Michael Kleeberg

 4.1 Sterne bei 79 Bewertungen
Autor von Das amerikanische Hospital, Karlmann und weiteren Büchern.
Michael Kleeberg

Lebenslauf von Michael Kleeberg

Wunderbar boshafte Geschichten und vielseitige Characktere: Michael Kleeberg wurde am 24. August 1959 in Stuttgart geboren und wuchs in Böblingen und Hamburg auf. Nach seinem Abitur studierte er Politologie und Visuelle Kommunikation in Hamburg. Um sich sein Studium finanzieren zu können arbeitete er als Journalist, Krankenpfleger und Hafenarbeiter. Später zog er nach Rom und Amsterdam, sowie 1986 nach Paris. Dort war er bis 1994 Mitinhaber einer Werbeagentur und lebte anschließend als Autor und Übersetzer in Burgund. Seit 2000 lebt und arbeitet er als freier Schriftsteller und Übersetzer u.a. von Marcel Proust und John Dos Passos in Berlin. Seine bekanntesten Werke sind "Ein Garten im Norden“ (1998), „Der König von Korsika“ (2001) und "Karlmann" (2007). Für seine Arbeit erhielt er u.a. den Anna-Seghers-Preis, den Lion-Feuchtwanger-Oreis und den Irmgard-Heilmann-Preis. Außerdem erhielt er mehrere Stipendien des Deutschen Literaturfonds.

Alle Bücher von Michael Kleeberg

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Das amerikanische Hospital

Das amerikanische Hospital

 (39)
Erschienen am 09.07.2012
Karlmann

Karlmann

 (15)
Erschienen am 02.06.2009
Ein Garten im Norden

Ein Garten im Norden

 (7)
Erschienen am 09.07.2018
Vaterjahre

Vaterjahre

 (6)
Erschienen am 13.02.2017
Der König von Korsika

Der König von Korsika

 (3)
Erschienen am 04.01.2010
Luca Puck und der Herr der Ratten

Luca Puck und der Herr der Ratten

 (2)
Erschienen am 03.08.2012
Barfuß

Barfuß

 (2)
Erschienen am 01.09.2010
Das Tier, das weint

Das Tier, das weint

 (1)
Erschienen am 01.10.2007

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Neue Rezensionen zu Michael Kleeberg

Neu
M

Rezension zu "Der Idiot des 21. Jahrhunderts" von Michael Kleeberg

Goethe neu gedacht
michael_lehmann-papevor 3 Monaten

Goethe neu gedacht

Das Verhältnis von Okzident zu Orient, die westliche und die östliche Kultur, im „West-Östlichen Divan“ nimmt sich Goethe dieser beiden Welten, ihrer unterschiedlichen Prägung und ihrem Gewinn für die jeweils andere Seite an. Damals zur Zeit des Erscheinens die erste, intensive Annäherung an die Kultur des Orients.

Ein Impuls, den Kleeberg in seinem neuen Roman intensiv aufnimmt und anhand von Einzelschicksalen, Personen und derer kultureller Prägungen, ein Kaleidoskop dieser fremd-nahen Beziehung in überbordender Sprache, mit vielfachen Sprachbildern und in unterschiedlichen literarischen Formen vor die Augen des Lesers legt.

„Allerliebste Marianne (Maryam), erwache“!
„Ei! Wach´ uff und guck“!

Gleicher Inhalt, andere Sprache, poetisch bis herzhaft, vom hessischen „Slang“ (umwerfend, wie Claptons „Layla“ mit hessischer Zunge so klingen könnte, wenn Kleeberg einen seiner Protagonisten singen lässt) bis hin zur kunstvollen und bildreichen orientalischen Erzählweise geht Kleeberg seinen versammelten Personen nach, forscht in deren Kindheit, zeigt Befremdliches auf und lässt all dies doch zusammenfließen in einem überschaubaren Reigen menschlicher Sehnsüchte und Grundbedürfnisse.

„Was hierhergehört ist, dass an diesem privatesten aller Orte, so weitab von irgendwelchem Rockstar-Glamour wie von jeder Frömmelei, Hermann, dieser nicht mehr junge Mann mit dem runden Gelehrtenbäuchlein, dessen äußere Erscheinung eines Aufbegehrens und Auftrumpfens nicht fähig scheint, den Schmerz und die Sehnsucht und die Hoffnungen von Claptons Lied mit virtuosen Fingern interpretiert und den anderen darreicht in einer demütigen Würde, die man nur dann ausstrahlt, wenn man weiß, wovon man redet“.

Verschwenderisch mit der Sprache, nie um einen treffenden Ausdruck verlegen, blumig, teils aber auch überaus nüchtern im Monolog, assoziativ einerseits und genau treffend andererseits trifft sich der Kern der damaligen Clique aus Jugendzeiten im kleinen, hessischen Ort und lässt das Leben, das Erlebte, das Aktuelle, das Erhoffte, Revue passieren. Und zieht den Leser unmittelbar und nicht loslassend in einen Sog von Gefühlen, Gedanken, Geschichten, von Liebe und Not, der bis zur letzten Seite nicht nur sprachlich, sondern auch in der Tiefe der Emotionen brilliert.

Und dabei wird kaum eine vorstellbare Seite aktueller Befindlichkeiten ausgelassen. Flüchtlinge, Sorge vor dem Fremden, Offenheit dem Neuen gegenüber, Verschlossenheit in sich (wie der Salfist im Buch), jene Seiten, die ein Miteinander suchen und jene, die sich damit schwer tun, Terror und Krieg, Freundschaft und ein „ganz normales, deutsches Alltagsleben“, alles kommt vor, alles hat seinen Platz und ist ein intensives Bild einer aktuellen Zerrissenheit der Welt, die auch in der hessischen Provinz angelangt ist.

Zusammengehalten, nach vorne geschrieben, i Teilen angetrieben von der Liebe, die Kleeberg (natürlich) zwischen „Ost und West“ aufflammen lässt (und das nicht nur einmal im Werk). Und das alles konzentriert auf die gegenseitigen Erzählungen jener Runde vertrauter Freunde aus Jugendzeiten und einiger neuer Freunde aus dem „Leben danach“.

Das alles schreibt Kleeberg mit einem optimistischen Grundton, einer überzeugten Hoffnung, die auf eine mögliche Verbindung in aller Vielfalt hinweist, aber erst noch zu entdecken sein wird, auch für den Leser, dem Kleeberg vielfaches Material an die Hand gibt, um reichlich Gedanken und Phantasien anzustoßen, wie das denn gehen könnte, statt ein Gegeneinander ein Miteinander zu gestalten. Trotz aller auch schwieriger Erfahrungen, die im Buch thematisiert werden.

Allein die Liebe wird es dabei nicht sein, wohl aber ein Verständnis für die Prägung des anderen und damit seiner Persönlichkeit und Handlungsweisen. In einer Welt, in der genormtes Leben im überschaubaren Rahmen der Vergangenheit angehört.

Ein Buch, dass die Emotionen genauso wachruft, wie die intellektuelle Reflexion und Seite für Seite darauf verweist, dass eine Harmonie möglich sein könnte, wenn das Verstehen erst einmal in den Raum getreten ist.
Wenn man sich, für eine Weile zumindest, immun macht gegen all das, was von allen Seiten an Meinungen herein prasselt und stattdessen eigene Erfahrungen sucht.

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MelaKafers avatar

Rezension zu "Ein Garten im Norden" von Michael Kleeberg

Grandiose Sprache, spannende Idee
MelaKafervor 3 Monaten

Albert Klein kehrt nach gescheiterter Ehe und Selbstmord seiner französischen Exfrau in seine alte Heimat Hamburg zurück.
Auf seinem Weg macht er noch einen Abstecher nach Prag. Nach einem verstörenden, ihn zu Tränen rührenden Erlebnis in der Synagoge, stolpert er auf die Straße. Das Schild "Antiquariat" sticht im ins Auge und er tritt ein. Der Antiquar kennt seinen Namen, drückt ihm mit den Worten "Was immer sie schreiben, wird, wenn Sie geendet haben, in aller Konsequenz Wirklichkeit geworden sein" ein leeres Buch die Hand.
So fängt Albert Klein an zu schreiben über die Zeit, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist der wunderschöne Garten des Abraham Kleins, in den er gerne Gäste lädt und das Leben pulsiert. Hier tauschen sich Philosophen, Gelehrte, Kollegen und Freunde unterschiedlichster Nationalitäten aus und so schreibt dieser Garten auch ein Stück Zeitgeschichte. 
Immer wieder schaltet sich auch der Antiquar in fiktiven Gesprächen mit Albert Klein in die Geschichte ein, diskutiert mit ihm, lamentiert, wenn er mit dem Verlauf des Geschriebenen nicht einverstanden ist. Schließlich sind die Seiten des Buches gefüllt und die nieder- geschriebene Geschichte wird Realität mit allen Konsequenzen, also auch mit Einfluss in die Gegenwart.
Dieses Buch ist ein literarisches Meisterwerk, das sich nicht so nebenbei lesen lässt. Es setzt zeitgeschichtliches Wissen voraus und fordert Durchhaltevermögen. Nehmen sie sich Zeit für dieses Buch. Es ist es Wert.

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Ein Garten im Norden" von Michael Kleeberg

Denk ich an Deutschland in der Nacht...
Giselle74vor 4 Monaten

Ein echter Backstein von einem Roman, dick, sperrig und deutschen Traditionen folgend. Selten war ich so froh, ein Buch zuklappen zu dürfen. Meine Bildung reichte definitiv nicht aus, um sämtlichen Verästelungen, Andeutungen und Querverweisen zu folgen. Das war wohl so auch nicht ganz ungewollt. Daher bitteschön, einmal laut für alle: Herr Kleeberg ist ein ungeheuer weitläufig gebildeter Mensch (oder gut im Recherchieren). Dieses Protzen mit Wissen ist ja auch etwas sehr Deutsches, nach dem Motto, ein Buch ist dann erst hohe Literatur, wenn das Gros der Leser daran verzweifelt. Nun bin ich nicht das Gros der Leser, aber immerhin verzweifelt.
Worum geht es? Um Deutschland, deutsche Geschichte, deutsche Befindlichkeiten. Da wäre Albert Klein, Wäregern-Schriftsteller, lange im Ausland gelebt, im Heineschen Exil quasi, der nach dem Selbstmord seiner französischen Frau bei den Eltern in Hamburg unterkriecht. Nicht ohne selbstmitleidiges Genörgel darüber, wie schön es doch anderswo wäre. Selbiger Albert hat im hassgeliebten Deutschland noch eine unerledigte Liebe herumlaufen, die er neu zu aktivieren gedenkt. Warum, das bleibt mir schleierhaft, ich fand diese Bea schlicht unnötig anstrengend. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich. Und weil das für einen Bildungsroman natürlich noch nicht ausreicht, verknüpft Kleeberg einen zweiten Strang mit einem gleichnamigen Protagonisten, Albert Klein im Doppelpack also, der rund um den Ersten und Zweiten Weltkrieg spielt. Zusammengehalten werden die Stränge durch einen geheimnisvollen tschechischen Antiquar, der Klein dem Jüngeren ein Buch zur Verfügung stellt, mit dem er an der Vergangenheit herumspielen kann.
Nun, was genau war eigentlich mein Problem? Der ein wenig blutleer geratene Part um Klein, den Bankier mit den Völkerverständigungsvisionen? Die Langeweile, wenn ausufernd Zusammenhänge erläutert wurden und belehrende Dialoge kein Ende nahmen? Der Part in der Neuzeit, der mich bisweilen an Schweighöfer-Komödien erinnert hat, aber weniger charmant? Die durchweg unsympathischen Personen der Jetztzeit? Der Antiquar, mit Hang zu besserwisserischen Kommentaren? Das alles zusammen natürlich, aber auch das Ende mit den vielen losen Fäden und der kleindeutschen statt der großdeutschen Lösung. Ein Stück Garten im Norden gerettet, den Rest mit Pauken und Trompeten vergeigt. Und wenn mich die Geschichte nicht doch stellenweise gepackt hätte,wäre dieser Roman wohl eines der wenigen von mir abgebrochenen Bücher gewesen. Aber es gibt sie, diese Stellen, die mich aufatmen und seitenweise Gartenbeschreibungen vergessen liessen. Nein, dieser Roman war leider nichts für mich. Aber jeder, der in der Kultur- und Geistesszene des beginnenden 20. Jahrhunderts fest im Sattel sitzt und somit die Anspielungen, verdeckt oder nicht, entdecken, einordnen und geniessen kann, der dürfte glücklicher werden mit dieser Lektüre als ich. Es sei ihm gegönnt.

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Michael Kleeberg wurde am 24. August 1959 in Stuttgart (Deutschland) geboren.

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