Michael Schmidt Der Richtigspieler

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Inhaltsangabe zu „Der Richtigspieler“ von Michael Schmidt

Hat der Journalist, der den holländischen Dirigenten Willem Mengelberg im Schweizer Exil besucht, gemeint, er könne ein normales Interview führen? Es wird ein Monolog: Nach Jahren des erzwungenen Schweigens redet der alte Maestro – drei Tage lang. Er redet sich buchstäblich zu Tode. Warum Beethoven nur bei ihm, Mengelberg, richtig klang – jetzt kann es heraus. Daß aber Mahler der größte aller Komponisten war, und dazu noch sein bester Freund – die Welt soll es wissen. Auch über das Unbegreifliche ist zu reden: warum Mengelberg mit den deutschen Besatzern kollaboriert hat. Dafür wurde er mit Amtsenthebung bestraft. Doch hat ihm nicht gerade die Vertrautheit mit den Nazi-Größen erlaubt, das Schlimme zu mildern, Menschenleben zu retten? Mit von Fieberschüben befeuerter Bitterkeit geißelt der gestürzte Pultstar die Scheinheiligkeit der Welt. In ihr gehe es nicht darum, was einer gesagt und getan habe, sondern nur wann und vor welchem Hintergrund. Auf den „Fall Mengelberg“ ist Michael Schmidt gestoßen, nachdem er, wie er selbst sagt, „jahrelang nur die Musik Gustav Mahlers gehört und alles Gedruckte über ihn gelesen hat.“ Dabei stellte er fest, daß den erklärten Lieblingsinterpreten des Komponisten, eben Mengelberg, ein merkwürdiges Schweigen umgab. Schmidt beschaffte sich die Aufnahme des Dirigenten von Mahlers IV. Symphonie – und war so hingerissen, daß er beschloß, etwas über den Mann zu erfahren. Im Niederländischen Musikinstitut in Den Haag traf er Frits Zwart, Mengelbergs Biografen. Der erklärte ihm die politischen Verstrickungen des Dirigenten und warum sie so übertrieben wurden, daß sie zur totalen Ächtung führten. Zwart gewährte auch Einblick in Mengelbergs „korrigierte“ Dirigierpartituren und seinen Briefwechsel mit Mahler. In München traf Schmidt kurz vor dessen Tod Jan Koetsier, Mengelbergs letzten Assistenzdirigenten. Von ihm erfuhr er viel über die bizarre Persönlichkeit des Maestros, die allen Klischees vom „großen Künstler“ zuwiderläuft. Auch in die Schweiz fuhr er, an Mengelbergs Zufluchtsort. Adriaan van Woudenberg, ein ehemaliger Hornist des Concertgebouw-Orchesters – der Maestro selbst hatte ihn noch engagiert – führte Schmidt durch die Chasa Mengelberg. Sechs Jahrzehnte nach dem Tod seines Bewohners wirkte das Haus, als sei dieser gerade nur kurz auf einen Spaziergang draußen. „Schreiben Sie doch ein Buch über ihn, den die Welt verleugnet“, ermunterte van Woudenberg den Besucher. „Ich habe keine Ahnung von Musik,“ wandte Schmidt ein. „Aber das Thema interessiert Sie doch“, entgegnete der Hornist verwundert, „und die langweiligsten Bücher über Musiker schreiben sowieso Musiker.“ Trotzdem dauerte es noch Jahre, bis Schmidt eine Form gefunden hatte, sich dem schwierigen Thema zu nähern. Herausgekommen ist ein Roman in Form eines fiktiven Interviews, das lediglich drei Aspekte aus dem Leben des Dirigenten beleuchtet: Mengelbergs einzigartige Musikinterpretation, seine Freundschaft mit Mahler und sein Verhalten in der Nazizeit. Dabei geht es Schmidt nicht um das „Was“, sondern um das „Wie“ und „Warum“. Am Ende bleibt nur Staunen darüber, wie die Welt einen vergessen konnte, der noch vor 70 Jahren zu ihren größten Dirigenten zählte –und einen, der die Referenz dafür ist, wie Mahlers Musik eigentlich klingen sollte.

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