Michael Lentz Pazifik Exil

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Inhaltsangabe zu „Pazifik Exil“ von Michael Lentz

Viele Intellektuelle und Künstler flohen während der Herrschaft der Nationalsozialisten ins Exil an die amerikanische Pazifikküste. Michael Lentz findet mit den Mitteln der Erinnerung und der Fiktion dieses Leben wieder, in dem jeder Blick an der Vergangenheit haftet, die Gegenwart des Exils aber im Zeichen der Verunsicherung steht: Franz Werfel überquert die Pyrenäen; Brecht verabschiedet sich im Gedicht von einer verstorbenen Mitarbeiterin; Feuchtwanger streitet sich im Geiste mit Thomas Mann über Pelikane und entdeckt seltsame Zeichen in seiner Bibliothek; Thomas Mann wimmelt einen Reporter ab, der in sein Haus geschlichen ist; Schönberg trauert einem verliehenen Sessel nach, den er längst zurückbekommen hat; Heinrich Mann bleibt nach dem Tod seiner Frau Nelly allein zurück.

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    Pazifik Exil

    dominona

    19. October 2014 um 16:01

    Tja, manche Bücher sind wie die Weltmeisterschaft im Gewichtheben, da kommt immer mehr dazu, ach ein bisschen geht noch, und plötzlich ist es zu viel. Die Idee, das Exil-Dasein einfangen zu wollen, indem man bekannte deutsche Schriftsteller, die es allesamt wirklich zur Zeit des Dritten Reichs ins Exil zog, am Pazifik zusammen kommen lässt, ist gut. Man kann historisch genau bleiben, hier und da aus Werken und Originaldokumenten zitieren und dann passt das schon. Leider nicht, denn es verkommt zu einer Art Puppentheater, literarisch hochwertig zwar, aber dennoch nur eine Skizze, ein Versuch mit schalem Nachgeschmack.

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  • Rezension zu "Pazifik Exil" von Michael Lentz

    Pazifik Exil

    Buecherkai

    06. February 2010 um 09:40

    "Exilliteratur" ist ein feststehender Begriff. Ihr Personal ist klar definiert, die Geschichten der Beteiligten - Geschichten von Flucht, Vertreibung, Heimkehr - tausendfach erzählt. Was sollte Neues erzählt werden über Brecht, Werfel, Feuchtwanger, Schönberg, die Manns? Erzählt werden sollte mit ihren Stimmen, und durch die Stimme eines Autors fernab der Generation der Exilanten, von Verlust von Heimat und Sprache, von Erfolglosigkeit und Welterfolg, von Versuchen und Scheitern, von Lust und Frust. Michael Lentz hat sich dieser Aufgabe angenommen und einen wunderbar vielstimmigen Roman über das Exil unter der Sonne Kaliforniens geschrieben, die Wärme war für die Einen und Gluthölle für die Anderen. Ein Buch voller Humor und sprachlicher Brillanz.

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  • Rezension zu "Pazifik Exil" von Michael Lentz

    Pazifik Exil

    JulienS

    21. October 2008 um 17:46

    Die Moderne seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Unruhe der Welt widerzuspiegeln hatte. Die Literatur wurde ein Experiment, weil das Leben nichts anderes mehr zugelassen hat. Thomas und Heinrich Mann, Bert Brecht, Arnold Schönberg, Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel, die Feuchtwangers gehören zu den Künstlern, die dieses Experiment – unfreiwillig – von der Kunst auf das Leben ausweiten mussten. Sie ließen alles in Deutschland zurück, nicht nur ihren materiellen Besitz, nicht nur ihre Freundschaften, auch die Sicherheit innerhalb eines Raumes, der ihre Kunst als Bestandteil einer Gesellschaft akzeptierte. Sie verließen die Heimat, die Sprache und natürlich auch die Pläne und Aussichten, die sie für ihr weiteres Leben hatten. Ein absehbares, jetzt ungelebtes Leben blieb zurück, alles war neu und anders. Die Regeln galten nicht mehr. So gesehen wird nicht, wie sonst üblich, aus dem Leben Literatur, sondern umgekehrt wurde aus Literatur das Leben. Wie die Literatur war das Leben zum Experiment geworden. Eine Lyrikerin (Helga Novak) antwortete einmal auf die Frage, was Heimat sei: Das Gedicht ist Heimat. Das ist sozusagen der literaturhistorische oder –theoretische Überbau von Pazifik Exil. Das Große an dem Buch von Michael Lentz ist nun aber, dass er es schafft, es nicht zu sagen, nicht zu erklären, nicht zu deuten, sondern es zu bebildern, zu erzählen. Die Leere, die Hoffnungslosigkeit, die Heimatlosigkeit, auch die daraus entstehende Absurdität wird erzählt. Brecht ist eingeladen zu einem Empfang bei einem reichen Geschäftmann in Beverly Hills. Alles ist elend, falsche Kunst an den Wänden, Neogotische Säulen am Hauseingang, oberflächliche, eitle Gespräche bei Kanapees. Der weltgrößte lebende Dramatiker, der auch weiß, das er das ist, steht an der Tür und wird gefragt: „What’s your name?“ – „Brecht“, sagt er. – „Could you please spell it?“ Die in Europa errungene Bedeutung dieser Leute, die ja nicht nur Wichtigtuerei ist, sondern mit der sie als Person, mit ihrer Arbeit und mit ihrem Leben einstehen, ist hier völlig bedeutungslos. Was für diese Leute zählte wird wunderbar deutlich in einer Schönberg-Geschichte: Der hatte einen Sessel, seinen Lesesessel, an Thomas Mann verliehen und ihn irgendwann zurückbekommen. Nun stimmt etwas nicht mehr mit diesem Stuhl, eine Feder, so meint er, habe sich verschoben. Dieser Sessel, in dem er einen Rest Heimat zu finden geglaubt hatte, passt nicht mehr, drückt an den falschen Stellen, hat an anderen ein unerwartetes Loch. Aus solchen lächerlichen und nur scheinbar harmlosen Momenten entzündet sich dieses poetische, eindringliche und traurige Buch. Lentz leiht allen Protagonisten seine Stimme, sie reden, sie denken, monologisieren, erinnern und phantasieren, halten sich fest an bis zur Absurdität obskuren Kleinigkeiten, sie wanken, suchen Halt und machen eine unglückliche Figur. Das Leben, ein scheiterndes Experiment, wir sind dabei und erleben, was Exil heißt. Das Buch von Michael Lentz endet mit einem Kapitel, in dem Katia Mann sich erinnert. Sie lebt in Kilchberg bei Zürich, Ende der Fünfziger Jahre, alle, mit denen sie zu tun hatte, sind tot. Alle auch, von denen dieses große Buch handelt. Sie denkt an die letzten Tage mit Thomas, wie er nie wieder ganz ankam in Europa und wie er starb. Auf seinem Nachttisch ein Buch von Ovid, der sein Lebensende im Exil am Schwarzen Meer verbringen musste. Die Lieder der Trauer. Beim Durchblättern fällt ihr eine mit Bleistift markierte Stelle auf – und so endet Pazifik Exil: „Sicher befreit mich der Tod, wenn er kommt, aus meiner Verbannung, doch auch der Tod, kann mich nicht befreien. Drum ist’s nicht zu verwundern, wenn nun meine Seele dahin schmilzt und nach Art des Schnees wie Wasser vergeht.“

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  • Rezension zu "Pazifik Exil" von Michael Lentz

    Pazifik Exil

    Olabesny

    27. February 2008 um 21:25

    Stellenweise glänzend geschrieben, aber es stört mich, dass ich nicht weiß, was Fiktion und was wahr ist. War Brecht wirklich auf dieser Party und so mürrisch? Und was war mit den anderen?

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