Michael Steinbrecher

 4.8 Sterne bei 4 Bewertungen

Alle Bücher von Michael Steinbrecher

Wenn Maschinen Meinung machen

Wenn Maschinen Meinung machen

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Erschienen am 01.03.2018
Meinung Macht Manipulation

Meinung Macht Manipulation

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Erschienen am 01.03.2017
Update

Update

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Erschienen am 01.04.2015
Familienbande

Familienbande

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Erschienen am 25.10.2017
Wendepunkte

Wendepunkte

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Erschienen am 04.05.2017

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Rezension zu "Wenn Maschinen Meinung machen" von Michael Steinbrecher

Teils teils, soll heißen, manche Essays sehr gut und absolut lesenswert
wschvor einem Monat

Einige andere dafür nur zum Überfliegen, wenige auch zum Überblättern geeignet.

Dass die Internet-Giganten (Google, Facebook, Instagram und wie sie sonst noch heißen) alle Daten sammeln, an die sie egal wie ran kommen können. ist zur Genüge bekannt. 
Dass sie diese Daten, die unendlich vielen 'Postings', 'Likes' und 'Dislikes', die 'Shares' (wer hat wem was wann weitergeleitet) über Algorithmen jagen beziehungsweise untereinander verknüpfen und auswerten lassen, um daraus ein möglichst passendes 'Anfälligkeitsprofil' für Werbung zu erstellen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. 
Und das wir von Jung bis Alt (mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit bei Jung) alle möglichen Daten von uns ins Internet jubeln, ist ebenso bekannt.

Die Konsequenz daraus: wir werden zielgerichtet mit den Werbeangeboten und vor allem auch mit den politischen Statements bombardiert, die möglichst perfekt in unser so erstelltes persönliches Profil passen. Damit verdienen die Netz-Giganten ja ihre Milliarden. Daten und die daraus gewonnen Informationen sind nun mal das Gold, Öl und die Diamanten-Minen des digitalen Zeitalters.

Aber das wir damit in einer von uns selbst und den Algorithmen elektronisch geschaffenen Wissensblase landen, nur das zu lesen, nur das vorgesetzt bekommen, was uns bestärkt, was in unser Profil passt, das wird zu selten bedacht. Wobei erschwerend dazu kommt, dass sehr viele dieser 'Likes', 'Dislikes', 'Shares', 'Postings' und 'Freundschaftsanfragen' nicht von Menschen, sondern von elektronischen Robotern verschickt werden. Die eben nichts machen als unsere Daten, unser persönliches elektronisches Profil auszuwerten. Und entsprechend zu reagieren. Natürlich von Programmen, also von weiteren Algorithmen, gesteuert.

Wer viele negative Meinungen über Flüchtlinge und Asylbewerber ins Netz stellt, wird ganz sicher in seiner Haltung bestärkt, indem er Ziel für weitere derartige Meinungsäusserungen wird. Die er dann vermutlich auch an seine FakeBook-Freunde weiter leitet. Obwohl der ursprüngliche Empfänger, also ein Mensch, gar nicht weiss, ob hinter diesem oder jenem FakeBook-'Freund' nicht eine Roboter steckt... 

So kommt die ganze Lawine ins Rollen, so schaukelt sich das Ganze auf.

Ein ganz simples, für jedermann und jederfrau sofort einleuchtendes Beispiel. Mit dessen Hilfe schlagartig klar wird, worum es im Grunde geht: 
"Im sogenannten «SmartHome » kommunizieren die Gegenstände untereinander, um uns möglichst lästige Alltagshandlungen abzunehmen. So kann das «SmartBed» der «Smart Kaffeemaschine» durch eine Vielzahl von Sensoren mitteilen, dass wir bald aufwachen: unsere Herzfrequenz erhöht sich, wir werden unruhiger, die Gehirnaktivität fährt hoch. Wenn wir in der Küche angekommen sind, dann steht unser favorisierter Kaffee schon bereit, denn die «Smart Kaffeemaschine» kennt natürlich unsere Vorlieben. ... Bequemlichkeit bezahlen wir mit unserer Privatsphäre, denn all dies funktioniert nur mit unseren persönlichsten Daten. Wir werden nur noch mit dem konfrontiert, was uns gefällt, alles ist auf uns zugeschnitten - Entscheidungsfreiheit ist nicht vorhanden." 
(Bennet Seiger, S. 68)

Ein zweites Zitat: 
"Wie Technik uns bei unseren Beschäftigungen ablöst, wird deutlicher erkennbar mit jedem «smarten Gerät» und jeder Innovation innerhalb von «Smart Cities». Die Welt wird reibungslos, der Mensch zur einzigen Fehlerquelle - welche Rolle, außer der des ewigen Konsumenten, bleibt uns da noch?" 
(Jonas Zerweck, zitiert nach Günther Anders, S. 43).

Die Essays mit ihren darin enthaltenen Gedankenanstössen, vielleicht doch wieder mal selbst zu denken, selbst zu entscheiden, sich selbst eine Meinung, und dazu auch noch eine eigene (!), zu bilden anstatt denken zu lassen, sind wie gesagt zum grossen Teil lesenswert.

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Wedmas avatar

Rezension zu "Wenn Maschinen Meinung machen" von Michael Steinbrecher

Gute Idee, gute Umsetzung. Für Einsteiger auf dem Gebiet gut geeignet.
Wedmavor 5 Monaten

Das Buch besteht aus 15 ca. 10-15 Seiten langen Beiträgen der jungen Journalisten, Jahrgangsdurchschnitt 1991, die in Dortmund Journalistik in Master- Studiengängen studieren, plus Vorwort der Herausgeber.

Die Sicht der jungen Generation der Journalisten auf die Gegenwart und auch die Zukunft ihres Berufes wurde hier den Lesern präsentiert.

Besonders gelungen fand ich den Beitrag von Dominik Speck, der ganz zum Schluss kommt. „Die Gatekeeper sind weg – eine Welt ohne Journalismus“, der zwei kurze Dystopien darbietet, die zeigen, wie es in der Welt ohne den Qualitätsjournalismus der 4.ten Gewalt ausschauen könnte, die Erläuterungen des Autors kommen im Anschluss. Gekonnt erzählt, ironisch- humorig, zum Nachdenken anregend, nimmt er die heutigen Tendenzen auf und entwickelt sie weiter. So entsteht das Bild der Zukunft, das gar nicht so unrealistisch oder gar abwegig erscheint.

Auch den Beitrag „Warum die Massenmedien am Ende sind – ein persönlicher Abschied“ von Maike Knorre fand ich gut gelungen. Darin skizziert sie nicht nur die Präferenzen ihrer Generation, was Versorgung mit Informationen angeht. Sie erklärt, warum die Massenmedien in der seit Jahrzehnten gewohnten Form ihrer Meinung nach am Ende sind. Mit dem Aufruf „… mehr Mut zur Veränderung!“ beendet sie ihren reichhaltigen und unterhaltsamen Artikel. Infotainment beherrscht sie sehr gut.


Bei manchen anderen Beiträgen konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Titel etwas mehr versprachen, als die Inhalte dann lieferten: Mir erschienen die Texte zwar gut geschrieben, aber in der Argumentation etwas zu politisch korrekt, zu weichgespült, was dem Ganzen das Flair von Mittelmäßigkeit und Oberflächlichkeit verlieh, u.a. z.B. in dem Artikel, in dem es um die Glaubwürdigkeit ging. An manchen Beiträgen fehlten mir arg die Quellen, z.B. bei „Social Bots und Manipulationen“. Ohne blieben die ganzen Behauptungen eher auf dem Hören-Sagen Niveau. Hier wurde mMn den Leitmedien nachgeeifert und die Vorgehensweise wiederholt, die diesen den allseits bekannten Titel „Lügenpresse“ eingespielt haben. Bei „Privatsphäre im Netz“ war mir, dass die Autorin sich darin gefiel, ihre Leser durchwegs zu belehren. Dabei erzählte sie wohl bekannte Dinge, die ich aus anderen Quellen kenne und mich fragen musste, warum auch hier in die Fußstapfen der Leitmedien geraten wurde. Das täte beim Weitem nicht Not.


Fazit: Ein recht interessantes Kompendium, dessen Beiträge stellenweise etwas oberflächlich erscheinen und weniger liefern, als der Titel andeutet.


Wer schon mal „Lügen die Medien?“ von Jens Wernicke (Hrsg.), auch von Westend Verlag, gelesen hat, was inhaltlich um paar Etagen höher angesiedelt ist, der wird hier vermutlich etwas sparsam schauen.


Alles in allem: gute Idee, gute Umsetzung. Für Einsteiger auf dem Gebiet eine recht unterhaltsame und doch informative Lektüre.

 

 

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Sikals avatar

Rezension zu "Wenn Maschinen Meinung machen" von Michael Steinbrecher

Wenn Maschinen Meinung machen
Sikalvor 9 Monaten

„Spätestens an dieser Stelle des Textes sollten Sie sich fragen: Wer hat eigentlich diesen Text geschrieben?“ [aus dem Aufsatz: „Was Roboter heute schon besser können…“ Seite 169]

 

Und spätestens an dieser Textpassage beginnt man über die bisher gelesenen Essays noch einmal nachzudenken – wer hat die 15 Aufsätze in diesem Buch wirklich geschrieben?

 

Wenn von Social Bots, Big Data oder der Lügenpresse gesprochen wird, ist immer mit einem kritischen Geist darüber nachzudenken. Gerade dieses Buch macht uns nochmals darauf aufmerksam – aber kann man den Inhalten vertrauen? Es wird erklärt wie Propaganda mittels automatisierter Text-Software funktioniert, es wird auf das (Nicht)Vertrauen der Menschen in die Medien eingegangen und man bekommt einen Einblick wie Redaktionen arbeiten und reagieren (müssen).

 

Eine nicht immer ganz einfache Arbeit – wenig Zeit um Artikel wirklich genau zu hinterfragen, wenig Zeit um aus einer Schlagzeile einen Text zu erstellen und kaum publiziert, gibt es bereits andere/neue/keine Meinungen mehr zu einem Thema.

 

Aber die Themen werden nicht mehr von den Medien in einen Rang erhoben, der ein Thema „lesenswert“ macht – Maschinen entscheiden, welches Thema in den Sozialen Medien vorherrscht. Und wer die effizienteste (Meinungs-)Maschine sein Eigen nennt, bekommt in den Sozialen Medien die größte Aufmerksamkeit. Kritische Berichte, sachliche Texte oder ungeliebte Meinungen werden mittels Social Bots einfach hinweggeschwemmt – sind höchstens noch am Rand (oder besser in den Kommentaren unter „ferner liefen“) zu finden. Die Lügenpresse wird hier geboren in einem Sumpf aus Propaganda und automatisch generierten Texten, die diese unterstützen.

 

Wie aber soll der Journalismus mit solch einer automatisierten Meinungsmache umgehen?

 

„Wie berichten wir darüber“ (Seite 139ff) lässt einen wertvollen Blick auf die Vorgehensweisen so mancher Politiker/Meinungsmacher zu.

 

Gerade in Österreich ist derzeit eine Debatte im Gange die in dieser Hinsicht seines Gleichen sucht – die Meinungsbildung zum „Don’t Smoke“ Volksbegehren. „Lasst uns wieder leiser werden“ von David Freches zeigt hier auf, wie mit Meinungen und Kommentaren in den öffentlichen Medien gespielt wird – leider nicht immer zum Vorteil von Demokratie und ernsthaftem Journalismus…


Spätestens an dieser Stelle der Rezension sollten Sie sich fragen: Wer hat eigentlich DIESEN Text geschrieben?


Auf jeden Fall sollte jeder, der sich mit Demokratie auseinandersetzt und sich seine eigene Meinung bilden möchte diese Aufsätze gelesen haben. Kritische Meinungen werden in Zeiten von lernenden Maschinen wichtiger denn je…

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