Michael Räuber Geteilte Hölle

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Inhaltsangabe zu „Geteilte Hölle“ von Michael Räuber

Ein verdrängtes Trauma wirft Maria in die Vergangenheit zurück: In der DDR 1961 entgeht dem Stasi scheinbar nichts, er ist für alles zuständig, ahndet scheinbar jede Verfehlung. Doch das Doppelleben des Pastors in Neburg, nimmt niemand zur Kenntnis. Maria, neu in Neburg, scheint geradezu prädestiniert, über die Fallstricke unmenschlichen Verhaltens zu stolpern. Eine große Liebe bestärkt sie, ihren geraden Weg aufrichtig zu gehen. Sie kann immer weniger schweigen. Als sie schließlich handeln muss, steht ihre Existenz auf dem Spiel…

Kleinstadtleben in der gerade im Aufbau steckenden, sozialistischen Gesellschaft der ehemaligen DDR.

— Waschbaerin

Eine fremde bemerkenswerte Rezension

— MichaelRaeu
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  • Die Macht des Staates

    Geteilte Hölle

    Waschbaerin

    27. February 2017 um 00:37

    Mit dieser Rezi habe ich mich schwer getan. Kann jemand, der im Westen geboren und aufgewachsen ist, ein Buch über das Leben in der ehemaligen DDR vorbehaltlos rezensieren? Wir, die wir reisen konnten wohin wir wollten, in der Öffentlichkeit reden durften wie uns der Schnabel gewachsen war (ohne zu überlegen ob die Familie dafür bestrafen werden könnte), verstehen wir überhaupt, was es für die Menschen in der ehemaligen DDR bedeutete, dort in diesen ganzen Begrenzungen aufzuwachsen und sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren? Mit dem Verstand können wir es erfassen - aber nachempfinden, wie die Menschen sich fühlten? Ich glaube nicht. Das Buch beginnt nach dem Mauerfall, als die Ärztin Maria sich entschließt, eine Reise in die Vergangenheit zu machen, die sie längst hinter sich glaubte. Rückblick Wir erfahren von ihrer damaligen Zugreise zu dem Ort, wo sie als junge Frau eine Stelle als Kinderärztin antreten wird. Schon da wird der Leser erstmals mit der Allmacht der Staatsbediensteten konfrontiert. Maria ist eine nette und liebenswerte Ärztin, die ihren Beruf ernst nimmt und in ihrem christlichen Glauben verwurzelt ist. Um so schlimmer trifft sie die Erkenntnis, dass der örtliche Pfarrer seine Position ausnützt, das Vertrauen, das ihm die Menschen entgegen bringen mißbraucht, die Kinder verprügelt, wahrscheinlich sogar mehr. Dieses "Mehr" wird nur angedeutet. Da setzt das Unverständnis von mir ein. Welche Mütter oder gar Eltern stimmen zu, dass ihre Kinder wegen Ungehorsam vom Pfarrer verprügelt werden? Wie der Autor schreibt, ist dies ein autobiographisch gefärbter Roman. Also gehe ich davon aus, dass diese Passage der Realität entspricht. Waren diese Übergriffe möglich, weil die Leute daran gewöhnt waren, der Obrigkeit zu gehorchen? Sich fügen zu müssen? Zwischen Maria und einem geschiedenen Kollegen am Krankenhaus, einem Charmeur der keinen Hehl daraus macht, dass er sich auch mal gerne von Krankenschwestern verwöhnen lässt, entspinnt sich eine Liebesgeschichte. Was für den Arzt als Flirt beginnt, entwickelt sich für beide Seiten zu einer tiefen Liebe. Aber da ist auch die Stasi, die Allmacht des Staates, die das Paar zu spüren bekommt. Am Ende sieht Maria nur einen Ausweg, wenn sie sich treu bleiben und das Wohle ihrer kleinen Patienten nicht aufs Spiel setzen will. Das ganze Ausmaß ihrer Entscheidung will ich nicht verraten. Es ist aber atemberaubend! Was der Autor über das Alltagsleben schreibt, liest sich ganz schön heftig und man fragt sich, wie haben das die Menschen nur so viele Jahre ausgehalten? Das Umwerben der Bürger für die Stasi zu arbeiten kommt zur Sprache, als auch der Druck, mit dem diese Forderung umgesetzt werden soll. Dass selbst an einem kleinen Kreiskrankenhaus Leute des Staates platziert waren deren Aufgabe darin bestand, über die Angestellten zu "wachen" und dafür zu sorgen, dass alles den gewünschen Gang nimmt, führt dem Leser die Allmacht der Obrigkeit, ihrer Helfer als auch Helfershelfer vor Augen. Dieser biographisch gefärbten Roman, der viel Spannung in sich birgt, ist auf jeden Fall 5 Sternchen wert. Allerdings ist mir die Sprache an mehreren Stellen zu hölzern und emotionslos. An einigen Abschnitten ist von einer hilfsbereiten alten Frau die Rede, die dann meist "die Alte" genannt wird. Solch eine Bezeichnung, für einen im Grunde liebenswerten Menschen, geht nicht. Das ist abwertend. Der Sprache wegen ziehe ich ein Sternchen ab. Generell kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Vielleicht hilft es uns "Wessis", das Leben der Menschen im Osten der Republik in der Zeit vor dem Mauerfall besser zu verstehen oder es unterstützt Eltern und Großelter der Generation DDR, ihren Kindern und Enkeln zu erklären, "so war es damals und so haben wir gelebt/deshalb hielten wir es dort nicht mehr aus und mussten weg".  

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  • Leserunde zu "Geteilte Hölle" von Michael Räuber

    Geteilte Hölle

    MichaelRaeu

    Wie in einem Flashback folgt der Leser der Protagonistin in die Vergangenheit, in die DDR 1961: Ein Land in der Krise, immer mehr Menschen flüchten in den Westen, vor allem Idealisten bleiben bewusst, weil sie entweder an den Kommunismus glauben oder sich der Gleichschaltung widersetzen und mit ihrem Bleiben ein Zeichen setzen wollen. So auch Maria. Sie ist katholisch und hofft in der Ortskirche Gleichgesinnte und Freunde zu finden. Doch sie entdeckt hinter der moralischen Fassade des Pastors einen Abgrund, der wie ein böser Schatten über der der ganzen Kirchengemeinde liegt. Er wird Opfer eines Anschlags.  Die Ereignisse überschlagen sich: Die Behörden ermitteln und Maria, gerät unter Verdacht. Als sie begreift, dass ein Kind im Visier der Ermittler ist, muß sie helfen, um jeden Preis und riskiert dabei ihre Existenz. Hier eine Leseprobe aus dem Roman - Franz kocht für die Geliebte: Als der Freitag endlich herangekommen war, machte Maria sich voller Vorfreude auf den Weg. Seine Wohnung lag am anderen Ende der Stadt, im Vogelviertel, einem nagelneuen Häuserblock. Im dritten Geschoss gab es dort Mansardenwohnungen. So winzig diese auch waren, es galt als ein Privileg, als Einzelperson eine abgeschlossene Wohnung mit Bad zu bekommen. Franz lachte glücklich, als sie bei ihm in der Tür stand, und fiel ihr sogleich um den Hals. Das war seine herzlich unverstellte Art, die sie so liebte. Als er ihr die Jacke abnahm, fiel ihr Blick in den Spiegel. Hinter ihrem Spiegelbild war ein vergrößerter Abzug ihres Porträts an der Wand. Verdutzt fuhr Maria herum und schaute in ihr eigenes Gesicht, das so vignettiert war, als hätte Franz sie im Scheinwerferspot fotografiert. Ihr gekräuseltes Haar schmückte ihren Kopf wie eine Corona, ein zarter Schleier. Franz stand neben ihr, leicht an die Tür gelehnt, wartete offensichtlich, was sie zu dem Foto sagen würde. Sie lächelte verlegen. „Eine wirklich schöne Arbeit – von dir?“ Er nickte. „Aber warum stellst du mich so distanziert wie eine Diva dar? Ich würde mich viel lieber ganz nahe bei dir, in deinem Arm sehen.“ Franz zeigte auf das Wohnzimmer, in dem sich seine Fotogalerie fortsetzte. „Das kannst du auch haben“, schmunzelte er. Dort gab es Fotos vor allem von seiner kleinen Tochter Tanja und schließlich auch ein Foto, auf dem Maria lachend in seinen Armen lag. „Schön“, freute sie sich, „und interessant, aus wie vielen Perspektiven du die Menschen siehst. Entwickelst du die Bilder selbst?“ Er nickte und bat sie, ihm nun zur Wohnungsführung zu folgen. Wie ein Touristenführer den Regenschirm, so schwenkte Franz den Kochlöffel. „Hier entlang, wir sehen uns zuerst den Westflügel und die Schlafgemächer an“, lud er sie ein. Das Schlafzimmer mit Dachschräge war karg. Maria bemerkte, dass auf dem Bett zwei Kissen aufgelegt waren. Dann zeigte Franz ihr die kleine praktische Küche und das winzige Bad mit Dusche. „Und jetzt wird erst mal was gegessen.“ „Was hast du gekocht?“, fragte sie neugierig. „Natürlich das versprochene Fünf-Gänge-Menü, wie es sich beim Besuch der Liebsten gehört.“ Er lachte schelmisch und Maria legte den Kopf schief. „Dann warst du wohl in Berlin am Kudamm einkaufen?“ „Nein“, meinte er bestimmt, „ich beteilige mich nicht am illegalen Schmuggel, keine Sorge, du bekommst ein astreines DDR-typisches Arbeiter- und Bauern-Menü.“ Er drückte ihr mit großer Geste zwei Teller und das Besteck in die Hand. „Der erste Gang“, sagte er pathetisch, „führt dich von der Küche ins Wohnzimmer, bitte decke den Tisch auf.“ Sie schüttelte den Kopf. „Das ist aber noch nicht der erste Menü-Gang, oder?“ „Wenn ich sage, erster Gang, dann ist es der erste Gang und bitte keinen Widerspruch. Widersprüche nützen nur dem Klassenfeind, das steht in der Zeitung.“ Maria ging lachend hinüber. Kurz darauf kam Franz aus der Küche. „Ich mache schon mal den zweiten Gang in den iKeller und hole uns eine Flasche Weißwein“, erklärte er mit ernstem Augenaufschlag. Ehe Maria sich’s versah, lief er zur Tür hinaus und kam kurz später mit einer Flasche Wein zurück. Franz spielte seine Rolle glaubhaft und mit voller Ernsthaftigkeit weiter und sie kam wegen seiner Einfälle kaum aus dem Lachen heraus. „Und wann gibt es etwas Echtes zum Beißen zwischen die Zähne?“, fragte sie belustigt. Er wies auf den Herd, auf dem zwei Töpfe standen, und lüftete den ersten Deckel. „Beim dritten Gang gibt es etwas zwischen die Zähne, und das ist auch ein gutes Stichwort. Sieh mal, Nudeln aus der HO, die sind al dente gekocht – dens, dentis, der Zahn, das ist was für zwischen die Zähne, oder?“ Dann nahm er den zweiten Topfdeckel hoch. „Und das ist Tomatensoße aus naturgereiften Tomaten, direkt auf dem LPG-Acker im Schutz der Dunkelheit von mir persönlich geerntet.“ Demonstrativ rührte er in der Tomatensoße, schmeckte sie mit etwas Salz und Zucker ab. „Das ist so weit alles, was uns der sozialistische Einzelhandel im Interesse einer gesunden Ernährung zur Verfügung stellen kann“, erklärte er ihr mit ernstem Gesicht, sodass sie vor Lachen fast platzte. „Aber zur Feier des Tages konnte ich noch in Berlin ein paar Kleinigkeiten zusätzlich erstehen.“ Er holte aus dem Schrank ein Gläschen italienische Kräuter und eine Tüte echten italienischen Parmesan hervor. „Das stammt aus dem Reisetaschen-Import, ist also keine Schmuggelware“, flüsterte er hinter vorgehaltener Hand. „Ich hoffe, du kriegst beim Essen davon kein schlechtes Gewissen.“ Als er schließlich auch noch einen Schinken aus dem Schrank holte und eine reichliche Einlage für die Tomatensoße daraus schnitt, staunte Maria: „Nicht schlecht, du Schmuggler.“ „Von wegen Schmuggler! Das ist ein legales Geschenk! Chirurg musst du sein, dann bringt dir Bauer Gütschow nach der lebensrettenden Gallen-OP schon mal was Anständiges aus seiner Räucherkammer mit.“ Er tischte im Wohnzimmer auf, dann setzten sie sich zum Essen. Fast zu jedem Bissen machte Franz eine witzige Bemerkung. Und dann sprang er plötzlich auf, als hätte er etwas Wichtiges vergessen. „Der vierte Gang, wie konnte ich nur?“Er rannte zum Kühlschrank und brachte zwei Schalen Himbeerpudding, aus eigener Waldsammlung, wie er erklärte. Als sie mit dem Essen fertig waren, meinte er: „Und jetzt kommt der fünfte Gang, der geht direkt in die Küche. Du wirst mir doch hoffentlich beim Abwasch zur Seite stehen?“ Er musterte sie fröhlich, umfasste ihre Taille und blieb mit seinem Blick auf ihrem Blusenausschnitt hängen. „Oder sollten wir uns jetzt doch etwas Besseres gönnen?“ Sie ging mit ihrem Gesicht nah an sein Gesicht heran, umfasste seinen Kopf und küsste ihn auf den Mund. „Das täte dir jetzt passen, du Verführer – so ein fünfter Gang – die Liebste vernaschen?“ Franz schaute neugierig. Sie schob ihn weg und grinste. „Nein, nein, so nicht, mein Lieber! Bei uns kommt immer zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen! Also an die Arbeit, abwaschen.“ Franz tat enttäuscht, fügte sich aber brav und trottete hinter ihr her in die Küche. Anschließend machten sie es sich auf der Couch gemütlich. Franz spendierte eine Flasche Tokajer aus Ungarn. Dann begann er von sich zu erzählen, wo er studiert hatte, wo er aufgewachsen war. Und Maria revanchierte sich und erzählte ebenfalls, bis er sie schließlich fragte, ob es stimme, dass sie Kirchgängerin sei. Maria erzählte vom Eichsfeld und berichtete, dass sie auch in Neburg zur Kirche ging. Franz nickte verständnisvoll. „Maria, ich bin Atheist. Und meine Gefühle zu dir verunsichern mich. Sie krempeln grad mein ganzes Leben um.“ Er stand auf. „Was hältst du von Musik? Ich höre gern mal Mozart.“ Sie zuckte mit den Achseln. „Höre ich manchmal auch ganz gern, das könnte jetzt ganz gut passen.“ Er machte eine Schranktür auf, es kam ein Plattenspieler zum Vorschein, auf dem bereits eine Platte lag. Er stellte sie an und setzte sich an ihre Seite, legte seine Rechte sanft auf ihren Rücken und begann, ihn im Takt der ersten Noten zu kosen. Mozart, Klavierkonzert Nr. 23, der zweite Satz. „Ich mag dich sehr, du bist so schön!“, flüsterte er und seine weiche Stimme rührte sie genauso wie der sanfte majestätische Klang des Orchesters, die weichen Stimmen in Dur, aus denen sich immer wieder die einsam helle Stimme des Klaviers als die Stimme des Herzens in traurig zartem Moll erhob und mit jedem Ton wie im Takt des Pulsschlages pochte. Maria fühlte sich von ihm so angenommen. Die Umarmung wurde immer inniger, seine rechte Hand glitt unter ihre Bluse, die Linke begann, die Knöpfe auf ihrer Brust zu öffnen. Sie genoss das zarte Streicheln auf ihrer Haut, ihr ganzer Körper wollte nur noch ihn. Und als hätte er verstanden, stand er auf, nahm sie an die Hand und ging mit ihr ins Schlafzimmer. Sie streifte Stück für Stück ihre Kleider ab. Er schaute ihr fasziniert zu, und während er begann, sich zu entkleiden, ging sie nach einer gehauchten Entschuldigung ins Bad. Er wartete, doch sie kam nicht zurück. Nach einer Weile ging er ihr nach. Sie saß wie eingefroren auf dem WC-Deckel, starrte in ihre Hand. Er fragte leise, was denn los sei. Sie hielt ihm wortlos mit starrem Blick eine gelochte Eisenbahn-Fahrkarte vors Gesicht, Neburg – Rostock: Hinfahrt Mittwoch, Rückfahrt Donnerstag. Ihre Enttäuschung entlud sich in einem eiskalten: „Nein, nein, Franz, so nicht!“ Sie glitt eilig an ihm vorbei und kleidete sich an. Franz folgte ihr, zog sich ebenfalls an und stellte sich, als sie gehen wollte, vor die Tür. „Wo war die Fahrkarte?“, fragte er. „Auf der Fensterbank.“ „Darf ich dir das erklären?“ Seine Stimme klang bittend. Sie verneinte durch ein leichtes, bestimmtes Kopfschwenken. Dann fragte sie: „Sag es ehrlich, warst du bei ihr? Ja oder nein?“ Franz wurde verlegen, versuchte zu lächeln, es misslang. Er errötete von den Ohren her, schüttelte den Kopf, dann sagte er: „Ja.“ Nach einem kurzen Zögern schob er enttäuscht nach: „Ich habe es geahnt, dass es mit uns wieder nichts wird.“ Sie schüttelte verständnislos den Kopf, küsste ihn, diesmal auf die Wange, und fast mitleidig sagte sie: „Lass mich raten, du kannst einfach nicht anders?“ Er reagierte nicht. Und als könne sie damit die Spannung aus sich hinausspülen, atmete Maria tief aus. „Ich melde mich, wenn ich mich neu sortiert habe. Und danke für den Abend.“ Sie ging allein und irrte noch einige Zeit ziellos durch die nächtliche Stadt, bis sie endlich in ihrem spärlichen Zimmer spät nach Mitternacht Ruhe fand.

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  • Eine Rezension auf Amazon

    Geteilte Hölle

    MichaelRaeu

    08. December 2016 um 20:18

    Diese Rezension erhielt ich von einem Amazon Käufer! Auf knapp dreihundert Seiten gelingt es dem Autor, eine in vielfacher Hinsicht fesselnde Geschichte zu zeichnen. Mit einem ausgeprägten Gefühl für den Spannungsbogen und sprachlich gewandt verwebt er verschiedene Ebenen miteinander: Auf der einen Seite die Lebens- und Liebesgeschichte einer jungen Ärztin in den 1960er Jahren der DDR, wo der Stasi alles kontrolliert, auf der anderen Seite die langjährigen brutalen Verbrechen eines katholischen Priesters an vielen Schutzbefohlenen seiner Gemeinde. Erschreckende Zusammenhänge werden evident. Sie illustrieren die unheilvolle Dynamik des bis heute Unfassbaren: Wie kann es sein, dass brutalste Gewalt, auch in sexueller Form, über lange Jahre ausgeübt wird, ohne dass der Täter gestoppt geschweige denn belangt wird? Welche (Macht)Strukturen ermöglichen und begünstigten solche Taten? Welches Verständnis von Klerus, welche Bedürfnisse der Gläubigen sind bedeutsam? Und vor allem: Was heißt das für die Betroffenen, und zwar ein Leben lang? Auf feine, unaufdringliche Art und Weise schafft der Autor in diesem autobiografisch geprägten Werk zweierlei. Er bietet zum einen eine spannende Romanhandlung an, auf einer anderen Ebene beschäftigt er die Leser genau mit diesen weiterführenden Fragen. Ein Zeugnis auch von fundierter Verarbeitung eigenen Leids. Und ein Buch, das lange im Gedächtnis bleibt.

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