OH MEIN GOTT!!!! SO EIN GUTES BUCH!!!!
Tatsächlich beginnt das Buch mit einem Warnhinweis, der darauf aufmerksam macht, dass der Inhalt Spuren von Gewalt, sexuellen Inhalten, Schimpfwörtern und politischen Unkorrektheiten enthalten könne. Man weiß also gleich, woran man ist. Und dieser Warnhinweis hält auch sein Versprechen!!
Beide Autoren wissen genau was sie tun und schreiben, weil sie absolute Spezialisten auf diesem Gebiet sind. Und zwei, die entschieden haben, dass es Zeit ist, diesen Stoff anders aufzuarbeiten. Und es ist ihnen einfach so sehr gelungen. Das sage ich aber auch als Mensch, der Sach- und Geschichtsbücher mehr als liebt!
Also mal was zum Inhalt: Das Buch spannt einen Bogen über 1200 Jahre. Also von der Eroberung Trojas bis zum Fall Roms und interessiert sich dabei vor allem für das, was in klassischen Geschichtsbüchern gerne im Schatten der großen Ideen verschwindet: die Brutalität der Akteure, die Scheinheiligkeit demokratischer Institutionen, die Lücke zwischen Wunschdenken und Realität. Perikles war kein Humanist, sondern ein Machtpolitiker. Caesars Gallierkrieg war kein zivilisatorisches Projekt, sondern ein Massaker. Die Demokratie Athens schloss Frauen, Sklaven und Fremde systematisch aus und verteidigte diesen Ausschluss notfalls mit Gewalt. Das alles ist nicht neu, aber es macht einen Unterschied, wie man es erzählt. Und Sommer und von der Lahr erzählen es schnoddrig, direkt und mit echtem Vergnügen an der Demaskierung. Und das spürt man beim Lesen und gerät ein einen ganz wunderbaren Sog!
Trotz des schon recht provokanten Auftritts, ist das Buch in kleinster Weise nur ein reines Spektakel. Hinter dem flapsigen Tonfall stecken differenzierte historische Urteile über die attische Demokratie, über die römische Republik, über die Strukturen, die das alles möglich machten. Und wenn man das mal aus dieser Perspektive betrachtet, bekommt man doch ein ganz anderes Bild.
Ich glaube, dass sich an dem Buch die Geister scheiden werden: Einige werden es grandios finden, andere zu einseitig, zu flapsig oder zu provokant. Ich finde es genau richtig und ich finde es gut, wenn man sich auf diese Sicht- und Erzählweise mal einlässt. Ich werde es sicherlich nochmal lesen!
Empfehlen würde ich dieses Buch allen, die Geschichte mögen, aber die Feierlichkeit klassischer Geschichtsdarstellung auch mal über Bord werfen können. Es ist auch ein lohnender Einstieg für Menschen, die nie gedacht hätten, dass sie ein Buch über die Antike freiwillig aufschlagen würden, und für alle, die schon etwas über Griechen und Römer wissen und eine frische, direkte Perspektive auf bekanntes Material suchen.
Wer dagegen Tiefgang und wissenschaftliche Sorgfalt als Priorität hat oder dem flapsigen, provokanten Ton gegenüber allergisch ist, wenn Geschichte mit einem Augenzwinkern erzählt wird, ist bei diesem Buch definitiv nicht gut aufgehoben.
























