Elf Geschichten sind in diesem schmalen Bändchen versammelt. Und ohne übertreiben zu wollen, kann ich sagen, dass jede Story für sich genommen ein Kleinod auf dem Gebiet der Phantastik ist. Michael Leuchtenberger versteht nicht nur sein Handwerk, er weiß seine Werkzeuge auch zu nutzen, um uns aus der Welt des Alltags in seine unwirklichen Sphären zu führen. Unwirklich – mit diesem Wort lässt sich die Atmosphäre der meisten Geschichten wohl am Besten beschreiben.
Gleich in der ersten, der preisgekrönten "Am Ypsilon links", begleiten wir einen Jungen aus der dörflichen Normalität in einen Wald, wo ihn ein geheimnisvolles Mädchen begegnet. In "Kohlmanns Spielwaren" entdecken einige Kinder einen Automaten mit kleinen Spielzeugen, wobei die ganze Geschichte ein Hauch Nostalgie umweht. Meine Favoriten in dem Band sind "Wildwasser" und "Die Kapsel", die erste Geschichte lässt den Besuch in einem Freizeitpark zu einem wahren Horrortrip mutieren, die andere besticht durch eine leise Melancholie. Leuchtenberger genügen hierbei ein paar Pinselstriche, um Landschaften und Stimmungen zu erzeugen. Mit "Der Denunziant" bietet er uns eine moderne Variation poe-esken Grauens. Horror pur und wieder ausgehend von einer allzu profanen Normalität – hier in den Räumen eines Startups.
Mir fiel auf, dass die Figuren im Kindesalter meist auf eine Reise mitgenommen werden – mal freiwillig, mal unwillentlich. Entgegen die Erwachsenen an einem Ort gefangen scheinen, von dem selten die Flucht gelingt. Bestenfalls kann man sich mit diesem Ort arrangieren. Vielleicht verleiht dieser Umstand den Kurzgeschichten diese Melancholie, die zugleich deren Charme ausmacht. Klare Empfehlung!










