Michael Klonovsky Der Schmerz der Schönheit

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Inhaltsangabe zu „Der Schmerz der Schönheit“ von Michael Klonovsky

Puccini und seine Opern werden häufig als zweitrangig abgetan. Ein skandalöses Missverständnis. Michael Klonovsky zeigt, warum der Italiener zu den ganz Großen der Musikgeschichte zählt. Eine längst überfällige Hommage!

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  • Rezension zu "Der Schmerz der Schönheit" von Michael Klonovsky

    Der Schmerz der Schönheit

    HeikeG

    16. February 2009 um 17:45

    Musikalische Lava con passione disperata (mit verzweifelter Leidenschaft) . "Die Literaturgeschichte lehrt, daß das Werk eines jeden großen Dichters in zwei Teile zerfällt: in den, den wir weiter bewundern, und in den, der die Literatur beeinflußt hat." Dieses Zitat des kolumbianischen Denkers Nicolás Gómez Dávila könnte stellvertretend für jenen Mann stehen, dem Michael Klonovsky das vorliegende Buch gewidmet hat, das man beinahe als Liebeserklärung lesen könnte. . Schon die ersten Zeilen offenbaren eine tiefe Empathie für den Mann aus Lucca: "Giaccomo Puccini war beziehungsweise ist einer der größten Schenker der bisherigen Weltkulturgeschichte. Er gehört zu jenen raren und im Grunde höchst unwahrscheinlichen Wunderwesen, die unaufgerufen, oft gegen Widerstände und nur aus eigenem Antrieb tätig werdend, eine schönere Welt hinterlassen, als sie vorgefunden haben. Wer, außer vielleicht Mozart, hätte mehr musikalische Zärtlichkeit auf diesen Planeten gebracht als er? Millionen Hörer sind durch Puccinis Musik in Gefühlsräusche versetzt und zu Tränen gerührt geworden. Zu ihnen zählt, mit einer ihn selbst frappierenden Beharrlichkeit, der Verfasser dieser Betrachtung." . Der Schriftsteller und Journalist Klonovsky (Jahrgang 1962), der als Chef vom Dienst beim Magazin Focus arbeitet, bereits einige Romane veröffentlichte (u. a. "Land der Wunder", "Der Ramses-Code") und außerdem bekennender Bach- und Wagner-Liebhaber ist, hat sich nun eines Mannes angenommen, dessen Bewunderer immer ein wenig unter vorgehaltener Hand ihre Begeisterung aussprechen, die "sich sozusagen nur mit gedämpfter Stimme zu ihrer Leidenschaft bekennen." Der Autor ist der Meinung, dass dem italienischen Komponisten unrecht getan wird, wenn man ihn als zweitrangigen Komponisten abtut. Für ihn ist Puccini ein "enormer Meister und musikdramatischer Alleskönner". . In seinem flüssig und unterhaltsam zu lesenden Buch zeichnet er nicht nur ein liebevolles Bild des Lucchesers, sondern gewährt einen fundierten, analysierenden Blick in dessen wiewohl nicht sehr umfangreiches Lebenswerk, das, neben einigen Stücken geistlicher Musik, drei kleinen, im allerweitesten Sinne sinfonischen Orchesterwerken und ein bisschen Kammermusik, "nur" aus neuneinhalb abendfüllenden Opern besteht. Beginnend mit einem einleitenden Gesamtüberblick, in dem auch die Frühwerke "Le Villi" und "Edgar" ("Die Libretti [...] gehören zum Beknacktesten, was die an Dämlichkeit bekanntlich reiche Operntextliteratur in petto und auf dem Kerbholz hat") nicht vergessen werden, ermöglicht Klonovsky mit seiner Werkschau vor allem in "Tosca", "Madama Butterfly" und "La Fanciulla del West", die den Weltruhm Puccinis begründeten, einen detaillierten und tiefgreifenden Einblick. . Der Autor stellt sich die Frage, warum Puccini heutzutage - wenn überhaupt - in Monografien nur als "randständigste Randfigur" erwähnt wird, obwohl dessen Werk die Opernbühnen der Welt beherrscht wie kaum ein zweites? Michael Klonovsky begründet dies dahingehend, dass der italienische Komponist nie als "modern", "fortschrittlich" oder "avanciert" galt. Auf seine Art widersetzte er sich dem Zeitgeist der westlichen Welt, der fordert, "dass man sich auf der Seite des sogenannten Fortschritts, an der Spitze des Neuen, auf der Höhe der Zeit eben aufzuhalten habe." Puccini habe zwar all diese Trends beobachtet und ließ sie auch in sein Werk einfließen, doch "von ihm selbst ging kein Impuls aus, das musikalische Material zu erneuern.", so Klonovsky. . "Der Mann aus Lucca hat den musikalischen 'Fortschritt' nicht sonderlich befördert, aber er hat etwas überzeitlich Gültiges universell verständlich in ultimative Töne gefasst: den Kampf der Liebe gegen die Übermacht von Leiden und Tod.", erklärt der Autor. Und daher auch der Titel des Buches: "Der Schmerz der Schönheit". Bereits Schopenhauer schrieb von dem Phänomen, dass "der künstlerisch reproduzierte Schmerz bisweilen schön sein kann". Puccini selbst erklärte einmal, dass der Sinn seiner Musik darin bestünde, das Dasein "weniger unerträglich" zu machen. . Klonovsky ist sich sicher, dass es beinahe unmöglich ist, von Puccinis "Sirenengesängen" nicht berührt zu werden. Sie treffen den Hörer mitten ins Herz und spenden "Tränen und Trost zugleich" (Wagner, "Die Walküre"). Schon andere Komponisten rührten mit ihren Werken ihre Hörer zu Tränen. So schrieb Adorno 1928 in seinem Schubert-Aufsatz: "Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen: so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen, warum; weil wir noch nicht so sind, wie jene Musik es verspricht." Bei Puccini, ist sich Klonovsky sicher, verhält es sich andersherum: "Wir weinen, weil wir genauso sind, wie diese Musik es beschreibt [...] Wer Schubert (oder Bach oder Mozart) hört, mag mitunter meinen, in den Himmel zu blicken. Wer Puccini hört, schaut immer in den Spiegel." . Fazit: Wer schon ein heimlicher oder vielleicht gar bekennender Puccini-Liebhaber ist, für den ist dieses Buch sicher ein absoluter Lesegewinn. Voller Ironie, Sprachwitz und einer eleganten Virtuosität, die der Tonkunst des eleganten, toskanischen Meisters in nichts nachsteht, ergreift Michael Klonovsky Partei für den "musikdramatischen Alleskönner". Dabei bleibt sicher alles eine Spur subjektiv. Aber das ist es wohl immer, wenn es um die Kunst geht. Doch vielleicht erreicht der Autor den ein oder anderen Puccini-Phoben oder auch nur Desinteressierten und demzufolge eher zufälligen Leser, der sich dann fragt, ob er "tatsächlich eines Tages sterben [will], ohne beispielsweise die Einschiffungsszene aus Manon Lescaut, das 'Te Deum' aus der Tosca, das ungeheuerlich-todesahnende 'Che tua madre' der Butterfly oder das gegen sein elendes Kos gestoßseufzte 'Hai ben ragione!' des Proleten Luigi aus Il Tabarro gehört zu haben." Die Rezensentin, die sich zur letzten Gruppe zählt, zeigt nach diesem Buch jedenfalls echtes Interesse an der Musik dieses ehemals "komponierenden Millionärs und traurigen Casanovas".

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