Michael Köhlmeier Die Musterschüler

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Inhaltsangabe zu „Die Musterschüler“ von Michael Köhlmeier

Ein beeindruckender Roman über Schule, Gewalt, Schuld und Sühne. Eine Untat, die vor fünfundzwanzig Jahren begangen wurde, wird anhand eines gnadenloses Frage- und Antwortspiels nach und nach aufgedeckt: In der Klasse eines Jungeninternats war ein Mitschüler zusammengeschlagen worden. Alle damals an der Prügelei Beteiligten werden nun befragt. Jeder der inzwischen Erwachsenen redet sich seine eigene Schuld klein. Auf beklemmende Weise wird deutlich, wie leicht das Verdrängen, Vergessen und Beschönigen fällt. Michael Köhlmeier, einer der bedeutendsten Schriftsteller aus Österreich, erzählt in die "Musterschüler" eine Schulgeschichte, die zu den bedeutendsten Mustern des Genres gehört.

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  • Rezension zu "Die Musterschüler" von Michael Köhlmeier

    Die Musterschüler

    PaulTemple

    Man sagt, dass man in der Schule vor allem fürs Leben lerne. Man bekommt dort Erfahrungen vermittelt, die einen - bewusst oder unbewusst - das ganze Leben prägen können, gute sowohl als auch schlechte. In Michael Köhlmeiers Roman wird der Leser mit einer ausgesprochen schlechten Erfahrung konfrontiert, die sechs Jungen in den 1960er Jahren in einem Kapuzinerheim gemacht haben: Ein Mitschüler wurde brutal zusammengeschlagen und niemand der ehemaligen Schüler kann sich völlig von Schuld freisprechen. Hauptsächlich geht es um die Frage, wer denn "Schuld" daran hat, oder zumindest die Hauptschuld trägt. Im zunehmenden Verlauf des Romans wird deutlich, dass "Schuld" nicht einfach auf ein einziges Individuum abzuwälzen ist, sondern durchaus komplexer und vor allem auf sämtliche Beteiligten anzuwenden ist. Die Besonderheit des Romans liegt vor allem in seiner Konzeption: Der Leser erfährt die Geheimnisse und Vorgeschichte des Vorfalls anhand eines Dialogs. Ein ehemaliger Schüler steht dem kritischen "Interviewer" durchgängig Rede und Antwort. Immer wieder muss der Interviewer den ehemaligen "Täter" auf die Grundfrage zurückbringen, immer wieder versucht sich der ehemalige Schüler in Abschweifungen zu flüchten und sein damaliges Handeln zu verklären. Man merkt wie leicht es einem im Nachhinein fällt, anderen die Schuld zuzuweisen und andere für den Lauf der Geschehnisse verantwortlich zu machen. Köhlmeier ist hier wirklich ein psychologisch äußerst beeindruckender Roman gelungen, der durch seine teils dichte Erzählweise zu fesseln vermag.

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    Igelmanu66

    15. March 2014 um 17:06
  • Musterschüler

    Die Musterschüler

    HeikeM

    22. April 2013 um 11:06

    Michael Köhlmeier ist für mich ein großer Erzähler. Seine Bücher sind schwer vergleichbar, gerade das mag ich an seinem Stil. Mit "Die Musterschüler" habe ich eine wahre Herausforderung gefunden. Die Seiten flogen nicht so dahin beim Lesen. Ich musste mir das Buch erarbeiten. Mundgerecht war es wirklich nicht, aber trotzdem fand ich es beeindruckend. Köhlmeier erzählt die Geschichte nicht geradlinig, sondern eher verwinkelt und konstruiert. Er weicht immer wieder vom roten Faden ab und schiebt neue, aber auch bereits bekannte Episoden aus dem Schul- und Heimalltag ein. Die häufigen Wiederholungen, die mitunter auch nur um kleinste Informationen verändert wurden, lassen den Roman mitunter etwas zäh erscheinen. Besonders ist auch die Erzählform des Romans, der Autor schrieb ihn in Form eines Interviews. Fragen und Antworten wechselten sich ab. Erst ganz zum Schluss bekommt der Leser einen Hinweis darauf, wer der Fragende sein könnte. Aber worum geht es in diesem Roman? Es geht um Schuld, um die Schuld des Einzelnen, mehr jedoch um die Schuld der Gemeinschaft und es geht um die Verantwortung, die aus der Schuld heraus übernommen werden muss. Es geht aber auch um die Rolle von Außenseitern, die Gruppendynamik und die Schuld von Höherstehenden, in diesem Falle, die des Präfekten. Assoziationen zu Morton Rhue's "Die Welle" blieben dabei nicht aus. Durch die Frage-Antwort-Situation kommt schnell ein Gefühl der Vertrautheit und Nähe zu den ehemaligen Schülern auf. Doch gibt es auch immer wieder Überraschungsmomente, die eine neue Sicht auf die Geschehnisse vor 25 Jahren erlauben. "Die Musterschüler" ist ein interessanter, überzeugend real wirkender und nachdenklich machender Roman, der stellenweise dem Leser einiges an Geduld abverlangt. Am Ende hat sich das Durchhalten dennoch gelohnt.

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  • Rezension zu "Die Musterschüler" von Michael Köhlmeier

    Die Musterschüler

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. September 2011 um 11:04

    Für diese Geschichte braucht der Leser echte Ausdauer. Die Situation im Buch gleicht einem Interview. Ein älterer Mann wird zu seinen Jugenderlebnissen in einem christlichen Heim befragt. Der Interviewer ist nicht bekannt, die Mitschüler tauchen nur als Dritte auf. Also mehrere hundert Seiten Befragung, während der sich auch einige Fakten wiederholen. Das ist ermüdend. Die Geschichte eines Klassenkameraden, der aus einem verborgenen Grund verprügelt wurde, scheint auf den ersten Blick spannend, doch es dauert sehr lang, bis die Geschichte in Fahrt kommt und auch dann bewegt sie sich nur sehr langsam voran. Nicht mein Geschmack!

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  • Rezension zu "Die Musterschüler" von Michael Köhlmeier

    Die Musterschüler

    Ovidia

    15. February 2010 um 09:43

    Zu Weihnachten fand ich den Roman “Die Musterschüler” von Michael Köhlmeier unter dem Baum und jetzt auch endlich die Zeit ihn zu lesen. In einem katholischen Jugendheim in Österreich schlägt eine Klasse 1963 ihren Mitschüler Gebhardt Malin zusammen. Die Klassenprügel endet für den Jungen im Krankenhaus, für mehrere Tage hat er seine Sprache verloren. 25 Jahre später wird die Sache wieder hervorgekramt. Doch keiner der Schläger will Schuld sein. Sie haben Vergessen, Beschönigt, Verdrängt. Ein Interview zwischen einem der Beteiligten, dem einzigen, der namentlich nicht bennant wird, und einem anonymen Befrager legt allmählich die Ereignisse um den Gewaltausbruch da. Der anonyme Beteiligte berichtet aus seinen Erinnerungen aber auch von den Aussagen der anderen Beteiligten, die er nach und nach besucht hat um mit ihnen über den Vorfall zu sprechen. Dabei wird das Leben im Heim unter Aufsicht dreier Kapuzinermönche und älterer Schüler mit seinen strengen Regeln und Strafen beleuchtet. Da tun sich Abgründe auf! Alkohol, sexueller Missbrauch durch ältere Schüler, Willkür und Unfähigkeit der Heimleitung in Problemsituationen angemessen zu reagieren. Dafür ein Präfekt, der sich für den neuen Heiligen Don Bosco hält. Ja, die katholischen Privatschulen, -internate und -heime waren wohl noch nie so das Gelbe vom Ei. Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht, die Interviewform fand ich recht außergewöhnlich und sie war eindeutig ein weiterer Pluspunkt für dieses hervorragende Buch, das bereits 1989 bei Pieper erschienen, aber nun beim dtv als Taschebuch erhältlich ist.

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  • Rezension zu "Die Musterschüler" von Michael Köhlmeier

    Die Musterschüler

    HeikeG

    22. August 2009 um 15:45

    "Züchtigt ihn!" oder Sein und Machen . Täglich liefern die Medien neue Bilder der Gewalt: Brutale Schlägereien, Amokläufe an Schulen oder von Eifersucht getriebene Ehedramen. Wenn das Stichwort "Gewalt" fällt, fühlen wir uns alle hilflos. Was treibt Menschen dazu, Gewalt anzuwenden? Dies hat auch den österreichischen Autor Michael Köhlmeier in seinem 1989 geschriebenen stark autobiografischen Roman "Die Musterschüler" bewegt. "Das war meine Hauptfrage.", erklärt er in einem Interview, "Es ist sicher eine Frage, die mich auch in meinen anderen Büchern zentral beschäftigt. In diesem Fall war es aber die zentrale Frage: Wie entsteht Gewalt?" . Es geht um die kollektive Misshandlung eines Mitschülers am 30. November 1963. Gebhard Malin, so heißt der Prügelknabe, wird dabei so schwer verletzt, dass man nicht weiß, ob er jemals wieder gesund wird. 25 Jahre später will keiner die Verantwortung übernehmen. Ort des Geschehens ist ein katholisches Jungeninternat - genannt "das Heim" - mit strengen Regeln. Die Schüler der unteren drei Klassen schlafen in einem Schlafsaal, beaufsichtigt von einem Schlafsaalcapo aus den höheren Klassen, der monatlich wechselte und seine Willkür an den Jüngeren unterschiedlich ausließ. Auch die Heimleitung bzw. -aufsicht, besonders gefürchtet der Präfekt, "herrscht" mit gewisser Selbstjustiz. Psychischer und seelischer Terror sind an der Tagesordnung. Um in den Ferien nach Hause fahren zu können, müssen die Buben zuerst die Hürde einer Lateinprüfung über sich ergehen lassen, deren Ergebnis der Präfekt kollektiv auswertet. Aber einer hat versagt - Malin - und die 14- bis 15-jährigen Gymnasiasten können sich ihre Heimreise nur mit einem vom Präfekten angeordneten "Züchtigt ihn!" verdingen. . Es geht um Gewalt von oben, aber auch um Gewalt unter den Schülern. Nur wo ist der Punkt, an dem man hätte sagen sollen: Schluss - ab hier nicht mehr weiter? Von außen betrachtet, aus der Distanz heraus, fällt die Beantwortung dieser Frage recht leicht. Für die Figuren, die in der Situation stecken, ist es unglaublich schwieriger. Ein erstmals 1961 in New Haven durchgeführtes psychologisches Experiment - genannt das Milgram-Experiment - zeigt dabei genau die im Buch geschilderte Situation: die Bereitschaft von Menschen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Auch in Köhlmeiers Roman sind die Jungen, obwohl die tödliche Gewalt explizit da ist, immer noch der Meinung, dass sie gar keine ausüben würden. Doch warum? "Als dann die Sache ihren Lauf genommen hat, das war ein Selbstlauf, das war wie eine Kugel, die man den Berg hinaufschiebt. Hinaufgeschoben haben wir die Kugel alle miteinander, und jeder wird seine Gründe gehabt haben, warum er das tat, ich weiß nicht, welche, und dann ist die Kugel oben. Herunter rollt sie von allein, und wir sind hinterhergerannt." . Aus der historischen Distanz jedoch ergibt sich ein ganz anderes Bild. Dieses Bild versucht der namenslose Protagonist - das Alter Ego Michael Köhlmeiers - in einem Frage-Antwort-"Spiel", einer ausschließlich in Dialogform gehaltenen Erzählung mit seinem ebenfalls nicht benannten Gegenüber gnadenlos zu analysieren. Zuvor besuchte er alle die damals beteiligten "Täter". Deren Erinnerungen fließen sukzessive in seine Analyse ein. Doch jeder redet sich seine eigene Schuld klein, kann sich eigentlich auch kaum noch an die ein Vierteljahrhundert zurückliegende Begebenheit erinnern. War ich wirklich dabei? Hatte ich mich nicht für eine ganz andere Art der Züchtigung entschieden? Begonnen habe ich ganz bestimmt nicht... "Immer nimmt man einen Anlaß für eine Ursache. Weil man nichts anderes bekommt. Man sagt, das war der Anlaß, und sucht nach der Ursache und findet doch wieder nur einen Anlaß. Und schließlich hat man sich bis zu einem Ende durchgefragt, und das Warum ist beantwortet, aber nichts ist geschehen ... Ein Katalog von Anlässen (...) Diese Was-wäre-wenn-Spiele, sind das nicht letztlich Rechtfertigungen? Daß die Schuld abgeschoben wird - auf jemand anderen oder auf irgendwelche Umstände?" . Köhlmeiers Alter Ego sucht die "Kerbe im Gesicht", seine eigene und die der anderen. Er sucht nach einer Zeit des Versagens in der eigenen Vergangenheit, "weil wir einerseits des Erfolges überdrüssig sind, andererseits aber vor einem zukünftigen Versagen Angst haben. Das ist das Kreuz, das wir Musterschüler zu tragen haben." Sein Roman offenbart wie alle seine Bücher einmal mehr großartige Charakterstudien. . Fazit: "Die Musterschüler" ist ein Buch über menschliche und kollektive Schuld sowie teilweise fehlendes Schuldbewusstsein. Es zeigt die Zerrissenheit, die aus der Verdrängung von selbiger resultiert, wie schmerzlich Selbsterkenntnis ist und dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld keine Konsequenzen erspart. Gleichzeitig ist es aber auch eine Aufarbeitung persönlich erlittener Beschädigungen und Kränkungen durch die Religion während Michael Köhlmeiers eigener Internatszeit. Nicht zuletzt gibt der Roman ein wunderbares Zeitzeugnis der beginnenden 60er Jahre. . Ein frühes Werk des österreichischen Autors - ein großartiges Buch.

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  • Rezension zu "Die Musterschüler" von Michael Köhlmeier

    Die Musterschüler

    verena83

    08. June 2008 um 20:52

    sehr interessantes Buch... ungewöhnlich, da es ausschließlich in Dialogform geschrieben ist

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