Michael Köhlmeier Madalyn

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Inhaltsangabe zu „Madalyn“ von Michael Köhlmeier

Über die erste Liebe – herzzerreißendMadalyn wohnt einen Stock tiefer. Der Schriftsteller Sebastian Lukasser kennt sie seit ihrem fünften Lebensjahr. Damals hatte er ihr Fahrradfahren beigebracht und musste wenig später zusehen, wie sie von einem Auto erfasst wurde. Er wurde ihr Lebensretter – und jemand, dem sie Dinge anvertrauen kann, die ihre Eltern nicht verstehen würden. Jetzt ist sie vierzehn und erlebt ihre erste, ausweglos komplizierte Liebesgeschichte. Kompliziert, weil Moritz alles andere als ein leichter Fall ist – er wurde bei einem Einbruch erwischt und ist ein notorischer Lügner. Oder spricht er vielleicht doch die Wahrheit?

Einfühlend beschrieben die Probleme einer Pubertierenden aus der Sicht eines elterlichen Freund der Familie.

— KarlNapetschnig

Ein leiser, einfühlsamer Roman über Vertrauen und Misstrauen, Hoffen und Zweifeln und die erste große Liebe.

— Barbara62

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  • Madalyn

    Madalyn

    thiefladyXmysteriousKatha

    29. March 2016 um 21:23

    MadalynIch hatte dieses Buch sehr lange auf meinem Sub liegen und bin nun umso glücklicher es endlich gelesen zu haben. Schon lange hat mich der Autor und sein Werk interessiert und ich muss sagen, er konnte mich wirklich überzeugen. Das Buch hat mir gut gefallen, wenn es auch nicht perfekt war.InhaltMadalyn wohnt einen Stock tiefer. Der Schriftsteller Sebastian Lukasser kennt sie seit ihrem fünften Lebensjahr. Damals hatte er ihr Fahrradfahren beigebracht und musste wenig später zusehen, wie sie von einem Auto erfasst wurde. Er wurde ihr Lebensretter – und jemand, dem sie Dinge anvertrauen kann, die ihre Eltern nicht verstehen würden. Jetzt ist sie vierzehn und erlebt ihre erste, ausweglos komplizierte Liebesgeschichte. Kompliziert, weil Moritz alles andere als ein leichter Fall ist – er wurde bei einem Einbruch erwischt und ist ein notorischer Lügner. Oder spricht er vielleicht doch die Wahrheit?MeinungDieses Buch ist wirklich etwas besonderes. Es beschreibt auf wenigen Seiten (circa 170) die erste Liebe von Madalyn und viel aus ihrer Kindheit (wie sie aufwächst, wie das Verhältnis zu ihren Eltern ist, etc.). Man fühlt sich als Leser schnell mit dem jungen Mädchen verbunden, freut sich mit ihr aber leidet auch mit ihr. Moritz als Charakter war mir leider gar nicht sympathisch, was Madalin aber ausgleicht. Die Beziehung zwischen ihr und ihrr Mutter fand ich sehr erschreckend, aber auch faszinierend. Leider geht es bestimmt vielen Kindern wie Madalyn.Der Schreibstil von Michael Köhlmeier ist auch sehr besonders. Er schafft es mit einer Leichtigkeit in seinen Worten eine tolle Atmosphäre aufzubauen. Seine Wortwahl ist auch außergewöhnlich gut. Mit hat besonders gut gefallen, dass vieles aus der Sicht des benachbarten Schriftstellers geschildert wurde. Diese Perspektive war mal etwas ganz anderes. Mich hat das Buch überzeugt, aber es fehlte noch ein bisschen was zu 5 Sternen. Daher gibt es  4 sehr gute Sterne für "Madalyn".

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  • Erste große Liebe

    Madalyn

    Barbara62

    08. July 2015 um 09:23

    Sebastian Lukasser kennt Madalyn seit ihrer Geburt, denn sie lebt mit ihren Eltern im selben Haus in Wien. Das einsame, offene Kind mit den wilden Locken und den älteren Schriftsteller, den Köhlmeiers Leser bereits aus seinem Roman Abendland kennen, verbindet schon lange eine ganz besondere Freundschaft. Deshalb zieht sie ihn ins Vertrauen, als sie mit 14 ihre erste Liebesgeschichte erlebt, denn Moritz, der Junge aus der Klasse über ihr, ist alles andere als einfach. Er gilt als schwer erziehbar, lebt in unübersichtlichen Familienverhältnissen, knackt Automaten, lügt sie an und ist ihr untreu.Köhlmeier lässt Lukasser von der ersten großen Liebe erzählen, von Vertrauen und Misstrauen, Hoffen und Zweifeln.Ein leiser, einfühlsamer Roman.

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  • Madalyn

    Madalyn

    HeikeM

    22. April 2013 um 08:43

    Sebastian Lukasser, erfolgreicher Schriftsteller, kennt die 14-jährige Madalyn schon seit ihrer Geburt. Sie wohnt in der Wohnung unter ihm. Als sie fünf Jahre alt war, lehrt er sie das Radfahren und steht ihr nach einem Fahrradunfall bei. Das verbindet. Mit der Zeit entwickelt sich eine enge Freundschaft. Sebastian Lukasser hat für ihre Sorgen und Kümmernisse immer ein offenes Ohr und nimmt sich für die Heranwachsende Zeit, anders als ihre Eltern. Die sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und können (oder wollen) ihrer Tochter nur selten mit Wärme begegnen. Dann lernt Madalyn Moritz kennen und verliebt sich in ihn. Moritz hat schon schwere Zeiten durchlebt. Er ist ein notorischer Lügener und so stellt mehr als einmal die Frage, was von seinen Erzählungen ist Lüge und was nicht? "Madalyn" ist das zweite Buch, dass ich nach seinem großen Roman "Abendland" von Michael Köhlmeier gelesen habe. Zwischen beiden Bücher gibt es als Verbindungsglied den Erzähler Sebastian Lukasser, den ich auch in diesem Buch sofort mit dem Autor selbst personifizierte. Aber anders als bei "Abendland", wo Köhlmeier eine Fülle von Schauplätzen und Personen ins Spiel brachte, bleibt "Madalyn" überschaubar, fast intim. Es erscheint geradliniger, weil Köhlmeier sich auf die Kerngeschichte beschränkt. In 34 teilweise kurzen Kapiteln berichtet er über die väterliche Freundschaft des Schriftstellers zu der Schülerin, die ihm vertraut, ihn aber auch ausnutzt und hintergeht. Sie schüttet ihm ihr Herz aus, erzählt ihm von ihrer ersten Liebe und ihrem Liebeskummer. Madalyn zieht ihn zu Rate, wenn es wieder einmal Schwierigkeiten mit ihren Eltern gibt, mit denen Lukasser nie richtig warm wurde. Er erwähnt schreckliche Streitereien, die für das Mädchen sehr qualvoll gewesen sein mussten. Es wird aber auch deutlich, wie überfordert Lukasser mitunter in diesen Situationen ist. Auch in diesem Buch zeigt sich welch großartiger Beobachter und Erzähler Michael Köhlmeier ist. Er beschreibt seine Protagonisten in ihrer Gesamtheit, mit all dem Guten und dem Negativen, das ihren Charakter ausmacht und schnell hat man das Empfinden, die auf dem Papier skizzierten Wesen als Menschen wahrzunehmen und persönlich zu kennen. Schauplätze beschreibt er so bildhaft und klar, dass ich mich gleich nach Wien in die Nähe des Naschmarktes versetzt fühlte. Seinen Stil empfinde ich als unverkennbar. Das Ende des Buches kommt dann abrupt. Aber auch das ist wie aus dem Leben gegriffen, glaubhaft. In "Abendland" (Seite 166 Hanser Verlag) schrieb Michael Köhlmeier: "Wann ist eine Geschichte eine gute Geschichte? Wenn sie gebaut ist wie das Leben." Genau das trifft auf diesen Roman zu. Mein Fazit: Michael Köhlmeier erzählt virtuos in "Madalyn" die Geschichte der ersten Liebe eines Teenagers, sehr gefühlvoll und berührend, aber gleichzeitig sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Allerdings ist dieser Roman viel mehr als eine einfache Liebesgeschichte, er ist ein Roman über Jugend und Alter, Wahrheit und Lüge und er ist äußerst lesenswert.

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  • Madalyn von Michael Köhlmeier.

    Madalyn

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    31. March 2013 um 05:46

    Madalyn, die zunächst kleine dann jugendliche Nachbarin des alternden Schriftstellers Sebastian Lukasser, taucht eines Abends bei ihm vor der Tür auf und bittet ihn ihre verstockte Mutter dazu zu überreden ihr die Teilnahme an einer Klassenfahrt nach Weimar zu erlauben. Warum nun muss ein 14 Jähriges Mädchen unbedingt in die Stadt der Dichter und Denker? Wegen Moritz, ihrer ersten großen Liebe. Als Lukasser sie zum Abenessen ausführt um Details zu besprechen erfährt er nebenbei auch die Geschichte der beiden. Dieses Buch ist mit seinen nicht einmal 200 Seiten kein episches Werk, und doch fängt es den ganzen Reichtum an Facetten und Nuancen der ersten Liebe ein. All die Höhenflüge, wenn man merkt man ist verliebt, dass die Gefühle erwidert werden und ebenfalls die Tiefschläge, wenn sich die ersten Steine in den Weg der jungen Liebenden legen und man herausfindet, dass der andere nicht der ist, der er zu sein scheint, fängt Michael Köhlmeier in seinem Roman zielgenau ein und lässt den Leser so seine eigenen ersten Gehversuche im Land der Liebenden durch Madalyns Geschichte erneut erleben. Mit viel Feingefühl entführt uns Michael Köhlmeier in die emotionale Erlebniswelt eines jungen Mädchens, ohne jedoch einen Vollständigkeitsanspruch zu erheben, indem er nicht als Madalyn sondern als deren Vertrauter spricht. Dabei ist er aber doch punktgenau, wie ich aus eigener Erfahrung, war ich doch vor zehn Jahren ungefähr in Madalyns Alter, bestätigen kann. Wobei ihr Liebster Moritz bis zum bitteren Ende ein Rätsel bleibt, ein Lügner – vielleicht – missverstanden – in jedem Fall, so meint zu Mindest Sebastian Lukasser, der väterliche Freund Madalyns. In seiner Schlichtheit begeistert dieser Roman wohl jeden, der sie erlebte, die erste Liebe. Sprachlich gesehen solide, und so die oft emotional geladene Handlung im Gleichgewicht haltend. Ein kleines Meisterstück der Erzählkunst, das mit seiner Geschichte, den Figuren – wie direkt aus dem Leben – und seiner angenehmen Erzählstruktur und Sprachmelodie, wohl jung und alt, Leser und LeserINNEN gleichermaßen verzaubern und nostalgisch schwelgen lassen dürfte. Ein kleine Geschichte über große Gefühle, voller Magie und beflügelter Herzen, allen voran mein eigenes.

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  • Rezension zu "Madalyn" von Michael Köhlmeier

    Madalyn

    Klaripopari

    24. February 2011 um 13:14

    Eigentlich ist das eine Liebesgeschichte, wie sie uns nichts mehr angeht. So kindlich. Pubertär. Wir haben das schon erlebt. Selber durchgemacht, auf die eine oder andere Art und Weise. Jemand, der sich durch Lügen interessant macht. Man erkennt die Lügen. Aber irgendwie will man das auch nicht wahrhaben. Ist ja trotzdem noch interessant. Aber was soll das alles. Von außen betrachtet man diese entstehende Liebe. Die zumindest einseitig stark ist. Man weiß aber auch nicht so genau, was da wirklich los ist. Und wieso hat man die Berechtigung hier zuzuschauen? Ist man nicht irgendwie ein Eindringling in ein fremdes Haus, so wie das junge Paar? Doch man hat die Berechtigung. Man kann sich mit dem Schriftsteller identifizieren. Man ist plötzlich die erwachsene Instanz, die beobachtet und bewertete. Ratschläge erteilt. Irgendwie hilft und doch zerstört. Man ist eben da und fühlt sich groß durch eigene Erfahrungen. Aber andererseits so klein, denn man kenn das ja alles selbst so gut "Ich lüge oft. Das stimmt schon. Das merkt niemand. Weil ich das ziemlich gut kann. Zum Beispiel habe ich dich gestern angelogen, tut mir Leid. Tut mir wirklich Leid."

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  • Rezension zu "Madalyn" von Michael Köhlmeier

    Madalyn

    Gilfaen

    21. February 2011 um 15:52

    "Weißt du nicht, dass man in der Liebe die Welt neu gründen kann?" Michael Köhlmeier ist kein unbekannter österreichischer Autor, nicht nur aufgrund seiner im Jahr 2007 ausgestrahlten 80-teiligen Sendereihe über die griechischen Mythen bei br-alpha (Link), sondern auch wegen seines schriftstellerischen (Abendland, 2008 oder Idylle mit ertrinkendem Hund, 2009) und feuilletonistischen Engagements. 2008 gewann er dafür den Bodensee-Literaturpreis für "Abendland" bzw. sein Gesamtwerk und erhielt 2007 das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. "Wie viele Bücher würden wir verabscheuen, wenn wir die Geschichte ihrer Entstehung wüssten." Sebastian Lukasser, dem geneigten Leser schon als Schriftstellerfigur aus dem Jahrhundert-Panorama "Abendland" bekannt, lässt sich in dieser Erzählung die Geschichte von Madalyn, einer jungen, gerade 14-jährigen jungen Frau erzählen, die mit Moritz, einem Schulkollegen, ihre erste Liebesbeziehung, ihre erstes großes Glück, ihre erste große Enttäuschung erlebt. Als fünf-jähriges Mädchen bei einem Unfall medizinisch notversorgend und später im Krankenhaus seelischen Beistand leistend, entwickelt der Schriftsteller und Nachbar eine zarte Bindung zu Madalyn, die bis in ihre Jugendzeit andauert. Sein Interesse an ihr und ihrer Geschichte, begründet er, mehr ausweichend, mit seiner "Berufskrankheit" sich das Leben anderer Menschen erzählen zu lassen, er sei dabei nur ein geduldiger Chronist von Zuständen und Prozessen: "Sie erzählte mir ihre Liebesgeschichte, um mich auf ihre Seite zu ziehen - sicher auch deshalb. Ich hörte ihr zu. Das ist mein Beruf, rechtfertige ich mich vor mir selbst." Madalyns Geschichte ist dabei nicht zuletzt eine Projektionsfläche des Autors; sie ist als Figur die eigentliche Erzählinstanz des Romans, sie formuliert ihre Erlebnisse selbst (Erkennbar an einem Bruch in der Perspektive - vom Ich-Erzähler Sebastian Lukasser zur auktorialen Erzählfigur Madalyn), selektiert die Themen, strukturiert ihre Berichte und füllt sie mit Leben. Nur wenige Fremdbeobachtungen fügt der Chronist hinzu und ordnet das Material. "Wo man die Wahrheit sagt, hat man nichts zu befürchten. Wo man lügt, schon." „Zugleich jedoch bleibt mit dem Erzählmotiv eine Ungewissheit, was tatsächlich und wahrhaftig vor sich gegangen sei.“, schreibt Klaus Zeyringer im Wochenendstandard vom 21./22.August. Das Spiel mit Identitäten, mit Lüge und Wahrheit sowie Hass und Liebe sind laufende Diskurse, nicht zuletzt in der Figur von Moritz. Madalyn und er sind ein junges und damit sehr unsicheres Paar. Selten sprechen sie - und wenn nur floskelhaft - über ihre Liebesbeziehung. Verstecken sich hinter Lügen, weichen sich aus, entdecken Dinge am Partner, Fehler und Schwächen, die sie nur schwer tolerieren können. Madalyn hat wenig Verständnis für Moritz' Lügerei, sie versucht zunächst mit dem ihr eigenen psychologischen Gespür hinter die Ursache dessen zu kommen und erleidet anhand von Geständnissen Enttäuschungen, die sie jedoch verdrängt bzw. nicht wahrzunehmen versucht. „Er hat gelogen, weil er Angst hatte, man könnte ihn nicht mehr mögen, wenn er die Wahrheit sagte, und jetzt meinte er, er muss weiterlügen immer lügen, und traut sich nie zu sagen, was in ihm vorgeht.“ Sie stellt fest, ihm fehlt es an Substanz, an innerer Festigkeit, vielleicht auch an Rückhalt in der Familie: "Alles an ihm ist einsam." Ein Gefühl, von dem sie gleichzeitig abgestoßen, aber auch fasziniert ist und sich angezogen fühlt, ist ihr doch Einsamkeit innerhalb ihrer Familie nicht fremd. "Bei allen Launen ihrer Mutter wusste sie doch, dass sie gemocht wurde... " Körperlich sind beide Elternteile nur selten anwesend und auch kaum präsente emotionale Teilnehmer in Madalyns Leben. Die Beziehung zur Mutter - der Vater verweigert sich konsequent einer zu offensiven Auseinandersetzung mit der Tochter - ist zwiespältig. Auf der einen Seite durch liebevolle Gesten begleitet, durchschaut die Tochter sehr schnell das Schauspiel ihrer Mutter ihrer Selbstverwirklichung und Karriere mehr Zeit einzuräumen als der Familie und damit ihrer Tochter. Madalyn hat über die Jahre auch Strategien entwickelt, mit der Grausamkeit und Bösartigkeit der Mutter umzugehen: sie verweigert sich körperlich, das Gehörte überhaupt aufzunehmen. Vorwürfe, Beleidigungen lässt sie an sich abprallen, bzw. unterwandert im Laufe ihrer Jugend das von der Mutter so gewohnte Streitsystem, in dem sie, statt zu weinen und das reuevolle Kind zu mimen, auf den Vorwurf "Ich habe nie ein Kind gewollt." antwortet: "Dann gib' mich doch zurück." Dennoch weiß sie, im Anbetracht der (vermeintlich wahren?) Geschichte von Moritz zu differenzieren: „Bei allen Launen ihrer Mutter wusste sie doch, dass sie gemocht wurde; und auch, wenn sie dem Vater nicht einen Millimeter hinter die Stirn schauen konnte, war doch klar, dass sie sein Liebling war und dass er sich zwischen seiner Frau und seiner Tochter für seine Tochter entscheiden würde, wenn's drauf ankäme. Und Hass? Was ist Hass? Schlechte Laune ist kein Hass und Jähzorn auch nicht, und wenn man bockt und einen Tag oder zwei mit keinem Wort rausrückt, ist auch das noch lange kein Hass.“ Mutter-Tochter-Konflikte sind in Adoleszenzromanen keine seltenen Themen, es gebe schließlich keine schwierige Beziehung im Zeitraum der Pubertät, so Christine Nöstlinger: „Wenn ich aber ein Buch schreibe, wo ich aus dem Blickwinkel eines 14-jährigen Mädchens eine Mutter beschreibe, dann kann ich diese Mutter einfach nicht freundlich beschreiben. Oder nur in kleinen Bereichen freundlich, weil der Mutter-Tochter-Konflikt, gerade während in der Pubertät, ein derart heftiger ist, dass das einfach nicht abgeht mit einem objektiven, einsichtigen Blick.“ So erscheint auch der Vorwurf, den Evelyne Polt-Heinzel im Furche-Booklet gegenüber Köhlmeier und dem Erzähler Sebastian Lukasser erhebt, er würde „... die egomane Mutter" und "deren Verurteilung" in den Vordergrund der Erzählung rücken, mehr noch, diese einseitige Darstellung würde "dem Erzähler am Herzen [zu] liegen...“, anstatt sich mit der opportunistischen Vaterfigur auseinanderzusetzen, die immer präsent, aber auch nicht präsent sei, absurd. Zum einen ist die eigentliche Erzählfigur nicht Sebastian Lukasser, sondern Madalyn. Sie steuert die Geschichte und damit auch die in ihr vorkommenden Personen. Und zum anderen: „Zum einen ist die Pubertät ein Zustand der absoluten Wahrheit, weil ein Mensch die Welt der Erwachsenen zu keinem anderen Zeitpunkt besser zu durchschauen vermag als in jenem Augenblick, in dem er sich selbst anschickt, erwachsen zu werden - eine eigentümlich hellsichtige Phase.“ Diese Hellsicht beweist Madalyn sowohl gegenüber ihrer Mutter (der sie Egoismus als auch Grausamkeit vowirft), aber auch gegenüber ihrem Vater (opportunistisch veranlagt und eher konfliktscheu). "Wir dürfen annehmen, dass Herr Lukasser zu seinem liegengelassenen Roman über den jugendlichen Mörder zurückkehrt. Vielleicht aber auch nicht." Der Roman bietet eine Auseinandersetzung mit den Gefühlen einer Jugendlichen; sie reflektiert über Liebe und Hass, über Wahrheit und Lüge und versucht damit erste Wertkategorien für sich festzulegen. Sie hinterfragt das Leben ihrer Eltern, ihre Eltern selbst. Dass Erwachsenwerden ist eine Folge eines Prozesses, der mit der Liebesbeziehung zu Moritz beginnt, den Abnablungsvorgang von den Eltern, der allerdings schon im frühen Kindesalter begonnen hat, nur fortsetzt. Dabei spielt es im übrigen keine Rolle, ob das Geschehen autobiografische Tendenzen aufweist, wie Kristina Pfoser im Kulturjournal des Radiosenders Ö1 vom 13.8.2010 hinterfragt. Der Roman selbst gibt auf diese Frage eine Antwort auf Seite 18: "Ich kenne sie [Anm.: Madalyn] in Wahrheit nicht, sie ist erwachsen, natürlich kenne ich sie nicht, woher auch; und dachte, nein, sie ist nicht erwachsen. Und dachte: Ich hatte über all die Jahre kein richtiges Bild von ihr. Ich hatte ein Bild von ihr, aber das hatte ich aus der Luft gegriffen, aus der Sentimentalität meines undankbaren Heldentums, ein präliterares Ding war sie für mich gewesen, eine Inspiration. [...] Das hier strengte mich an, ich wollte Charaktere in den Computer hacken und nicht in der Wirklichkeit ein Bild korrigieren, dass ich mir einmal gemacht hatte und das mehr über meine Rührseligkeit mir selbst gegenüber verriet als über Madalyn." Nicht von Relevanz, aber auch für den geneigten Leser nicht uninteressant ist, dass es tatsächlich eine Buchhandlung, geführt von Anna Jeller in der Margaretenstraße in Wien gibt. Oder aber die Tatsache, dass Lokalitäten wie das "Neni" am Naschmarkt oder das "Flex" existieren. Dennoch formuliert Köhlmeier im Interview mit Kristina Pfoser den Anspruch, es sei nicht "alles eins zu eins" zu interpretieren, auch, wenn man Sebastian Lukasser als ein "Alter Ego" von ihm bezeichnen könne. "Madalyn" bleibt ein Roman, der die Frage nach Erzähltraditionen stellt und wie man einen realen Stoff fiktiv verdichten kann, oder eine Fiktion wirklichkeitsgetreu darstellen kann. Auch ein Spiel mit Identitäten, mit der Frage, wie kleine Geschichten wie die der ersten Liebe nicht groß, aber dennoch elegant und melodiös gestaltet werden können. Eine Auseinandersetzung mit den großen Fragen der Literatur: Wie kann ich was erzählen, von wem wird es erzählt, wie verwende ich das Material und wie interpretiere ich es?

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  • Rezension zu "Madalyn" von Michael Köhlmeier

    Madalyn

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    06. December 2010 um 17:22

    Madalyn ist verliebt in Moritz, der ein Gedicht geschrieben hat. Oder hat er nicht? Moritz ist ein notorischer Lügner und Madalyn geht ihm voll in sein Netz aus Lügen. Ob das gut geht? Auf jeden Fall tut es gut. Und zwar dem Leser, der sich mit diesem Büchlein ein paar schöne Lesestunden auf dem Sofa gönnt.

  • Rezension zu "Madalyn" von Michael Köhlmeier

    Madalyn

    HeikeG

    16. August 2010 um 22:39

    Wenn der große Sehnsuchtsklotz zerbricht . Schmetterlinge im Bauch, schwebend auf Wolke sieben, Händchenhalten, Liebesbriefe, der erste Kuss und womöglich das „erste Mal“. Die Rede ist von der ersten Liebe. Wer erinnert sich nicht gern daran zurück? Sie ist wohl die emotionalste Zeit im Leben, in der man die Welt neu ergründen möchte. Und um genau die geht es in Michael Köhlmeiers neuem Roman „Madalyn“, nur läuft sie in seiner Erzählung nicht ganz so schwerelos für die Protagonistin ab. . Wie bereits in seinem Opus Magnum, dem 2007 für den Deutschen Buchpreis nominierten „Abendland“, agiert auch in „Madalyn“ der Schriftsteller Sebastian Lukasser, dieses Mal als Ich-Erzähler. Auch hier schüttet ihm ein anderer sein Herz aus. War es in „Abendland“ der 95-jährige Carl Jacob Candoris, der seine Lebenserinnerungen, die sich schon bald als eine Art Geständnis herauskristallisieren, diktiert, so setzt der österreichische Autor dieses Mal ein 14-jähriges Mädchen in die Rolle der Beichtenden. Sie wählt Lukasser - Köhlmeiers Alter Ego - als ihren Vertrauten, dem sie von den ersten aufregenden Gefühlen erzählt, die sie für einen Mitschüler hegt sowie der damit einhergehenden Probleme mit ihren Eltern. . Der Autor kennt Madalyn schon seit ihrer Geburt, die Familie Reis wohnt ein Stockwerk unter ihm. Ein Unfall, in den die 5-jährige mit ihrem zum Geburtstag erhaltenen Fahrrad verwickelt wird, schweißt die zwei eng zusammen und Lukasser wird so etwas wie ein großer Freund, ein Vertrauter für das heranwachsende Mädchen. Doch dann tritt Moritz in deren Leben, der Junge, der so wunderbar dichten kann. Das „Mo- klang, wie helle Schokolade riecht, und sah auch so aus, und das -ritz schmeckte süß und scharf in einem, und wenn es eine Farbe gehabt hätte, wäre es ein leuchtendes Orangerot gewesen.“ Aber der zwei Jahre ältere Junge ist alles andere als ein „Liebling aller Schwiegermütter“. Aus problematischen Familienverhältnissen stammend hat er sich zum notorischen Lügner entwickelt und fährt offensichtlich nicht nur Madalyn auf seinem Fahrrad spazieren. Doch das junge Mädchen hat sich schon längst in ihrer eigenen Parallelwelt eingerichtet und das Erwachen aus dieser wird recht schmerzhaft für sie. . Lukasser ist mit den Offenbarungen des jungen Mädchens überfordert. Er kann mit dem Auf und Ab ihrer Gefühlswallungen schlecht umgehen. Vielleicht auch daher, weil „das ordnende, formende, die Wirrnis des Lebens durchsichtig und übersichtlich machende Wirken der Literatur“ in der Realität nicht greift. Weil sie eben kein emotionales Notprogramm, kein Katalog mit Präzedenzfällen ist, aus der man sich die Lösung für jedwedes Problem nur herauszuziehen braucht. Weil ein Mensch anders reagiert als ein Blatt Papier... emotional und zuweilen kopflos. „Ich hatte über all die Jahre kein richtiges Bild von ihr. Ich hatte ein Bild von ihr, aber das hatte ich aus der Luft gegriffen, aus der Sentimentalität meines unbedankten Heldentums, ein präliterales Ding war sie für mich gewesen, eine Inspiration. Tatsächlich hatte ich irgendwann eine Erzählung begonnen, in der ein Abenteuer wie das unsere im Mittelpunkt stehen sollte. Das hier aber strengte mich an, ich wollte Charaktere in den Computer hacken und nicht in der Wirklichkeit ein Bild korrigieren, das ich mir einmal gemacht hatte und das mehr über meine Rührseligkeit mir selbst gegenüber verriet als über Madalyn. (...) Ich hatte mich nie für die Wahrheit zuständig gefühlt, Warum ausgerechnet jetzt?“ . Erneut stellt Michael Köhlmeier sein herausragendes erzählerisches Talent unter Beweis. Seine Protagonisten beobachtet er mit präziser Genauigkeit. So entsteht ein scharf gezeichnetes Bild seines Gegenüber, das einmal zart, ein anderes Mal auch schonungslos direkt wiedergegeben wird. Sein Roman offenbart wie alle seine Bücher einmal mehr großartige Charakterstudien. Dabei stellt er sich oder sein Alter Ego genauso an den Pranger wie das seiner literarischen Helden. Aber immer ist dabei seine große Liebe zu den Menschen zu spüren. . Fazit: „Wie viele Bücher würden wir verabscheuen, wenn wir die Geschichte ihrer Entstehung wüssten.“, sinniert Sebastian Lukasser, der Ich-Erzähler in Michael Köhlmeiers Roman „Madalyn“. Der österreichische Autor erzählt sie dem Leser. Aber zu Ressentiments führen sie keineswegs. Im Gegenteil: Ein kleiner durchkomponierter Roman, dessen Wörter sich wie Noten zu einer Melodie fügen und ein kleines elegisches Stück in einem zarten Mollton erklingen lassen.

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