Ein weiteres „Meisterwerk“ aus dem Hause Emons. Auf dem Cover meines Exemplars pappt ein Sticker: „Schwäbisch-badischer Zündstoff!“ Derartiger Zündstoff ist mir erstmal eher wumpe. Aber – wenn’s gut geschrieben ist; warum nicht? Ja, WENN…
Aus dem Klappentext: "Kommunikationstrainer Hans Bluhm wird in der Turnhalle des Stuttgarter Theaterhauses von einem Degen durchbohrt. Polizeichef Böhnisch (...) holt Hilfe aus Baden – ausgerechnet Kommissar Belledin. Widerwillig gehorcht der badische Brummbär und rauft sich mit der schwäbischen Beißzange Kälble zusammen, um den Fall zu lösen."
Ah ja… eine Kommissarin, die es wagt, eigene Ideen und eine eigene Meinung zu haben (und diese auch noch ausspricht!) und die gerne in die Ermittlungen eingebunden werden möchte (ist schließlich ihr Job) ist also eine "Beißzange". Ihr "Kollege" Belledin, der sie ignoriert oder von oben herab behandelt, ist meiner Meinung nach kein „Brummbär“, sondern ein arroganter, sexistischer und permanent schlecht gelaunter Unsympath. (Emons preist ihn im Klappentext als „Kult-Kommissar“ an). Rein äußerlich auch kein Adonis (Bauch, Haarkranz, Schnurrbart) – trotzdem fahren fast alle weiblichen Figuren des Romans total auf ihn ab. Warum auch immer. Ich finde Belledin einfach nur widerlich. Anna Kälble ist die etwas interessantere Figur, obwohl auch sie bisweilen nicht nachvollziehbare Dinge sagt und tut. Die Vorurteile und "Witze" über Schwaben haben mich nicht amüsiert, sondern eher genervt. Das Ende wirkte ziemlich holterdipolter, wie mit heißer Nadel gestrickt, als ob das Manuskript jetzt endlich mal fertig werden musste. Auch hätte ich mir (bei dem Titel) deutlich mehr Theater-Atmosphäre gewünscht. Aber bei dem titelgebenden „Theaterhaus“ handelt es sich um ein eher charakterloses Aufführungszentrum.
Fazit: Auf weitere Fälle dieses „Kult-Kommissars“ verzichte ich dankend.
Michael Moritz

Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Michael Moritz
Roter Regen
Apple: Die Geburt eines Kults
Badisches Todesspiel
Zürcher Verschwörung
Badisch Blues
Leading
Namaste Corona!
Zürcher Dämmerung
Neue Rezensionen zu Michael Moritz
‚Nun ist der Lockdown da, dessentwegen die panischen Wanderer an der Annapurna gerade rechtzeitig kehrtmachten. [...] Heute ändert sich alles. Nicht zu wissen, was kommt, wird nicht zum treibenden, sondern plötzlich zum lähmenden Faktor der Reise. Ich habe Angst.‘ (Seite 72)
Nach einem Aufenthalt in China, das Michael Moritz wegen eines neuartigen Virus verlässt, zieht es den Autor vorerst nach Myanmar und schließlich nach Indien, wo er das tibetische Neujahrsfest in Tawang feiert.
Von dort aus geht die Reise weiter nach Nepal, wo er seine Freundin Anna trifft, die er seit Monaten nicht gesehen hat.
Als das Land einen Lockdown verhängt, stellt sich die Frage, ob die beiden noch rechtzeitig das Land verlassen oder ob sie in Nepal bleiben. Sie entscheiden sich für Nepal, finden eine Unterkunft in Sedi und tauchen voll und ganz ins Dorfleben ein.
Schon seit jeher interessiere ich mich für den Himalaya, und so war ich sehr gespannt auf diesen Reisebericht über Nepal, der sich schon allein deshalb von anderen Reiseberichten abhebt, weil er das Reisen bzw. das Verweilen in einem anderen Land zu Zeiten der Corona-Pandemie thematisiert.
Mich hat Moritz mit seinem Buch mit in den Himalaya genommen und mich am Leben und Alltag der Menschen teilhaben lassen. Er schreibt sehr lebendig und detailreich, macht Nepal erlebbar und spürbar.
Gefallen hat mir auch die Beschreibung des persönlichen Wandels Moritz’ sowie die sehr berührenden letzten Kapitel des Buches.
Moritz ist ein ebenso fesselndes und unterhaltsames wie lehrreiches Buch über Nepal, aber auch über Freiheit, Familie, Armut, Altern und harte Arbeit gelungen.
Als Vielleserin muss man in Kauf nehmen, auch manchmal an schlechte Bücher zu geraten. Das ist bei diesem Krimi hier der Fall.
Der Klappentext hat sich recht spannend gelesen: Drei abgetrennte Köpfe, Frauenköpfe, die wie auf einem Altar aufgebahrt sind. Der Schauplatz ist Wien. Die italienisch stämmige Valentina Fleischhacker ist Kriminalbeamtin und wird mit den Ermittlungen rund um drei ermordete Frauen betraut. Als ihr Kollege Zirner ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf Valentina. Was folgt ist eine Art Schnitzeljagd - auf neudeutsch Geocaching -, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Je näher sie dem Täter kommt, desto klarer ist, dass es in den Reihen der Behörde korrupte und ferngesteuerte Beamte gibt.
Meine Meinung:
Der Plot alleine ist schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen: Zahlreiche (auch hochrangige) Polizeibeamte stehen im Sold der Mafia. Valentina, deren Mutter aus Sizilien (sic!) geflüchtet ist, soll den bisherigen Verbindungsmann der Mafia ablösen. Dafür soll sie sich mit der Lösung diverser Rätsel qualifizieren, soweit die Idee dieses Krimis.
Der Autor scheint Wien bzw. die österreichische Polizeiarbeit nicht wirklich zu kennen, denn wie passieren sonst folgende Fehler:
- Bei drei abgetrennten Köpfen innerhalb von nur zwei Wochen wird im Normalfall die Ermittlungsmaschinerie angeworfen. Da wird alles aufgeboten, was in der Polizei verfügbar ist. Die Leitung der Ermittlungen wird nicht einer Inspektorin überlassen, Frauenquote hin oder her. Denn „Inspektor/Inspektorin“ ist der niedrigste Dienstgrad unmittelbar nach Absolvierung der Dienstprüfung.
- Die nächste Unsachlichkeit: es wird von der C15-Methode zu Bestimmung des Alters von Gegenständen gesprochen. Gemeint ist aber C-14, die Radiokarbonmethode. C15 ist die Bezeichnung eines Rettungshubschraubers bzw. eines speziellen Fahrradsattels.
- Doch was dem Fass den Boden ausschlägt, ist die vollkommen falsche Angabe der, für das Geocaching, das in diesem Krimi breiten Raum einnimmt, Koordinaten. Die angegebene geografische Länge und Breite für den nächsten Cache liegt nämlich in der Podbielskistraße in Hannover, nur schlappe 800km von Wien-Floridsorf entfernt. Als Geodätin schmerzt ein solcher Unsinn besonders. Vielleicht sollte der Autor den Weg zu Fuß gehen, am besten Barfuß und im härenen Büßergewand.
- Apropos Floridsdorf - das ist der 21. Bezirk von Wien und nicht wie angegeben der 22..
- Die Grünanlage neben dem Hauptbahnhof ist der Schweizer Garten und nicht der Schweizer Park. Aber, das ist auch schon egal.
Die Handlung selbst wird von Seite zu Seite abstruser. Nein, das war leider gar nichts. Schade um die vergeudete Lesezeit!
Fazit:
Dieser Krimi ist für mich der Flop des Jahres 2020, daher nur 1 Punkt, weniger geht ja leider nicht.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
in 34 Bibliotheken
auf 5 Merkzettel
von 1 Leser*innen aktuell gelesen


















