Michael Stauffer Haus gebaut, Kind gezeugt, Baum gepflanzt

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Inhaltsangabe zu „Haus gebaut, Kind gezeugt, Baum gepflanzt“ von Michael Stauffer

Bruno Steiger schreibt zu Stauffers zweitem Buch: 'Das Bild einer Unfrohen der ganz schrillen Art zeichnet Stauffer in seinem neuen Buch. Schon in ihrer Kindheit hat sie ihr Leid und ihre Schmerzen in ein Tagebuch eingetragen, in der Hoffnung, die Mutter lese darin, 'glücklich weinend' über die Erkenntnis, dass die Tochter das dem Leben Wesentliche gelernt und begriffen hat. Ein ausgepägtes Interesse an allem Physisch-Organischen ist ihr geblieben, es richtet sich vorab auf Verwundung und Verfall. Fotos von ihrer Bauchnarbe zu machen ist ihr freilich nicht möglich, ihre Arme sind zu kurz, um die Kamera in der für ein gutes Bild notwendigen Distanz zu halten. So organisch amputiert wie die Arme von Stauffers Protagonistin mutet auch ihre Sprache an. Sie ist geprägt von einer Beschränkung aufs monströs Banale, aus und zu Ende gespielt in geradezu brachialer Kunstlosigkeit. In ihrem häufig nur blindwütig zu nennenden Zugriff auf die Setzkästen von Psycho-, Physio- und Selbsterfahrungsjargon gelangt Stauffers Prosa so zu einer Authentizität, für die Vergleiche zu finden nicht leicht fällt. Man meint im Hintergrund eine schlecht gelaunte Gertrude Stein wettern zu hören, auch Laederachs kalte Melancholie schimmert zuweilen durch. Bei Stauffer kommt eine Reduktion auf die performative Gebärde hinzu, in der Form und Botschaft, befremdlicherweise gerade im Rahmen der grossen Themen Liebe und Liebesverlust, zu ziemlich ramponiertem, wenn nicht böswillig zerschlagenem Spielmaterial werden. Stauffers Dekonstruktion unseres Gefühlsregisters beeindruckt durch die Konsequenz, mit der seine Protagonistin all die Tröstungen des Wahren, Guten, Schönen früh abschmettert. Sie beharrt auf ihrer Enttäuschung; noch ihr tief inneres Weinen erscheint als eine Form von Gemeinheit und Selbsthass. Dass der Autor sich nie, in keiner Zeile in Witz oder Ironie flüchtet, darf als Qualität dieses ziemlich beunruhigenden Buches gelten.'
Grund genug, es ein zweites Mal zu veröffentlichen.

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