Michael Lamberty

 4,5 Sterne bei 14 Bewertungen

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Cover des Buches Der Vorleser, neue Rechtschreibung (ISBN: 9783860726136)
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Rezension zu "Der Vorleser, neue Rechtschreibung" von Michael Lamberty

Steve91
Kurzweilige Erzählung über Scham, Schuld und ein Versuch der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser" wurde 1995 veröffentlicht und beschäftigt sich mit der Liebesbeziehung des 15 jährigen Michael mit der rund 20 Jahre älteren Hanna. Ihre Beziehung ist geprägt von geheimen Treffen und davon, dass Michael Hanna aus Büchern vorliest. Irgendwann verschwindet Hanna und Michael, mittlerweile Jurastudent, trifft sie als Angeklagte in einem Prozess wieder, in dem sie sich für Kriegsverbrechen verantworten muss, die sie im Zweiten Weltkrieg begangen hat.
Während des Prozesses erkennt Michael Hannas belastendes Geheimnis: sie ist Analphabetin und würde lieber lebenslänglich ins Gefängnis gehen, als in der Öffentlichkeit einzugestehen, dass sie nicht lesen und nicht schreiben kann.
So kommt es und aus Scham und Schuldgefühlen beginnt Michael, ihr weiterhin Bücher vorzulesen und ihr diese auf Kassetten ins Gefängnis zu schicken. So bleiben die beiden über Jahrzehnte verbunden und werden mit ihrer eigenen Vergangenheit und der Suche nach Vergebung konfrontiert.

Während des Prozesses und auch in den Überlegungen von Michael sehen wir uns mit Fragen der Scham, der Moral, der Schuld und der Sühne und der Verantwortung der Menschen für ihre Taten konfrontiert. Dies spinnt sich von der Kriegs- und Nachkriegsgeneration Deutschlands im und nach dem Zweiten Weltkrieg über die Frage, inwieweit man Geheimnisse von Menschen verraten darf, wenn diese es nicht wollen, selbst, wenn man weiß, dass man ihnen so größeres Leid ersparen kann.
Diese Überlegungen sind teilweise philosophisch und letztendlich zerbrechen sowohl Michael als auch Hanna an ihrer Schuld und ihren Geheimnissen. Michael exemplarisch für das Individuum in der Gesellschaft, Hanna für die Gesellschaft an sich. 

Schlinks Schreibstil ist dabei nicht immer leicht zu folgen. Dennoch schafft er es, den Leser zu fesseln und mit seinen kurzen Kapiteln und genauen Beobachtungen in seinen Bann zu ziehen.

Ein lesenswertes Buch, das nachdenklich macht. 

Cover des Buches Der Vorleser, neue Rechtschreibung (ISBN: 9783860726136)
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Rezension zu "Der Vorleser, neue Rechtschreibung" von Michael Lamberty

Ramensuchti
Überraschend

Nachdem wir das Buch eher ungewollt im Deutschunterricht aufgedrückt bekommen haben, kann ich überrascht feststellen, das das Buch sehr intellektuell und überzeugend geschrieben ist. Schlink hat alte und neue Themen auf eine Art und Weise verknüpft, die das Buch immer noch aktuell machen.


Auf jeden Fall ein Klassiker, dem man definitiv mal gelesen haben soll.

Cover des Buches Der Vorleser, neue Rechtschreibung (ISBN: 9783860726136)
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Rezension zu "Der Vorleser, neue Rechtschreibung" von Michael Lamberty

AmirasBibliothek
Schwere Kost ganz leicht verpackt

Ich habe schon oft Leute über das Buch reden hören, allen voran damalige Schulkameraden, die das Buch lesen "mussten". Das Feedback war nicht immer positiv. Worum es in seiner Gänze geht, war mir nicht klar und habe ich erst jetzt verstanden. Ich verstehe die zwiespaltigen Meinungen, denn das Buch schockiert wirklich. Es zwingt einen zu Gedanken, die man in der Art vielleicht noch nicht hatte, aus der eigenen Komfortzone hinaus. Wie hätte ich mich verhalten? Sind wir alle schuldig? Gibt es eine Kollektivschuld? Kennt Liebe Grenzen? Kann Liebe, wahre Liebe, jemals falsch sein? 


Der Erzähler, Michael Berg, lässt uns an seinen Gedanken, wohlgemerkt zehn Jahre später, teilhaben und so oft fühlte ich mich ertappt: Es mögen nur kleine, unbedeutende Gegebenheiten aus dem Alltag sein, aber ich wusste meistens sofort, was er meinte, welches unbeschreibbare Gefühl er versucht in Worte zu fassen.


Wir teilen mit Michael und Hanna viele intime Momente, aber durch den zeitlichen Abstand der Niederschrift wird Distanz geschaffen und außerdem werden die Szenen nicht wie ein Ablauf erzählt, sondern es werden eher bedeutende Details in den Raum geworfen, die man nicht mehr vollständig zusammenbasteln kann. Damit war ich mehr als zufrieden, denn wahrscheinlich gehöre ich wie ein Großteil der restlichen Leser zu der Fraktion, die die Beziehung ein wenig befremdlich findet und nicht nachvollziehen kann. Hat sich dieses Gefühl mit der Zeit gelegt? Nun ja, unser Protagonist geht sehr offen mit seinen Gefühlen um und wirkt sehr reif für sein Alter, schon mit 15. Deswegen war es nach den ersten Zusammentreffen der beiden nur noch eine ungewohnte Situation, aber nicht mehr befremdlich.


Hanna wirkte aber schon von Anfang an nicht sympathisch, was dahingehend gedeutet werden kann, dass zum einen die sexuelle Anziehung im Vordergrund steht und auf der anderen Seite erst rückblickend von dem Kennenlernen berichtet wird, wenn Michael Hanna selbst nicht mehr nahe steht. 


Als die NS-Thematik hinzukam, habe ich mir zuerst gedacht, es sei zu viel, weil die Beziehung an sich schon was zu kauen ist. Aber dann dachte ich mir, dass man im Leben ja auch meistens mehr als ein Gepäckstück mit sich rumträgt und es Hanna nur realer macht, wenn sie eine Geschichte hat. 


Mir gefällt ganz besonders, dass die Geschichte nicht mit Bilderbuch-Charakteren herausstechen möchte. Das Leben der beiden ist nicht perfekt, dafür aber sehr realistisch. Es könnte so wirklich passiert sein, weswegen ich das auch erstmal nachgelesen habe. Das ist aber offenbar nicht der Fall.

Was mich aber etwas gestört hat, war, dass so viele rhetorische Fragen in den Raum geworfen werden und zu sehr, meiner Meinung nach, für ein kollektives Schuldgefühl plädiert wird.


Ich bin überzeugt davon, dass sich das Buch sehr gut als Schullektüre eignet, allerdings lenkt die Thematik im Fach Deutsch vielleicht zu sehr von literarischen Gesichtspunkten ab, da die KZ-Thematik schon genug Diskussionsstoff bietet. Ich schlage vor, dass man es in Partnerschaft mit dem Geschichtsunterricht behandelt. Denn wenn man die Lektüre schon mit den Schülern durchnimmt, sollte man sie nicht allein stehen lassen. Das Buch verdient es, ordentlich auseinadergenommen zu werden.

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