Offene Unruh

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Inhaltsangabe zu „Offene Unruh“ von Michael Lentz

Michael Lentz, » unter den wichtigsten jungen deutschen Schriftstellern der rasanteste« (Felicitas von Lovenberg, F.A.Z.), schreibt über die Liebe, als sei noch nie darüber geschrieben worden. Selbstbewusst und subversiv, leidenschaftlich liebeswund, verführerisch, so dass dem Liebenden das tausendfach Gesagte neu erscheint. Wann ist das letzte Mal so ungestüm und offen von der Unruhe, die wir Liebe nennen, gesprochen worden?

Die Gedichte sind auf jeden Fall eine Herausforderung. Weiß noch nicht genau, in welche Richtung. Werd ich noch einmal lesen müssen.

— Rimbach
Rimbach

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  • Rezension zu "Offene Unruh" von Michael Lentz

    Offene Unruh
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    29. July 2011 um 12:01

    Seit den 1979 erschienenen "Liebesgedichten" von Erich Fried, die sich in den Folgejahren 150.000 mal verkauften, hat ein Band mit Liebesgedichten nicht mehr einen solchen Erfolg gehabt wie das vorliegende kleine, in jede Handtasche passende Büchlein von Michael Lentz "Offene Unruh".

    In zehn Zyklen ("du bleibst" und "gar kein gestern mehr" sind die ersten beiden überschrieben) hat der fünfundvierzigjährige Lentz hundert Gedichte zusammengefasst, von denen eines schöner ist als das andere. Viele lesen sich auf den ersten Blick wie Gelegenheitsverse und zeigen doch bei näherem Hinschauen eine ausgeklügelte Struktur. Andere wiederum betonen die formale Strenge und erschließen ihren emotionalen Gehalt erst spät.

    Das Gedicht, das mich persönlich am meisten angesprochen hat, sei hier zitiert auch als ein Beispiel für die Lyrik von Michael Lentz, von der man auch in einigen Jahren noch sprechen wird:

    "ich bin trunken
    von klarem wasser
    und das wasser macht mich trunken
    wie dein klares wort

    und dein wort
    macht mich rasen und ich rase
    auf der stelle gegen mich

    ich bin nur ein bisschen
    und es wird dir ein leichtes
    mich ganz zu schlucken
    so dicht hänge ich neben dir

    ich dörre ich falte ich fetze
    ich versenge nach dir

    und du quälst mich
    du weißt es besser

    ich bin trunken
    und du hältst mich hin
    und du hältst mich

    ich bin es
    dein freund happen

    der nichts verrät"

    Eine wahre Schatzkiste wunderbarer Liebes-Lyrik.

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  • Rezension zu "Offene Unruh" von Michael Lentz

    Offene Unruh
    Odonata

    Odonata

    10. March 2010 um 15:59

    Lentz ist ein Beobachter. Lentz ist ein Kenner. Lentz ist ein Könner. Lentz ist ein Wortspieler. Lentz ist ein Fingerwundenleger. Lentz ist ein Gefühlsnenner. Lentz ist ein Gefühlsverdichter. Lentz ist ein Gedankentreffer. Lentz ist ein Ichseher. Lentz ist ein Ichversteher. Lentz ist ein Situationseinfänger. Lentz ist ein Aufdenpunktbringer. Lentz ist ein Liebesdurchschauer. Lentz ist ein Kommunikationsanalytiker. Lentz ist ein Klarblicker. Lentz ist ein Befindlichkeitssammler. Lenz ist ein Lebenssezierer. Lentz ist ein Wehtuer. Lentz ist ein Zweifelspezialist. Lentz ist ein Innenlandkartograf. Lentz ist ein Momentaufspürer. Lentz ist ein Wahrheitenfinder. Lentz ist ein Wahrheitenerfinder. Lentz ist ein Herzjäger. Lentz ist ein Zeitversteher.

    Lentz ist all das, wenn er in seinen Gedichten fordert: „willst du nicht einfach gegenwart sein / und nichts erwarten“ und uns erklärt: „wovon ich fühle weiß ich genau / und kann es doch nicht sagen“ und konstatiert: „aufräumen ist so eine stehen gebliebene sache // alleinsein ist auch nichts weiter / als realität“ und klarmacht: „jeder moment ist / rückblick schon / ein bündel hängender rosen“ und bemerkt: „ewig spielt die brandung / dasselbe lied / mit den räumen die geträumt sind / mit den träumen die geräumt sind“ und zugibt: „ich liebe die vorstellung dich zu lieben“ und über das Schweigen schmerzlich zu erzählen weiß: „keine antwort ist nicht auch eine antwort / keine antwort ist der freie fall // dein schweigen – so viele stimmen / die ohrenbetäubend sind / dein schweigen macht dich ganz an / wesend passierst nur du / denn da ist keine stelle / die dich nicht hört“ und dann ganz unschuldig fragt: „was soll ICH denn sagen?“, denn er weiß ja: „über das sprechen sprechen / und nichts zu sagen haben / und das auch noch zum gegenstand einer mitteilung machen / und tage braucht es wieder aufzutauchen / und reiner tisch zu sein //… ein missverständnis gewiss aber wo / fängt es an? und wo hört es auf? / der eintritt in die sprache – mit jedem gespräch / macht sprachlos“ und dennoch nutzt er die Sprache, um die Abhängigkeiten zu verdeutlichen: „du meine black box / mein sprengstoff / mein geheimprinzip“ und „ich bin dein eingeschriebener text und du sagst mich auf und du veranderst mich / du schüttest mich aus ver / wackelst mich / … reißt mich auf / und auseinander“ und am Ende festzuhalten, was einzig wahr ist: „und du lebst / und du lebst / und du lebst vor dich hin / du beobachtest dich / und der Satz beobachtet dich auch.“

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