Michael Laczynski

 4.6 Sterne bei 7 Bewertungen

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Fürchtet euch und folgt uns

Fürchtet euch und folgt uns

 (6)
Erschienen am 06.03.2017
Augen auf und durch

Augen auf und durch

 (1)
Erschienen am 06.03.2018

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Rezension zu "Augen auf und durch" von Michael Laczynski

Gebrauchsanweisung für unruhige Zeiten
Sikalvor 7 Monaten

 

Michael Laczynski, geb. 1973 in Warschau, war langjähriger EU-Korrespondent der Tageszeitung „Die Presse“ in Brüssel und berichtet derzeit aus der Wiener Presse-Redaktion über Europa-Themen. Mit seinem Buch „Augen auf und durch – Gebrauchsanweisung für unruhige Zeiten“ verweist er auf tagesaktuelle politische Themen ebenso wie auf gesellschaftliche Veränderungen.

 

Das Buch ist in einzelne Kapitel gegliedert, gut strukturiert und bietet ein breites Spektrum an Themen und Anregungen für kritisches Denken. Im Kapitel „Ich bin ein Experte. Holt mich hier raus!“ zeigt Laczynski auf, wie sich das Expertentum im Laufe der Zeit veränderte und dass deren Meinung nicht mehr zählt als die des Otto-Normalverbrauchers. Doch er zeigt nicht nur die einzelnen Themen auf, sondern begründet diese. Er erwähnt hier z.B. den Dunning-Kruger-Effekt: „Je inkompetenter ein Gesprächspartner, desto eher tendiert er dazu, sein Wissen zu überschätzen und die Expertise seines Gegenübers zu ignorieren.“ Der Effekt tritt häufiger seit dem Zeitalter des Internet und der sozialen Netzwerke auf – immer mehr Menschen haben jederzeit zu allem eine Meinung, dafür wenig Ahnung … Entgegensteuern kann man hier lt. Laczynski mit zwei wirkungsvollen Methoden: Das Niveau der Diskussion auf jenes der Empfänger zu schrauben, um diesem diverse Inhalte zu vermitteln oder man wird zum Ideenguru und hat das Talent, eine Theorie herausragend zu präsentieren und Diskussionen nicht zuzulassen (Populisten).

 

Der Autor zeigt auch auf, was ein Troll ist, wie diese agieren und wie man es zum „zertifizierten Troll“ schafft. „Andersdenkenden mit Unverständnis und abschätziger Haltung zu begegnen – was eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Trollen ist.“ (dazu fällt mir doch gleich die eine oder andere Person ein). Doch jeder hat die Chance, ein Troll zu werden. Dafür muss man außer viel Zeit mit Verbündeten im Internet zu verbringen, negative Gefühle verstärken, sich rhetorische Grundtechniken aneignen und Ablenkungsmanöver üben.

 

Ebenso hebt der Autor noch hervor, wie es mit den Bildern im Kopf funktioniert, welche Auswirkungen es teilweise hat, bestimmten Sachverhalten einen besonderen Rahmen zu geben. Hier werden einige Beispiele genannt, wie auch die Bedeutung der Wörter „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ – wer gibt denn nun wirklich Arbeit? Das Unternehmen oder der Arbeiter? Solche interessanten Denkansätze findet man während des Lesens sehr häufig und man merkt auch, dass man selbst bereits die ein oder andere manipulative Wortwahl verinnerlicht hat – ganz im Sinne des Manipulators.

 

Laczynski hält auch einen Leitfaden für Diskussionen bereit, in dem in acht Punkten einige Hilfestellungen aufgezeigt werden. Manche finde ich durchaus brauchbar, um diese mal auszuprobieren, einige kann man auch mit etwas Hausverstand selbst hervorkramen – was aber in der Natur der Sache liegt, ist wohl, dass die eigenen Erwartungen oftmals zu hoch geschraubt werden (man kann aus Rechtsradikalen keine Linksliberalen machen).

 

Außerdem findet man einiges über die Medien und über die Tendenz, diesen Meinungsmachern alles abzukaufen, weil kaum jemand bereit ist, selbst zu recherchieren und Dinge zu hinterfragen.

 

Das Buch ist sehr gut geschrieben, manches Mal musste ich durch zu lange Schachtelsätze einige Absätze mehrmals lesen. Doch das finde ich nun nicht weiter schlimm, weil der Autor immer mit einem Augenzwinkern schreibt und man trotz der wichtigen und ernsten Themen einige Male schmunzeln muss. Wer sich jetzt die ultimative Lösung erwartet oder allzu viel Neues wird enttäuscht sein, für Leser, die gerne mal einen Denkanstoß bekommen, ist das Buch interessant zu lesen.

 

„Wir sollten die Augen offen halten und nach dem goldenen Mittelweg zwischen passivem Zynismus und naiver Realitätsverweigerung suchen. Es gibt ihn immer noch. Auch in unruhigen Zeiten.“

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Gartenkobolds avatar

Rezension zu "Fürchtet euch und folgt uns" von Michael Laczynski

stürmische Zeiten
Gartenkoboldvor einem Jahr

Klappentext: Was verbindet Frankreichs Front National mit Großbritanniens Brexit-Befürwortern, mit Polens Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“, Deutschlands AfD und dem griechischen Linksbündnis Syriza? Welche Gemeinsamkeiten haben Boris Johnson, Frauke Petry, Heinz- Christian Strache und Beppe Grillo? Sie inszenieren sich als Rebellen gegen das Establishment, versprechen einfache Lösungen für komplexe Probleme – und nutzen die Sorgen ihrer Anhänger als Rohstoff für politischen Erfolg. Angst vor Fremden, Angst vor dem materiellen Abstieg, Angst vor dem gesellschaftlichen Wandel und Angst vor dem Diktat abgehobener Eliten sind die vier wichtigsten Bausteine des europäischen Populismus. Michael Laczynski, EU-Korrespondent der Tageszeitung Die Presse in Brüssel, zeigt, wie Populisten diese Ängste nutzen, um auf Stimmenfang zu gehen, wer die Menschen sind, die ihnen vertrauen, und was gegen ihre Politik unternommen werden kann. Die Reise führt von London über Paris und das Brüsseler Europaviertel bis in die Ghettos von Kopenhagen und die Vororte von Warschau.
Nachdem Präsident Trump gewählt wurde, haben die Wahlforscher Ergebnisse vorlegt, nachdem frustrierte, ältere weiße Männer ohne Collegeabschluss Trump gewählt haben, als ich anfing, zu lesen, stieß ich wiederum auf diese Aussage : "Männlich, weiß, unterdurchschnittliches Bildungsniveau, überdurchschnittliches Alter, das sind die Attribute des stereotypischen UKIP-Wählers..." obwohl der Autor diese Aussagen in späteren Kapiteln relativiert, aber, es bleibt haften. Dass ebenso die Mittelschicht große Ängste hat, erlebe ich selbst auch und auch einigen meiner Nachbarn geht es ähnlich, aber wähle ich darum Rechtspopulisten? Nein, ganz bestimmt nicht.
Rechtspopulisten teilen die Gesellschaft in zwei homogene Gruppen, das Volk und die sogenannte „korrupte Elite“ und das nutzen sie als Schlagworte. Auch unsere Politiker gehen nicht auf unsere Ängste ein, auch ich fühle mich manchmal verraten und verkauft, aber wähle ich deshalb Rechtspopulisten, nein, ich glaube, es steckt noch viel, viel mehr dahinter.
Im Buch wird sehr gut das Beispiel Dänemark beschrieben und ja, wir müssen alle zusammenstehen und helfen, damit Integration gelingen kann, diese kann nämlich dann schon nicht funktionieren, wenn wir Immigranten in eigens dafür gebaute „Ghettos“ umziehen, wenn wir nicht genügend Sprachkurse anbieten, wenn Immigranten wegen ihres „nichteuropäischen“ Aussehens angepöbelt werden. Ich selbst bin in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich tätig und kenne nur Einzelschicksale, aber die von mir betreuten Kriegsflüchtlinge tun alles dafür, hier in friedlicher Existenz mit den deutschen Nachbarn zusammenzuleben, nein, sie verleugnen sich deshalb nicht….
Das Buch regt zum Nachdenken an und meines Erachtens steckt noch viel mehr dahinter, obwohl selbst oft im www, sehe ich eine ganz große Gefahr bei den Beiträgen der sozialen Netzwerke, in die jeder immer unverhohlener Rassismus und Hass gegen Minderheiten propagieren kann, Falschmeldungen verbreiten und zur Hetzjagd aufrufen kann. Und auch das sind nur die Spitzen des Eisbergs.
Wir alle hier in Europa sind auf dem Weg in stürmische Zeiten, der internationale Terrorismus wird bedrohlicher, aber wir als Gesellschaft dürfen uns die Zügel von den Rechtspopolisten nicht aus der Hand nehmen lassen.
Ach ja, die Lektüre war manchmal erfrischend humorvoll, trotz des ernsten Themas.

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Rezension zu "Fürchtet euch und folgt uns" von Michael Laczynski

Ein gutes Werk zum Thema Populismus, als Einstieg prima geeignet.
Wedmavor einem Jahr

Klappentext beschreibt den Inhalt sehr treffend.

Auf rund 200 Seiten, recht eng bedruckt und mit viel Text versehen, in acht Kapitel aufgeteilt, erzählt uns der Autor seine Sicht der Dinge, was Populisten und ihre Politik angeht. Er liefert nicht nur tiefergehende Analysen des politischen Geschehens in der jüngsten Vergangenheit und heute in Europa und z.T. USA, sondern auch seine Erklärungen, warum die Populisten heute so einen beachtlichen Zulauf genießen.

Am Anfang gibt es eine gute Definition, gefolgt von Merkmalen des Populismus. Auch die Kernthemen, mithilfe deren die Populisten die Massen in Angst und Schrecken versetzen und hinter sich scharren, wie Zuwanderung, Terror, Verlust der nationalen Identität, Verhältnis zu andern Nationen, (In-)Toleranz ggü. anderen Kulturen und Religionen, Feminismus, Homosexualität, usw. sind eingehend, anhand von etlichen Beispielen beschreiben und analysiert worden. Zielgruppen, die Populisten ansteuern, wurden ausführlich dargelegt, auch eine Art Erklärung geboten, warum gerade diese Menschen: männlich, kaum Bildung, erfolglos im Beruf, unzufrieden im Leben, etc., geneigt sind, den Populisten ihre Stimme zu geben.

Die Rolle der Populisten beim  Zustandekommen des Brexit wurden ebenso eingehend analysiert wie der Erfolg der Populisten in Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Niederlanden, Polen, etc.

Einige Ausführungen waren besonders interessant. Dänemark als Flaggschiff der Entwicklungen in Sachen Integration fürs ganze Europa: Wie die Einheimischen durch ihren Zusammenhalt und Solidarität den Problemen der heutigen Zeit trotzen, aber auch gleichzeitig schwer für die Einwanderer machen, sich zu integrieren und Fuß in dieser Gesellschaft zu fassen. Und einige Gruppen der Einwanderer, die zwar die Vorteile des dänischen sozialen Netzes genießen, die das Land jedoch verachten. Wenn das die Vorlage zur gesamteuropäischen Entwicklung sein soll…

Der Schreibstil ist wohl geübt und angenehm, aber die Inhalte sind schon auf so einem Niveau, dass man da gern in Volkswirtschaft, Statistik und Politik bewandert sein müsste, um in vollen Genuss der Ausführungen zu kommen. Manchmal sind die Ergebnisse der Befragungen oder andere Auswertungen der politischen Natur so ausführlich mit all den Prozentangaben dargelegt worden, oder gerne in die Geschichte, zu Marx, Keynes &Co., zur wirtschaftlichen Entwicklung von USA abgeschweift, dass man gerne Pause einlegen möchte. Es ist kein Nachteil, denn bei so einem Stoff sind Pausen eine Notwendigkeit, um die Frische der Wahrnehmung wieder zu erlangen.

Zum Schluss gibt es kurze Unterkapitel „Was tun gegen Populismus“ und „Die Kraft des Pragmatismus“. Dort wurden zarte Versuche unternommen, Antworten zu den o.g. Punkten zu finden.

Fazit: Wer sich für das Thema Populismus in Europa interessiert, kann hier gut zugreifen. Das Buch hält, was der Klappentext verspricht, größtenteils. Es wurden einige gewichtige Faktoren nicht untersucht oder nicht (im erforderlichen Umfang) angesprochen, die aber durchaus bei der Verbreitung des Populismus eine Rolle spielen und im Zusammenhang mit anderen, im Buch genannten Faktoren, eine solide Grundlage für die geschickten Selbstdarsteller bilden. Aber alles in allem ist es ein gutes Werk, als Einstieg ins das Thema prima geeignet.

 

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

Was verbindet Frankreichs Front National mit Großbritanniens Brexit-Befürwortern, mit Polens Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“, Deutschlands AfD und dem griechischen Linksbündnis Syriza? Welche Gemeinsamkeiten haben Boris Johnson, Frauke Petry, Heinz- Christian Strache und Beppe Grillo?
Sie inszenieren sich als Rebellen gegen das Establishment, versprechen einfache Lösungen für komplexe Probleme – und nutzen die Sorgen ihrer Anhänger als Rohstoff für politischen Erfolg. Angst vor Fremden, Angst vor dem materiellen Abstieg, Angst vor dem gesellschaftlichen Wandel und Angst vor dem Diktat abgehobener Eliten sind die vier wichtigsten Bausteine des europäischen Populismus.

Michael Laczynski, EU-Korrespondent der Tageszeitung Die Presse in Brüssel, zeigt, wie Populisten diese Ängste nutzen, um auf Stimmenfang zu gehen, wer die Menschen sind, die ihnen vertrauen, und was gegen ihre Politik unternommen werden kann. Die Reise führt von London über Paris und das Brüsseler Europaviertel bis in die Ghettos von Kopenhagen und die Vororte von Warschau.

Michael Laczynski

geboren 1973 in Warschau, ist Korrespondent der Tageszeitung Die Presse in Brüssel. Er studierte in Wien und Tokio, berichtete für die Austria Presse Agentur aus Japan, war Mitbegründer des Kulturmagazins Touristen und leitete das Osteuroparessort des Wirtschaftsblatts. Als Mitglied der EU-Redaktion der Presse wurde er 2015 mit dem Europa- Staatspreis der österreichischen Bundesregierung ausgezeichnet.


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