Michael Naumann Glück gehabt

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Inhaltsangabe zu „Glück gehabt“ von Michael Naumann

»Ein zielstrebiges Leben habe ich nie geführt«, schreibt Michael Naumann über sich selbst. Was ihn antrieb, war eine unstillbare Neugier auf die Welt. Als Kind erlebte er in seiner Geburtsstadt Köthen den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs, sein Vater fiel bei Stalingrad. Im Alter von elf Jahren floh er 1953 mit seiner Mutter aus der DDR nach Hamburg. Die wilden Sechziger verbrachte er als Student in München. In seinen glänzend geschriebenen, durchaus selbstkritischen Erinnerungen blickt Michael Naumann zurück auf ein bewegtes Leben als Journalist, Hochschullehrer, Verleger und Politiker. Er erzählt von Begegnungen mit Helmut Schmidt, Marion Gräfin Dönhoff und Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, mit Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine, Otto Schily und Joschka Fischer. Seine Erinnerungen an bedeutende Autoren wie Harold Brodkey, Herta Müller, Paul Auster, Siri Hustvedt, Peter Nádas oder Thomas Pynchon gleichen Glücksmomenten eines Büchernarren. Als Gründungsdirektor der Barenboim-Said Akademie in Berlin stößt er schließlich auf das deutsche Baurecht und die erstaunlichen Auflagen des labyrinthischen Hochschulrechts.

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  • Journalist, Verleger, Minister Herausgeber, Kandidat – ein gefülltes Leben

    Glück gehabt

    michael_lehmann-pape

    24. April 2017 um 12:26

    Journalist, Verleger, Minister Herausgeber, Kandidat – ein gefülltes Leben„Biographien entspringen der Neugier auf ein gelebtes Leben – was war da eigentlich? – und sie verlassen sich auf persönliche Erinnerungen“.Erinnerungen, die im Fall Naumanns eng verknüpft sind mit der jüngeren Zeitgeschichte, die er als Journalist, als „Macher“, als Politiker (bis hin zum Bürgermeisterkandidaten der Stadt Hamburg) nicht nur „miterlebt“, sondern bis heute auch „mitgestaltet hat“. Wenn auch nicht ganz in „erster Reihe“, so lässt sich doch an dieser Biographie ablesen, wie gerade Deutschland die Weichen für die Gegenwart gestellt hat (im Kabinett von Kanzler Schröder), wie die Kultur einerseits immer noch, aber eher hintergründig, den Lauf der Zeit durchaus mit formt, wie aber eben auch jene Kultur ihre Brüche (was den Buchmarkt angeht, den Print-Journalismus und vieles mehr) zu tragen hat und rasante Veränderungen immer schneller in den Raum der Zeit selbst treten.Und diesen Blick auf ein „Leben in der Kultur“ und, in Teilen, auch „für die Kultur“ zeichnet Naumann nicht trocken, sachlich und rein faktisch nach, sondern bietet eine Vielzahl von „Anekdoten“ auf, die jeweils im Kern einen Teil dieses Lebens, der inneren Haltung, des äußeren Ergehens in Korrespondenz mit den Strömungen der Zeit zum Ausdruck bringen.„Dieses Buch hat viele Schwächen. Manches Private wird verschwiegen“, Akten wurden nicht gewälzt. Das ist nicht Kokettieren, was Naumann im Vorwort betreibt, sondern eine Mitteilung von Fakten das Buch betreffend an den Leser. Wobei „Schwächen“ nun wahrlich nicht im sprachlichen oder in jenem „Auf den Punkt bringen“ zu verstehen sind, was Naumann vielfach vollzieht. Sondern eher dahingehend, dass er die Subjektivität der eigenen Erinnerungen nicht in Frage stellt, nicht allgemeine Wahrheiten verkündet und, eben auch, dass manches nicht geschrieben wird, was für ihn privat dennoch sicher wichtig und, in Teilen, auch prägend war.Wobei bereits zu Beginn auffällt, dass ein Inhaltsverzeichnis fehlt. Durchaus bewusst, wie sich bei der (chronologischen) Lektüre herausstellt. Denn „im Fluss“ erzählt Naumann und jede der Stationen in Spiegelung der jeweiligen Zeitgeschichte trägt ihre eigenen Erkenntnisse in sich, die Naumann nuanciert reflektiert vor Augen führt. Und damit jede seiner „Phasen“ mit einer eigenen, lesenswerten Wichtigkeit versieht.Wobei immer wieder augenfällig wird, dass der Titel des Werkes Programm ist.Als er als junger Mann aus Amerika nach Münden zurückkehrte und ein Telegramm des Chefredakteurs der „Zeit“ erhielt.„Beworben hatte ich mich nicht“.Wie überhaupt der Eindruck entsteht, dass vieles an Aufgaben und Posten an Naumann eher herangetragen wurde, denn dass er sich verbissen intensiv darum bemüht hätte. Worauf vielleicht auch beruht, dass eine innere Unabhängigkeit weitgehend seine Person prägte, die auch im Kabinett Schröder, was diesen „Paradiesvogel angeht“ nicht immer für Wohlgefallen gesorgt hat. Denn die eigene Meinung, die kritische Distanz, dass offene Aussprechen von Dingen, die er für falsch hielt, auch das gehört zu dieser Lebenshaltung und zu diesen „Anekdoten“ hinzu.Immer mit einer erkennbar positiven Haltung zur Demokratie, zur „gesellschaftlichen Kontrolle“, zum Beitragend es eigenen Teils zu einem reflektierten Miteinander.„Wer als Redakteur zum Erfahrungsjuristen im Umgang mit dem deutschen Presserecht wird, dem müsste das Herz aufgehen, wenn er bedenkt, dass mit der letzten Karlsruher Instanz immer noch ein verlässlicher Hüter der Verfassung existiert“.Nähen und Distanzen, eine rege Auseinandersetzung mit den je aktuellen Ereignissen, eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben, eine durchaus tragende Rolle in der „rot-grünen-Republik“ und eine Verbundenheit zu Literatur, Musik und, immer wieder und vor allem, dem kritischen Journalismus, es macht Freude, die Welt der letzten 50, 60 Jahre durch die Augen Naumanns zu betrachten. Umso mehr, als Naumann einfach ein Könner einer gepflegten, flüssigen und auf den Punkt kommenden Sprache ist.

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