Michael Lewis Boomerang

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Inhaltsangabe zu „Boomerang“ von Michael Lewis

Wie wurde aus Island, einer Nation von Fischern, eine einzige Investmentbank? Wie konnten griechische Mönche ihr Land in den finanziellen Ruin treiben? Wie gelang es den Iren, sich ihr Land gegenseitig zu verkaufen, bis eine enorme Schuldenblase entstand - und platzte? Das neue Buch des internationalen Bestseller-Autors Michael Lewis ("The Big Short") ist eine Reise durch die Welt im Finanzchaos. Lewis deckt auf, wie leicht verfügbares Geld, aberwitzige Tricks und ein erschütternder Mangel an Kontrolle die europäischen Finanzen an den Rand des Abgrunds trieben - und warum Deutschland als Zahlmeister Europas hilflos am Nasenring durch die Geldarena gezogen wird.

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  • Mr Lewis trägt beim Schlammcatchen keine Badekappe

    Boomerang
    R_Manthey

    R_Manthey

    03. July 2015 um 15:09

    Während die früheren Bücher dieses Autors wirklich erhellend waren, kommen die Leser dieses Werkes hier kaum noch in den Genuss solcher Momente. Zwar enthält der Text eine Reihe von treffenden Beschreibungen, doch leider sind sie mit langweiligen Reflexionen des Autors, ermüdenden Darlegungen seiner Erlebnisse und manchmal schwer erträglichen und arrogant vorgetragenen Klischees verbunden, die das Ganze dann zu einem ziemlich mittelmäßigen Buch machen. Während Lewis in seinem vorangegangenen Buch noch eindrucksvoll die kriminellen Mechanismen aufdeckte, die die Welt ausgehend von den USA in die letzte Finanzkrise stürzten, versucht er nun zu erklären, warum vor allem Europa vor der Pleite steht. Einer seiner Gesprächspartner, die er für sein Vorgängerbuch interviewte, brachte ihn auf diese nicht sehr rosige europäische Zukunftsperspektive. Also packte Mr. Lewis seine Koffer und begann Europa zu bereisen. Er sprach mit hochrangigen Politikern und Bankern und versuchte offenbar zu verstehen, wieso die von ihm besuchten Länder Europas in solche Schwierigkeiten geraten waren. Herausgekommen sind dabei einige Gedanken, die die lokalen Ursachen der drohenden Gefahr recht gut beschreiben. Doch sie gehen einher mit einer flachen Analyse und gelegentlich auch mit abwertenden Einschätzungen von Zuständen und Haltungen, die Lewis auf seinen Reisen antraf. Das erste Kapitel ist Island gewidmet. Auf dieser Insel fühlte sich Mr. Lewis wie auf dem Mond, rein landschaftsästhetisch gesehen. Die Isländer wiederum haben nach Lewis Empfindung außer vom Fischfang und Ackerbau von nichts so richtig Ahnung, sind aber kürzlich dem finanziellen Größenwahn verfallen und müssen dafür nun bezahlen. Wie bei allen Klischees steckt immer ein Körnchen Wahrheit in diesen Aussagen. Doch solche wenig tiefgründigen Darstellungen bringen nicht wirklich Licht in die Prozesse, die Island in den Ruin gestürzt haben. Als Nächstes ist Griechenland an der Reihe. Auch hier findet der Leser einige Wahrheiten, insbesondere über das völlig korrupte, maßlose und künstlich aufgeblasene griechische Staatswesen. Auch die bösartige Rolle der US-Großbank Goldman Sachs beim Fälschen griechischer Daten kommt zur Sprache. (Deren Vizepräsident war damals übrigens der jetzige EZB-Chef.) Doch auch diesem Kapitel fehlt die tiefschürfende Analyse. Im folgenden Kapitel reist der Autor nach Irland, um sich dort über die Immobilienblase und das anschließende Desaster zu informieren. Obwohl er auch hier einige der Irland ins wirtschaftliche Abseits drängenden Mechanismen durchaus richtig kommentiert, dominieren eher die subjektiven Wahrnehmungen des Autors. Das Ganze liest sich wie der Reisebericht eines Wirtschaftsjournalisten, der nur die Oberfläche beschreibt und sich dann in vagen Andeutungen verliert, wenn es um tiefere Schichten geht. Ähnlich wie in den beiden vorangegangenen Kapiteln muss der Leser den Eindruck gewinnen, dass die wirtschaftlichen Katastrophen in den einzelnen Ländern mehr durch die jeweilige kulturelle Mentalität als durch fehlgeleitete wirtschaftliche Prozesse erzeugt wurden. Die globalen Ursachen dieser Fehlleitungen bleiben im ganzen Buch völlig im Dunkeln. Zu besonderer Peinlichkeit läuft Mr. Lewis im folgenden Kapitel auf, das sich mit Deutschland befasst. Aus welchen Gründen auch immer lässt er sich darüber aus, dass die Deutschen angeblichen einen nicht zu bremsenden inneren Drang zur Fäkaliensprache hätten. Wie unsere Volksseele so tickt, würde man auch beim Weiberschlammcatchen in Hamburg beobachten können, wo die Besucher angeblich Badekappen tragen würden, um sauber zu bleiben. Vielleicht sollte Mr. Lewis mal bei sich zu Hause nachsehen, wo diese entzückende Beschäftigung wohl erfunden wurde. Übrigens widmet sich der Autor im letzten Kapitel dem wirtschaftlichen Niedergang Kaliforniens. Was das in diesem Buch über Europas Probleme zu suchen hat, bleibt ein weiteres Rätsel. Ach ja, am Ende dieses Kapitels fällt dem Autor dann auf, dass es in Hamburg schon lange kein Schlammcatchen mehr zu besichtigen gibt. Dennoch: Den Schmutz genießen und selbst sauber bleiben, das würde auch ungefähr die Rolle der Deutschen in der Eurokrise treffend beschreiben, meint Lewis. Woher er diese aberwitzige Einschätzung nimmt, ist mir völlig unverständlich. Lewis lässt sich dann darüber aus, dass wir Deutsche naiv regelgläubig wären. In diesem Zusammenhang erwähnt er die leider unbestreitbare Tatsache, dass insbesondere die staatlichen Landesbanken treuherzig jeden betrügerischen Schrott aus den USA kauften und anschließend vom Steuerzahler gerettet werden mussten. Die südeuropäischen Staaten würden nun wieder unter die deutsche Fuchtel kommen und müssten Regeln einhalten, was ihrer Mentalität widersprechen und alte Wunden aufbrechen lassen würde. In gewisser Weise hat der gute Mr. Lewis mit seinen Hinweisen auf die verschiedenen Mentalitäten in Europa durchaus auch Recht. Aber das ist nicht der Kern des Problems. Es stimmt auch, dass man mit dem Euro der europäischen Idee großen Schaden zugefügt hat. Doch leider stellt Lewis diese Ausführungen nicht in die richtigen ökonomischen Zusammenhänge. Lewis übersieht, dass Deutschland gegenwärtig dabei ist, einen Teil des von seinen Bürgern erarbeiteten Wohlstands in den Süden Europas zu transferieren. Er bemerkt zwar, dass mit dem Euro die wirtschaftliche Schwächung Deutschlands beabsichtigt wurde, glaubt aber aus unerfindlichen Gründen, dass gerade das Gegenteil passiert. Doch Deutschland verliert nicht nur einen erheblichen Teil des Vermögens seiner Bürger, die das größtenteils noch nicht einmal wirklich realisiert haben, sondern auch seine Kernmärkte, wenn die südeuropäischen Euro-Staaten unter ihrer Schuldenlast zusammenbrechen. Wo wir hier den Schmutz genießen und selber angeblich sauber bleiben wollen, ist völlig schleierhaft. Fazit. Leider erweist sich diese Lektüre als eine Enttäuschung. Obwohl der Autor an vielen Stellen durchaus die Wahrheit schreibt, sind seine Ausführungen mit fragwürdigen Kommentaren durchsetzt, die gelegentlich die Grenze zur Peinlichkeit überschreiten. Die tieferen Ursachen für die europäischen Probleme werden nur am Rande gestreift, globalere Hintergründe völlig ausgeblendet. Stattdessen schiebt Lewis Mentalitätsunterschiede in den Vordergrund. Doch die gab es schon immer. Erst im Komplex mit den ökonomischen Ursachen dieser Krise erlangten sie die Bedeutung, die ihnen Lewis zuschreibt. Alles in allem bleibt ein sehr zwiespältiger Eindruck eines Buches, das man nicht unbedingt gelesen haben muss, wenn man verstehen will, was in Europa gerade schiefläuft.

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