Mehr als 7.000.000 Deutsche leben von Hartz IV. Darüber, wie schwer es ist, mit dem Regelsatz ein halbwegs normales Leben zu führen, wurden besonders in den Privatmedien in den letzten Jahren mehr als genug berichtet. Vor gut zehn Jahren gab es in unserem Land noch die Trennung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Der Sozialhilfe-Satz, das sogenannte Existenzminimum, war anno 1998 genau 539 DM hoch. WDR-Journalist Michael Schomers will in einem Experiment aufzeigen, wie man davon leben kann. Dazu schert er für einen Monat aus seinem luxiuriösen Leben aus, erfindet eine künstliche Identität und steigt in den Duisburger Untergrund ab. Davon handelt dieses Buch. Vom Überleben statt Leben, von stets spürbarer Knappheit, von Armenküchen, kreativer Selbsthilfe und nicht zuletzt unfassbaren Bürokratiekriegen mit dem Sozialamt. Dies alles ist erschütternd zu lesen, wenngleich zwischen den Zeilen auch immer wieder etwas Hoffnung mitschwingt sowie die unglaubliche Stärke mancher Sozialhilfempfänger, aus ihrem Schicksal das Beste zu machen und ihm irgendwie zu entfliehen. Eine harte Reportage aus der Mitte unserer Gesellschaft, für mich allerdings mit einem Problem: Da ich zwischen 2004 und 2005 selbst anderthalb Jahre von Hartz IV gelebt habe und somit in ähnlichen Verhältnissen, weiß ich, dass man auch in dieser Situation den endgültigen sozialen Abstieg vermeiden kann, ohne auf Armenküchen zurück zu greifen oder über das Geld vom Amt hinaus gehende Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eigentlich wären es 5 Sterne, aber aufgrund meiner eigenen Geschichte zieh ich einen aus Gründen der Glaubwürdigkeit wieder ab. Dennoch: Auch gut 11 Jahre nach dem Erscheinen ist dieses Buch nach wie vor hochaktuell!
Rezension zu "Alltag Armut" von Michael Schomers



