Persönliche Meinung:
Hätte mir vor Betreten dieses Buches jemand gesagt, dass mein Gegenüber den ganzen Abend nur über sich und seine Exfreundinnen reden wird, wäre ich draußen geblieben.
Nun bin ich aber höflich, bleibe sitzen und lese Michael Nast weiter zu, wie er sich an die Ursachen seines Scheiterns in der Liebe herantastet.
Klar finde ich mich in vielen Teilen wieder, sonst hätte ich kaum das Buch gekauft. Allerdings hatte ich meinen Dating-Burnout schon vor längerer Zeit und habe inzwischen meine Marotten derart kultiviert, dass ich wohl schon mindestens drei Level weiter bin. Aber mich interessiert das Thema, weil ich es aus soziologischer Sicht sehr spannend finde.
Was habe ich also von dem Buch erwartet? Geschichten, Statistiken, tiefe Einblicke (es gibt tolle Studien zu dem Thema). Mehr über diese Generation. Mehr über Menschen.
Ab und zu lässt Michael Nast auch durchblicken, warum wir aktuell so sind, wie wir sind, warum wir lieben, wie wir lieben (oder eben nicht). Aber diese Erkenntnisse gehen zwischen den vielen sich wiederholenden Geschichten über Antonia, Sarah, Romy und die vielen anderen Frauen, die Herr Nast im Laufe seines Lebens hinter sich gelassen hat, unter.
Mir kam das ganze Buch daher eher wie eine persönliche Abarbeitung der Verflossenen vor und nicht wie ein Einblick in die Herzen einer Generation.
Hier wird auch nicht der Mensch angesprochen, der keine Erfolge beim Dating hat. Denn Michael Nast landet mit den meisten seiner Dates in der Kiste, verliert aber schnell das Interesse an den Frauen. Da setzt er thematisch an: Woran liegt das? Warum bleibt nichts?
Vielleicht liegt meine Enttäuschung weniger am Thema als an der Perspektive. Wenn man sich schon zu Tisch begibt, in der Erwartung, etwas über eine ganze Generation zu erfahren, hofft man auf ein Gespräch und nicht auf einen Monolog. Und so schließe ich das Buch mit dem Gefühl, einen langen Abend in höflicher Gesellschaft verbracht zu haben: in einigen Momenten erkenntnisreich, stellenweise anregend, aber mit dem Wunsch, beim nächsten Mal säßen mehr Stimmen mit am Tisch.

























