Michael Köhlmeier Idylle mit ertrinkendem Hund

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Inhaltsangabe zu „Idylle mit ertrinkendem Hund“ von Michael Köhlmeier

»Ein großes kleines Buch, eine berührende Lektüre.« Wolfgang Schneider in der ›FAZ‹Alter Rhein. Zwei Männer spazieren am Ufer entlang. Es ist Winter, die Seitenarme des Flusses sind zugefroren, doch es taut. Von weitem sehen die beiden, wie ein großer schwarzer Hund ins Eis einbricht. Einer der Männer holt Hilfe. Der andere kriecht auf einem Ast zu dem Hund. Er spürt, dass er den Hund nicht retten kann. Doch der Tod hat vor einigen Jahren eine so tiefe Wunde in sein Herz geschlagen, dass er ihm dieses Leben nicht überlassen will. Michael Köhlmeier kann, was nicht viele können: in einer ganz kleinen Geschichte eine ganz große erzählen.

Eine Geschichte der leisen und nachdrücklichen Töne über Verlust, Trauer und ein Leben damit.

— chuma

Klappentext klang nch Dramatik, Tränen, ertrinkendem Hund. Statt dessen erwartet einen belangloses Verlagsgeplänkel. (Protagonist ist Autor)

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Sehr persönliches, vielschichtiges Buch

— Gruenente

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  • hinter der vermeintlichen Idylle lauert die Trauer

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    Gruenente

    19. October 2014 um 09:15

    Der Autor lebt mit seiner Frau zufrieden in einem schönen Haus. Alles könnte so schön sein. Da stribt eine Tochter bei einem Unfall. Das ist die Vorgeschichte. Es ist Winter, der Schnee liegt hoch, doch im Haus gibt es einen "Dschungel". Das Reich der Autorenfrau, die dort viele Pflanzen kultiviert, Erinnerungsstücke integriert hat, Pfade angelegt hat. Ihre Flucht vor der Gegenwart und ein toller Kontrast zur Märchen-Winerwelt. Im Buch selbst erhält der Autor Besuch von seinem Lektor, ein sehr eigener Mann, der sich im Haus der Familie kurz einnistet. Er kommt der Frau des Hauses über den Dschungel recht nahe. Um sein Bedürfnis nach Alleinsein zu befriedigen macht er lange Spaziergänge und begegnet dort einem Hund, der ihn lange Zeit begleitet, sie bauen eine Beziehung auf die freilich nur einen Nachmittag lang wärt. Als der Hund auf das brüchige Eis eines Sees gerät, ist der Lektor selbst unfähig Hilfe zu leisten und läuft rasch um den Autor zu holen, der sein Leben aufs Spiel setzt um den Hund zu retten. Soweit zum Inhalt. Das Buch ist trotz der Kürze sehr vielschichtig, regt zum nachdenken und diskutieren an. Ein würdiges Buch für die Stadt Köln.

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  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    Buechererbse

    04. December 2012 um 17:55

    Der Protagonist des Buches bekommt nach Jahren der intensiven Zusammenarbeit Besuch seines Lektors, Dr. Beer. Obwohl man sich schon so lange kennt, hat sich nie eine wirkliche Freundschaft entwickelt, das Angebot zum "Du" überzugehen kam auch eher aus Versehen. Doch dann verändert ein Spaziergang der beiden, auf dem sie einen Hund treffen der zu ertrinken droht, alles. Das Buch ist wunderschön und gleichzeitig tieftraurig, verarbeitet Michael Köhlmeier doch in diesem Werk den frühen Tod seiner Tochter Paula. Es überzeugt gerade anfangs durch seine leisen Töne, mit denen deutlich gemacht wird, wie der Verlust der Tochter das Leben der Eltern verändert hat und wie jeder auf seine Art und Weise damit umgeht. Der Protagonist in dem Buch wünscht sich, dass sein Lektor ihn darauf anspricht und ihm in gewisser Weise hilft, mit dem Geschehenen umzugehen, gerade auch in Bezug darauf, ob und wenn wie er darüber schreiben soll. Doch zu diesem Gespräch kommt es nie. Das Buch gipfelt darin, dass der Protagonist und der Lektor auf einem Spaziergang einen Hund treffen, der zu ertrinken droht. Der Ich-Erzähler kann das nicht zulassen, und ein bewegender und sehr tief gehender Kampf um das Leben des Hundes beginnt, in dem man soviel mehr fühlt, als nur die Angst den Hund zu verlieren. Ein wunderschönes Buch, dass einen nachdenklich und sehr traurig stimmt. Ich war selten so berührt.

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  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    Gilfaen

    21. February 2011 um 17:38

    Zwei Männer gehen am Rhein spazieren. Der eine Schriftsteller, der andere Lektor. Sie sehen einen Hund, der im Eis einbricht; der Lektor, Dr. Beer, versucht die Feuerwehr zu verständigen, während der Schriftsteller sich aufs Eis wagt, den Hund festhält, ihn zum Leben ermutigt. Diese scheinbare "alltägliche" Beschreibung eines Wochenendausfluges, eines Spaziergangs im kalten Winter eines unbenannten Jahres, wird zum Dialog des Autors. Nicht zuletzt über die Literatur, über Musik und Philosophie wird die eigentliche Thematik angesprochen: den Verlust der Tochter des Protagonisten, nämlich Köhlmeier selbst. Paula ist gestorben bei einem Spaziergang; ihre Freundin erlitt nur leichte Verletzungen, sie starb. Und doch, nach wie vor ist sie ein präsenter Teil dieser Familie; weder Monika, die Frau und Mutter, noch Michael, Vater und Ehemann, können sie gehen lassen. Ihr Zimmer, nach wie vor ihr Refugium, ihre Bilder, Erinnerungen an sie werden lebendig gehalten, wiederholt, geradezu akribisch eingearbeitet. Köhlmeier sieht sich nicht in Stande über den Tod seines Kindes hinweg zu kommen; er versucht über sie zu sprechen, direkt und persönlich mit Dr. Beer, schafft es aber nicht die schrecklichen Ereignisse wiederzubeleben. Sein Weg führt immer über die Literatur, in der er fiktive Gesprächssituationen skizziert: "Wie kann ich über den Tod unserer Tochter schreiben?" "Willst du denn darüber schreiben?" "Das möchte ich, ja." "Ich denke, ich weiß, wo das Problem liegt. Du bist dir nicht sicher, ob du Literatur machen willst oder bloße Erinnerung, hab ich recht?" "Ich will, dass sie bei mir ist. Und ich habe die Hoffnung, dass sie näher bei mir ist, wenn ich über sie schreibe." Köhlmeier bewahrt bei aller Nähe zur eigenen Erinnerung, zur eigenen Historie immer wieder eine reflektierende Distanz zum Leser. Er will nicht sentimentalisieren, dramatisieren, schon gar kein Mitleid erzeugen. Seine einzige Möglichkeit der Verarbeitung der Themata sieht er in der Literatur, in der Musik, nicht in der Ruhe des Schlafes oder der Entspannung. Gefühle werden nicht oder nur selten direkt angesprochen und ausgedrückt, mehr wird über Autoren und Romane als Symbole dieser Emotionen gesprochen. So z.B. zieht er einen Vergleich zum Protagonisten des Grillparzer'schen Romans "Der Traum ein Leben" Rustan, der vom Sklaven Zanga dazu verleitet wird, in seiner Naivität, seine Träume von Abenteuer und Ferne zu verwirklichen; Köhlmeier erkennt die Aussichtslosigkeit seiner Träume, so er sich doch danach sehnt von seiner Tochter zu träumen, um ihre Nähe noch einmal genießen zu können. Die Literatur ist für ihn Lebenselixier, Mittel für Distanz und näher zum Thema zugleich. So sinniert er: "Ich glaube an die Literatur, (...), sonst hätte ich mein Leben verfehlt..." Abgesehen von den offensichtlichen literarischen Beispielen, veranschaulicht er dieses gewählte literarische Leben durch zahlreiche Metaphoriken und Symbole: Der schwarze Hund, altes mythisches Symbol für den Tod (Man denke an den Höllenhund Cerberus); Dantes Inferno, der Zöllner, der den Weg bereitet (Dante Aligheris "Commedia"), Lears Narr, als welcher sich Dr. Beer sieht (Shakespeares "König Lear"). Köhlmeier nährt sich auf vielen Wegen dem Thema Tod, der Verarbeitung und Verdrängung dieses Themas. Natürlich könnte er den Hund loslassen, weder kann er den Tod, dem Sterben dieses Tieres zusehen noch kann er verarbeiten, warum er diesem armen, vielleicht sogar undankbar wirkenden Tier helfen. Er schafft eine reflektierende Distanz zum Leser, arbeitet nur sehr indirekt dieses Thema aus und setzt die Pointe erst kurz vor Tore Schluss. Auf mich wirkt das zu distanziert, zu unpersönlich. Mehrmals wechselt er die Perspektive, sieht sich selbst nicht im Stande klar über Paula zu sprechen und schafft so eine unüberwindbare Distanz zum Leser. Das Alltägliche nimmt stark Überhand, Unwesentliches wird nicht vom Wesentlichen getrennt. Man verliert sich in Details, in den Gedanken Köhlmeiers; sein Anliegen mit diesen Werk begründet er nicht, stellt er nicht dar, veranschaulicht er nicht. Er zieht sich am Ende zurück vom Leser, lässt ihn alleine, versteht nicht ganz worauf er hinaus will. Zu viele Fragen bleiben ungeklärt, zu viele Gedanken und Gefühle unausgesprochen. "Eigentlich entzieht sich dieses Buch jeder Bewertung. Doch viele Leser dürften es desinteressiert zur Seite legen, bevor sich der tragische Hintergrund enthüllt.", mit diesen Worten hat die BÜCHER in ihrer vorletzten Ausgabe die Bewertung von zwei (von fünf) Sternen begründet. Ich möchte mich zu einem gewissen Teil dieser Meinung anschließen, wenn auch mit der Einschränkung, dass der Autor sehr wohl einen Stil hat, der einen fesselt. Schnörkellos, mit vielen gedanklichen Ideen, vielen interessanten Gesprächssituationen, auch ein paar ironischen Bemerkungen hält er das Interesse des Lesers, erst ab Seite 50, spätestens 60 fragt man sich, auf was er eigentlich hinaus will. Sprachlich bleibt das Buch sehr ruhig, sehr flüssig, unaufdringlich und erhaben. Er belässt sehr viel (zu viel) Platz für offene Gedanken und Gefühle, nimmt sich aber sehr stark raus aus der Geschichte. Das Ganze wirkt so fast ein wenig unemotional emotional - Man spürt die starke Melancholie, die große Traurigkeit, weiß sie aber nicht einzuordnen. Man spürt sehr viel Trauer, sehr viel Anspannung im Protagonisten Köhlmeier, weiß dies aber bis zur letzten Seite nicht einzuordnen; er bezieht zu selten Stellung, zu selten sieht man den Menschen Köhlmeier, nicht das Konstrukt Köhlmeier als Protagonisten eines Romans. Der Roman, vielleicht sogar eher Novelle, bleibt er ruhig, unaufgeregt, im festen Rahmen. "Ganz nett" war mein Kommentar nach der Lektüre, dabei ist es im Zuge des Diskutierens und Rezensierens des Romans auch geblieben.

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  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. November 2010 um 18:04

    Hohenems Winter 2006. Der wegen seiner großen Exaktheit bekannte und renommierte Lektor, Dr. Johannes Beer, kündigt sich als Gast bei seinem Autor, dem Ich-Erzähler, an. Obwohl beide seit Jahren miteinander arbeiten, kennen sie sich auf privater Ebene kaum. Zum persönlichen Du kam es eher zufällig als gewollt. Das Verhältnis zwischen beiden ist zwischen fachlichem Vertrauen und persönlicher Distanziertheit angesiedelt. Im Haus des Autors mit erstaunlich großem Gepäck angekommen, begeistert Dr. Beer sich sofort für den urwaldgleichen Wintergarten seiner Gastgeber, wodurch ihm die Sympathien der Hausherrin gewiss sind. Er möchte während seines Aufenthaltes aber nicht nur über Literatur sprechen, er möchte spazieren gehen, allein. Auf einer dieser Wanderungen durch die tief verschneite Alter-Rhein-Landschaft begegnet er einem großen schwarzen Hund, der ihn offensichtlich in sein Herz geschlossen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, was Michael Köhlmeier mit diesem Buch ausdrücken wollte. Alles begann sehr leicht und unterhaltsam, steigerte sich aber und bekam immer mehr Tiefe. Oberflächlich betrachtet, berichtet Köhlmeier in seiner Erzählung von einem Autor, der sich mit seinem Lektor trifft. Beide duzen sich mehr aus Versehen und als Freunde kann man sie wohl nicht bezeichnen. Aber je weiter man liest, desto mehr wird man von der leisen, unterschwelligen Traurigkeit und der erzählerischen Dichte erfasst. Unzählige Metaphern, von denen viele auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind, schmücken dieses dünne Buch. Es war mir wieder eine Freude, die Sprache des Autors auf mich wirken zu lassen. Beeindruckend beschriebene Szenen, die unaufhaltsam und ganz unbemerkt die Seele des Leser ergreifen, erwecken Emotionen, die noch lange nachhallen. Tief beeindruckt war ich von dem eigentlichen Problem in diesem Buch, dem Tod der Tochter Paula, die so jung starb, noch gar nicht richtig lebte, denn "...sie hat den Boden nur mit den Fußspitzen berührt." Und so geht es letztlich in diesem gehaltvollen Büchlein nicht nur um Freundschaft, sondern um den Umgang mit dem Tod und um den Verlust eines geliebten Menschen. Dem angedachten Gespräch mit dem Lektor über den Tod der Tochter und dessen literarischer Verarbeitung, das sich der Ich-Erzähler in Gedanken zurechtlegte, liegt eine geniale Konstruktion zugrunde, die einem bewusst wird, wenn man die Biographie Michael Köhlmeiers mit dem vorliegenden Roman vergleicht. „Idylle mit ertrinkendem Hund“ – von mir eigentlich nur als Zwischenlektüre gedacht – hat mich weitaus mehr beschäftigt und beeindruckt als erwartet. Das zeigt wieder einmal, wie viel sich auf nur 112 Seiten sagen lässt. Dieses Buch kann man getrost mehrmals lesen, ich bin sicher, es wird immer wieder eine Bereicherung sein.

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  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    damentennis

    22. August 2010 um 12:40

    ich sitze in kneipen, wo nur alte menschen sitzen, trage bevorzugt kleidung in dezenten rentnerfarben wie braun und beige und sehe im tv immer gerne alexander kluge über etwas reden, das ich nicht verstehe. mit dem alter, mit alten menschen, habe ich also eher wenig probleme, ohne dass ich gleich fan von ihnen wäre. meine haltung ist wohl indifferent zu nennen. dieses buch mit dem so niedlichen titel führte nun dazu, dass ich mich vor einer facette des altwerdens zu ekeln begann. genau benennen will ich diese facette nicht, es würde doch nur dazu führen, dass leser das dann verstehen würden, dann wäre das unglück perfekt. hier ist der alte mann michael köhlmeier, der über den tod seiner tochter schreibt. als sei das nicht schon schlimm genug, dass eine tochter mit 21 jahren stirbt, muss das auch noch verarbeitet werden. im buch. und ich glaube, dass das nornal ist, dass das mit dem alter kommt, dass man das dann eben tut, zwangsläufig, dinge verarbeiten, weil man sonst wenig zu tun hat und sich die retrospektive einstellt wie die faltige haut und der prostatakrebs. wenn ich alt bin, werde ich das wahrscheinlch auch machen und gar keine peinlichkeit dabei empfinden. so hat auch das alter seine tücken. ich schreibe dann auch über meine frau und was sie so denkt und warum das so ist, ja, ich verküpfe alles, was ich sehe und jemand tut, immer gleich mit einem konkreten grund und anlass, stricke mir so kohärente geschichten. und alles kulminiert in einem ereignis, das hoffentlich nicht der tod meiner tochter ist, sondern etwas weitaus trivialeres. solange ich keine tochter habe und auch sonst alle lieben menschen noch leben, muss ich das buch nicht lesen, das bringt dann gar nichts, denn ich will den autor in seinem kummer weder verstehen noch will ich ihm widersprechen, ich will einfach woanders leben und lesen, von fliegenden untertassen, scheiternden existenzen, coolen detektiven oder wortkargen schönen frauen ohne gute gründe. es ist ja wie immer: michael köhlmeier darf, nein: soll!, das alles schreiben. selber schuld, wenn ich das dann lese. immer ist man alles selber schuld.

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  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    Mr. Rail

    08. January 2009 um 19:12

    Gerade für Hundebesitzer, Vergangenheits- und Gegenwartsbewältiger, Viel- und Andersdenkende ein anregender Lesestoff, der in aller gebotenen Kürze mehr entwickelt, als man vermutet.
    Die Geschichte zieht den Leser wie den Hund ins gebrochene Eis...

  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    Gospelsinger

    03. December 2008 um 23:41

    Sehr beeindruckend, wie viel tiefgehenden Inhalt der Autor auf so wenig Platz unterbringt.

  • Rezension zu "Idylle mit ertrinkendem Hund" von Michael Köhlmeier

    Idylle mit ertrinkendem Hund

    HeikeG

    19. August 2008 um 16:44

    Rückkehr ins Leben Nach seinem im letzten Jahr erschienen und für den Deutschen Buchpreis 2007 nominierten Opus Magnum "Abendland", legt Michael Köhlmeier nun dieses kleine, große Bändchen mit dem außergewöhnlichen Namen "Idylle mit ertrinkendem Hund" vor, dass zwar ganz anders, aber mindestens genauso großartig daherkommt wie sein fast 800 Seiten starkes Geschichtsepos. "Wie kann ich über den Tod unserer Tochter schreiben?" "Willst du denn darüber schreiben?" "Das möchte ich, ja." "Ich denke, ich weiß, wo das Problem liegt. Du bist dir nicht sicher, ob du Literatur machen willst oder bloße Erinnerung, hab ich recht?" "Ich will, dass sie bei mir ist. Und ich habe die Hoffnung, dass sie näher bei mir ist, wenn ich über sie schreibe." Dieses fiktive Gespräche - beinahe am Ende des schmalen Büchleins -, das der Ich-Erzähler, der unschwer als Michael Köhlmeier persönlich zu erkennen ist - in Gedanken mit seinem Lektor führt, offeriert erstmals deutlich, worum es dem Österreicher in diesem stillen, leisen Buch geht: um die Aufarbeitung eines schweren Schicksalsschlags, den seine Familie unverhofft im Jahr 2003 traf. Damals verunglückte die 21-jährige Tochter und vielversprechende Jungautorin Paula Köhlmeier bei einem Spaziergang tödlich. "Sie war nie richtig auf der Welt gewesen", sagt Köhlmeiers Frau - die Schriftstellerin Monika Helfers - im Buch, "sie hat den Boden nur mit den Fußspitzen berührt." (Sturm, Nacht, Heide, eine Hütte, Lear und sein Narr) Diesen szenischen "Drehbuch"-Einschub setzt der Autor über jenes erdachte innere Zwiegespräch. Nun hat Köhlmeier seine Tochter keineswegs wie Sheakspears König verstoßen, - im Gegenteil - die Familie pflegte einen sehr harmonischen Umgang miteinander, aber die Qual steht der des englischen Dramenhelds kaum nach. Schlaflose Nächte, hypochondrische Ängste und Gedanken quälen ihn, und nur Betäubungsmittel können den Schmerz ein wenig "lindern". Da ihm die Träume verwehrt bleiben, die ihm den notwendigen Abstand und gleichzeitig die erforderliche Nähe geben könnten (auch hier werden wieder Vergleiche gezogen, so zum Beispiel zu Grillparzers "Der Traum ein Leben"), wählt er das, was sein Lebenselixier ist - das geschriebene Wort. "Ich will, dass sie bei mir ist. Und ich habe die Hoffnung, dass sie mir näher ist, wenn ich über sie schreibe. (...) Ich glaube an die Literatur, (...), sonst hätte ich mein Leben verfehlt...", sinniert der Autor in seinem halluzinatorischen Dialog. Symbolhaftigkeit durchzieht die ganze Geschichte latent metaphorisch. Szenen beherrschend ist dabei immer der eigenwillige Besucher - Köhlmeiers Lektor, Dr. Johannes Beer -, der sich für mehrere Tage im Haus der Familie in Hohenems einquartiert, um über das neue Buch des Autors zu sprechen. Wohl oder übel gibt jener den Narren (obwohl ihm im Laufe der Erzählung auch andere Vergleiche anhängig werden, so etwa der augenscheinlich biedere, jedoch janusköpfige Adolf Verloc aus Joseph Conrads "Der Geheimagent" oder der verwegene Jacob Grimm). Der aufmerksame Leser kann aber noch viele andere allegorische Vergleiche entdecken. Da wird zum Beispiel - eher unauffällig und beinahe nebenher - ein Zöllner und Dantes Inferno erwähnt. Ein schwarzer Hund wiederum (ein altes Zeichen für den Tod) spielt eine maßgebliche, ja richtungweisende Rolle, die alles andere als eine augenscheinlich harmonische, häusliche Idylle und Routine oder plätschernd beschauliche Alltagsbetrachtungen im winterlich verschneiten Ort offenbart, sondern den verzweifelten Kampf Köhlmeiers mit dem Dämon - mit Luzifer - höchstpersönlich. Michael Köhlmeier "spricht" in prägnanten Sätzen, ohne Schnörkel und unnötiges Beiwerk, beinahe distanziert, über Tod, Erinnerung und Schreiben, um die Sprachlosigkeit zu überwinden, die durch den Verlust der Tochter entstanden ist. Dieses Buch empfiehlt sich nicht nur ein zweites Mal zu lesen, sondern es erscheint beinahe notwendig. Dann kann es nicht zu einem solch gravierenden Zwei-Sterne-Fehlurteil kommen, welches in einer renommierten Bücherzeitschrift entdeckt wurde: "Eigentlich entzieht sich dieses Buch jeder Bewertung. Doch viele Leser dürften es desinteressiert zur Seite legen, bevor sich der tragische Hintergrund enthüllt." Keineswegs - denn Köhlmeier schafft auf beinahe magische Art und Weise eine unglaubliche Nähe und Vertrautheit zu seiner ganz persönlichen Gefühls- und Gedankenwelt, die viel Raum für eigene Assoziationen lässt. "Ich glaube doch, dass es mir gelungen ist, den Raum des Erzählbaren zu vergrößern", resümiert Köhlmeier in einem Interview. "Bei diesem Buch habe ich einen Punkt gefunden, an dem ich es nicht für möglich gehalten habe, weiterzuerzählen." Danke, dass er es trotzdem getan hat. Fazit: Eine unaufdringliche leise, berührende und ausdrucksstarke Geschichte hat Michael Köhlmeier vorgelegt, welche von Ängsten und Wünschen - ausgelöst durch einen ganz persönlichen Schicksalsschlag, dem tragischen Tod seiner Tochter Paula - erzählt und dabei auf eindringliche Art und Weise aufzeigt, wie zerbrechlich das Leben ist. Ein Buch, das seine volle Entfaltung beim Lesen "zwischen den Zeilen" erfährt.

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