Gotland: Roman

von Michael Stavarič 
3,5 Sterne bei8 Bewertungen
Gotland: Roman
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Positiv (5):
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Ein Drama, dass zum lachen einlädt, eine Satire, die trauriger kaum sein könnte (...)

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Große Enttäuschung!

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Inhaltsangabe zu "Gotland: Roman"

Eine streng katholische Mutter – Zahnärztin mit eigener Praxis neben einer Stiftskirche in Wien und einem fanatischen Glauben, der die Bibel gefährlich wörtlich nimmt. Was macht das mit dem Sohn? Mit einem jungen Mann, der sich nach einem Vater sehnt und allerlei Begierden entwickelt, je älter er wird? Er wird zu einem Suchenden, vor allem nach dem Tod der Mutter. Zu einem Fahrenden in Sachen Gott, den er in Gotland zu finden hofft, jenem fernen Sehnsuchtsort der Mutter, die immer behauptete, dort hätte sie seinen Vater kennengelernt. Ein unheimlicher, heiliger, jedoch auch wahnsinniger Ort… Es gibt ihn, diesen Gott, der im Wasser schwimmt, der auf dem Wasser treibt und niemals untergeht, der allen, die am Ufer verharren, nachsieht und zuwinkt, es muss ihn einfach geben. Er scheint nah und zugleich fern, ein Schatten am Plafond, wie dunkel doch heut der Himmel ist, viel dunkler noch als die gekräuselte See, stumm die Fische darin und schwer sind ihre Bäuche.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783641208943
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:352 Seiten
Verlag:Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungsdatum:20.03.2017

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    DaRoSos avatar
    DaRoSovor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Drama, dass zum lachen einlädt, eine Satire, die trauriger kaum sein könnte (...)
    Hätte er doch nur mein Herz hervorgeholt (…)

    “Gotland” erzählt die Geschichte von “ihm”.
    Berichtet das Wachsen und Fühlen, Zweifeln und Wissen, Lernen und Streben – die Geburt, wie die individuelle Inkarnation, das Sterben, wie die andauernde Reinkarnation.

    Eine Welt durch die Augen eines Kindes (ganz gleich, welches Alter der Protagonist tatsächlich besitzt): dem Verständnis weicht die Interpretation.

     

    Weniger als Vorwort, denn als Begrüßung, als Novelle für das nun (zu) Erlebende, beginnt die Reise.

    In seiner beinahe schon typischen unbeschwerten Strenge des Wortes lässt Stavarič nun Gotland wachsen – lässt “sich” (Ich-Perspektive) entwickeln.
    Wie nur wenige außer ihm, schafft er es, dass man nicht erlebt – vielmehr partizipiert man die Momenthaftigkeit; man begleitet nicht, man wird geführt.
    Weniger Entwicklung, denn Entschluss; weniger Reise, denn Ankunft: ein Bekenntnis.

     

    Das Ende wechselt nun; reißt schon beinahe harsch aus dem Traum in eine Sachlichkeit – mit allen Kanten, Ecken und (nötiger) Sterilität.
    Ein Psychogramm als Summe der Unvermeidlichkeit.

    Ein Zwinkern, welches nicht zuletzt dieser einen Träne einer sardonischen Allegorie geschuldet, öffnet zum Ende noch einmal Genesis – Beginn als Ende der (Un)Vermeidlichkeit.

     

    Und hier kommt nun nicht die Kunst – vielmehr das Können, diese unbeschwerte (Ent)Gültigkeit, die Michael Stavarič für mich nicht zu einem “jungen Wilden”, sondern einem “jungen Alten” werden lässt: das Wissen, um die Abkömmlichkeit der Stilistik – und hier, und eben so(!) lebt Literatur!

    Denn wate ich inmitten der Simplifizierung, breche die Kunst zu einer deutbaren Begrifflichkeit (oder Möglichkeit), würde ich bei “Gotland” von einem Entwicklungsroman (gleichwohl soviel mehr) sprechen, was unweigerlich “Leben” impliziert und dadurch, mehr als nur facettenreich, derart mannigfaltig, grenzenlos ist, dass es nur Plural – Perspektiven, Stile – sein kann!

     

    Stavarič fesselt nicht, er nimmt ein – weniger unbeschwert, als tatsächlich schwerelos wirkt er in einer Gnadenlosigkeit auf den Leser, welcher man nur mit einem schon beinahe devoten Masochismus zu begegnen weiß.

    Es ist so unbedingt, wie er sich seiner eigenen Erzählung enteignet – dem Wissen geschuldet, dass nur der Gedanke, der frei sein darf, der eigene – der meine – sein kann…

     

    Statt einer unbedarften Mixtur, findet man ein geflissentliches Geflecht aus Epik und Dramatik, welches weniger Anspruch hat, als diesen bietet – als diesen offenbart und sich so eben nicht selbst definiert, denn vielmehr unbeschreiblich macht.

    Die Vielfalt, welche “Gotland” birgt, schenkt und bietet, blüht aus einem Surrealismus, welchen Stavarič nicht als Metapher vergessen, sondern als Faktum aufglimmen lässt, der Realität den Anspruch auf Wahrheit zu geben.

    Ein Drama, dass zum lachen einlädt, eine Satire, die trauriger kaum sein könnte, ein farbenprächtiges schwarz-weiß Gemälde, ein stummes Lied, ein Beziehungsroman der Einsamkeit, des Schlafes Bruder in welchem Adonai erwacht…

    …nicht zu suchen – nur zu finden, nur zu wissen, nur zu glauben.

     

    Wenn Kunst von Können kommt, so kommt Können von Stavarič!


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    buchbaron69s avatar
    buchbaron69vor 8 Monaten
    "Die ewige Suche nach Gott ……

    Klappentext
    Eine streng katholische Mutter – Zahnärztin mit eigener Praxis neben einer Stiftskirche in Wien und einem fanatischen Glauben, der die Bibel gefährlich wörtlich nimmt. Was macht das mit dem Sohn? Mit einem jungen Mann, der sich nach einem Vater sehnt und allerlei Begierden entwickelt, je älter er wird? Er wird zu einem Suchenden, vor allem nach dem Tod der Mutter. Zu einem Fahrenden in Sachen Gott, den er in Gotland zu finden hofft, jenem fernen Sehnsuchtsort der Mutter, die immer behauptete, dort hätte sie seinen Vater kennengelernt. Ein unheimlicher, heiliger, jedoch auch wahnsinniger Ort…

    Es gibt ihn, diesen Gott, der im Wasser schwimmt, der auf dem Wasser treibt und niemals untergeht, der allen, die am Ufer verharren, nachsieht und zuwinkt, es muss ihn einfach geben. Er scheint nah und zugleich fern, ein Schatten am Plafond, wie dunkel doch heut der Himmel ist, viel dunkler noch als die gekräuselte See, stumm die Fische darin und schwer sind ihre Bäuche.

    Der Autor
    Michael Stavarič wurde 1972 in Brno (Tschechoslowakei). Er lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer und Dozent in Wien. Studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik/Kommunikationswissenschaften. Über 10 Jahre lang tätig an der Sportuniversität Wien – als Lehrbeauftragter fürs Inline-Skating. Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt: Adelbert-Chamisso-Preis, Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur. Lehraufträge zuletzt: Stefan Zweig Poetikdozentur an der Universität Salzburg, Literaturseminar an der Universität Bamberg.

    Meine Meinung

    Story
    Charles Hansson, der Sohn einer Mutter mit fanatischem Glauben, macht sich nach deren Tod auf die Suche nach Gott. Die Reise geht nach Gotland jenem Flecken Erde wo Gott leben soll. Die Suche wird für Charles auch zu einer Befreiung von seiner erdrückenden Mutter. Die Story konnte mich leider absolut nicht in ihren Bann ziehen. Eine sehr langatmige Handlung, die sich sehr hinzieht und eigentlich aus aneinander gereihten Banalitäten besteht. Dazu mehr im Fazit.

    Schreibstil
    Das Buch wird aus der Sichte des Protagonisten erzählt. Es ist einfach geschrieben. Man spürt die Kälte, die der fanatische Glaube oft mit sich bringt.

    Charaktere
    Zum größten Teil handelt das Buch von Charles, dem Protagonisten. Leider war durch das kühle Ambiente nicht möglich, einen Bezug zu ihm aufzubauen. Auch die Nebencharaktere blieben mir eher suspekt und fremd.

    Mein Fazit

    Das Thema des Buches, wie Kinder, denen ungefragt die Last des Glaubens auferlegt wird, sich davon befreien, hat mich bewogen das Buch zu lesen. Leider hat es an der Umsetzung des Themas dann doch gehapert. Die Geschichte ist mehr als konfus, auch den grotesken Humor mit dem das Buch beworben wird konnte ich nicht ausmachen. Die Geschichte zieht sich hin und ist in meinen Augen eine Aneinanderreihung von Banalitäten.

    Ich kann hier nur zwei von fünf Leseratten/ Sterne geben und falls ihr Interesse habt, bildet euch selber eine Meinung, denn Lesegeschmäcker sind zum Glück verschieden.

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Solider und interessanter Roman!
    Solider und interessanter Roman!

    Meine Meinung

    Wer ist eigentlich dieser Gott, über den alle sprechen? Wer kennt die Informationen über den Allwissenden, in welcher Gestalt taucht der Gott Abrahams auf? Werden die Fragen in Gotland geklärt; in der heiligen Stadt – der Hauptstadt Gotlands? Und was passiert mit einem Jungen, der in einem streng katholischen Haus aufwächst, eine katholische Schule besucht und rund um die Uhr mit Gott und der Bibel konfrontiert wird? Wir werden es erfahren, in Michael Stavarič’s »Gotland!«

       Der Roman erzählt hauptsächlich von einem Jungen, dessen Name uns nicht bekannt ist, der mit seiner Mutter streng katholisch in einem Haus in Gotland lebt. Besagter Junge geht regelmäßig in die Schule, in den Gottesdienst, und verpasst eigentlich alles Wichtige, was für’s spätere Leben ausschlaggebend wäre, durch seine sich strikt an die Bibel haltende Lebensweise. Michael Stavarič nimmt uns auf die Reise zu einem Jungen, dessen Leben äußerst fromm und eintönig verläuft, dessen Mutter ihn leitet, und die Bibel ein wichtiges Symbol ist. Der Autor führt uns mit seinem verwobenen und literarisch hoch gesetzten Schreibstil auf eine Reise, bei der wir den Jungen begleiten. Seine Wahrnehmungen, abhängig von Gottes Vorstellungen, sind äußerst interessant! Ein Bursche, dessen Leben strikt nach Gottes Vorstellungen läuft – dabei außen vor Sexualität, Intimbereiche und Schambehaarung, und der Junge stellt sich Fragen, ist neugierig, wird immer mehr wissensdurstiger, fragt Mutter, Lehrer, Freunde – alles, was ihm verwehrt blieb. Wir begleiten den Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden und freuen uns mit ihm, wenn er Wahrnehmungen außerhalb Gottes Vorstellungen entdeckt. Besonders traurig, als seine Mutter stirbt, und er den wahren Sinn des Lebens, bzw. seines Lebens sucht. Trotz alledem wird er zu einem »Suchenden, zu einem Fahrenden« im Auftrag Gottes, dem Allmächtigen.

       Michael Stavarič hat mit seinem – wie bereits erwähnt – äußerst befriedigenden Schreibstil eine Geschichte eines jungen Mannes erzählt, welche mir sehr gefallen hat. Der Roman war in seinem Gesamtpaket ein interessantes Werk, welches die Parallelen zwischen Leben mit und ohne Gott aufzeigt, was daraus wird, wenn man seit Kinderschuhen Gott folgt und nach der Bibel lebt. Herr Stavarič nimmt kein Blatt vor den Mund, erzählt, als würde der Junge ein Tagebuch führen, als wäre dem Jungen überhaupt nicht bewusst, was er alles treibt und von was er redet. Amüsant sind auch die Entwicklungen der immer wieder kehrenden Nebencharaktere, und insbesondere die Entwicklung des Jungen. Leben nach der Bibel mag fromm und katholisch sein, dennoch aber keinesfalls erfüllt. Dies hat mir Herr Stavarič durch sein Buch gezeigt, und ich bewundere ihn dafür.

    Fazit

     

    Ein interessantes, solides Werk über Gott, einem Jungen und die Bibel, über die Suche nach dem Selbst und dem erfüllten Leben. Witzig, stark und authentisch. Gerne mehr!

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    BettinaR87s avatar
    BettinaR87vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Große Enttäuschung!
    Der Rest für die Gottlosen!

    Literatur, insbesondere hochwertige Literatur, hat den Ruf, kompliziert und schwer verständlich sein zu müssen. In genau diese Trompete bläst auch Michael Stavaric mit "Gotland". Inhaltlich scheint das Buch schwer zu fassen, sodass ich mich nur um eine verklüftete Angabe bemühen kann: Ein zunächst namenloser Junge wächst mit einer alleinerziehenden Mutter in den 90er/2000er Jahren heran. Sie ist streng religiös, aber wirkt nicht unsympathisch. Es ist also niemals die Rede von irgendwelchen Zwängen oder gar Kasteiungen. Das Verhältnis zu seiner Mutter ist ein gutes, wobei der fehlende Vater immer stärker in den Vordergrund tritt: Man merkt es daran, wie der ich-Erzähler sich an den Turnlehrer ranhängt, an den Direktor oder eben immer wieder über Gott sinniert. Wie jeder normale Teenager kommt die Zeit, in der er stark auf sexuelles Verhalten achtet. An dieser Stelle wirkt es extrem seltsam, dass er sich wie ein Junge beschreibt, der in den 50er Jahren aufgewachsen ist: Mutmaßungen, keiner wusste so recht, was wahr ist, kein Aufklärungsunterricht in der Schule ... In seinem Zeitalter hätte er aber schlicht googlen können? Mit der Realität hat das Buch aber sowieso wenig am Hut, denn  ab Mitte bis zum Ende stellt man fest (kein Spoiler!): Man liest das Tagebuch eines Psychopathen. Wie genau sich das äußerst und was mit der Hauptperson passiert, das verrate ich natürlich nicht. Aber klar ist: Hier weicht der Inhalt mal wieder sehr stark von Klappen- und Umschlagtext ab.

    Laut dem Zitat der Zeit soll der Autor seinen Leser angeblich in eine "zauberhafte, verwunschene Welt" entführen. Entschuldigt den "Ton", und vielleicht bin ich einfach nicht klug genug, aber für mich liest sich das Buch wie ein dauerhafter Drogentrip jenseits von Gut und Böse. Stellenweise liest sich die Geschichte ganz smooth, dann wieder ist sie so zerhackt und ergibt für mich einfach keinen Sinn - so macht Lesen wahrlich keinen Spaß. Denn bei dem Grad der Abstraktion nehme ich die Herausforderung, den Autor verstehen zu wollen, ganz bewusst nicht an.

    Der Diskussion um die Existenz Gottes kann ich nichts abgewinnen. Denn diese Frage lässt sich aus menschlicher Sicht nicht beantworten - wir können es schlichtweg nicht wissen. Manche glauben es halt und daraus werden Religionen gemacht. Ende aus.

    Ein Zusammenhang dieser Geschichte mit den ersten 28 Seiten, dem sogenannten "Vorwort", hat sich mir nach wie vor nicht erschlossen. Klar geht es darin um Gotland, aber auch in einer sehr abstrakten Art, die einfach wilden Gedankengängen und -sprüngen gleichen.

    Das nächste Mal, wenn ich wieder was Gehobenes lesen möchte, das ich auch verstehen KANN und daher auch WILL, nehme ich lieber James Joyce' Ulysses in die Hand.

    Sorry, aber "Gotland" ist eine absolute Zeitverschwendung.

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    MelEs avatar
    MelEvor 2 Jahren
    Zwischen Wahn und Wahnsinn?

    "Gotland" ist ein Roman, der mich vor eine sehr große Herausforderung gestellt hat, da ich als gläubiger Mensch Gott nie in Frage gestellt habe und nun mit einem Buch konfrontiert werden, indem genau dieses geschieht. Der Fokus liegt tatsächlich darin, sich Vorbilder zu suchen als Vaterersatz sozusagen und Gott als Vater entweder auszuklammern oder einzuladen in den Wahnsinn des Lebens. In einer Ich - Erzählung kommt uns der Protagonist sehr nah und ich habe schwer Zugang zu ihm finden können. Entweder war es sehr sexualisiert oder schwer verdaulich. Immer wieder wird Gott in den Vordergrund gerückt. Die biblischen Geschichten von Kain & Abel, Noah oder Abraham werden regelrecht zerpflückt und in Frage gestellt. Ich konnte es nicht gleich begreifen, obwohl der Anfang des Buches von einer Manie berichtet, die sich letztendlich auch im Roman finden lässt. Die Insel Gotland kommt immer dann zum Vorschein, wenn Gedanken ins Stocken geraten oder der Autor vielleicht auch einfach nur ablenken will?

    Auch nach Beenden des Buches stelle ich mir die Frage, wohin der Autor mich führen wollte. Natürlich ist gerade das Ende sinnig und schenkt Begreifen über die Eigentümlichkeit der Story, da sie aber sehr schwankt und oft verwirrt, ist das Lesen mitunter mühsam. Mehr als einmal kam mir der Gedanke, dass ich die Story wirklich schizophren empfand, da der Autor oftmals große Sprünge machte, denen zu folgen wirklich eigentümlich ist. Das Gefühl als Leserin dabei, lässt sich kaum erklären. Um sich eine Meinung bilden zu können, ist meine Empfehlung, das Buch selbst zu lesen ☺ Von mir eine Leseempfehlung an einen Roman, der nicht gänzlich schlecht ist, sondern einfach nur anders, wobei dies ja nicht schlecht sein muss.
    Die Grundidee zum Roman ist wirklich gelungen und auch wenn mich der Bezug auf Gott manchmal störte, ist es für das Ende ausschlaggebend, denn es beweist eine gewisse Abhängigkeit mit der jeder Mensch irgendwie und irgendwo zu kämpfen hat. Es entscheidet letztendlich, wie ich damit umgehe und wie weit ich mich darauf einlasse. Auch, auf welche Suche ich mich begebe ist ausschlaggebend dafür, wie ich letztendlich reagiere und vielleicht auch falsches Handeln entschuldigen kann oder eben auch nicht. "Gotland" hat viele interessante Ansätze und Facetten auf die man sich tatsächlich einlassen muss, um zu verstehen, was Prolog und Epilog letztendlich gemeinsam haben.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 2 Jahren
    Michael Stavaric - Gotland

    Ein Autor zieht sich zurück auf eine Insel, Gotland in der Ostsee, und verfällt zugleich dem Schreibwahn. Doch nicht nur er erliegt der geheimnisvollen Magie, die von dem Ort auszugehen scheint, auch seine Lektorin und die Verlegerin werden von den bösen Mächten heimgesucht. Nur ein Feueropfer kann den Autor retten und Gottes Gnade wieder walten lassen. Die Schöpfung, Noahs Flut, Abrahams Opfer, Kain und Abel – es sind die alttestamentarischen Schriften mit denen ein Junge, Sohn einer strenggläubigen alleinerziehenden Zahnärztin, aufwächst. Er versucht aus den alten Schriften Sinn in seinen Alltag bringen, in der katholischen Schule, beim Erwachsenwerden und der Entdeckung des weiblichen Geschlechts. Doch bleibt immer die Frage, wann und wie sich Gott ihm zeigen wird. Er experimentiert, angelehnt an Abraham – doch nichts geschieht. Vermutlich bedarf es größerer Opfer, um ein Zeichen des Himmels zu bekommen. Vielleicht ist der Allmächtige aber schon längst da, unmittelbar bei ihm, womöglich wirkt er schon durch ihn?

    Michael Stavaričs Roman ist nicht leicht zu fassen. Die einzelnen Teile greifen nur schwer ineinander und lassen ein fragmentarisches Bild zurück. Das mit „Vorwort“ überschriebene erste Kapitel über den wahnsinnigen Autor steht gänzlich für sich. Ob der Ich-Erzähler in einem Zusammenhang mit den späteren Ich-Erzählern, womöglich ist es insgesamt auch nur einer, steht, bleibt unklar. Offenkundig wird nur die mystische Kraft, die von der Insel ausgeht und was diese in den Menschen anrichten kann. Der Name des Eilands suggeriert es bereits – dort ist man Gott am nächsten und kann ihn direkt erleben, seine Kraft und Macht hat die ungewöhnliche und raue Natur erst entstehen lassen. Die Wahrhaftigkeit Gottes, die sich auf diesen Seiten zeigt, leitet auch den weiteren Verlauf der Handlung.

    Der Abschnitt der „Genesis“, der die Geschichten des Alten Testamentes aufgreift und anhand dieser die Kinderjahre des Jungen erzählt, ist für mich der stärkste Teil. Die Parallelen sind frappierend, zugleich kommen durch und durch menschliche Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten hervor, die die beiden Protagonisten authentisch und glaubwürdig wirken lassen. Das Aufwachsen ohne Vater macht es dem Jungen nicht einfach. Naheliegende Vaterfiguren, der Direktor, der Turnlehrer, scheiden nach und nach aus. Womöglich ist dies einer der auslösenden Punkte für die in den letzten Teilen geschilderten Ereignisse. Die erfolglose Suche nach Gott und dem Vater endet in der Katastrophe, denn wer glaubt IHM ganz nah gekommen zu sein, wird sich unweigerlich von den Menschen entfernen und in einer ganz eigenen Welt leben.

    „Gotland“ liest sich nicht mal eben nebenbei. Das Buch ist sperrig, man holpert und wundert sich – und dann fließt die Handlung wieder gemächlich dahin. So wie die See mal friedlich ist und das entspannte Paddeln ermöglicht, ist sie im nächsten Moment aufbrausend und gefährlich. Michael Stavarič bedient sich der Natursymbolik, immer dann, wenn die Gedankenwelt ins Stocken gerät, nicht mehr weiterkommt und wir vor unauflöslichen Rätseln stehen. Dann erfolgt die Rückbesinnung auf die Urkräfte, die einfach walten, weshalb auch immer. Sie liefern keine Antwort auf die Frage, ob es einen Gott gibt, weder Pflanzen noch Tiere erlangen durch dieses theoretische Konstrukt einen größeren Sinn in ihrem Dasein, vielleicht ist aber auch das pure Sein schon Antwort genug.

    Ich kann nicht endgültig sagen, was mir dieser Roman an Message vermittelt, zu wenig lässt er sich für mich fassen und zu sehr stellt das Ende alles in Frage. Aber vielleicht ist es genau das, was der Autor hervorheben wollte.

    Kommentare: 2
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    Mickemukkas avatar
    Mickemukkavor einem Jahr
    joulehes avatar
    joulehevor einem Jahr

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