael Köhlmeier hat es sicherlich gut gemeint, mit dem Joel Spazierer. Schreibstil und Sprache sind auch wirklich in Ordnung, trotzdem war es nicht einfach dieses Buch mit Freude zu Ende zu lesen. Köhlmeiers Liebe zum Detail geht für meinen Geschmack ein wenig zu weit. Alltagssituationen ziehen sich leider zu häufig in die Länge, die von mir erwarteten spannenden Momente blieben jedoch zu häufig aus oder waren zu kurz und zu selten. Vermutlich bin ich aber auch einfach mit einer ganz anderen Erwartung an das Buch rangegangen. Bemerkenswert ist allerdings, dass dadurch wiederum die Handlung stets sehr nahe an der Realität bleibt, was viele Autoren leider nicht schaffen.

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    Penelope1s avatar
    Penelope1vor 4 Jahren
    Das Leben eines charmanten Verbrechers...

    Inhalt:

    Joel Spazierer schreibt einen wahren Schelmenroman, nämliche seine eigene Lebensgeschichte: die Geschichte eines überaus intelligenten Blenders, dem es mit seinem überaus charmanten Wesen gelingt, sämtliche Menschen in seinem Umfeld für sich einzunehmen und zu manipulieren.
    Auf seiner oft tollkühnen Lebensreise, beginnend in Budapest im Alter von vier Jahren, durchlebt er sämtliche Höhen und Tiefen eines Menschen, der nach eigenen Aussagen „nie den Ehrgeiz besaß, ein guter Mensch zu werden“.

    Meine Meinung:
    650 Seiten liegen hinter mir – 650 Seiten, die das Leben einer fiktiven Figur beschreiben, nämlich die des Hochstaplers Joel Spazierer, der – nunmehr über 60 Jahre alt, von seinem Freund dabei unterstützt wird, seine Geschichte aufzuschreiben: Einen wahren Schelmenroman, bei dem es wohl nicht nur dem Leser oft schwerfällt, Wahrheit und Lüge voneinander zu trennen. Der Erzähler Joel Spazierer selbst vermischt oft Wahrheit mit Lüge, so wie wohl auch sein ganzes Leben ein einziges großes Flechtwerk aus Realität und Fiktion ist. Mit einer hohen Intelligenz ausgestattet, nutzt er diese, um andere Menschen zu täuschen, für sich einzunehmen… und dies geschieht oft so charmant und naiv anmutend, dass man ihm zu Beginn sprich im Kindes- und Jugendalter einfach nicht böse sein kann und geradezu Mitleid mit ihm hat. Doch je älter er wird und je bewusster er seine Manipulationsmöglickeiten einsetzt, umso mehr leidet die Sympathie, die man ihm bis hierhin entgegenbringt – aus dem kleinen, unschuldigen Jungen wird ein Mann ohne jegliche Empathie, der jedoch andererseits dieselbe seiner Mitmenschen für sich jederzeit auszunutzen weiß und der zum Gauner, Hochstapler, ja sogar Mörder wird.
    Das Fehlen von Mitgefühl schlägt sich sogar im Erzählstil aus: der Autor Michael Köhlmeier lässt seine Figur Joel Spazierer (nur einer von vielen Namen, die Joel Spazierer im Verlauf seines Lebens annimmt) seine eigene Geschichte erzählen, wodurch einerseits eine große Nähe und "Glaubwürdigkeit" erzeugt wird, die aber gleichzeitig den Leser auf Distanz hält. Wie das geht? Joel Spazierer erwähnt immer wieder und lässt keinen Zweifel daran, dass sein Freund und Ratgeber ihn zu diesem Roman gedrängt hat, ihm Tipps gegeben hat, was einen guten Roman ausmacht, sodass der Leser nie sicher sein kann, ob da gerade Gelesene der Fantasie des Erzählers entspringt und den „Schelmenroman“ besonders lesenswert machen soll, oder ob die geschilderten Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben - ganz abgesehen von der Tatsache, dass eine Charaktereigenschaft des Erzählers "Lügen" heißt.  Außerdem fällt es mir schwer, ihm abzunehmen, dass er – nach eigenen Angaben – nie gelernt hat, was Gut und Böse ist und keinerlei Erziehung genossen hat. Sicherlich, die Rahmenbedingungen seiner Kindheit in der Nachkriegszeit waren nicht ideal, und die fünf Tagen, die er im Alter von vier Jahren alleine in der Wohnung in Budapest zubringen musste, schockieren und prägen ein vierjähriges Kind zweifellos, dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass er ohne Fürsorge aufwuchs und ihm nur „falsche“ Werte vermittelt wurden. Im Gegenteil…

    Und so kommt es, dass man selbst nach 650 Seiten nicht so recht weiß, ob man diesen zweifellos intelligenten und hervorragenden Geschichtenerzähler sympathisch finden soll oder nicht: es mag sich seltsam anhören, aber man erfährt trotz des Umfang des Buches immer noch zu wenig über die Person Joel Spazierer, vieles bleibt rätselhaft und geradezu undurchschaubar. Fast schon könnte man Mitleid mit dem „armen Jungen“ bekommen, der selbst mit über 60 noch nicht so recht erwachsen scheint und ja scheinbar ganz unschuldig zu diesem Leben gedrängt wurde… Oder vielleicht doch nicht – vielleicht ist auch der Leser gerade auf seinen überaus großen Charme und sein einnehmendes Wesen hereingefallen ? ;-).
    Die Lebensbeschreibung ist einerseits recht einseitig, beschränkt sich im Wesentlichen auf Ereignisse, die spektakulär und abenteuerlich sind – und nicht unbedingt erfreulich. Dabei hätte er durchaus auch Positives zu berichten: im Umgang mit seinen Frauen und Kindern zeigt er sich von einer völlig überraschenden Seite, doch hiervon erfährt der Leser nur am Rande, genauso wie von anderen, positiven Begebenheiten in seinem Leben, seinem Elternhaus.
    Andererseits ist sein Leben sehr abenteuerlich, er hat viel erlebt, kennengelernt, wodurch der Roman keineswegs einseitig oder gar langweilig ist – im Gegenteil: philosophische Einblendungen, informative und beeindruckende Schilderungen den Konflikt zwischen Ungarn und Österreich in der Nachkriegszeit sind eine Bereicherung dieses Romans.

    Eine Bewertung des Buches fällt mir schwer – es ist nicht einfach, meine Gefühle für den Protagonisten von dem Gesamteindruck der Geschichte zu trennen. Die Geschichte selbst hat mich fasziniert, auch wenn es mir bis zum Schluss nicht recht gelungen ist, die Hauptfigur wirklich kennenzulernen . Der Erzählstil von Michael Köhlmeier / Joel Spazierer ist fesselnd, wenn auch hin und wieder etwas sprunghaft und dadurch verwirrend – aber gerade dadurch spiegelt er gleichzeitig auch das wechselhafte und unstete Leben des Protagonisten.

    Fazit:
    Ein unterhaltsamer, fiktiver Roman über einen Hochstapler, Ganoven und Verbrecher.

    Kommentare: 1
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    abas avatar
    abavor 5 Jahren
    Rezension zu "Die Abenteuer des Joel Spazierer" von Michael Köhlmeier

    Ein Fremder mit nachhaltiger Wirkung

    "Die Abenteuer des Joel Spazierer" von Michael Köhlmeier ist eins dieser Bücher, die, auch wenn deren Handlung sehr verständlich und lückenlos ist, eine Menge zu lösende Rätsel hinterlassen.

    Joel Spazierer ist ein Hochstapler. Mit seinem Charme und seiner Schönheit schafft er alles, was er sich vornimmt. Mehr braucht er nicht... seine Wirkung auf Menschen reicht für den Erfolg. Die detaillierte Beschreibung seines Lebens als Schwindler mit allen Höhen und Tiefen findet man in den Seiten dieses Buches.

    Wie ich bereits erwähnt habe, hat dieses Buch Rätsel hinterlassen, und alle haben mit der Person Joel Spazierer zu tun. Und ich bin sicher, es war die Absicht des Autors, die Geschichte dieses Menschen zu erzählen, den Leser in allen dessen Geheimnisse einzuweihen, und ihm trotzdem das Gefühl zu vermitteln, dass Spazierer bis zum Ende ein Fremder bleibt. Das geschieht mit einer Geschichte, die in der ersten Person erzählt wird. Denn es ist Joel Spazierer, der alles über sich selber erzählt, und am Ende, nachdem wir seinen Lebenslauf und alle seine Gedanken kennen, entsteht keine Verbindung zwischen Leser und Hauptfigur. Joel Spazierer bleibt enigmatisch und vorhersehbar unvorhersehbar.
    Warum handelt er, wie er handelt? Hat er echte Gefühle für irgendeinen Menschen? Ist er dankbar, wenn man ihm hilft, gerade dann, wenn er Hilfe braucht? Oder ist er einfach ein Egoist und ein gleichgültiger Verbrecher?
    Manchmal schien er sogar recht naiv zu sein und in diesen Momenten hat er mich an Chauncey Gardiner aus "Being There" von Jerzy Kosiński erinnert.

    "Die Abenteuer des Joel Spazierer" ist in vielen Hinsichten ein lesenswerter Roman. Er bietet eine außergewöhnliche Geschichte mit einem ungewöhnlichen Hauptcharakter, außerdem sind die Handlungsorte und Nebencharaktere sehr interessant. Manche von diesen Nebenfiguren haben mich sogar begeistert. Leider war es für mich schwierig, manche schockierenden Passagen zu verdauen und immer wieder musste ich mich überwinden, um weiter lesen zu können.

    Spazierer erzählt nicht in chronologischer Reihenfolge. Dadurch erfordert dieses Buch die volle Konzentration des Lesers, aber es macht Spaß, Details, die eine gewisse Bedeutung in der Vergangenheit oder für die Zukunft haben, zu entdecken.
    Dadurch kommt man langsam voran, was bei manchen Szenen ermüdend sein kann.

    Joel Spazierer hat lange meine Gedanken beschäftigt.
    Er ist ein Fremder mit nachhaltiger Wirkung.

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    TinaGers avatar
    TinaGervor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Wahrheit macht einsam - ein herrlicher Roman über das Überleben in der Fiktion. Gleichsam grausam wie grandios.
    Alles kann aus uns werden...

    Wahrheit macht einsam, bemerkt der Mann mit den vielen Namen und ist ob seiner prachtvollen Auslegung derselben, die man guten Gewissens Lüge nennen könnte, doch nie in wahrer Gesellschaft. Er umgibt sich mit Menschen, doch bleibt er immer auf Distanz. Aus Angst vor der Entdeckung? Oder aus bloßer Misanthropie? 

    Köhlmeier schafft eine meisterliche Abkehr vom linearen Schreiben und hat damit mein Herz schon im Sturm erobert. Oben drauf eine herrliche Prise Reflexion über Wahrheit und Lüge oder die Sentenz des Geschichtenerzählens insgesamt. Ja, auch die Handlung nimmt immer wieder gefangen, doch die Mechanismen des zwischenmenschlichen Austauschs auf Ebene der Sprache, die Verhaltensmuster von freundlicher Rezeption bis zu schillerndem Unglauben, die Extreme, die Köhlmeier in seine Handlungsträger legt, sind immer wieder Genuss. 

    Der Autor lotet das Menschsein in Situationen des Schreckens aus und scheut sich selbst vor Kannibalismus nicht. Dagegen wirken all die kleinen Delikte der Selbstzerstörung fast banal. Dennoch Köhlmeier ruht nicht, bis er alle Schauplätze menschlicher Schreckensherrschaften durchlaufen hat. Ein Panoptikum des Abgrunds. Sein Protagonist streift durch diese Welten wie ein ruheloser Wanderer. Ein Spazierer eben, denn das Grauen kann ihm nichts anhaben. Oder doch? Denn er selbst wird zur ausführenden Kraft. Kroch das Böse aus ihm heraus oder ist er nur der sensiblere Klangkörper, der die feinen Nuancen seiner Umwelt reflektiert? Immer wenn der Terror ihn zu vergiften droht, zieht er sich in seine ihm eigene Fiktion zurück und bekämpft die Wahrheit mit immer neuer Lüge. Das das auch Selbstschutz ist, wissen wir. 

    Am Ende ist alles einmal aus ihm geworden und doch bleibt er allein und einsam zurück. Vielleicht ist das Prinzip des Lebens eben doch nicht Lüge oder Wahrheit, sondern einfach Liebe. Wenn sie denn so einfach wäre...

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    loveisfriendships avatar
    loveisfriendshipvor 5 Jahren
    Geteilter Meinung zu diesem außergewöhnlichen Roman

    Geteilter Meinung zu diesem außergewöhnlichen Roman

    Zum Inhalt dieses gut 650 Seiten umfassenden Werkes werde ich nichts weiter sagen, als dass Die Abenteuer des Joel Spazierer von der unglaublich bewegten Lebensgeschichte eines 1949 in Ungarn geborenen Mannes handelt, dessen Weg eine einzige Anhäufung schrecklicher Ereignisse ist.

    Michael Köhlmeier erzählt in Die Abenteuer des Joel Spazierer die wirklich interessante Lebensgeschichte eines Mannes, der viel denkt, aber geradezu keine Emotionen zeigt. Ich würde den Roman somit auch als Charakterstudie eines Soziopathen bezeichnen, da der Protagonist viele Kennzeichen eines solchen aufweist.
    Er ist ein hochintelligenter, charismatischer Lügner, der kein Gefühl von Reue, Scham und Schuld kennt und ein sehr gutes Gefühl für Sprache besitzt.
    Joel Spazierer (nur eine der zahlreichen Identitäten, die er im Laufe der Geschichte annimmt) schafft es außerdem nie, sesshaft zu werden und er verfügt nicht über die Gabe, langanhaltende Bindungen einzugehen. Deswegen ist er in meinen Augen vor allem eines: bemitleidenswert.

    Den Roman würde ich insgesamt auch nur bedingt als "Schelmenroman" bezeichnen, da es zwar schon köstliche und komische Momente gibt, aber ansonsten der Schrecken überwiegt.

    Selten ist mir die Bewertung eines Buches schwerer gefallen als bei Michael Köhlmeiers Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer, was vermutlich vor allem daran liegt, dass sich negative und positive Aspekte geradezu ausgleichen.

    Es ist offensichtlich, dass Michael Köhlmeier sein Handwerk versteht. Er ist ein wirklich grandioser, kompetenter und herausragender Erzähler, der Ahnung von der Materie hat, von der er schreibt.
    Die Abenteuer des Joel Spazierer ist ein unterhaltsamer Roman jenseits des Mainstream.
    Die Geschichte hat mich angesprochen und ich wurde nicht enttäuscht. Jede einzelne Etappe in Joel Spazieres Leben birgt Überraschungen und ich wusste nie, was als nächstes kommt, wodurch eine große Spannung aufgebaut wird.
    Außerdem hat der Autor wie nebenbei Zeitgeschichte mit eingebaut, was ich als positiv auffasse.
    Das Buch ist voll von intelligenten Überlegungen, von denen jede einzelne weitergeführt ein ganzes Buch hätte füllen können. Doch das ist wiederum auch das größte Problem von Die Abenteuer des Joel Spazierer.

    Der Erzähler langweilt mit seitenlangen wirren philosophischen bzw. theologischen Überlegungen, auf die man sich komplett einlassen müsste, um sie auch nur ansatzweise zu verstehen. Die Handlung des Buches ist an sich gut, doch wird sie von den unzähligen Abschweifungen arg gestört. Der Autor zwingt den Lesern sein nicht unerhebliches Wissen auf, der Sinn des Ganzen blieb mir jedoch unklar. Hier hätte einiges gekürzt werden können.
    Einige Überlegungen sind wirklich gut, doch sie gehen vollkommen unter und geraten in Vergessenheit, da von dem Autor einfach zu viele aufgeführt werden. Das finde ich sehr schade. Das Buch wirkt an manchen Stellen schlicht zu überladen und die teilweise sehr weisen, interessanten und gelungenen Gedanken sind dann nichts Besonderes mehr, sondern stellen teilweise nur eine nervliche Zerreißprobe dar. Daher wird das Buch vor allem eines: schwierig und anstrengend zu lesen. Überhaupt ist das Buch eher was für konzentrierte und aufmerksame Leser, da der Roman sehr verstrickt ist und der Erzähler zwischen den unterschiedlichen Jahren springt, was ja an sich nichts Negatives ist. Jedoch wird es irgendwann anstrengend sich die ganzen Namen der Personen und die Geschehnisse zu merken.

    Soweit ich es mitbekommen habe, fehlen gut 20 Jahre, ungefähr nach dem Joel Spazierer aus der DDR abhaut. Die Handlung bricht einfach ab. Habe ich was übersehen? Kommentare erwünscht.

    Fazit: Wenn man Gefallen an Die Abenteuer des Joel Spazierer finden möchte, sollte man keine Scheu vor dickeren Büchern komplexeren Inhalts haben. Interesse an theologisch-philosophischen Gedanken könnte auch förderlich sein. Ansonsten bietet der Roman eine unvorhersehbare Geschichte über einen interessanten Charakter, in die wie nebenbei Zeitgeschichte mit einfließt.

    "Er fuhr fort, aber das sei genau das Tolle an der Literatur, dass sogar das furchtbarste Leben einem großartig vorkomme, weil es in einem Buch erzählt werde. Genau das wolle er erreichen. Beim Jazz sei es ähnlich, sagte er. Die meisten Musiker führten ein furchtbares Leben mit Alkohol, Drogen und Schulden, aber wenn man ihre Musik höre, gehe es einem hinterher besser als vorher. Was ich davon hielte, fragte er. Ich sagte, dass mir bisher nie solche Gedanken durch den Kopf gegangen seien, dass ich es aber großartig fände, wenn einem solche Gedanken durch den Kopf gingen."

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    tootsy3000s avatar
    tootsy3000vor 5 Jahren
    Teilweise verwirrend

    Dieses Buch war eine echte Herausforderung für mich! Grund dafür war weniger die Geschichte, als vielmehr Köhlmeiers Art Geschichten zu schreiben. Das Buch ist vollgepackt mit Namen (teils unaussprechlich – russisch, ungarisch, spanisch) und – damit konnte ich noch weniger umgehen – Sätzen bzw. Dialogen in den verschiedensten Sprachen (ungarisch, russisch, alt-griechisch, Latein, spanisch, italienisch, französisch, englisch). Diese fremdsprachigen Abschnitte wurden Großteils nicht übersetzt und das fand ich nicht so gut. Mit englisch, ein paar Brocken französisch und ebenso vielen Brocken italienisch kann ich ja noch mithalten, die restlichen Fremdsprachen zauberten nur ein riesiges Fragezeichen in mein Gehirn. Auch sind die Sätze teilweise so unglaublich lang und verwinkelt, dass ich am Ende eines Satzes oft nicht wusste, was ich eigentlich gerade gelesen hatte. Dieses Buch bzw. Köhlmeiers Erzähl- und Schreibstil ist wohl sehr speziell und ich persönlich zu wenig intellektuell dafür. Schade eigentlich, denn man erfährt durchaus viel Geschichtliches über das Europa des vergangen Jahrhunderts (DDR, UdssR, Ungarn, Personen und Persönlichkeiten). 

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    norbert_gillmanns avatar
    norbert_gillmannvor 5 Jahren
    Kreuz und quer durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts

    In den Zeiten des Ungarnaufstands beginnt dieser Roman in Budapest. Joel Spazierer ist nur einer von vielen Namen die der Protagonist, der uns ähnlich wie einst Oskar Matzerath in der Blechtrommel an die Hand nimmt, um seine abenteuerlichen Reise- und Lügengeschichten durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu unternehmen. 

    Immer wieder führt sein Weg nach Wien zurück.
    Die Sprachbegabung lässt uns in vielen Ländern Halt machen und immer wieder wird die Identität gewechselt. Abrupte und völlig unvorhersehbare Wendungen sorgen dafür, dass über die 650 Seiten nie Langeweile aufkommen kann.  
    Mit Margot und Erich Honecker sitzt er in der Datscha, in Italien am Tisch bei Industriellen, in Leningrad im Todeskäfig, lernt das Passfälschen bei einem ungarischen Sicherheitsoffizier, etc.
    Manche philosophisch-religiöse Gedankenabhandlung kann doch sehr anstrengend werden und die Vielzahl an Fremdsprachenzitaten  wirkt bisweilen verwirrend.
    Michael Köhlmeier ist wieder einmal, nach "Abendland" ein großes Romanwerk, das wieder einen weiten Zeitraum einnimmt, gelungen. Mit großem Genuss lassen sich alle Spuren des Protagonisten verfolgen, auch und gerade weil diese nicht selten in Sackgassen führen.

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 5 Jahren
    Die Lebensbeichte eines Kriminellen

    Joel Spazierer ist ein Blender. Woran es liegt, ist schwer zu sagen, aber die Menschen erliegen seiner angenehmen äußeren Erscheinung, seinem Charme, glauben seine Lügen, trauen ihm nicht zu, wozu er fähig ist. Der Leser aber kennt seine Abgründe. Joel Spazierer, der diesen Namen selbst gewählt hat, legt vor uns seine Lebensbeichte ab.

    Er habe nie den Ehrgeiz gehabt, ein guter Mensch zu sein, heißt es da. Ab und zu gibt es – mehr oder weniger ernstzunehmende – Versuche, zum Beispiel ohne Hintergedanken zu helfen, Gutes zu tun. Meistens aber geht es dem Protagonisten in Michael Köhlmeiers Roman „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ nur um sich selbst, um sein Wohl, darum, möglichst bequem durchs Leben zu kommen. Er ist intelligent und er ist ein Verbrecher, der nicht nur lügt und betrügt, sondern auch vor Mord nicht zurückschreckt.

    Da Köhlmeier schreiben kann, liest sich das über weite Strecken gut. Ohne Lesepausen aber war mir die Lektüre des Romans nicht möglich. Da fehlt etwas. Weil Spazierers Charakter keine Überraschungen bereithält, weil er sich nicht verändert, sich vor allem nicht weiter entwickelt, „steht“ auch der Roman, Spazierer bleibt der Gleiche, der er war. Der Leser begleitet ihn durch sein Leben, mag sich fragen, ob er den Protagonisten nun mag oder nicht, oder ob er ihn einfach nur gleichgültig lässt, Identifikation war mir nicht mal zum Teil möglich.

    So lässt mich Köhlmeiers neuester Roman zwiegespalten zurück: Einzelne unterhaltsame Passagen und der Stil des Autors trugen dazu bei, dass ich den Roman nicht abgebrochen habe. Auf der anderen Seite aber bleibt die Frage nach der Intention des Autors, die sich nicht recht erschließen mag und eine Geschichte, die sich über mehr als 600 Seiten erstreckt und sich hierbei auf einen Menschen konzentriert, den man eigentlich nicht kennen bzw. Zeit mit ihm verbringen möchte, und dessen Charakter keine Entwicklung durchmacht. 

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    thursdaynextvor 5 Jahren
    Egotrip des Joel Spazierers

    Einen auf Seite 579 abgebrochenen, enervierenden Spaziergang hat mir Michael Köhlmeier mit „den Abenteuern des Joel Spazierers“ hier beschert. Die restlichen 72 Seiten haben mich einfach nicht mehr interessiert. Dennoch habe ich das Ende gelesen und den Rest  kurz überblättert und quergelesen, aber auch das konnte nicht zum  „ordentlichen“ weiterlesen animieren.

    Wäre Michael Köhlmeier Sheherezade und ich der Sultan, er verlöre seinen Kopf.

    Mit einem gewissen Bedauern, denn rein handwerklich betrachtet beherrscht er die Schriftstellerei, doch intuitiv für diesen Schelmenroman dessen „Schelm“ eben jenes schelmische, sympathische, völlig abgeht ...runter damit.

     

    Die selbstverliebe Art und Weise, wie der Autor hier sein nicht unerhebliches Wissen großzügig unter das Lesevolk bringt, hier eine Handvoll Perlen, da ein Schwung und hier könnte noch was ....., liess mich innerlich aufstöhnen.

    Philosophische Betrachtungen des meist emotionsfreien Protagonisten ohne Moral, dessen oft erwähnter, vorgeblich vorhandener Charme im Buch für mich nie konkret zu erfassen war, den man als Leser aufgrund knapper Erwähnungen desselben vorgesetzt bekam und zu akzeptieren hatte , haben mich seitenweise gelangweilt. Für mich blieb  Joel Spazierer schlicht ein langweiliger Mensch, eben weil er nur um sich kreist. Seine Selbstgewissheit und fehlenden Selbstzweifel machten ihn unerträglich. Selbst wenn er kurz versuchte ein guter Mensch zu werden ( die Definition ist Ansichtssache) ist klar, er ist zum Scheitern verurteilt, die Liebe heilt ihn nicht, seine Hilfe hilft nichts. Er ist und bleibt ein Taugenichts der sich durchs Leben lügt. Das freundlich menschenliebende, schelmische welches andere literarische Schelme wie Till Eulenspiegel, Baron Münchhausen, oder den Hauptmann von Köpenick, oder aus jüngster Zeit „den Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg und verschwand“ auszeichnet fehlt. Den ganzen überlangen Roman hindurch.

    Die Rahmenhandlung, die Zeitsprünge, die Nebenfiguren die um ihn kreisen wie um eine Sonne, gut zu imaginieren, aber die Sonne an sich strahlt nicht, der Zugang zum Protagonist bleibt flach und blässlich. Die breit angelegte Geschichte blieb für mich sinnfrei, inhaltsleer

    und ermüdend.

     

    Die Frage bleibt ob des Protagonisten Verhalten an seinem Kindheitstrauma liegt oder ob er schlicht so geboren wurde.

    Nach endlosen Seiten inhaltsleeren Geredes über seine  dauernde Flucht vor dem Entdecktwerden  vermag sie aber nicht zu interessieren. Und bis Seite war sie für mich auch nicht zweifelsfrei geklärt, trotz der imaginierten Tiere die sich durch Joel Spazieres Leben und Träumen ziehen.

     

    Fazit: Für mich ein ausnehmend uncharmanter Psychopathenroman, mit Esprit, wenn man intellektuelles Geschwafel und häufig wechselnde Handlungsschauplätze mag, aber gänzlich ohne Schelm,  Witz und Notwendigkeit ihn zu lesen.

    Immerhin zwei Sterne für  durchaus vorhandenen schrifstellerischen Ideenreichtum und stilistisches Können.

     

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    GuenterNeuwirths avatar
    GuenterNeuwirthvor 5 Jahren
    Lesefutter für Bibliophile

    Also, ich habe das Vergnügen gehabt, Michael Köhlmeier vor gar nicht langer Zeit live erlebt zu haben. Der Großmeister der verbalen Erzählkunst hat geplaudert und gelesen und erzählt und nach anderthalb Stunden war ich herb enttäuscht, dieser wohlklingenden Stimme nicht mehr lauschen zu dürfen. Also hurtig rein in die 650 Seiten. Meine Meinung: Unbedingt lesen! Es gibt wirklich schlechtere Möglichkeiten, seine Lebenszeit zu gestalten. Es ist so Vieles da, was man in Romanen sucht: Dralles Leben, ungezählte Einfälle, überraschende Wendungen, flüssig lesbare Sprache. Was habe ich vermisst? Vielleicht die literarische Notwendigkeit. Warum ich die Abenteuer des Herrn Spazierer gelesen habe, weiß ich jetzt gar nicht mehr. Nun, das kann ja gerade der Reiz eines Textes sein, gleichsam l'art pour l'art, hohe Erzählkunst für die Luft. Eine derartige Erzählhaltung bewirkt aber bei mir, entsprechende Texte bald auch wieder vergessen zu haben. Macht nix, denn wozu schreiben Autorinnen und Autoren? Um vergessen zu werden! Ich mache das so. Mit Notwendigkeit.

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