Michael Kamber Bilderkrieger

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Inhaltsangabe zu „Bilderkrieger“ von Michael Kamber

Michael Kamber arbeitet seit 25 Jahren als Fotojournalist, vor allem in den Krisengebieten dieser Welt. Seine aufwühlenden Bilder aus Ländern wie Somalia, dem Kongo, Afghanistan oder dem Irak wurden weltweit veröffentlicht und mit dem renommierten World Press Photo Award ausgezeichnet. Viele dieser Bilder bleiben für immer in seinem Kopf, erinnern ihn an das Leid und die Grausamkeiten, die Menschen einander zufügen, und an die schwer kalkulierbaren Risiken seines Berufs, denen einige seiner besten Freunde zum Opfer gefallen sind. Aber welche Wirkung kann die Arbeit eines Kriegsfotografen in Zeiten medialer Übersättigung heute noch haben? Wie geht man mit den körperlichen und seelischen Wunden um? Michael Kamber hat u¨
über all diese Fragen immer wieder mit seinen Kollegen gesprochen. Vor sechs Jahren begann er, diese intensiven Gespräche systematisch aufzuzeichnen. Entstanden sind dabei keine Interviews im klassischen Sinn: So offen, wie es nur unter Freunden und engen Kollegen möglich ist, erzählen einige der berühmtesten Kriegsfotografinnen und -fotografen von den ganz persönlichen Motiven für ihren Beruf, ihren Ängsten und Hoffnungen, von der dreckigen Seite des Krieges, dem Zynismus der Medienbranche und dem privaten Preis, den sie für ihre Leidenschaft zahlen: der Welt mit ihrer Kamera zu zeigen, wie sie wirklich ist.

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  • Bilder und Berichte vom Krieg

    Bilderkrieger

    Gospelsinger

    07. April 2014 um 03:40

    Wer sind diese Fotografinnen und Fotografen, die ihr eigenes Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, um Bilder vom Krieg zu machen? Was treibt sie an? Unter welchen Umständen kommen die Bilder zustande? Was sollen die Fotos bewirken – und was können sie bewirken? Bilderkrieger basiert auf dem Buch Photojournalists on War: The Untold Stories from Iraq von Michael Kamber. Der New Yorker Fotojournalist hat zwischen 2008 und 2012 seine Kolleginnen und Kollegen interviewt, was oft zu stundenlangen Gesprächen führte. Es ging um ihre Motivationen, ihre überstandenen gefährlichen Situationen, um ihre Verletzungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen, um die auseinandergebrochenen Ehen und Partnerschaften, um embedded journalism und generell um die Arbeitsbedingungen, die sich immer weiter verschlechtern. Am Ende jedes Gesprächs ist ein Kriegsfoto abgedruckt. Die Fotos und die Erzählungen sind harter Stoff, der nicht leicht zu ertragen ist. Aber es ist notwendig, sich mit den Realitäten des Krieges auseinanderzusetzen. Gespräch mit Anja Niedringhaus Ich bin mir sicher, dass ich einige ihrer Fotos gesehen habe, ohne es zu wissen. Anja Niedringhaus hat nämlich in meiner Heimatstadt studiert und nebenbei für das „Göttinger Tageblatt“ gearbeitet. Zur Kriegsfotografin wurde Anja Niedringhaus von einem Moment auf den anderen. Als sie in Sarajewo ankam, wurden ihr vom abreisenden Kollegen nur die Autoschlüssel in die Hand gedrückt. Zum Glück gab es einen lokalen Fotografen, der mit ihr zusammenarbeitete. „In Sarajewo habe ich gelernt, welche Fähigkeiten der Mensch in extremen Situationen haben kann.“ Bei ihrer Arbeit ging es ihr darum, „die Geschichten der Menschen zu erzählen, die in Konfliktzonen wie in Afghanistan ihren Alltag meistern müssen. Ihre Stimmen werden oft vergessen oder ignoriert.“ Dabei hat sie oft mit Kathy Gannon zusammengearbeitet. So saßen die beiden auch zusammen im Auto, als Anja Niedringhaus erschossen wurde. Kathy Gannon wurde schwer verletzt. Zu den veränderten Arbeitsbedingung sagte Anja Niedringhaus, dass sie ihren Nichten und Neffen nicht raten würde, diesen Beruf zu ergreifen. Alles muss nur noch schnell gehen, es wird kein Geld ausgegeben, längere Recherchen sind nicht mehr möglich. Die Nachwuchskräfte werden nicht mehr richtig ausgebildet und erst recht nicht auf die Gefahren vorbereitet. Das Gespräch endet mit den Worten: „Ich glaube, in diesem Beruf ist man nie zu alt. Ich bin nicht sarkastisch geworden in diesen ganzen Jahren, auch nicht ironisch. Schwarzer Humor, das schon. Eigentlich bin ich jetzt erst in den besten Jahren.“ Leider hat sie die nicht mehr genießen können. Veränderte Arbeitsbedingungen Die mangelnde Ausbildung und Unterstützung der jungen Journalistinnen und Journalisten wird in mehreren der Gespräche erwähnt. Marco di Lauro erzählt von einem jungen Journalisten aus Japan, durch dessen Unerfahrenheit zwei oder drei Menschen gestorben sind und wundert sich, dass nicht noch mehr dieser unbeleckten Journalisten draufgegangen sind. Stanley Greene prophezeit, dass Journalisten immer höhere Risiken werden eingehen müssen. Auch Andrea Bruce bemängelt die Sparmaßnahmen der Redaktionen. Die meisten Auslandsbüros wurden geschlossen, selbst die von Newsweek und Time. Erschwerte Bedingungen für Frauen Andrea Bruce setzt sich mit der Männerwelt der Kriegsfotografen auseinander. Meistens wird nur aus der Perspektive der Männer erzählt; sie wird als Frau nicht ernstgenommen und akzeptiert. Ziemlich skurril ist, dass amerikanische Soldatinnen nicht an vorderster Front zugelassen sind, Fotografinnen aber schon. Rita Leistner bemängelt ebenfalls, dass Frauen weniger zugetraut wird: „Ein völlig ahnungsloser 25-jähriger Typ ist in den Augen der meisten eher dafür qualifiziert als eine 46-jährige Frau mit sehr viel Erfahrung.“ Stephanie Sinclair stellt fest, dass Männer sich mehr für die Kämpfe interessieren, während sie wissen möchte, was am Rande passiert, wie sich das Leben der Menschen ändert. Embedded journalism Ein großes Thema ist, dass Journalisten heutzutage nur dann vom Krieg berichten können, wenn sie embedded sind. Wie stark die vielen Verpflichtungen, die unterschrieben werden müssen, dann auch durchgesetzt werden, hängt vom jeweiligen Offizier ab. Manche Offiziere sind froh darüber, dass endlich einmal die Realität gezeigt wird. „Die Menschen, die sehen, was Sie hier fotografieren, werden vielleicht einmal in den Kongress gewählt oder Präsident. Also zeigen Sie denen bitte, was hier los ist.“ Das Embedding ist eine Form der Zensur, und immer wieder wird versucht, die Journalisten zu instrumentalisieren, aber ganz unterdrücken lässt sich die Berichterstattung nicht. „Wenn man direkt mitgeht, können die einem aber nicht nur das zeigen, was sie einem zeigen wollen. Wenn die aus Versehen einen Wagen voller Zivilisten hochjagen, stehen wir doch direkt daneben. Die können nichts verbergen“ , sagt Ashley Gilbertson. Die meisten der Journalistinnen und Journalisten versuchen, auch die andere Seite des Konflikts zu zeigen, die ganze Geschichte zu erzählen. Sie versuchen, sich den Menschen mit Respekt zu nähern und ihre Würde zu bewahren. Psychische Folgen Viele der Journalistinnen und Journalisten leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Das, was sie in den Kriegsregionen gesehen haben, bekommen sie nicht mehr aus dem Kopf. Zum Beispiel Christoph Bangert, der in der Notaufnahme einer Klinik in Bagdad einen älteren Mann mit schweren Brandverletzungen gesehen hat, für den nichts getan werden konnte, weil die Spezialabteilung für Brandverletzte schließen musste. Das dafür bestimmte Geld war im Ministerium versickert. Der Mann starb unter schrecklichen Schmerzen. João Silva, der durch eine Mine beide Beine verlor, sagt, dass er für immer im Kopf behält, was er gesehen hat. „Man hat Menschen vor meinen Augen zerhackt, sie getötet, in Brand gesetzt.“ Warum tut man sich diesen Beruf an? Die Journalistinnen und Journalisten sind sich klar darüber, wie wichtig es ist, die Realität des Krieges zu dokumentieren, zu zeigen, was wirklich passiert. Aufrütteln wollen sie, wach machen, Ungerechtigkeit anprangern. Nina Berman ärgert sich, dass in der amerikanischen Berichterstattung der Krieg als großer Spaß dargestellt wird; Tod und Zerstörung existieren dort nicht. Sie möchte die Verbindung zwischen Krieg und Profit aufzeigen. Jerome Delay sieht den Sinn der Kriegsfotografie darin, die Freiheit der Presse zu sichern, die Informationsfreiheit – und damit auch die Demokratie. Und Patrick Chauvel sagt: „Wir sind hier als Zeugen der Geschichte. Manche unserer Bilder werden Teil unseres kollektiven Gedächtnisses, darin liegt ihre Bedeutung.“ Dieses Buch ist mir sehr an die Nieren gegangen. Es ist keine leichte Lektüre, aber es hat sich gelohnt, das Buch zu lesen. Es gab Einblick in eine Lebenswirklichkeit,die von meinem Alltag weit entfernt ist, und ganz nebenbei habe ich einiges Neues über die Kriege im Irak und in Afghanistan gelernt. Auch ich werde diese Bilder, ob nun beschrieben oder als Foto, nicht so schnell aus meinen Kopf bekommen.

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  • ergreifende geschichten von Kriegsfotografen

    Bilderkrieger

    HHeigl

    29. October 2013 um 10:03

    Es gibt glaube ich nur sehr wenige Bücher, die man im Regal stehen hat, die einen wirklich berühren und man von jetzt auf gleich die Welt in einem anderen Licht sehen will. Als Fotograf fiel mir vor einigen Tagen das Buch "Bilderkrieger" von Michael Kamber in die Hände und als "The Bang Bang Club" Zuschauer und natürlich in allem was mit Fotografie zu tun hat war ich sehr gespannt was mich da erwartet. In diesem Buch geht es um Erlebnisse und Gedanken von Kriegsfotografinnen und Fotografen. Ich war erstaunt wie viele Frauen es in dem Bereich gibt. Man kennt vielleicht Antonia Rados aus dem TV aber das war es dann meist auch schon. Basierend auf der US-Ausgabe des Buches "Photojournalists of War: The Untold Stories from Iraq" von Michael Kamber wurden aus rund 40 Interviews die Hälfte ausgesucht und mit einigen weiteren Interviews hier zusammengefasst. Unter anderen sind hier auch die deutschen Fotografen Christoph Bangert und Anja Niedringhaus dabei. Ich weiß nicht was mich mehr gefesselt hat ob es die erschreckende Ehrlichkeit der Interviews war in denen die Fotografen von Kriegsschauplätzen berichten, die für den Otto-Normal Leser ja nur aus den aktuellen Nachrichten bekannt ist, für diese Kriegsfotografen, Kriegsberichterstatter und Journalisten aber Alltag sind und Sie darin Leben. Der Untertitel des Buches heißt "Von jenen, die ausziehen, uns die Augen zu öffnen." Ich denke er drückt nicht im geringsten aus was dann in einem Vorgeht. Im Interview mit Anja Niedringhaus heißt es z.B. "Fallujah 2004 war haarig. Wir mussten zu Fuß rein, weil die Panzer nicht in den engen Straßen manövrieren konnten. Es gab Scharfschützen, Haus-zu-Haus Kämpfe, Angriffe aus den Moscheen heraus. Die Marines waren sehr überrascht, was da abging." Dann einige Seiten später im Interview mit Joao Silva "[...]September 2003. Dexter Filkins, ein Reporter der New York Times, und ich fuhren hoch nach Fallujah. Es hatte einen Angriff auf einen Amerikanischen Konvoi gegeben. Wir kamen nicht richtig ran. Die Amerikaner schossen auf alles, was sich Ihnen näherte. Also steckten wir bei den Irakern fest. Also im Grunde genommen ein Schauplatz aus beiden Lagern betrachtet aber trotzdem eine Geschichte. Zu jedem Interview gibt es dann noch ein Bild des Fotografen. Im Grunde genommen ist dies aber viel zu wenig um sich sein eigenes Bild machen zu können und aus diesem Grund auch ein bisschen schade. Man kommt fast nicht drumherum selbst ein bischen zu recherchieren und sich weitere Bilder anzuschauen. Die Interviews und deren Aussagekraft gehen oft sehr tief und hier nur jeweils ein Bild zu zeigen fast schon zu wenig. Auf der anderen Seite sagen die Worte doch mehr als man denkt und man kann sich sein eigenes Bild im Kopf machen. Ich war fasziniert von diesem Buch, der Idee dahinter und bin ebenso froh, das es im kleinen Verlag Ankerherz erschienen ist, denn viele größere Verlage hätten sicherlich einige klar ausgesprochene Worte in dem Buch weggestrichen. Das Buch ist meiner Meinung nach nicht nur etwas für den Fotografen an sich sondern auch an Interessierte Menschen am Zeitgeschehen, die den harten Job eines Kriegsfotografen verstehen und begreifen möchten. Ich verneige mich vor so viel Aufopferungsgabe, Durchhaltevermögen und Balls of Steel - auch bei den weiblichen Fotografen in dieser kleinen Runde.

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