Michael Klonovsky Land der Wunder

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Inhaltsangabe zu „Land der Wunder“ von Michael Klonovsky

"Ein begnadeter Stilist." (Jürgen von der Lippe) Wie mies das Leben in der DDR sein kann, weiß kaum einer so gut wie der relegierter Philologie-Student und Miniatur-Casanova Johannes Schönbach. Platz findet er im morschen SED-Staat nur als trinkfreudiger Hilfsarbeiter in einem Schnapslager. Nach der Wende lernt Schönbach den Westen zugleich schätzen und geringschätzen, macht Karriere und kommt auf skurrile Weise zu einem Vermögen. Und er stößt immer wieder auf die schöne Katja, der er an der Uni so vergeblich den Hof gemacht hat... "Leuchtkugeln einer irrwitzigen Komik und komischen Erotik explodieren über dem untergehenden Staatsschiff DDR und tauchen auch die wiedervereinigte Republik in die phantastische Farbigkeit eines übermütigen Realismus." (Martin Mosebach)

Deja vue.

— Keke
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    Land der Wunder
    rallus

    rallus

    18. December 2015 um 11:20

    Johannes Schönbach wächst in der DDR auf und ist ein schlaksiger Ex-Student der Philologie. Da seine Ansichten nicht mit der politischen Führung konform gehen, wird er aus dem Studium hinauskomplementiert und muss sich in einer Schnapsfabrik wieder hochdienen. Die ewige Sauferei bringt ihn aber nirgendswo hin und seine schreiberischen und geschichtlich- sowie philologischen Talente sind hier verschwendet. Nach einer besonders schlimmen Sauftour beschließt er, sein Leben zu ändern und fängt als Korrektor in einer Ostberliner SED Zeitung an. Diese Phase verbringt er in einem Mief voller Pseudofreiheit und endender SED-Herrschaft. Nach der Wende wird das Blatt von einem westdeutschen Verlag übernommen. Doch diese Westdeutschen sind zwar anders, aber die pseudolinksliberale Freiheit ist eben auch nur eine scheinbare. “’Wie gefällt euch die neue Herrschaftselite?’, fragte Kühl höhnisch. ‘Besser als die alte’, erwiderte Helmer ‘Aber auch irgendwie ekliger, oder?’ ‘Wieso?’ ‘Schau dir doch diese Kreaturen an: Die haben alle Bescheidswissenschaft studiert.’” Die neuen Statthalter sind natürlich viel smarter als die SED-Arschkriecher und kleinen Diktatoren, die an der Spitze der Zeitschrift standen und so mancher ist zum hinknien: “Der Grube-&-Tag-Statthalter hieß Alexander Müller-Giordano, und er war, dachte Schönbach schon beim ersten Anblick, aus jenem Holz, aus dem man den Übermenschen schnitzen würde, wenn er jemals in Serie ginge: ein Mann in den besten Jahren, groß, schlank, energisch, sportlich (er joggte jeden Morgen eine Dreiviertelstunde), jahreszeitunabhängig gebräunt, mit tadelloser Haltung in tadellosen, stets einfarbigen Anzügen, ein Antlitz wie gemeißelt unterm allzeit frisierten, mit erlesenen Grautönen durchwirkten dunklen Haar, distinguiert, eloquent, selbstsicher. Das Beste freilich war sein rollender schwarzer Bariton, metallisch, sonor, bei Bedarf der reine Samt – jede Armee, jedes Theater und jeder Callboy-Ring hätten viel für ein solches Organ gegeben. Lobte diese Stimme, rann es einem wie Honigseim durch die Kehle, brachte sie einen Begehr vor, gehorchte man in willenlosem Glück, erwog sie Dinge, saßen alle wie die Schüler des großen Pythagoras gewissermaßen zu Füßen des Sprechers. Und bei Helga Heinrich hatte man den Eindruck, sie könne jeden Augenblick mit einem seligen Seufzer zu Boden sinken, wenn Müller-Giordano zu reden anhob.” Durch die Internetblase kommt Schönbach plötzlich an viel Geld und investiert dieses in ein Dominastudio, welches eine seiner alten Freundinnen betreibt und in die esoterischen Wasser-Geschäfte seiner Eltern. Er hat zwar jetzt plötzlich Geld, aber irgendwas fehlt ihm in seinem Leben. Spät lernt er dann doch noch, Verantwortung zu übernehmen. Land der Wunder ist ein grandioses, literarisches Feuerwerk an Sprache und Ideen, die zynisch und ironisch die blühenden Landschaften beschreiben, die versprochen wurden. Klonovsky ist mit Schönbach ein moderner Till Eulenspiegel gelungen, der Ost und West den Spiegel vor die Nase hält und mit dem linksliberalen Getue im Westen, der doch so besser sein soll als der Osten, aufräumt. Klonovsky spielt mit der Sprache und seinen Charakteren: “Die Rosentreter-Version hatte auf einmal überhaupt nichts mehr mit der Musik und nicht einmal mit ihren Interpretationen zu tun, bis ins letzte Detail waren des Autors Anspielungen aus Wagners weidliches, wunderliches, weltescheneinäschernd, wüstes wie weltwirksam-weihvolles, wenngleich womöglich wichtigtuerisches Werk weggemerzt.” Seine Charaktere sind liebevoll gezeichnete skurrile Miniaturen, die fernab der Platitüden sind. Wie Schönbach sich durch die Ost-, Finanz- und Frauenwelt fräst, ist herrlich nachzulesen. Dieses Buch ist ein moderner Klassiker, eine treffende Satire und würde zu Recht in jeden Deutschunterricht passen! Der beste deutsche Wenderoman, den man leider nur noch antiquarisch erhalten kann. Ein Buchhighlight des Jahres 2015 für mich!

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  • Land der Wunder - irgendwie stimmt das.

    Land der Wunder
    Keke

    Keke

    03. November 2015 um 13:42

    Habe das Buch von einem Freund ohne Kommentar geschenkt bekommen und bin noch mitten im Lesen. Und ich glaube, der kennt mich. Manchmal im Leben fällt dir etwas in die Hände oder erlebst du etwas und du denkst: "Hoppla, das kenn´ich doch, oder, das könnte doch meine Geschichte sein." Ich finde hier ganz viele Parallelen zu meinem Single-Leben im Ostberlin der Vor-Wende-Zeit, das erst im September 1989 mit der Flucht über Ungarn beendet wurde. Scharfe Beobachtungen, tolle Personenbeschreibungen, witzige Dialoge, irgendwie bringt das Buch die ganze Bandbreite dieses ungewissen Schwebens dieser Zeit in Berlin herüber. Dieses Schwankens zwischen Sucht nach Leben und Voll-Depression, von der ich heute mit weitem Abstand sagen kann. Sie war irgendwie auch unheimlich wichtig im Leben. Bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Jetzt bin ich fertig. Dieser Johannes Schönbach ist ein kleiner Philosoph, einer der sich manchmal neben die Gesellschaft stellt und diese wie von außen durch ein Fenster betrachtet. Dabei sieht er die Dinge, ein bisschen sarkastisch, wie er nun mal ist, in völlig neuen Ansichten. Hier eine typische Stelle: „Er vertiefte diesen Gedanken, in dem er ihn dahingehend fortsetzte, wie kurios und letztlich jeden Geistesmenschen- dünkel ad absurdum führend es doch sei, auf welchen beiden Fundamenten die ihm im gewissen Sinne heilige abendländische Kultur ruhte: zum einen eben auf den künstlerischen Hinterlassenschaften eines modeschwulen- beziehungsweise Päderastenvolkes, das seine Götter bunt anmalte und Athleten höher schätzte als Philosphen, zum anderen auf den gesammelten Ressentiments eines hilflos zwischen die Großmächte geratenen und darüber rachsüchtig gewordenen Hirtenstammes, der sich kurioser- und kompensatorischerweise für auserwählt hielt. War das nicht verrückt ?“ Trotz allem, in seinen Lebensschwüngen zwischen tiefstem Ostproletariat und westlicher High-Society bleibt er doch immer eins: Ein Suchender, der der etwas sucht, was er sich selbst niemals zugeben würde zu suchen. Den Sinn des Lebens. Und erst dann, in diesem Moment, wo er nicht mehr weiter weiß, am Ende des Buches, findet er, was er so lange gesucht hat. Und wer ihn vorher noch nicht gemocht hat, der liebt ihn dann ...

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  • Ein sprachliches Wunder

    Land der Wunder
    Billie

    Billie

    16. October 2014 um 09:20

    Für alle, die nicht einfach nur eine spannende Geschichte lesen wollen, sondern sich an Sprachakrobatik und genialen Formulierungen freuen, ist dieses Buch ein Muss. Nach den ersten Seiten habe ich mich gefragt, ob man diese Sprachdichte über einen ganzen Roman aushalten kann. Man kann und genießt von Seite zu Seite mehr.

  • Land der Wunder - Michael Klonovsky

    Land der Wunder
    thursdaynext

    thursdaynext

    „Waren des täglichen Bedarfs/Zentrallager Spirituosen“ Ostberlin. Hier arbeitet der junge Johannes Schönbach, aufgewachsen im DDR Wunderland. „Eens musste wissen“, hatte ein älterer Disponent zu Schönbach gesagt, als er hier noch neu war „der Laden ist kriegswichtig. Der Fusel muss unters Volk. Versorgungsengpässe bei Alkohol darf et nich jeben, det schafft revolutionäre Situationen.“ Er fährt Gabelstapler. Mit 1.95 m eine unbequeme Tätigkeit. Nach seinem Ausschluss aus der Uni , bis dahin schaffte er es sich mit diesem Staat zu arrangieren obwohl derselbe ihm seit seinem 15 Lebensjahr vergällt war: „Seitdem er wusste, dass es inhaltlich nicht freigegebene Literatur gab“ und Nietzsche darunterfiel, „rumorte die Ahnung in ihm, alles in seinem Leben könnne schiefgehen.“ Sprachlich herrlich amüsant und eloquent wird das Leben in der DDR aus seiner Sicht geschildert. Dort wurde er wahlweise als „...verkommenes, staatsfeindliches Subjekt, dem die antikommunistische Scheiße aus dem Hirn gespült werden müsse“ , „Staatsfeind“ oder „vom Klassenstandpunkt abgewichen“ bezeichnet. Er erträgt den Freiheitsentzug und die Begrenzungen nicht. Arrangiert sich indem er sich verweigert. Nach dem Mauerfall, Schönbach ist mittlerweile Korrektor bei der SED Zeitung wird diese übernommen, weht ein kräftig kapitalistisch, heftiger Westwind. Michael Klonovsky hat einen wunderbaren Roman geschrieben. Die Einblicke in die DDR sind humorvoll ohne Gejammer und die Sicht auf das kapitalistische System unverstellt und voller Komik. Lebendige Charaktere und erlesene Ausdrucksweise die einfach nur Vergnügen bereitet haben mich trotz des DDR Themas, welches mich sonst eher abschreckt (sorry , DDR Erfahrungen beschränkten sich in meiner Jugend nur auf die schauderhaften Päckchen mit weihnachtlichen Erzgebirgsschnitzereien ((jetzt schenkt mir meine von dort stammende Schwägerin das Zeugs )) die meine Omi von um viele Ecken verwandten Ostverwandten im Gegenzug für ihre Care Pakete mit Kaffee und weiß der Geier noch was sonst geschickt bekam. Unfreundliche Grenzer die bei Berlin Einreise meinen kindlichen Schönheitsschlaf störten sowie einem Mauerbesuch bei dem ich die ausgesprochene architektonische Schande genauso stark wie die Eingeschlossenheit im westlichen Berlin empfand. Ach ja und noch die politischen Diskussionen mit geistigen Schwachmaten die damals bei Argumentationsmangel noch die Empfehlung „ nach drüben zu gehen“ aussprachen. ) Was durchweg fasziniert ist der unbestechliche Charakter des Johannes Schönbach, der 1985 Mitte 20 ist, der die Ost /West Vergleiche auf einer sehr speziellen unbeeindruckten, objektiven Ebene ermöglicht. Er hat etwas kindliches trotz seiner ausgeprägten Intellektualität, die er nur zugunsten seiner erotischen Bedürfnisse einschränkt. Wie er bei der (hardcore emanzipierten)Westfrau mit seiner Anmache scheitert ist köstlich. Wobei ich bezweifle, dass sich die Ostfrauen von dem Satz „Ich leck dich bis dir die Himbeere summt“ grundsätzlich angesprochen fühlten. Mädels klärt mich auf. Fazit: Dieses Buch sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist eine stilistische Perle mit Esprit, Witz, Charme, sexuellen Desastern und einem verschrobenem, wandlungsfähigem Hauptcharakter der den Roman trägt. Unbedingte Leseempfehlung. 5 Sternigen Dank an Bella ;)

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  • Rezension zu "Land der Wunder" von Michael Klonovsky

    Land der Wunder
    Capricorna

    Capricorna

    14. November 2009 um 14:20

    Bin erst im zweiten Kapitel, aber es ist von Beginn an extrem unterhaltsam, trotz der deprimierenden äußeren Geschehnisse. Wie er es schafft, das klein-klein des sozialistischen Alltags zu schildern, dabei gleichzeitig ein größeres politisches Bild deutlich macht, und das alles in dieser fantasie- und auch liebevollen Sprache, das ist unvergleichlich. Schon lange nicht mehr so gut amüsiert beim Lesen. Unbedingte Empfehlung!

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  • Rezension zu "Land der Wunder" von Michael Klonovsky

    Land der Wunder
    Dilbertine

    Dilbertine

    25. October 2009 um 15:58

    Ost-Berlin, 1987: Johannes Schönbach, Mitte 20, der ursprünglich über die Vorsokratiker promovieren wollte, ist auffällig vom Klassenstandpunkt abgewichen und arbeitet nach seiner zwangsverordneten Exmatrikulation als Hilfsarbeiter im Zentrallager für Spirituosen. Dem relegierten Philologiestudenten genügt das zweijährige „Spirituosenlagerschicksal“, um die Werte seiner Leber an die eines 60 Jährigen zu adaptieren. „Wer aus dem Lethestrom trinkt, vergisst sein früheres Leben.“ Mit Schnaps aus dem Lager funktioniert das auch, im 24 Stundenzyklus löscht Johannes, Sohn eines SED Mitglieds und Oberstufenlehrers, sein temporäres Selbst. ***************** „Gleichsam über Nacht war Johannes Schönbach vom Teilprivilegierten zum Unterschichtsangehörigen geworden, wobei diese Bezeichnung weniger im Sinne irgendeines Sozialprestiges als vielmehr gesellschaftspolitisch zu verstehen war; Unterschicht insoweit, als er nun zu jener großen proletarischen oder quasiproletarischen, jedenfalls influiden Mehrheit gehörte, für die keinerlei berufsgestützte Persönlichkeitsentwicklung mehr vorgesehen war, sei es nun aus intellektuellen oder seltener, ideologischen Gründen. ***************** Dank einer linientreuen und äußerst attraktiven Gesellschaftswissenschaftlerin namens Katja Kommerell, mit der er gelegentlich Schach spielt, schafft er den Sprung aus dem letzten Sieb über der Gosse und beginnt eine Kariere als Schwimmhallenwart. Als die marode DDR, Anfang 1989, kurz vor ihrem Untergang steht, ist seine Kaderakte bereinigt, seine Leber hat sich erholt und eine neue Tür sich geöffnet, er arbeitet bei einer Berliner Tageszeitung als Korrektor. Nach dem Mauerfall wird aus dem ehemaligen „Interpunktionshandlanger“ ein Redakteur, der zu Beginn der 90er Jahre zur Edelfeder des Blattes avanciert und den bedeutendsten deutschen Journalistenpreis für eine seiner Reportagen erhält. Als er 1996 endgültig die Lust am politischen Journalismus verloren hat, siedelt er von Berlin nach München um und leistet seinen persönlichen „intellektuellen Offenbarungseid“, in dem er unsinnige und unwahre Dinge für ein Boulevardmagazin schreibt. Der Prozess der Assimilation scheint abgeschlossen, er lebt in einer Designerwohnung, trägt Designerklamotten, eilt über die Flughäfen dieser Welt und ein Genuss jagt den anderen. Über Nacht wird er durch Geschäfte an der Börse zum Millionär, entfernt sich immer mehr vom Schreiben, wird Unternehmer und investiert sein Geld in das H²O –Geschäft und ein Domina-Studio. ***************** „Schönbach war zu dieser Zeit glücklich, auf eine etwas dumpfe Weise, aber fragt er sich mitunter, gab es überhaupt ein nichtdumpfes Glück? Der Zusammenhang von Zufriedenheit und Stumpfsinn, von Glück und Dummheit, war ja von wahrheitsliebenden Autoren gelegentlich thematisiert worden. Hinter der Wand aus Bräsigkeit und Indifferenz, die um ihn emporgewachsen war, hatte sich Schönbach behaglich eingerichtet. Er las kaum noch; stattdessen konnte er minutenlang vorm Spiegel stehen und seine Oberschenkel betrachten, ohne sich zu schämen. Er hatte, wie man sagt, seinen Frieden mit der Welt geschlossen.“ ***************** Fast hat der Leser schon Angst, dass die Metamorphose des Johannes Schönbach einer kompletten Fehlentwicklung gleich kommt, da reißt der Held des Romans das Ruder noch einmal um. Sein Kurswechsel hängt mit dem Schicksal seiner Freundin Katja Kommerell zusammen, der er im Verlauf seiner Geschichte immer wieder begegnet, aber mehr will ich hier nicht verraten. „Land der Wunder“ ist ein tiefsinniger, wortgewaltiger, satirischer, politischer und philosophischer Erinnerungsroman, der einen atemberaubenden Bogen von der DDR im Jahre 1987 über die Zeit der Wende in den 90 Jahren bis in die Gegenwart (2003) schlägt. Die gesellschaftskritischen Töne des Autors umweben die gesamte Geschichte. Dabei lässt er seinen Helden die Dinge meist von außen betrachten. Michael Kolonvsky, der tatsächlich seine Journalistenkarriere 1988 als Korrektor bei der LDPD Tageszeitung „Der Morgen“ startete, rechnet u.a. gnadenlos mit den Mechanismen der Manipulation des Journalismus beider Systeme ab. Die Beschreibung der Entdeckung der westlichen Warenwelt am Beispiel der schwierigen Öffnung einer Cola Dose (Büchse) triftet m.E. ein wenig ins Alberne ab, aber das ist verzeihlich. Nachdem ich mich an die verschlungenen und manchmal nicht enden wollenden Sätze des Autors gewöhnt hatte, konnte ich mich ihrer Sogwirkung nicht mehr entziehen. Von mir gibt es die volle Punktzahl für einen klugen und wahren Sprachzauber mit viel Hintergrund. Meine Empfehlung - unbedingt lesen und im Sinne des Autors dabei ein edles Tröpfchen Wein genießen, das nach "Glanz und Wonne, Metall und Frucht, nach dem Gesang der Dichter, nach der Welt" schmeckt.

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