Michael Krüger Himmelfarb

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Inhaltsangabe zu „Himmelfarb“ von Michael Krüger

Ein Zufall führt in den vierziger Jahren zwei junge Männer zusammen: Der Rasseforscher Richard engagiert den jüdischen Emigranten Himmelfarb, damit der ihn in den brasilianischen Dschungel begleitet. Auf der Reise, quer durch indianische Lebenswelten, verrät Richard den Freund. Erst dessen Brief aus Haifa fünfzig Jahre später erschüttert die Lebenslüge, mit der es sich so gut leben ließ. (Quelle:'Fester Einband')

Eine gelungene Charakterisierung von zwei total unterschiedlichen Zeitgenossen, die 1942 Einwohner des brasilianischen Urwaldes erforschten

— gst

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  • Erinnerungen eines 80jährigen

    Himmelfarb

    gst

    01. March 2015 um 20:45

    „Es ist sonderbar und erschreckend, was in meinem Gehirn wieder aufgerührt wird, wie die Schrift auf einem Briefumschlag Licht bringt in die dunkelsten Winkel der Erinnerung, wie Einzelheiten in Überschärfe hervortreten, die seit fünfzig Jahren nicht berührt worden sind. Ein zarter Lockruf – und schon steht alles parat. Alles ist immer anwesend, stumm, ungebraucht, aber anwesend, um in einem bestimmten Moment den Lebenslauf korrigieren zu wollen.“ (Seite 9) Kurz nach seinem 80. Geburtstag erhält der namenlose Ich-Erzähler einen Brief von Leo Himmelfarb, dem Juden, mit dem er 1942 im brasilianischen Urwald die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Indianerstämme erkundete. Eigentlich hatte er den Absender des Schreibens bereits seit Jahrzehnten tot gewähnt. Nun, mit dem Brief in der Hand, holt ihn das schlechte Gewissen ein, dass er die Aufzeichnungen des Ethnologen unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hat. „Ich war in seiner Sicht immer der deutsche Student, das verunglückte Resultat einer akademischen Dressur, unfähig, mich auf eine fremde Umwelt einzustellen, eine kraftlose Natur, die das Reine verehrte, weil sie vor allem Gemischten Angst hatte ...“ Je weiter ich in diesem Buch vordrang, desto dichter wurde es. Ich war begeistert davon, wie der Autor den Ich-Erzähler mal schuldbewusst und dann wieder sehr humorvoll seinen Blick zwischen sich selbst und Leo Himmelfarb hin und her wandern ließ. So entwickelte er vollendete Charakterisierungen – nicht nur von Menschen: „Es gab Bratwurst mit Kartoffelsalat, ein Gericht, das keiner der im Haus anwesenden Menschen mochte, aber einmal in der Woche gereicht wurde, weil Stanley (der Hund) gewissermaßen am Tisch essen durfte, obwohl er nach dem Essen der Wurst starke Blähungen bekam und mit schuldbewusster Gesicht Winde fahren ließ, die auch durch lauter geführte Unterhaltung nicht zu überhören waren.“ Michael Krüger, der 45 Jahre lang im Hanser-Verlag Schriftsteller verlegte, von denen mehrere in seinem Beisein den Nobelpreis entgegen nahmen, sagte einmal in einem Interview: „Mit einfachen 26 Buchstaben können wir Milliarden von Dingen machen. Aus diesen kleinen Dingern entsteht unser Blick auf die Welt. Wir fühlen, sehen und riechen, aber letztendlich sind es die Kombinationen dieser paar Buchstaben, die uns am Leben erhalten.“ Nicht nur als Verleger wusste er mit ihnen umzugehen, auch als Autor seines im Residenz-Verlag erschienenen Romans zeigt er seine Affinität zu den Buchstaben. Selbst kann er auf eine lange Liste von Gedichten und Romanen blicken, die er hoffentlich im (Un-)Ruhestand noch erweitern wird. Klare Leseempfehlung für den 1993 erscheinen Roman. Buchstabenakrobaten werden ihre Freude daran haben.

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