Michael Moran Auslaufmodell Supermacht

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Inhaltsangabe zu „Auslaufmodell Supermacht“ von Michael Moran

Auch Deutschland wird das Machtvakuum füllen müssen – ob es uns nun gefällt oder nicht

Spätnachts im Kanzleramt: Gebannt starren Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle und ihre engsten Mitarbeiter und Vertrauten auf den Bildschirm. Sie verfolgen eine streng geheime GSG-9-Kommandoaktion, die den meistgesuchten Terroristen der Welt zur Strecke bringen soll. Aus dem Lautsprecher knarzt es: „Zielobjekt ausgeschaltet.“

Wir alle wissen: So hat sich die Geschichte natürlich nicht zugetragen. Ort des Geschehens war das Weiße Haus, auf Angela Merkels Sessel saß Barack Obama, Hillary Clinton schlug entSetzt die Hand vor den Mund und die Elitetruppe, die Osama bin Laden tötete, war das SEAL Team Six. Bisher konnte sich alle Welt darauf verlassen, dass die USA die Kohlen aus dem Feuer holen. Doch das ist bald Geschichte. Amerika will und kann nicht mehr die Rolle des Weltpolizisten spielen. Man mag das begrüßen oder bedauern, an folgender Frage kommt man nicht vorbei: Und was dann? Klar ist: Das entstehende Machtvakuum muss gefüllt werden, und Deutschland wird dabei nicht außen vor bleiben können.

Dieses Buch bietet beides: eine schonungslose Analyse der (Fehl-)Entwicklungen, die den Abstieg der USA verursacht haben, und umfassende Ausblicke auf die sich daraus ergebenden Konsequenzen für den Rest der Welt. Brauchen wir einen neuen Weltpolizisten? Mehrere? Oder eröffnen sich ganz neue Perspektiven für eine größere Machtbalance? Michael Moran zeigt auf, wie die USA ihre neue Rolle finden können und in welche neuen Rollen Deutschland, Russland, China und Co schlüpfen müssen.

• Eine schonungslose Bestandsaufnahme der Situation der USA
• Was auf Deutschland und die Welt zukommt, wenn Amerika nicht mehr Weltpolizist spielt
• Ausblicke auf die veränderten Kräfteverhältnisse im 21. Jahrhundert
• Ein zentrales Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte

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    Auslaufmodell Supermacht

    R_Manthey

    23. July 2015 um 10:48

    Die USA unterhalten einen riesigen Militärapparat, besitzen ein enorm aufgeblähtes Staatswesen, sind extrem bei ihrer Notenbank und im Ausland verschuldet und überziehen die Welt seit Jahren mit einer Geldpolitik, die eine Finanzkrise nach der anderen erzeugt. Wie bisher jedes Imperium in der Geschichte haben sich auch die USA völlig in ihren Machtansprüchen überdehnt. Nun dämmert es einigen Leuten dort so langsam, dass sie dafür demnächst die Rechnung erhalten. Liest man den Titel dieses Buches, dann könnte man auf die Idee kommen, dass es sich hier um eine realitätsnahe Beschreibung der prekären Lage der USA handelt. Doch soweit reicht die gedankliche Kraft des Autors leider nicht. Er bleibt meistens in den alten Denkgewohnheiten amerikanischer Politik hängen, offenbart in einigen Fällen eine schon ans Komische grenzende Uninformiertheit und präsentiert den üblichen amerikanischen Optimismus, von dem man nie weiß ob er gespielt ist, aus Ahnungslosigkeit entsteht oder ob er einfach bereits fest im amerikanischen Unterbewusstsein verankert ist. Nur gelegentlich blitzt hier und da plötzlich eine Erkenntnis auf, die man nach dem vielen Unfug, der in diesem Buch steht, schon gar nicht mehr erwartet hätte. Warum sollte man dann dieses auch noch nicht einmal besonders gut geschriebene Buch eventuell trotzdem lesen? Vielleicht, weil es Ansichten enthält, die offenbar bei vielen amerikanischen Intellektuellen in Mode sind und ohne die man die manchmal merkwürdigen Entscheidungen in der US-Politik nicht versteht. Den Inhalt dieses Werkes kann man in einer Rezension nicht wiedergeben. Dazu ist er zu vielfältig, zu fraktal und zu widersprüchlich. Das Buch beginnt mit dem Versuch, die Finanzlage der USA zu beschreiben. Wie alle modernen Industriestaaten sind die USA bis über beide Ohren verschuldet, wobei die Staatsschulden in einem geradezu atemberaubenden Tempo in den letzten Jahren exponential angestiegen sind. Die ersten drei Kapitel drehen sich um diesen Schuldenberg. Doch wie man ihn je abtragen soll, weiß auch der Autor nicht. Man sieht aber an diesen Kapiteln bereits die Schwäche des ganzen Textes. Der Autor nennt zwar immer verschiedenen Strategien, kann sich aber wie auch in den späteren Kapiteln nicht entscheiden, welchem der gegensätzlichen Vorschläge er nun eigentlich beipflichtet. Man ahnt hier, dass er eine Mischung aus weiterem Gelddrucken und einem Zurückführen der internationalen finanziellen Belastungen bevorzugen würde, die vor allem aus der Supermachtrolle der USA entstehen. Doch da müssten die Verbündeten der USA erst einmal mitmachen wollen und können. Schließlich stecken sie in ähnlichen Schwierigkeiten. Viel später beklagt der Autor unter anderem die mangelnde Bereitschaft der Deutschen und verweist auf das Alibi-Engagement in Afghanistan. Die Deutschen, so jammert er, würden den ihnen einstmals von den Alliierten aufgezwungenen Pazifismus nun wirklich ernstnehmen. So hätten sie sich nicht am Bombenkrieg gegen Libyen beteiligen wollen, der schließlich auch nicht billig gewesen ist. Dem Autor schwebt vor, Regionalmächte im amerikanischen Interesse zu stärken, sodass diese dann die Rolle der USA in der entsprechenden Region übernehmen können. Dahinter steckt die naive Vorstellung, dass die USA dann mit weniger Ausgaben immer noch denselben Einfluss hätten. So glaubt Moran beispielsweise, dass eine Stärkung der Türkei die USA im Mittelmeerraum entlasten könnten. An ganz andere türkische Vorstellungen in diesem Kontext verschwendet er keine große Gedankenkraft. Die Kapitel 5 bis 9 sind seinen Vorstellungen über die zukünftige Rolle der USA und der Regionalmächte in verschiedenen Teilen der Welt gewidmet. Morans Einschätzungen sind, soweit man sie überhaupt deutlich erkennen kann, nicht immer realistisch. Beispielsweise teilt auch er die Überschätzung Indiens und Brasiliens in einer zukünftigen Weltordnung. Interessant sind dagegen gewisse Einschätzungen zu Russlands Problemen, etwa seine enormen demografischen Probleme. Manchmal überrascht Moran auch durch Mitteilungen, etwa wenn er deutlich macht, dass das ungehemmte Dollar-Drucken Länder wie Brasilien in ökonomische Schwierigkeiten bringt, weil es deren Währung aufwertet. Am Ende des Textes macht Moran einige Vorschläge, wie man die künftige Welt gestalten kann, ohne die USA zu überfordern. Diese Vorschläge sind: (1) Stärkung der Regionalmächte (siehe oben), (2) höhere Forderungen an die Rolle der Verbündeten, (3) Stärkung der inneramerikanischen Nachfrage zur Ankurbelung der Industrie durch noch mehr Geldverbrennen, (4) aggressive Maßnahmen zur glaubwürdigen Wiederherstellung der US-Bonität, (5) Regulierungen des Bankensektors, (6) Steuerreform in den USA, um die Unternehmen stärker zu besteuern, (7) Schaffung einer Fiskalunion in Europa, (8) Umbau des US-Militärs, (9) Vermeidung eines Krieges mit China, (10) Entlassung der USA aus der Verantwortung für die Stabilität im Nahen Osten, (11) Neugestaltung des UN-Sicherheitsrates. Moran vermeidet es auch hier, für gedankliche Klarheit zu sorgen. Die meisten seiner internationalen Vorschläge funktionieren einfach nicht, weil sie entweder völlig naiv sind, den Gegebenheiten nicht entsprechen oder Eigeninteressen der zu beteiligenden Mächte zuwiderlaufen. Man bleibt nach dem Lesen dieses Buches irgendwie verwirrt zurück, weil man nur schwer begreift, was der Autor eigentlich wirklich wollte. Er ist weder in der Lage, die regionalen Probleme, Kräfteverhältnisse und Zustände klar zu analysieren, noch nachvollziehbare und realistische Vorschläge für einen vernünftigen Rückzug der USA zu unterbreiten. Nur partiell kommt er gelegentlich zu ganz treffenden Einschätzungen. An anderen Stellen verblüfft er durch eine unglaubliche Unkenntnis. So hält er beispielsweise Schweden für ein NATO-Mitglied (S.43). Das hätte wenigstens bei der deutschen Ausgabe auffallen müssen. Mir hat das Buch nicht gefallen.  Da man aber immerhin lernen kann, wie gewisse intellektuelle Kreise der USA so denken, gebe ich einen Stern mehr.

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