Nachricht an alle

von Michael Kumpfmüller 
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Mal zu derb, mal zu kopflastig, mal super, dann mau. Entlässt mich mit gemischten Gefühlen.

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Inhaltsangabe zu "Nachricht an alle"

»Wir stürzen ab, betet für mich.« – Der Vater, der diese Nachricht bekommt, ist Innenminister eines europäischen Landes, das gerade in eine schwere Krise stürzt. Während in den Büros Entscheidungen getroffen werden, beginnt sich an den Rändern der Gesellschaft eine Gruppe von Menschen zu regen, die auf den großen Schlag wartet. Streiks, soziale Unruhen und terroristische Bedrohungen lassen dem Minister zum Trauern keine Zeit. So kenntnisreich und packend ist in der deutschen Literatur lange nicht über unsere politische Gegenwart geschrieben worden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596158089
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.10.2009
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.01.2008 bei Bastei Lübbe erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Wolkenatlass avatar
    Wolkenatlasvor 9 Jahren
    Rezension zu "Nachricht an alle" von Michael Kumpfmüller

    Michael Kumpfmüllers Roman „Nachricht an alle“ beginnt mit einem tragischen Ereignis als quasi furioser Ouvertüre. Selden, der vermutlich in den U.S.A. weilende Innenminister eines wichtigen europäischen Landes (das nie näher genannt wird, aber ein Hybrid aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien sein könnte) erhält ein nächtliches SMS von seiner Tochter, das ihm mitteilt, dass sie in einem abstürzenden Flugzeug sitzt…

    Der eigentliche Roman beginnt erst danach. Kumpfmüller zeigt, wie sich Opposition und Medien auf dieses tragische Ereignis stürzen. Wie Aasgeier lauern sie auf die Gelegenheit, eine auch noch so kleine Schwäche des Ministers zu finden, um daraus eine Angriffsfläche zu kreieren und diese nach und nach aufzubauschen und ins komplett Irrationale zu steigern.

    In diesem Sumpf des Minister-Bashings finden nun diverse terroristische Gruppierungen einen wohltuenden Nährboden und entwickeln sich rasant. Sprayattacken neoliberaler Wichtigtuer, rassistische motivierte Übergriffe sowie Selbstmordattentate gehören bald zur Tagesordnung, die Lage der Nation wird immer dramatischer; während der Innenminister damit beschäftigt ist, sein Privatleben aus dem Blickfeld zu ziehen und zu ordnen.

    Da sich „Nachricht an alle“ locker liest, schafft Michael Kumpfmüller den Schein einer relativ leichten Lektüre, deren Sog mit Verlauf des Buches einen immer stärker in den Bann zieht. Erstaunt erkennt man, dass Kumpfmüller ein erschreckend mögliches Szenario einer Gesellschaft zeichnet, in der wir politische Ereignisse der europäischen Politik erkennen, die in diesem Zusammenhang einen erstaunlich anderen Ausgang nehmen. Dadurch und dank einer großartigen Figurenzeichnung erreicht er eine ganz besondere Art der Intensität, die mich während des Lesens teilweise in eher depressive Stimmung versetzt hat.

    Kumpfmüllers Protagonisten sind, egal ob wortkarger Sprayer oder eloquenter Minister, durchwegs überzeugend. Die von außen undurchdringliche Fassade des Ministers, hinter der sich ein zutiefst unglücklicher und liebesbedürftiger Mensch verbirgt, die zurückgezogene unterordnende und liebende Frau des Ministers, der alles checkende Berater, seine schwangere Frau, das Sprayerteam, sowie alle kürzer auftretenden die Handlung vorpeitschenden Akteure und Akteurinnen; mich haben sie alle überzeugt. Vielleicht deshalb, weil ich immer das Gefühl hatte, der Autor ist kein stiller, im Abseits stehender Beobachter und Erzähler, sondern ein aus dem Inneren seiner Protagonisten heraus agierender Erzähler.

    Gestört hat mich persönlich nur das lange (im Moment des Abstürzens geschriebene und versendete) SMS der Tochter des Ministers. Ich kann nicht wirklich glauben, dass jemand, der dabei ist, abzustürzen (und auch noch Empfang hat…), ein langes SMS schreibt und nicht, wenn der Absturz schon so lange dauert, einfach die Nummer wählt.

    Trotz dieses Moments im Prolog, der sich letztendlich nur als Startschuss für den Roman entpuppt, ist „Nachricht an alle“ ein beeindruckender Roman. Beeindruckend, weil Kumpfmüller auf unprätentiöse Weise viel tiefer in die Essenz unserer Gesellschaft vordringt als man beim Lesen zuerst vermutet. Er zeigt ohne moralisierenden Zeigefinger auf, wo wir uns hinbewegen und lässt Hoffnung durchschimmern.

    Dass Michael Kumpfmüller im Epilog noch einen draufsetzt und diesen Roman äußerst originell ausklingen lässt, ist dann schon eine mit Dank angenommene Zugabe.

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    Beusts avatar
    Beustvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Mal zu derb, mal zu kopflastig, mal super, dann mau. Entlässt mich mit gemischten Gefühlen.
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    11heutevor 2 Jahren
    Marduks avatar
    Mardukvor 6 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
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    Scribblevor 9 Jahren
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    Die Buchprüferinvor 9 Jahren
    B
    Bachblütevor 9 Jahren
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    beatevor 10 Jahren

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    Pressestimmen

    'Sehr spannend! Kumpfmüller weiß, wie Politiker leben.'

    Elke Heidenreich, Lesen!

    Ausgezeichnet mit dem Alfred-Döblin-Preis 2007

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